Kostenlos-Spielchen sind in. Fast jeder Publisher hat sie bereits in seinem Portfolio. Und wer keins hat, bastelt sich schnell eines. Electronic Arts gehört zu den Unternehmen, die recht früh auf diesen stetig Dampf aufnehmenden Zug aufgesprungen sind.

Nicht zuletzt mit Battlefield: Heroes etablierte man eine bekannte Marke in neuem Gewand auf diesem wachsenden Markt. Nun räubert man erneut in namhaften Gefilden und veröffentlicht eine abgespeckte Version von Battlefield 2 als Gratis-Battlefield Play4Free. Taugt das was?

Battlefield Play4Free - Kostenlose Battlefield-Action2 weitere Videos

Leihen oder kaufen?

"Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul", lautet eine alte Volksweisheit - demnach kann man bei diesem Angebot eigentlich gar nichts falsch machen. Aber die Realität sieht natürlich anders aus, der Sachverhalt ist komplexer. Hinter Battlefield Play4Free stecken die schwedische Easy Studios, die sich seit ihrer Gründung im Jahr 2008 auf frei spielbare Onlinegames spezialisiert haben (und auch bereits für Battlefield: Heroes verantwortlich zeichneten).

Battlefield Play4Free - Einem geschenkten Gaul schaut man besser doppelt ins Maul

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Tolles "Versteck"...
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Die Leute haben also Erfahrung mit der Materie und das ist dem Spiel durchaus anzumerken. Zumindest bei den Grundmechaniken der Mikrotransaktionen funktioniert nämlich alles einwandfrei, die Kaufinhalte sind hervorragend auf die übrigen Spielinhalte abgestimmt.

So beispielsweise der (noch recht dürftig ausgestattete) Item-Shop, in dem ihr eure Alter Egos mit besseren Flinten, coolen Klamotten, XP-Boosts oder einigen nützlichen Gadgets versorgt. Einen Teil dieser Einkäufe bestreitet ihr mit der virtuellen Version der Battlefunds-Währung, die ihr euch mit erfolgreichen Aktionen auf den Schlachtfeldern erspielt.

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Alles hat seinen Preis, ihr könnt Gegenstände leihen oder kaufen.
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Die Sache hat aber natürlich einen Haken: Dieses minderwertige Geld dient nur für leihweisen Gebrauch der Objekte von bis zu drei Tagen Dauer. Wer bessere Schießeisen oder Elite-Waffen, die deutlich schlagkräftiger sind als Standardwummen, für einen längeren Zeitraum oder gar für immer besitzen möchte, muss reales Geld einsetzen. Es ist zwar keinesfalls unmöglich, mit den Otto-normal-Kanonen Abschüsse zu erzielen. Die Chancen auf erfolgreiche Onlinegefechte steigen jedoch eindeutig proportional zum monetären Einsatz.

Battlefield Play4Free unterscheidet sich in vielen Punkten von seinem direkten Vorbild, es ist aber auch weniger als eine unmittelbare 1:1-Kopie. Offiziell wird die Mischung aus Battlefield 2 und Bad Company 2 zwar noch unter dem Label "Beta" betrieben, doch die Grundpfeiler des Spiels dürften nach dem Launch vor einigen Tagen kaum mehr verändert werden.

Taktische Armut

Die Vorgaben sind also recht simpel – mit "Assault" gibt es nur einen Spielmodus, bei dem zwei Parteien (Amis und Russen) à 32 Spieler um die Eroberung von Flaggen kämpfen. Jeder Seite stehen die vier Klassen Sturmsoldat, Scharfschütze, Sanitäter und Pionier zur Verfügung. Anders als bei den großen Mustern dürft ihr hier jedoch nicht frei zwischen den Typen wechseln. Startet ihr eine Session als Sniper, müsst ihr bis zum Ende der Runde auch dabei bleiben. Wer einen seiner anderen Charaktere zum Einsatz bringen möchte, muss in das Webbrowser gestützte Hauptmenü zurückgehen.

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Die Auswahl des Ziels fällt hier leicht.
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Dasselbe gilt leider für alle Änderungen an der Ausrüstung und den Optionen sowie das Aufleveln der Spielfiguren, deren Fertigkeiten in einigen Bereichen aufgewertet werden können. Diese Designentscheidung ist nicht nur sehr unbequem, sie beraubt Battlefield Play4Free auch einer der größten Vorteile dieser Spielreihe überhaupt: Der dynamische und strategisch oft wichtige fliegende Wechsel zwischen den Klassen fällt komplett unter den Tisch! Gut, anfänglich verfügt ihr als Nicht-Zahler ohnehin nur über zwei Slots – trotzdem würde man die gerne flexibler nutzen können.

Interessante Idee eines Shooter-Quickies, aber schwache Umsetzung mit Designmängeln.Fazit lesen

Als noch größeres Manko, nachdem ihr automatisch auf eine beliebige Map verfrachtet werdet (ein Serverbrowser existiert nicht), erweist sich die Abwesenheit zweier weiterer Kernfeatures: Es gibt weder Squad- noch Commander-Features, die früher einen erheblichen Teil der taktischen Spielmöglichkeiten ausmachten. Die Folge: Alle Gefechte arten in der Regel zum Rambo-Geballer ohne jeglichen Tiefgang aus.

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Es gibt sogar einen Fertigkeitsbaum für alle Charaktere.
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Jeder kämpft auf eigene Faust um Punkte, die wiederum für den Klassenaufstieg benötigt und in Zusatzfertigkeiten investiert werden. Ein ewiger Ego-Kreislauf, der höchstens vom Mapwechsel unterbrochen wird. Und auch hier wiederholt sich das Ganze wie beim Murmeltier ständig aufs Neue, da die derzeitige Version nur drei kümmerliche Karten mitbringt ("Oman", "Karkand" und "Sharqi", die alle ihren Vorbildern nachempfunden sind).

Immerhin, die Gestaltung der Maps bietet spielerische Abwechslung in dem Sinne, dass beispielsweise Sharqi mehr auf Häuserkämpfe spezialisiert ist, während Oman ausgiebige Schlachten mit Panzern, Jets und Hubschraubern ermöglicht. Apropos Vehikel: Die Kontrolle der 16 Fahrzeuge (u.a. Kampfhubschrauber Mil Mi-28, Düsenjäger F35 VTOL, Kampfpanzer T-90 oder Angriffsfahrzeug LSV) muss ebenfalls erst freigeschaltet beziehungsweise erlernt werden.

Das hat den Vorteil, dass sich nicht „jeder Depp" sofort hinter das Steuer eines Kampfjets klemmt, eine Garantie für gute Flugleistungen ist das allerdings auch nicht. Schon gar nicht, wenn man unverständlicherweise auf Pad-Unterstützung verzichtet.

Optisch reißt Battlefield Play4Free natürlich keine Bäume mehr aus, die Landschaft mit ihren überwiegend in sandigem Braun gehaltenen Matschtönen wirkt karg, die Charaktere und Fahrzeuge kantig, die Details an Figuren und Waffen schwach. Insgesamt bleibt ein sehr altbackener Eindruck zurück, auch wenn der eine oder andere Effekt im Vergleich zum sechs Jahre alten Battlefield 2 womöglich etwas aufgepeppt wurde.

So etwa Rauch und Beleuchtung, von zerstörbaren Objekten und Gebäuden (wie in Bad Company 2) kann man hier jedoch nur träumen. Zumindest bei mir herrscht übrigens leider immer noch ein stetig vorhandenes, teils starkes Lag, das so bei anderen Games nicht auftritt.