Im Jahr 1995 drehte Michael Mann einen Film, der als Synonym für die Katz- und Maus-Jagd zwischen Gangstern und Polizisten in die Filmgeschichte Hollywoods eingehen sollte. Heat war intelligent strukturiert, zeigte ausführlich die Planungsphase für einen großangelegten Banküberfall von Neil McCauleys (Robert De Niro) Truppe und die gleichzeitige Fahndung nach Hinweisen durch Lieutenant Vincent Hanna (Al Pacino).

Battlefield Hardline - Launch Trailer12 weitere Videos

Letztlich ging aber alles schief, einer der Gangster drehte durch und aus einer Kugel wurden sechs Tote. Es entfaltet sich ein heftiges Feuergefecht zwischen DeNiros Bande und Al Pacinos Einsatzteam und der Stand-Off funktioniert, weil wir die Charaktere vorher alle kennengelernt haben und auch das Gleichgewicht stimmt: beide Teams feuern mit Sturmgewehren und tragen schusssichere Westen – that’s it. Die Schießerei hat Charakter und Dramatik, weil sie sehr fokussiert ist. Und das fehlt Battlefield: Hardline beim ersten Anspieltermin noch ein wenig.

Taktik-Wünsche und Hollywood-Action-Realität

Leider scheint der Titel den gleichen Fehler zu machen, der so symptomatisch für diese Branche ist. Er will zu sehr Michael Bay sein, zu sehr Bad Boys und zu wenig Heat. Als Angreifer schießen wir eine Art Enterhaken auf einen Bereich über einem großen Fenster der Bank. Wir nutzen den Schwung des höheren Gebäudes und brechen wie in Call of Duty durch die Glasfront um sofort die überraschte Security mit Sturmgewehren im Anschlag niederzumähen.

Battlefield Hardline - Zu viel Michael Bay, zu wenig Heat

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 25/281/28
Mehr als nur inspiriert von Payday: Im Heist-Modus müssen die Gangster erst den Tresor knacken und dann via Fluchtfahrzeug die heiße Zone durchbrechen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ja, auch dieses Battlefield richtet sich primär an Mehrspieler-Fans, aber warum nicht mal einen frischen Ansatz probieren? Payday 2 von einem winzigen Team und kleinen Publisher hat gerade bewiesen, wie spaßig und intelligent man solche Operationen im Koop angehen kann. Einer hackt Kamerasysteme, ein anderer schaltet lautlos die Wachen aus, während der Dritte sich daran macht den Tresor zu knacken. Gerne auch in einem kleineren Match-Up; in Los Angeles ist nur der 16-gegen-16-Modus spielbar.

Das Polizei-Team wiederum könnte Lagepläne studieren und die Operation planen, zumindest Multiple-Choice wie in GTA 5 wäre doch nett. Und dann auch versuchen Kameras zu hacken und in bester Splinter-Cell-Manier Snake-Cams einsetzen um unter Türspalten durchzuschauen. Nichts davon gibt es in Battlefield: Hardline; gefühlt verschwindet die Taktik viel zu schnell irgendwo im wilden Stakkato aus Explosionen, Rauch und Blei.

Battlefield Hardline - Zu viel Michael Bay, zu wenig Heat

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 25/281/28
Ob Hardline auf Erfolgskurs rutscht oder abstürzt, wird letztlich die Balance entscheiden und die Akzeptanz der viel geschundenen Battlefield-Community.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Der Fuhrpark: SWAT oder Nationalgarde?

SWAT steht für Special Weapons and Tactics. Es ist eine Eliteeinheit der Polizei, die mit einem Mix aus Aufklärern, Scharfschützen, Zugriffsteam und Verhandlungsspezialisten operieren. Nun mögen amerikanische Polizisten generell schneller zur Waffe greifen als deutsche, aber der Fuhrpark des SWAT-Teams erinnert eher an den des US Marine Corps oder der Nationalgarde. Gepanzerte Fahrzeuge sind ein Muss, das ist klar. Aber ein Jeep mit M61 Vulcan-Gatling und 6000 Schuss pro Minute? Ein Polizei-Helikopter, der mit seiner Minigun einfach mal durch L.A. Downtown pflügt? Das stört die Atmosphäre ungemein, auch wenn es mal wieder keine Zivilisten gibt.

Wir haben es gespielt: die kreative Modi-Note passt, das Setting auch. Aber Michael Bay hat ein bisschen zu sehr in den Visceral Büros rumgefuscht.Ausblick lesen

Es mag komisch klingen, aber Battlefield: Hardline ist uns oft einfach zu viel Battlefield 4. Wir wollen Entwickler Visceral Games kein Unrecht tun, das Team rund um Steve Papoutsis ist schließlich für das brillante Dead Space verantwortlich und arbeitet laut eigenen Angaben bereits seit drei Jahren an dem Titel. Aber beim Spielen kommt uns zumindest aktuell viel zu viel zu bekannt vor: das Waffenhandling, die Sounds und sogar die Nachladeanimationen für die Enterhaken-Pfeile stammen aus Vorgängern der Battlefield-Reihe.

Der Little Bird wurde 1:1 übernommen und letztlich nur das Logo von der US Airforce auf L.A. Police Department geändert. Bei den Autos wurden die Humvees durch Jeeps, Land Rover & Co. ersetzt. Sie sind also neu, fahren sich aber sehr ähnlich und sind sowohl auf Polizei- als auch Gangster-Seite absurd gut bewaffnet.

Mit Trucks Polizei-SUVs zur Seite rammen

Toll hingegen ist, dass Visceral Games den Fuhrpark beider Parteien nicht einfach spiegelt. Die Gangster bekommen beispielsweise nur einen zivilen Helikopter, aus dessen Seiten Scharfschützen oder Raketenwerfer-Einheiten rausfeuern können. Dafür haben sie einen stark gepanzerten Truck, der genug Wumms hat, um eine Sperre aus Polizei-SUVS zu durchbrechen.

Bei den Modi darf sich Visceral offensichtlich richtig austoben, denn „Heist“ beispielsweise ist in mehrere Stages gegliedert. Es gibt den Angriff auf schwer gesicherte Gebäude wie die Pacific Bank of California, anschließend muss der Tresor geknackt sowie geleert und währenddessen ganze Wellen an Cops abgewehrt werden. Ist die Kohle im Rucksack, schwingt sich einer auf ein Flucht-Motorrad, die anderen schießen ihm den Weg frei.

Battlefield Hardline - Zu viel Michael Bay, zu wenig Heat

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 25/281/28
Muscle Cars wie der Dodge Challenger stehen zur Wahl oder auch Trucks, mit denen sich Polizeiautos schrottreif rammen lassen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Allerdings wirkt die extreme Bewaffnung hier nicht nur leicht aufgesetzt, sie bringt vor allem die Spielbalance mitunter heftig ins Wackeln. Mit dem Raketen- oder Granatwerfer müssen wir als Gangster nur ein paar Mal auf die Eingangspforte der Lobby feuern und töten dabei immer automatisch SWAT-Einheiten, weil die wenige andere Angriffspunkte haben. Auf der Straße wiederum haben die Cops einen gewissen Vorteil, weil ihre Fahrzeuge stärker gepanzert sind. Wir müssen uns ergo überlegen, ob wir mit dem Motorrad über Sprungschanzen im besten GTA-5-Style rasen und so entkommen oder die Kollegen mit schweren Trucks anrücken und die Polizei crashen, wie es auch in Watch Dogs so herrlich funktioniert.

Blutgeld, Drogen-Kohle und mehr Story-Fokus?

Neben der klassischen Geiselbefreiung im Counter-Strike-Stil macht der Modus „Blood Money“ richtig Laune. Das liegt daran, dass die Waffen und Equipment neuerdings In-Game-Geld kosten und es sich für uns richtig lohnt als SWAT-Polizist oder Räuber mit unserem Team den Jackpot in Form eines Gelddepots auf der Karte zu knacken. Der Clou: je länger wir die E-Taste auf dem PC gedrückt halten, desto mehr Kohle raffen wir in unseren Rucksack. Es ist das klassische „wer nicht wagt, der nicht gewinnt“-Spielchen, denn ohne eingespieltes Team dürfte dem Geldmopser ruck, zuck eine Kugel den Rücken verzieren.

Witzig auch: die Moneten wandern in einen Geldtransporter und wir können den des Gegners jederzeit überfallen. Bis zu 500.000 US-Dollar für die Teamkasse sind so drin, davon kann jeder für die nächste Runde mal ordentlich shoppen gehen.