Was würde wohl dabei rauskommen, wenn der Brettspiel-Klassiker „Schiffe versenken“, die Warhammer-Lizenz und der Free-to-play-Titel World of Warships einen wilden Dreier miteinander hätten? Genau: Battlefleet Gothic: Armada.

Meine Transportschiffe fliegen eine weite Schleife um ein Asteroidenfeld. Ihr Eskorte schiebe ich schwerfällig durch das Zentrum und versuche so, den anrückenden Ork-Fregatten den Weg abzuschneiden. „Danke, dass ihr uns neuen Plunder vorbei bringt“, krächzt der grüne Kapitän ins Funkgerät.

Während meine kleinen Schiffe den Nahkampf suchen, richten die Kreuzer aus der Distanz Schaden an. Blitze zucken durch die Dunkelheit des Weltraums, Torpedos fliegen. Es sieht gut aus – zumindest für den Augenblick. Die schwächlichen Frachter sind für den Moment sicher, ehe einer der Ork-Pötte den Ausbruch wagt. Pfeilschnell durchbricht er meinen Verteidigungsring und steuert geradewegs auf einen Transporter zu.

Machtlos beobachte ich das Spektakel und versuche noch, meine langsamen Defensivkräfte in Position zu bringen. Doch zu spät: Wie für die Orks typisch rammt deren mit dicken Panzerplatten verstärktes Schiff meinen Transporter und zerteilt ihn. Das war’s. Der Frachter explodiert in tausend Einzelteile. Ich habe als Admiral der Gothic-Streitkräfte versagt...

Battlefleet Gothic: Armada - Warhammer 40k? Versenkt!

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Ehe ihr die Kontrolle über die eigene Armada übernehmt, führt euch das Spiel im übersichtlichen Tutorial an sämtliche Funktionen heran.
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Die Bürden eines Kapitäns

In letzter Zeit sind knifflige Spiele wieder vermehrt in Mode. Zwar ist Battlefleet Gothic: Armada kein neues Dark Souls 3, doch gelegentlich brachte es mich in der Kampagne doch an die Grenzen und legte mir viele Steine in den Weg. Im Gegensatz zu anderen Strategiespielen darf ich nämlich verpatzte Einsätze nicht mit einem einfachen Klick wiederholen. Ähnlich wie in XCOM 2 muss ich manuell einen Auto-Save auswählen und neu einladen. Verpasse ich diesen Augenblick allerdings, geht das Spiel einfach weiter und lässt mich die Konsequenzen spüren.

Denn in der finsteren Warhammer-Welt von Battlefleet Gothic: Armada proben Eldar und Orks den Aufstand. Chaos-Obermotz Abbadon rückt ebenfalls mit mächtigen Streitkräften an. Ihr spielt einen jungen Admiral, der für die Menschen die Kohlen aus dem Feuer holen muss und gleich nach seiner Feuertaufe die Verantwortung über eine kleine Armada erhält.

Battlefleet Gothic: Armada - Warhammer 40k? Versenkt!

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Die optionalen Hilfefenster erklären in der Anfangsphase wichtige, taktische Manöver. Hier beispielsweise versteckt sich die Armada in einer Gaswolke.
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Besagte Konsequenzen äußern sich in einem perfiden, aber auch realistischen Bestrafungssystem. Gelingt es mir beispielsweise nicht, meine Transporter zu beschützen, erhalte ich weniger Belohnungen. Das wiederum schwächt meine Flotte, und gleichzeitig werden Orks, Eldar und Chaos immer stärker. Battlefleet Gothic: Armada ist sicher nicht das schwierigste Spiel aller Zeiten – aber es lässt mich schmerzhaft spüren, wenn ich taktische Fehler mache.

Viele Funktionen, wenig Zeit

In der Praxis beginnt jeder Einsatz – egal, ob Haupt- oder Nebenaufgabe – mit der Auswahl der eigenen Armada. Das Spiel stellt euch eine gewisse Anzahl an Punkten zur Verfügung, die ihr für eure Schiffe ausgeben könnt. Kleine Eskorten kosten meist zwischen 40 und 50 Punkten, Kreuzer dagegen gerne über 100. Entsprechend müsst ihr schon vor Beginn der Mission überlegen, wie ihr den Fokus setzen wollt.

Battlefleet Gothic: Armada - Overview-TrailerEin weiteres Video

Anschließend geht es auf das zweidimensionale Schlachtfeld. Ganz recht, Battlefleet Gothic: Armada bietet lediglich ein flaches Spielbrett – trotz Weltraumszenario. Letztlich ist das aber eine gute Entscheidung, weil dadurch die Übersicht gewahrt bleibt und die ohnehin schon wilden Gefechte nicht vollends im Chaos versinken. Praktischerweise könnt ihr das Geschehen auch per Druck auf die Leertaste verlangsamen und habt dadurch Zeit, erweiterte taktische Manöver vorzunehmen und euch durch die durchaus komplexen Menüs zu klicken.

Schiffe versenken im Warhammer-Universum. Nicht perfekt, aber launig und atmosphärisch.Fazit lesen

Bei euren eigenen Schiffen entscheidet ihr beispielsweise über Reichweiteneinstellungen eurer Kanonen, zündet die Nachbrenner oder leitet gar schnelle Wenden ein. Darüber hinaus verfügen die Kolosse über Spezialfertigkeiten wie Torpedos, Blitzangriffe oder natürlich auch das Entern mit aggressiven Eingreiftruppen. In der Offensive entscheidet ihr, welche Bereiche der gegnerischen Pötte ihr attackieren wollt. Jede Fraktion besitzt ihre ganz speziellen Angriffstaktiken: Die Orks beispielsweise rammen ihre Widersacher bevorzugt. Daher macht es durchaus Sinn, zunächst ihre Triebwerke zu vernichten.

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In den Docks könnt ihr eure Schiffe aufrüsten und für Ruhmpunkte neue Extras dazu kaufen.
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Natürlich solltet ihr trotz aller Bemühungen auch die Areale selbst nicht außer Acht lassen und die Umgebung zum Vorteil ausnutzen. In Nebelbänken könnt ihr euch nämlich vorübergehend vor dem gegnerischen Radar verstecken. Saust ihr dagegen durch ein Asteroidenfeld, sind eure Schiffe danach schrottreif. Wird einer eurer Kreuzer gar versenkt, könnt ihr diesen für einige Züge nicht mehr einsetzen. Da schmerzt eine Niederlage gleich mal doppelt.

Warhammer-Melancholie

Das Missionsdesign ist dabei durchaus solide: Mal eskortiert ihr einige Transporter, mal nehmt ihr es in Frontalangriffen mit einer feindlichen Armada auf. Der Anspruch ist ausgesprochen hoch, gerade die Missionen mit Zeitlimit haben es in sich. In einem der ersten Aufträge beispielsweise gönnt mir das Spiel nur drei Minuten, um ein gegnerisches Schiff zu infiltrieren und dort Daten zu sichern. Zu dumm, dass der Feind ständig Reißaus nimmt und es einem so echt schwermacht. Leider wiederholen sich gerade die kleineren Einsatztypen mit der Zeit zu häufig, wodurch die großen Aha-Momente – etwa bei den Planetenbelagerungen – etwas untergehen.

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Missionen mit Zeitlimit – wie bei dieser Datenbergung – gehören zu den größeren Designsünden in Battlefleet Gothic: Armada.
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Trotzdem macht Battlefleet Gothic: Armada Laune und motiviert mit seinem einfachen, aber sehr effektiven Belohnungssystem. Mit den erwirtschafteten Ressourcen schaltet ihr wie in einem Rollenspiel neue Fertigkeiten für bestehende Fregatten frei, rüstet die Crew auf oder erhaltet gar neue Schiffe dazu. Hier eine Kanone, dort ein Bonus für bessere Schilde und für den Kanonier ein kleines Leckerli – die Auswahl an Upgrades ist üppig, aber auch an vorgegebene Slots gekoppelt, sodass die Spielbalance trotzdem gewahrt bleibt. Wer früher einmal mit den Modellbausätzen von Revell seine Autos und Boote zusammengesetzt hat, der erfreut sich garantiert auch an den detailreich dargestellten Kähnen von Battlefleet Gothic: Armada.

Lediglich der Geschichte hätte ein bisschen Bombast durchaus gutgetan. Zwar sind die gezeichneten Standbilder hübsch anzuschauen, die Ingame-Sequenzen aber wirken vergleichsweise blass. Ein paar Kameraschwenks, Porträtfotos und zugegebenermaßen gelungene englische Sprachausgabe sind heute nicht mehr genug. Der Plot selbst ist dagegen unterhaltsam und glänzt mit üblichen Warhammer-Klischees und markigen Sprüchen.