"Das Schiff ist schwer getroffen, es sinkt!", dröhnt es durch die Kopfhörer. Zeit zum Jubeln haben wir jedoch nicht. Schnell ziehen wir die Nase unseres Sturzbombers nach oben, bevor wir via D-Pad auf die Kommandobrücke unseres Zerstörers wechseln und von dort aus die Kontrolle über die mächtigen Kanonen übernehmen. Damit schießen wir einen Stützpunkt des Feindes sturmreif, nur um im nächsten Moment anfliegende feindliche Bomberstaffeln mit dem Flakgeschütz vom Himmel zu holen.

Kurz schalten wir auf die taktische Map und verschaffen uns Übersicht über die Lage auf dem Schlachtfeld, als wir vom Verlust eines Geschwaders hören. Mit zwei Klicks lassen wir Nachschub aufsteigen und geben nebenbei auch noch Reparaturarbeiten an Bord unseres Flugzeugträgers in Auftrag. Nein, das ist kein Auszug aus dem Tagebuch eines WWII-Veteranen, sondern der Erlebnisbericht einer zweiminütigen Szene in Battlestations: Pacific.

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Sinnvolle Änderungen am Grundprinzip

Wer bereits den Vorgänger Battlestations: Midway gespielt hat, dürfte mit solchen Situationen vertraut sein. Schließlich hat sich das ungarische Eidos-Studio in der Fortsetzung nicht von den erfolgreichen Grundprinzipien des Action-Strategie Genre-Mixes entfernt, dafür aber eine Reihe von Verbesserungen und kleineren sinnvollen Änderungen eingebaut.

Battlestations: Pacific - Auf die Kampfstationen!

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Die schönen Wasserfontänen lassen Seeschlachten deutlich authentischer wirken.
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Deutlich nachgebessert wurde beispielsweise in Sachen Umfang. Pacific bietet gleich zwei Kampagnen mit jeweils 14 Missionen und ist damit etwa doppelt so lang wie die Schlacht um Midway. Für Fans alternativer Geschichtsschreibung dürfte vor allem die japanische Kampagne von Interesse sein. Diese gibt euch nicht nur die Möglichkeit, den Angriff auf Pearl Harbor nachzuspielen, sondern den gesamten Verlauf des Zweiten Weltkriegs in Südostasien umzugestalten. Wer es lieber traditionell mag, greift den Amis beim Kampf gegen die Japaner unter die Arme.

Doch ein quantitativer Zuwachs allein würde eine Fortsetzung kaum rechtfertigen. Daher hat man die zuvor bereits gute Spielmechanik mit einigen durchdachten Neuerungen versehen. An der Missionsstruktur selbst hat sich dabei nur recht wenig getan. Wie gewohnt werden euch in einem kurzen Briefing die wichtigsten Primär- und Sekundärziele mitgeteilt, die für eine erfolgreiche Absolvierung des Auftrags erledigt werden sollen. Heimst ihr in der Abschlusswertung mindestens eine Silbermedaille ein, schaltet ihr zusätzliche Bonus-Einheiten frei, die ihr in späteren Einsätzen auswählen dürft.

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"Das Schiff ist schwer getroffen, es sinkt!" - Das hört man immer wieder gern!
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Die Aufgaben sind abermals sehr abwechslungsreich gestaltet und bieten z.B. U-Boot-Schleichmissionen, Schlachten großer Marine-Verbände, Kundschafter-Aufträge oder auch das neue Feature der Eroberung von Landzielen. Zu diesem Zweck bringt ihr eure Truppentransporter in die Nähe der sturmreif geschossenen Feindbasen und setzt Landungsboote aus. Haltet ihr die Belagerung für einige Zeit aufrecht, schwächt ihr nicht nur den Feind, sondern übernehmt gleichzeitig die Kontrolle über Flugfelder und Artilleriestellungen und erhaltet oft auch noch weitere Nachschub-Einheiten als kleinen Erfolgsbonus. Leider kann man die Infanterietruppen nicht ebenso direkt steuern wie alle anderen Einheiten.

Intuitives Handling

Die komplexe, aber intuitive Steuerung wurde ebenfalls leicht überarbeitet. Viel besser funktioniert nun das früher umständliche Reparatur-Feature, dessen Menü nun mit einem Klick auf den linken Analogstick aufgerufen wird und so die blitzschnelle Reaktion auf gegnerische Treffer ermöglicht. Erleichtert wurde auch die Bereitstellung frischer Geschwader, die nun on the fly zum Start befehligt werden können, ohne immer wieder den Flugzeugträger bzw. das Flugfeld anwählen zu müssen.

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Mithilfe von Landungsbooten kann man ab sofort feindliche Stellungen einnehmen.
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Auf diese Weise wird zeitraubendes und nerviges Mikromanagement erspart, wo es unnötig ist, und der ohnehin stressige Spielablauf nicht gestört. Ohne die vielen direkten Befehlsstrukturen wäre es ohnehin noch schwerer, den Überblick in den oft chaotischen Schlachten zu behalten. Dafür sorgt nicht zuletzt der stark schwankende Schwierigkeitsgrad, der von sehr leicht bis sehr happig zu viel Spielraum auf einem Level bietet.

Das liegt auch an einigen Ungereimtheiten und Dellen von Battlestations: Pacific. Zum einen erweist sich das Handling der verschiedenen Einheiten als teilweise zu träge, wenn auch insgesamt gelungen. Schwerer wiegen die immer wieder auftretenden KI-Fehler: Flugzeuge stürzen bei der Landung oder beim Start ohne ersichtlichen Grund ab, Schiffe agieren im Flottenverband häufig konfus bis chaotisch und fahren sich gegenseitig über den Haufen.

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Immer wieder klemmt man sich selbst hinters Steuer und ballert aus allen Rohren.
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Dieses Knäuel zu entwirren kostet wertvolle Zeit und kann missionskritische Ausfälle zur Folge haben. Dabei sollte die Konzentration doch eigentlich den anfliegenden feindlichen Bomberstaffeln oder sich nähernden U-Booten gelten. Ärgerlich ist in diesem Zusammenhang erneut die nervige Beschränkung der Atemluft des Unterseebootes. Bereits nach ca. zehn Minuten muss man in regelmäßigen Abständen auftauchen und offenbart die fragilen Vehikel den Geschützen des Widersachers. Bei der Suche nach unseren U-Booten erweist sich die Gegner-KI ohnehin als meisterhaft. Haben sie uns einmal auf dem Kieker, wird man sie kaum wieder los.

Dellen im Stahlmantel

Negativ fallen außerdem die langen Ladezeiten sowie die wieder einmal unlesbare Schrift auf SD-Fernsehern auf. Warum man diese immer noch sehr zahlreiche Klientel derartig vor den Kopf stößt, bleibt uns ein Rätsel. Bei Battlestations: Pacific jammern wir hier aber auf einem hohen Niveau, denn das Spiel leidet nur selten wirklich unter diesen durchaus vorhandenen Malussen.

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Teilweise verhält sich die KI konfus und so geraten eigene Schiffe immer wieder auf Kollisionskurs.
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Im Gegenteil: Langweilig wird es bei der Mischung aus Actionelementen, bei denen man selbst zum Steuer der Flieger, Kreuzer oder U-Boote greift oder Kanonen abfeuert, und der strategischen Komponente so gut wie nie. Einige Missionen erweisen sich höchstens als zu langatmig angelegt. Auf der Habenseite stehen außerdem ein hervorragender Sound, der das Schlachtengeschehen mit satten Explosionen, röhrenden Flugzeugen, knatternden Maschinengewehren, dröhnenden Artillerieeinschlägen oder dumpfen Torpedotreffern mit einem passenden Ambiente versieht.

Wer sich hier nicht auf die Kampfstation begibt, ist selbst Schuld!Fazit lesen

Im Vergleich zu Midway hat man darüber hinaus die Modelle deutlich verbessert, bekommt man schönere Wasserfontänen, Rauchwolken, Wettereffekte und einen realistischeren Ozean geboten - wenn auch eine ganze Reihe von Low-Res-Texturen (z.B. die Landmassen) für hässliche Ausrutscher sorgen.

Für freudige Gesichter sorgt hingegen der Multiplayer-Modus für bis zu acht Spieler, der diesmal fünf Spieltypen parat hält. Besonders interessant ist hier der Modus Inseleroberung, in dem sich bis zu vier Spieler auf beiden Seiten mit allen Mitteln um ein Eiland streiten. Die hohe Konfigurierbarkeit aller Modi dürfte den Fans entgegenkommen. Leider hat man bei der Gestaltung der Übersichtsmap diesmal auf ein Grid verzichtet, was die Kommunikation von Positionen unnötig erschwert. Wer sich lieber mit KI-Gegnern messen will, kann übrigens auch offline aktiv werden.