Große Klassiker geraten niemals in Vergessenheit. Das gilt für Spiele genauso wie für Filme und Musik. »BattleZone« war so ein Klassiker. 1980 als Automatenspiel von Atari auf den Markt gebracht, hatte es neben der damals sensationellen Vektorgrafik insbesondere zwei Dinge zu bieten: langanhaltenden Spielspaß und eine innovative Steuerung über zwei Joysticks.

Seither sind viele Jahre vergangen, und die legendären Automaten existieren schon lange nicht mehr. Dafür hat sich der Name BattleZone über die Jahre hinweg gerettet. Nach zwei mehr oder weniger sehr gelungenen PC-Spielen, die uns Mitte der Neunziger erfreuten, haben es die Rechteinhaber jetzt ein weiteres Mal versucht und eine Ballerorgie gleichen Namens für die PSP auf den Markt gebracht - und gepatzt, wie unser Test zeigt.

Schweben Sie wohl!
Die Erde in naher Zukunft. Damit die NATO-Streitkräfte weiterhin geschmeidig ins Weltgeschehen eingreifen können und nicht irgendwann wegen Unterbeschäftigung vor sich hin rosten, hat eine internationale Militärakademie kurzerhand den BattleZone-Wettbewerb ausgerufen. Dabei handelt es sich um eine fröhliche Panzer-Schieß-Orgie, bei der die besten Soldaten aus acht NATO-Staaten - unter ihnen seltsamerweise Russland und China - mit modernsten Waffen und Schwebepanzern aufeinander losgehen.

Battlezone (1980) - Panzeraction wie vor 30 Jahren: Ob das heute noch reinknallt?

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Kompromisslose Panzeraction wie anno dazumal.
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Und da es sich natürlich um einen sportlichen Wettstreit handelt, hat man zu diesem Zweck Freiluftarenen eingerichtet, in denen die Duelle stattfinden. Die Keilerei findet alle zwei Jahre statt, und nur die Besten verlassen die Arenen hoch erhobenen Hauptes, während alle anderen Schaufel und Kehrblech bemühen müssen. Als Belohnung für siegreich absolvierte Schlachten winken neben virtuellem Ruhm und Ehre spaßige Upgrades für die eigenen Waffensysteme.

Soviel zur hauchdünnen Handlung von »BattleZone«. Denn so einfach wie der Rahmen gestrickt ist, so simpel gestaltet sich das Spielprinzip. Man wählt zu Beginn einen Hoverpanzer aus einer der acht Nationen aus, entscheidet sich für einen Spielmodus - und ab geht's. Insgesamt gibt es nur drei Panzermodelle, von denen anfangs nur eines zur Verfügung steht. Die Kriegsgeräte unterscheiden sich deshalb lediglich in ihrer Lackierung und einer von Land zu Land unterschiedlichen Spezialeigenschaft. So können beispielsweise die Amis eine Kanone mit besonders viel Wumms abfeuern, während die Deutschen mit einer extra dicken Panzerung zu Werke gehen und die Russen sich auf eine Superramme verlegt haben.

Packshot zu Battlezone (1980)Battlezone (1980)Erschienen für PSP kaufen: Jetzt kaufen:

Davon abgesehen, ist die Waffenbestückung zu Beginn eher bescheiden zu nennen. Eine Projektilkanone und Schwarmraketen sorgen für eher mickrige Resultate, doch je weiter man seine Karriere vorantreibt, desto nettere Spielsachen stehen zur Verfügung, was zumindest eine zeitlang die Motivationskurve hoch hält.

Kanonenfutter
Wer sich für den Singleplayer-Modus entscheidet, hat anfangs die Wahl zwischen Deathmatch, Team-Deathmatch und CTF. Hat man sich hier erfolgreich behauptet, wird die Auswahl durch die Modi »Kernzone«, »Blackout« und »Wolfsjagd« ergänzt. Während es sich bei ersterem um eine Form des hinlänglich bekannten Domination-Prinzips handelt, gilt es bei »Blackout«, die feindliche Energieversorgung durch den Abschuss von Generatoren lahm zu legen. Bei der »Wolfsjagd« schließlich stürzen sich alle Kombattanten gemeinsam auf einen Auserwählten und eliminieren diesen.

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Da brennt die Hütte... äh, der Panzer.
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Am bekanntesten und weitaus spaßigsten ist fraglos das gegenseitige Fraggen ohne Rücksicht auf Verluste, denn für große taktische Manöver bietet das Spiel einfach nicht genug Tiefgang. Zwar ist es möglich, in den Team-Modi den eigenen KI-Kollegen Befehle zu erteilen, doch echtes Gemeinschaftsgefühl mag dabei - zumindest im Einzelspielermodus - nicht aufkommen.

Die Idee, mit dem eigenen Panzerchen auf die Jagd zu gehen und dabei fett Punkte abzusahnen, ist auch nach fast 30 Jahren noch für den einen oder anderen Zock gut. Doch leider bewahrheitet sich auch hier das Sprichwort, dass »gut gemeint« das Gegenteil von »gut« ist. Denn das ursprüngliche Vektorballern bezog einen großen Teil seines Reizes von der Steuerung, bei der man mit Hilfe zweier Controller sein Kettenfahrzeug vor, zurück und seitlich bewegt hat.

Die gegensätzliche Bewegung der beiden Sticks nach oben und unten lenkte den Panzer nach links oder rechts, gleichzeitiges Vor- oder Zurückreißen der Hebelchen ließ ihn vorwärts brettern oder eine Vollbremsung machen. Dieses Prinzip ist jedoch auf der PSP nicht realisierbar. Zwar lässt sich das Fahrzeug über den Analogstick oder die Richtungstasten lenken, doch reagiert das Teil recht schwerfällig auf abrupte Richtungsänderungen.

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Die Effekte können sich sehen lassen.
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Das ist insbesondere dann ärgerlich, wenn man einen Gegner im Nacken hat und infolge der sehr fitzeligen Steuerung nicht mehr ausweichen kann und einmal mehr das virtuelle Jenseits betritt. Die KI-gesteuerten Gegner haben derlei Probleme nicht und bewegen sich geschmeidig über das Terrain. Das Gleiche gilt im Übrigen für die schwerfälligen Geschütze, die sich nur recht langsam abfeuern lassen. Umgekehrt wurden wir mehr als einmal von gegnerischen Panzern binnen weniger Sekunden in eine andere digitale Welt befördert, weil diese offenbar schnellere Schussfolgen anbringen konnten.

Wackelpeter
Immerhin ist nicht alles schlecht im Lande BattleZone. Die grafische Aufbereitung des Klassikers ist gelungen, und man schwebt in der Verfolgersicht durch zum Teil traumhaft schöne Landschaften. Schade nur, dass man kaum Gelegenheit hat, die Aussicht zu genießen.

Die Hoverpanzerchen werden sehr detailliert dargestellt, und Treffer werden durch realistische Rauchentwicklung und Funkenschlag dokumentiert, außerdem zittert das Kriegsgerät mächtig. Sinkt die Energie auf Null, ist es meist schnell um einen geschehen, und der Panzer vergeht in einer schön animierten Explosion. Gleichzeitig wird auf dem Bildschirm der PSP eine gesprungene Glasscheibe angezeigt - eine Reminiszenz an den berühmten Urvater, dessen Monitor beim Ableben ebenfalls eine kaputte Scheibe imitierte. Untermalt wird das Ganze von fetzigen Rockrhythmen und guten Sounds.

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"Du gehörst mir!"
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Auch die Physikengine geht in Ordnung, denn Bodenunebenheiten oder Gefälle werden mit realistischen Rutschpartien oder Wackeleinlagen quittiert. Um auf höher gelegene Plateaus zu gelangen, benutzt man einen der überall verfügbaren Antigravlifte, die das eigene Fahrzeug trampolinähnlich nach oben befördern. Leider wirken die Bewegungen des Hovers sehr schwerfällig. Selbst mit gedrückten Nitrotasten hat man nicht das Gefühl, wirklich schnell durch die Landschaft zu düsen.

Das Zielsystem lässt Einiges zu wünschen übrig. Da sich die Gegner in aller Regel schneller bewegen als man selbst, gerät man beim Schießen immer wieder ins Hintertreffen, was den einen oder anderen Wutanfall und dezente Bissspuren nach sich zieht. Vielleicht sollte Sony seine nächste PSP-Generation aus aromatisiertem Kunststoff fertigen…

Geh mir nicht auf die Ketten
Sieht man einmal von der ziemlich vergurkten Steuerung über den Analogstick beziehungsweise die Richtungstasten ab, so sind zumindest die anderen Funktionen sinnvoll auf die Buttons gelegt. Die beiden zur Verfügung stehenden Waffen werden mit der Kreis- bzw. Viereckstaste ausgelöst, die Dreieckstaste ist für das Einsetzen der Spezialeigenschaft zuständig, und mit der X-Taste wird gerammt. Steht genug Energie zur Verfügung, so kann man durch gleichzeitiges Drücken der rechten und linken Schultertaste einen Nitroschub auslösen, der das eigene Gefährt beschleunigt.

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Selbst im Schnee geht es heiß her.
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Wem das Single-Geballere nach einer Weile auf die Ketten geht, der sucht sich bis zu drei Kumpels und schreddert sich im Wireless-Ad-Hoc-Modus durch die Arenen. Anders als in der Einzelspielervariante sind hierbei alle Panzermodelle sowie sämtliche Waffen und Battlegrounds von Beginn an freigeschaltet. Kreative Köpfe begeben sich ins Internet und basteln auf der Homepage zum Spiel eigene Maps zusammen. Die kann man sich über den USB-Link direkt auf die PSP laden und dann in eigenen Multiplayerschlachten zum Einsatz bringen - ein durchaus spaßiges Unterfangen, das das Spiel sinnvoll erweitert. Dennoch reicht dies nicht aus, um »BattleZone« über den Durchschnitt hinaus zu heben, denn dafür bietet das Programm einfach nicht genug Abwechslung. Schade eigentlich.