Vor fast genau zwei Jahren ging das Gemotze los, als Nintendo Bayonetta 2 exklusiv für die Wii U ankündigte. Beleidigungen, Boykott-Verschwörungen, ja sogar Morddrohungen mussten sich Platinum Games und Nintendo für die unerwartete Kooperation anhören. Noch heute wird im Netz gejammert und geflennt. Ich sage: Schluss damit! Denn die einzigen Tränen, die wegen Bayonetta 2 vergossen werden dürfen, sind die der Freude, dass es das Spiel gibt – und nach dem jüngsten Hands-On bin ich davon überzeugt, dass das hier eine ganz großartige Fortsetzung werden wird.

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„Sind wir zu gut oder ist das Spiel zu leicht?“, waren die ersten Worte, die Gregor und ich nach dem Beiseitelegen des GamePads hervorbrachten. Sicher spielt die Expertise, die wir uns im Vorgänger erzockt haben, eine Rolle, aber trotzdem meine ich, bei der letztjährigen Anspielversion mehr gefordert worden zu sein. „Um Himmels Willen!“, werden die Skeptiker jetzt schreien. „Haben sie Bayonetta etwa vercasualisiert?! „Hat Nintendo Bayonetta zerstört!?

Ruhig Blut, liebe Leute, es gibt keinen Grund zur Sorge. Bayonetta wäre nicht Bayonetta und Platinum Games nicht Platinum Games, wenn das fertige Spiel tatsächlich so einfach ausfallen würde wie eben genannte Demo von Nintendos Post-E3-Event in Frankfurt. Denn der Mario-Konzern weiß ganz genau, was er an Bayonetta 2 hat, und er wird einen Teufel tun, sich dem Studio um Hitz- und Kreativkopf Hideki Kamiya (der dieses Mal die Director-Rolle an Yusuke Hashimoto abgetreten hat) mit Vereinfachungen oder Für-die-ganze-Familie-Geschwätz in den Weg zu stellen. Denn Bayonetta 2 ist nicht für die ganze Familie, sondern für diejenige unter euch, die sich an Combos und präzisen Kontern laben und die Herausforderung suchen.

Bayonetta 2 - Tränen der Trauer? Tränen der Freude!

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Bis auf die Haare hat sich nicht viel verändert

Und Bayonetta 2 wird genau das liefern. Die Demo mag zu einfach gewesen sein, was vermutlich der fest vorgegebenen Anspielzeit geschuldet ist (man soll ja in kürzester Zeit möglichst alles zu sehen bekommen). Aber sie war gut, sie war sogar verdammt gut, und sie spielte sich ganz so, wie man es von Bayonetta eben erwartet. Selbst mit dem Wii U GamePad fühlte ich mich sofort wie daheim und es dauerte keine zwanzig Sekunden im Kampf, um den Combo-Zähler in die Höhe schießen zu lassen und die titelgebende Hexe per Knopfdruck in die „Witch Time“ zu schicken – Kenner der ersten Teils erinnern sich an die Zeitlupen-Funktion nach präzisem Ausweichen. Ich hatte die Demo gerade erst begonnen und mich ins erste Gefecht mit den Engeln gestürzt, da war ich auch schon drin im Flow.

Gepaart mit dem schweinecoolen Artdesign und der bombastischen Inszenierung war es dieser Flow, der Bayonetta 1 vor vier Jahren zu einem der besten Action-Spiele der vergangenen Konsolengeneration machte, und er ist auch ein essentieller Bestandteil von Bayonetta 2. Egal ob mit GamePad oder Pro Controller: Bayonettas Kampfsystem hat nichts von seiner Dynamik verloren, stattdessen hat es sogar an taktischer Tiefe zugenommen. So genügt ein Knopfdruck und statt mit Pistolen an den Schuhen und Katana in den Händen schlitzt sich die titelgebende Hexe fortan mit einer riesigen Sense durch die Engelshorden – und an den Stiefeln hängen nun mächtige Flammenwerfer. Auch ein edler Bogen ist nun Teil des Arsenals, und weitere Waffen sollen folgen.

Packshot zu Bayonetta 2Bayonetta 2Erschienen für Wii U kaufen: Jetzt kaufen:

Der schnelle Wechsel zwischen den unterschiedlichen, wohl sogar frei konfigurierbaren Waffensets ist gemeinsam mit dem neuen „Umbran Climax“ das Aushängeschild des nur in Nuancen verfeinerten Kampfsystems – abgesehen davon spielt sich Bayonetta ganz genau so, wie man es kennt und liebt. Und genau so sieht es auch aus, denn was hier auf dem Bildschirm abging, lief selbst dem wahnwitzig überzeichneten Hyrule Warriors an der Demo-Station nebenan den Rang ab.

Bayonetta 2 - Tränen der Trauer? Tränen der Freude!

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Erst ein kopfloser Riese mit einem Gesicht in seinem überdimensionalen Schwert, anschließend eine gigantische fliegende Vogelbestie, und dann erst diese teuflisch gefährlich aussehenden Dämonen, die Bayonetta aus ihrer stark gekürzten Haarpracht beschwört – visuell ist das Spiel schon jetzt eine Bank. Ein paar hässliche Wandtexturen gibt’s hier und da auch, aber mal ehrlich: Wer will sich schon über solche Kleinigkeiten beschweren, wenn gerade ein riesiger Monsterdämon einen schwarzen Drachen verschlingen will, der gerade einen Wolkenkratzer hinaufklettert, während im Hintergrund ein dramatisches Gewitter tobt? Und hey: Die Wassereffekte sind spitze.

Den Rahmen um dieses infernalische, stellenweise auch sehr blutige Spektakel stellt eine Geschichte, von der wir bis jetzt noch so gut wie nichts wissen – was zugegebenermaßen auch daran lag, dass wir konsequent alle story-relevanten Zwischensequenzen übersprungen haben. Wieso das? Weil kontextlose Gesprächsfetzen in Bayonetta noch nie eine große Hilfe waren. Und weil wir unbedingt weiterspielen wollten, zugegeben.