Fehlerhafte Konsole?

Überhaupt wirkt der Spieleonkel mit dem “akuten Worthusten” bei Fallout 76 ziemlich blass und bemüht, irgendwie Schadensbegrenzung zu betreiben und das Spiel, das im Hintergrund vor sich hin ruckelt und von dem man ansonsten kaum etwas mitbekommt, nicht allzu mies erscheinen zu lassen. Der fette Absturz hat dann natürlich auch nichts mit Fallout 76 zu tun. Da ist, so Gronkh, doch einfach mal “die Xbox abgeschmiert”.

Alles in allem war das ein eher skurriler Auftritt dreier ziemlich ungleicher Protagonisten, die mit wenig Begeisterung bei der Sache waren. Smudo hatte keinen Spaß am Spiel, Gronkh hielt sich gezwungenermaßen mit Kritik zurück und Eva von Bethesda hatte ihre liebe Mühe, dass sich die Kids nicht ständig gedanklich von Fallout distanzierten. Außerdem verfolgte sie ohnehin eine ganz eigene Agenda.

Das alles offenbarte sich dem aufmerksamen Zuschauer in besonderer Deutlichkeit, als sich das Trio dann von der Twitch-Bühne verabschiedete. Gronkh streamte noch ein Weilchen weiter und mit ihm verschwand quasi das kurzzeitig gigantische Publikum aus Fallout 76. Der Funke, er hatte nicht so recht überspringen wollen, sofern es überhaupt einen gab. Woran hat das gelegen?

Woran hat es gelegen?

An der Technik einerseits. Fallout 76 hinkt jüngeren Entwicklungen grafisch derart hinterher, dass man sich fragen muss, warum Bethesda an der ollen Creation Engine, die schon zu Skyrims Zeiten nicht mehr ganz frisch schien, festhält. Klar, man kennt sich damit aus, kann Sachen basteln, die in anderen Engines nicht so einfach umzusetzen sind.

Insgesamt jedoch überwiegen die Nachteile. Denn nicht nur geht die liebevolle Landschaftsarchitektur in der groben, erdfarbenen Optik komplett am Auge des Betrachters vorbei - die ständigen Mikroruckler, die miesen Animationen, der antiquierte Kampf und das hakelige Gameplay verhindern, dass man allzu tief in der theoretisch strahlenden Welt versinkt.

Selbst Smudo stellt verstört fest, dass hinter einer verschlossenen Tür ein Ladebildschirm wartet, dass er aus einem anderen Spiel auf jeden Fall dynamischere Türen kannte. Dazu kommt das unsägliche Interface, mit dem Bethesda die Wünsche und Hoffnungen der PC-Community einmal mehr komplett ignoriert.

Auch wenn die Idee, dass man sich möglichst mit anderen zusammenschließen sollte, grundsätzlich ja nicht verkehrt ist, weil Fallout 76 ja auch nicht Fallout 5 ist sondern ein Ableger, sie scheitert doch daran, dass man ständig aus allen möglichen Geräten zugetextet wird, während man versucht, mit seinen Freunden in Teamspeak oder Discord zu kommunizieren. Am Ende rennt man doch lieber wieder alleine durch die Gegend.

Technik und Vision

Wann die Idee zu Fallout 76 entstanden ist, weiß man wohl nur bei Bethesda. Auf jeden Fall scheint man bei der Konzeptionierung auf diverse Survival-Games geschaut zu haben, auf das eigene MMO The Elder Scrolls Online, auf Skyrim sowie auf allerlei Open-World-Shooter. Mit der richtigen Engine und einem erfahrenen Visionär am Ruder hätte der Plan durchaus aufgehen können.

So jedoch will Fallout 76 alles sein und es allen recht machen. Am Ende ist die Mischung ziemlich ungenießbar. Für einen Shooter ist das Kampfsytem zu grottig. Für ein MMO sind die Quests zu bedeutungslos und nervig. Für ein Survival-Game sind die Bedingungen nicht hart genug. Nicht einmal die Bau- und Craftingsysteme halten, was sie in der Theorie versprechen. Das anfängliche Gefühl, von Items und Funktionen erschlagen zu werden, weicht mit etwas Spielzeit keiner positiven Erkenntnis sondern jener, dass Fallout 76 vergleichsweise oberflächlich ist.

Wenn schon bekennende Fans und aktive Spieler erklären, dass Fallout 76 “ganz ok” sei, dann ist etwas gehörig schiefgelaufen im altehrwürdigen Hause Bethesda. Dort sollte man auf jeden Fall mal ein wenig Grundlagenforschung betreiben, die Technik auf den neuesten Stand bringen und in den Dialog mit der Community einsteigen, damit man nicht noch weiter in die Mittelmäßigkeit abdriftet.

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