Was erhält man, wenn man die Action von Devil May Cry, das Ringgesammle von Sonic und das Frauenbild von Dead or Alive kombiniert? Offenbar ist es Bayonetta, der neueste Hack’n Slay-Titel aus dem Hause Sega, der diese Woche in Japan und im ersten Quartal 2010 in Europa erscheinen wird. Die Ähnlichkeiten zu Devil May Cry sind so offensichtlich wie verständlich, ist doch Hideki Kamiya der Lead Designer des Spiels und immerhin der Hauptverantwortliche für den ersten Teil der "Devil May Cry"-Reihe. Doch wie weit hat Kamiya sich entwickelt, wie sehr ist seine Formel gewachsen? Nach einem kurzen Testlauf mit einer Demo von Bayonetta wollen wir euch einen kleinen Überblick geben.

Devil May Cry hatte seinerzeit große Wellen geschlagen, seine Mischung aus rasant-stilvoller Action und japanischem Hochglanzlook die Herzen der Slayerspieler höher schlagen lassen. Was also wird passieren, wenn man den weißhaarigen Teufelsbraten Dante gegen eine ballernde Hexen-Dominatrix eintauscht?

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Feuer, Klingen und Trompeten

Das Spiel macht nicht langes Federlesen und wirft euch nach einem kurzen Tutorial direkt in die Action. Worauf euch die Einführung freilich nicht vorbereiten kann, ist die Fülle an Angriffsmöglichkeiten, die unserer Titelheldin zur Verfügung stehen, denn immerhin ist sie nicht nur im unbewaffneten Nahkampf bewandert, sondern kann auch allerlei Waffen schwingen, allen voran ein großes Katana. Darüber hinaus ist sie in der Lage, diverse von den Gegnern fallen gelassene… sagen wir, „Objekte“ zum Angriff zu nutzen. Wir würden ja gerne „Waffen“ sagen, aber etwas hält uns davon ab, eine Raketen verschießende Trompete so zu nennen.

Bayonetta - Rasant, stilvoll, sexy

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"Baby, ich hab noch drei weitere. Knarren natürlich."
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Das Bemerkenswerteste in ihrem Arsenal jedoch sind ihre Pistolen, von denen sie vier besitzt: Zwei führt sie mit den Händen, die anderen beiden mit den Füßen. Genauer gesagt hat Bayonetta letztere an ihre Knöchel geschnallt und manchmal ist er schwer zu sagen, ob sie kickt oder schießt oder beides. Das ermöglicht dem Spieler auch, einem Bösewicht, den man gerade weggetreten hat, gleich noch ein paar Kugeln hinterherzujagen.

Haarige Angelegenheit

Ein weiteres höchst eigenwilliges Feature sind Bayonettas Haare. Tatsächlich, an einer SM-Hexe mit Pistolen an den Knöcheln und einem Zweihandschwert sind die Haare beachtenswert. Wenn das nichts zu bedeuten hat, dann wissen wir auch nicht mehr. Bayonettas rabenschwarzer Skalp ist zum einen beachtlich, weil er eine Waffe ist. Die Hexe nutzt ihre sich streckende Mähne, um Gegner anzugreifen und in diversen Spezialangriffen Folterinstrumente zu beschwören, um ihre dämonischen Gegner gekonnt totzumartern. Zum zweiten sind ihre Haare gleichzeitig ihre Kleidung.

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Schüttel dein Haar für mich... Bayonettas Frisur ist nicht nur modisch, sondern auch tödlich.
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Wer sich jetzt fragt, wie man mit seinen Haaren angreifen kann, während sie die eigene Scham verhüllen, der ist schon halb auf dem Weg zur Antwort: Bayonetta wird bei einigen Angriffen nahezu vollständig entkleidet. Just hatte man sich gefreut, endlich mal wieder eine Frau in einer starken Rolle zu sehen, da kommt auch schon wieder die Sexismuskeule daher. Aber man durfte nicht auf viel mehr hoffen, als man zum ersten Mal das Outfit der Protagonistin sah und sie lasziv stöhnen hörte. Objektifizierung trieft aus jeder Pore des Spiels. So erlauben ihre Knöchelpistolen Bayonetta zum Beispiel auch das herrlich sinnfreie Manöver, einen Handstand zu machen und rundum heißes Blei zu verteilen, indem sie ihre Beine winkelt und streckt, während ihr der Spieler die ganze Zeit auf den Hintern gucken darf. Subtil, Kamiya-San.

Der Igel, die Hexe und der Handstand

Vom Räkeln einmal abgesehen beherrscht Bayonetta alle Tricks und Kniffe, sowohl diejenigen, die mittlerweile im Genre üblich sind als auch ein paar neue oder zumindest modifizierte. Ihr dürft euch also nicht nur auf Doppelsprünge, Ausweichrollen und derlei Akrobatik gefasst machen, sondern euch auch darauf freuen, dass sich die Hexenkriegerin in einen Panther verwandeln kann. Und ja, das Kätzchen hat auch Krallen, mit denen dann die Dämonenbrut ins Land der Horrorgeschichten zurückgetrieben wird.

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Zur Story ist nicht viel bekannt. Vielleicht haben die Dämonen Bayonettas Shampoo?
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Apropos, über einen Großteil der Story schweigen sich die Entwickler derzeit noch aus, bekannt ist lediglich, dass Bayonetta einen 500jährigen Dornröschenschlaf gehalten hat und aufwacht, ohne zu wissen, wer oder was sie ist und warum die Heerscharen der Unterwelt ein Problem mit ihr haben. Ein Schelm, wer hier eine klassische Identitätssuche mit Wendungen und Überraschungen vermutet. Ob man das als uninspiriert oder bewährt ansieht, sei jedem selbst überlassen.

Sowohl die Präsentation als auch die technische Umsetzung Bayonettas überzeugen bislang. Das Game sieht nicht nur schick aus und bietet einige wirklich schön gestaltete Hintergründe, die teilweise an historische Architektur angelehnt sind, es steuert sich auch fabelhaft und setzt jede Eingabe so präzise um, wie man es gerne hat. Diese beiden starken Punkte werden jedoch schnell relativiert durch ein und dieselbe Schwäche, wenn man sie denn so nennen darf.

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Die Kämpfe "hektisch" zu nennen, ist noch untertrieben.
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Gäbe es das Wort „chaotisch“ noch nicht, man hätte es für die Kämpfe in Bayonetta erfinden müssen. Die Entwickler kannten vielleicht den Unterschied zwischen Schnelligkeit und Hektik nicht, vielleicht gab es einen firmeninternen Wettbewerb, wer dem Spieler die meisten Kopfschmerzen bereitet. So oder so, das Tempo ist, vorsichtig ausgedrückt, gewöhnungsbedürftig. Die besten Kontrollmöglichkeiten aber nutzen dem Spieler wenig, wenn er nur eine Blitzreaktion nach der nächsten hat und somit über kurz oder lang doch wieder beim Buttonmashing landet, und auch die schönen Hintergründe wissen nicht zu überzeugen, denn entweder, sie sind gerade von einer Effektschlacht verdeckt, oder aber der Spieler hat keine Zeit sie zu genießen.

Bayonetta ist ein rauschendes Adrenalinfest, aber auch eine Liebeserklärung an das Buttonmashing.Ausblick lesen

Zwei Bosskämpfe durften wir ebenfalls erleben, während der erste relativ konventionell daherkommt, bezieht der zweite Endgegner schon die Umgebung gut mit in die Action ein und gibt einem nicht das Gefühl von Ruhe und Sicherheit, das für ein so schnelles Genre absolut tödlich wäre. Dass die beeindruckenden Endgegner unter Zuhilfenahme von Quick Time Events besiegt werden, sollte wohl niemanden überraschen, aber die Events an sich und die daraus resultierenden Finishers sind dann auch schon wieder herrlich brutal, abgefahren und dynamisch. Wie gesagt, an Geschwindigkeit fehlt es dem Game nun wirklich nicht.

Vielleicht ist das aber auch nur die Kraft der Assoziation, denn bei all den hortbaren Items des Spieleuniversums entschieden sich die Spieldesigner nun ausgerechnet dazu, Bayonetta goldene Ringe sammeln zu lassen. Sie sammelt also goldene Ringe und besiegt Gegner mit ihren Haaren. Gebt ihr noch einen Fuchs, der ihr hinterherfliegt, und sie ist komplett.