Autor: Christopher Link

Eine Mischung aus Echtzeitstrategie und Action: Hört sich das für euch nach einem erfolgreichen oder eher nach einem gewagten Konzept an? Die Idee ist nicht ganz neu: Alle Jahre wieder versucht sich ein Titel an dem Spagat - und geht dabei nicht selten baden. Erst 2003 beispielsweise verband das Spiel »Savage: A Tortured Soul« RTS-Elemente mit Shooter-Gefechten, das Spiel heimste gute Wertungen ein, wurde jedoch kein Kassenschlager.

Auch das kommende »Field Ops« versucht auf diese Weise, dem Spielemarkt neues Leben einzuhauchen. Vorher kommt jedoch »Battlestations: Midway«, welches sich ebenfalls das Ziel gesetzt hat, dem Spieler die perfekte Balance zwischen Taktik und Action zu bieten. Was im Endeffekt dabei herauskam, erfahrt ihr in unserem Review.

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Warum ausgerechnet Midway?
Die amerikanische Marineluftwaffenbasis auf den Midwayinseln war eine beträchtliche Bedrohung für Japan, stellte sie doch einen weit vorgelagerten Versorgungsposten der gegnerischen Streitkräfte im mittleren Pazifik westlich von Hawaii dar. Admiral Yamamoto war bereits vor dem Überfall auf Pearl Harbor überzeugt, die amerikanische Flugzeugträgerflotte ausschalten zu müssen.

Battlestations: Midway - An die Kampfstationen! Dieser Genre-Mix verspricht die volle Dröhnung.

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Autsch, unsere Flotte stirbt schneller als ein Igel auf der Autobahn.
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Doch die Träger lagen am 7. Dezember 1941 - am Tag des japanischen Angriffs - nicht im Hafen. Nach dem Luftangriff auf Tokio am 18. April 1942 und der Schlacht im Korallenmeer vom 7. bis 8. Mai 1942 wurde die Suche nach den amerikanischen Trägern zum Schlüsselfaktor des Pazifikkrieges.

Yamamoto ging davon aus, dass die Amerikaner keine Invasion auf der für die Luftwaffe strategisch wichtigen Inselgruppe dulden würden. Dies wollte Yamamoto ausnutzen, um die immer stärker werdende US-Flotte zu schwächen. Außerdem könnte Midway als Luftwaffenstützpunkt genutzt werden, um weit entfernte Ziele zu bedrohen.

Jetzt geht es ans Eingemachte!
Dies waren die historischen Ausgangsfaktoren für die Schlacht um Midway. Eben jener Konflikt zwischen den USA und Japan ist der Dreh- und Angelpunkt in »Battlestations: Midway«, einer seitens des Entwicklers Eidos Hungary angestrebten Symbiose aus Strategie und Actionspiel.

Battlestations: Midway - An die Kampfstationen! Dieser Genre-Mix verspricht die volle Dröhnung.

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Das berühmte Angsthasenspiel: Wer weicht als Erster aus?
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Bevor es jedoch ins Schlachtengetümmel geht, sollten alle Spieler zuerst einen Blick ins Steuerungsmenü werfen, um die zahlreichen Tastenbelegungen zu studieren und gegebenenfalls zu ändern. Denn einige Belegungen sind schlichtweg überflüssig, andere hingegen so wichtig, dass man ohne sie schneller den virtuellen Tod findet, als man »Tastenkürzel« sagen kann.

Grauenhaft schöne Mission...
Sofern dies erledigt ist, kann es auch schon losgehen. Und was grinst uns da so willig an? Die Einzelspielerkampagne, die auf Seiten der US-amerikanischen Streitkräfte ausgetragen werden kann. Eine Introsequenz später finden wir uns schon in einem Patrouillenboot inmitten der Wirren von Pearl Harbor wieder.

Unser Ziel: die massive japanische Attacke auf den unvorbereiteten Stützpunkt überleben, nebenbei viele gegnerische Flieger mithilfe der Flak vom Himmel holen und U-Boot-Angriffen mit Sprengfässern vorbeugen. Das klappt dank gut reagierender Steuerung ohne Probleme, dennoch ist die Mission schon alleine durch ihre Inszenierung recht hart.

An Imposanz überbietet leider keine der folgenden Missionen das Pearl Harbor-Level. Kein Wunder: Dutzende Flugzeuge kreisen wie tödliche Adler am Himmel, dazwischen gibt es immer wieder explodierende Schiffe, dichter Rauch erschwert die Sicht und hüllt nebenbei den strahlend schönen Tag in ein rohes Grau. Die Verzweiflung ist gelinde gesagt förmlich am eigenen Arsch zu spüren.

Die Vielfalt der Fortbewegung
Nachdem dies geschafft ist, geht es von einer Mission in die nächste, dazwischen gibt es immer wieder nette Zwischensequenzen, die über den aktuellen Stand der Dinge und folgende Ziele informieren. Natürlich verbringt man nicht die gesamte Spielzeit an Bord eines Patrouillenbootes, wäre ja auch ziemlich langweilig.

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Mit einem Schlachtschiff hat man schon fast gewonnen - grüne Lampen deuten auf verfügbare Geschütze hin.
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Fast in jedem neuen Level verschlägt es uns in ein anderes Vehikel: Mit von der Partie sind Bomber, Flugzeugträger, Schlachtschiffe, dicke Zerstörer, U-Boote und natürlich auch stinknormale Jagdflugzeuge. Der Unterschied zwischen den einzelnen Fortbewegungsmitteln ist dabei enorm, wobei sich »Battlestations: Midway« hier allerdings etwas verschätzt.

Das Ziel, eine Balance zwischen Action und Taktik zu finden, geht leider nicht immer auf. Während man bei Zerstörern trotz massiver Rüstung und vielen Geschütztürmen immer behutsam aufpassen muss, nicht in die Fänge gleich mehrerer Schlachtschiffe zu kommen, zählt in den eher anspruchslosen Dogfights reine Action und ein eher arcadeorientiertes Handling. Im Endeffekt wirkt dadurch alles etwas unausgewogen. Fairerweise ist einzugestehen, dass gerade die Flugmissionen den meisten Spaß machen.

Der grausame (Gedulds-)Krieg
Komplett umgewöhnen muss man sich allerdings bei den U-Booten: Hier zählt nur das Gespür für richtiges Timing, ansonsten wird man schneller versenkt, als man seine Schwimmflügel findet. Und das, obwohl das Prinzip an sich recht einfach ist: auftauchen, umsehen, im richtigen Moment Torpedos abfeuern und dann wieder abtauchen. Nein, »Battlestations: Midway« ist kein wirklich einfaches Spiel. Nicht selten verspürt man den Wunsch, in die Tastatur zu beißen.

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Noch ist es ruhig, doch bald bricht die Hölle los.
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Im Gegensatz dazu kommt es bei den Schlachtschiffen vor allem darauf an, im richtigen Winkel zum Ziel zu stehen. Effektiver Artillerieeinsatz erfordert eine optimale Breitseitenstellung zum Feind, um wirklich alle Geschütze auszureizen. Stressen euch Flugzeuge, dann packt einfach die Flak aus und holt sie vom Himmel. Das sagt sich so einfach - ist es aber keineswegs.

KI, du Sau!
Vor allem manch merkwürdiges KI-Verhalten kann ab und an gehörig auf den Wecker gehen. Manchmal verweigern unsere Teamkollegen Befehle einfach, obwohl kein Grund dazu besteht. Aufgefallen ist uns dies vor allem in den Flugmissionen, in denen es darum geht, Torpedoangriffe gegen japanische Zerstörer auszuführen. Gut klappt hingegen die »Ablöse«: Greifen wir zum Beispiel bei einem Schlachtschiff von der Artillerie zur Flak, werden die nicht besetzten Positionen von der KI gesteuert.

Recht cool ist auch die Möglichkeit, in einzelnen Missionen als Japaner zu spielen. Hier sind Differenzen in der Steuerung jedoch lediglich vehikelbedingt, das heißt, dass US-amerikanische Jagdflugzeuge sich genauso wie ihre japanischen Pendants spielen.

Eine interessante Variante des Teamworks stellt der gelungene Mehrspielermodus von »Battlestations: Midway« dar. Hier geht es wahlweise online oder im Netzwerk mit- und gegeneinander ans Eingemachte. Dabei bekommt jeder Mitspieler eine Einheit zugewiesen und kann Teamspielern Befehle geben bzw. diese erhalten. So können vor allem fiese Manöver geplant werden, die mit Hilfe des im Vordergrund stehenden Teamworks zum Sieg führen. Als gewisse Rahmenbedingungen werden vom Spiel konkrete Aufgaben gestellt, die um des Erfolges Willen zu erfüllen sind.

Fast rundum gelungene Technik!
Grafisch erweist sich »Battlestations: Midway« als echte Bombe. Zwar sieht die Vegetation eher mager aus, und auch die Bäume sind eher untere Pixelkost, doch die Effekte sind ein wahrer Augenschmaus, vor allem die ordentlichen Explosionen. So muss das aussehen!

Gleiches gilt für die zahlreichen Raucheffekte sowie die grandiose Wasserdarstellung - eine Grafikkarte mit Shader Model 3.0 vorausgesetzt. Der Detailgrad der Vehikel ist enorm, so kann man zum Beispiel auf Kreuzern einzelnen Soldaten bei ihrer Arbeit zusehen.

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Deutlich zu hören: die Ruhe vor dem Sturm...
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Was für ein Sound: »Battlestations: Midway« ist ein gutes Argument dafür, sich ein Surroundsystem mit fettem Subwoofer anzuschaffen. In den Gefechten kracht es an allen Ecken und Enden. Die Soundeffekte sind knackig und kommen vor allem in den Fluggefechten besonders gut zur Geltung. Ebenfalls begeistern können die gelungene englische Sprachausgabe - dazu deutsche Untertitel - in den Zwischensequenzen und der hervorragend gewählte Soundtrack. Hier gibt es wirklich keinen Grund zur Kritik.