




Hey Bayonetta, diese 15 Stunden waren groß, wirklich gaanz, gaaaanz großartig. Jay Kay hätte es so ausgedrückt: „Sexy, oh lady, don't you know this time you blow my mind“. Wie recht er doch hat! Platinum Games schubst mich von einem Rausch in den nächsten, startet mit einem gewaltigen Erdrutsch, lässt es bis zum Ende immer stärker, immer lauter nachbeben und mir kaum Zeit zum Luftholen. Was dieses talentierte Studio mit dem vor acht Jahren gegossenen und bis in die kleinste Pore perfektionierten Devil-May-Cry-Fundament auf einer einzigen Scheibe verankert, ist allerdings nicht nur ein nach allen Seiten überschwappendes Effekt-Bombardement, sondern auch ein mutiger erzählerischer Schritt. Einer, der sich vielleicht erst nach einem Neustart, vielen Stunden und nur mit fleißiger Lektüre der zahlreichen Tagebucheinträge erschließt.
Hinter High-Heels, albernen Mätzchen und vielen Faxen steckt eine gefühlvoll erzählte Geschichte, in der die starke, unbelehrbare Lack-und-Leder-Lady irgendwann die verletzliche, nahbare Opferrolle einnimmt. Dieser Wandel geschieht dermaßen geschickt, dass die Schwarz-Weiß-Grenzen irgendwann in einem feurigen Grau-in-Grau-Cocktail verschwimmen. Zwischen Freund und Feind, zwischen Spaß und Ernst, zwischen Mittelalter, Moderne und Zukunft. Diese Hexe ist nicht nur die perfekte Parodie auf kitschig-japanische und bis zum Erbrechen übertriebene Superheldenmentalität, sondern auch ein facettenreiches Prachtweib, an dem sich so viele kommende Figuren messen lassen müssen – charakterlich wie spielerisch.
Macht nicht den Fehler, nur kurz und mit halbem Auge hinzusehen. Macht bloß nicht den Fehler und lasst euch vom bellenden J-Pop vergraulen. Ihr verpasst die besten Bosskämpfe seit Jahren. Ihr verpasst ein aus allen Nähten platzendes Kampfsystem voller WTF-Momente. Ihr verpasst ein bis zum Ende lichterloh brennendes Fantasiefeuerwerk, eine rührende Geschichte um Schöpfung, Ächtung und verlorene Erinnerungen. Ihr verpasst ein Meisterwerk.
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Blendende Effekte, pompöse Architektur, genial animierte Endbosse und stilvolle Zwischensequenzen machen Bayonetta optisch zum Meisterwerk. Typisch japanisch, übertrieben, einfach herrlich!
Beißender J-Pop wechselt sich ab mit Jazz-, Lounge-Stücken und orchestralen Einspielungen. Hinzu kommen kräftige englische Sprecher und ohrenbetäubende Soundeffekte – zum Verlieben!
Kämpfe am laufenden Band, viele bizarre Endgegner, Rätseleinlagen, Sprung- und Wandlaufpassagen, Motorradfahrten, Ritt auf Kanonenkugeln, Hüpfer auf sich um die eigene Achse drehende Plattformen – bis zum Ende erstickt Platinum Games den Leerlauf.
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