Die Verschiebung von Battlefield 5 hat für viele fragende Gesichter in der Gaming-Szene und unter den Fans des Shooters geführt. Nun erscheint die Schlachtenplatte samt vielen Traditionsbrüchen erst im November. Die Beta, die am vergangenen Wochenende ausführlich von uns getestet wurde, zeigt deutlich, warum dieser Schritt nötig war.

So schön und actiongeladen ist Rotterdam in Battlefield 5:

Battlefield 5 - Official Gamescom-Trailer - Die Zerstörung von Rotterdam6 weitere Videos

Die Fehde zwischen Battlefield und Call of Duty ist fast so alt, wie die Reihen selbst. Seit Jahren versuchen Fans einer von beiden Seiten ihren Liebling im Gegnerlager als besseren Shooter zu verkaufen, während sie das Gegenüber gleichzeitig schlecht reden. 2017 war dieser Kampf schnell entschieden. Kein neues Battlefield und ein Star Wars Battlefront 2, das in den ersten Monaten nur Negativschlagzeilen machte, waren in diesem Fight der KO-Schlag für DICE und EA. Umso größer müssen sie in diesem Jahr mit Battlefield 5 zurückkehren, um sich gegen Call of Duty und damit Black Ops 4 durchzusetzen.

Die Beta von Battlefield 5 wurde am vergangenen Wochenende abgehalten und tausende Spieler sind der Einladung auf die Schlachtfelder gefolgt. Wir haben uns ebenfalls auf Battlefield 5 gestürzt und uns auf Narvik und Rotterdam, den beiden Karten der Beta, ausgetobt. Dass die Beta gleichermaßen Licht und Schatten auf den Launch von Battlefield 5 im November wirft, lest ihr in dieser Vorschau zum Shooter.

Die Battlefield 5-Beta brachte Licht und Schatten mit sich.

Grafisch eine absolute Wucht

Der erste öffentliche Test von Battlefield 5 kam gleich mit einer Auswahl an Spielmodi und Karten daher. Während es auf der arktischen Map „Narvik“ vor allem mit dem Grand Operations-Modus große Schlachten über mehrere Ingame-Tage gab, ging es in Rotterdam mit dem beliebten Conquest-Modus heiß her. Und wie wir es von einem Battlefield-Spiel gewohnt sind, bieten beide Karten eine absolute Augenweide für die Spieler. Egal, ob die Flieger in Narvik zwischen Flakfeuer und den Nordlichter durch die Nacht gleiten oder uns in Rotterdam bröckelnde Hausfassaden vor die Füße fallen, während wir uns langsam in Richtung Hafen vorkämpfen: Battlefield 5 sieht unfassbar gut aus.

Dabei wurden erste Bedenken und Probleme aus der Alpha von Battlefield 5 schon von DICE adressiert. So gestaltet sich der Schneefall auf Narvik nun deutlich subtiler und versperrt nicht mehr dauernd die Sicht. Gleiches wünscht man sich aktuell noch auf Rotterdam in Sachen Tauben und Blätter, die sich in die Lüfte erheben und damit gerne Mal verwirren. Hier wird aber bestimmt noch einmal nachgebessert, um Spieler besser sehen zu können. Schließlich wird das nun in Battlefield 5 wichtiger denn je.

Narvik ist vor allem bei Nacht eine Wucht!

Gute Spielelemente, schlechte Spielelemente

Mit Battlefield 5 werden einige Traditionen der Reihe über Bord geworfen. Den Anfang macht die Verteilung von Munition. Das sogenannte „Attrition“-System (zu Deutsch: Aufreibung) soll realistischer Szenarien abliefern. Mit eurem Soldaten startet ihr mit recht wenig Munition (in der Beta gab es in etwa zwei volle Magazine). Danach braucht es entweder einen Support, der euch mit Kugeln versorgt oder ein Sprint zur nächsten Munitionskiste. Gleiches gilt für Medi-Packs von Sanis oder die Sani-Versorgungsstationen. Im Grunde eine tolle Idee, die den Granaten-Spam reduziert und die Gefechte taktischer macht. Haben wir noch genug Munition, um den nächsten Push allein zu wagen oder müssen wir auf unser Squad warten, die uns versorgen können?

Allerdings geht das System aktuell noch nicht ganz auf. In der Praxis hat man das Gefühl, man müsse nach jedem Feuergefecht am besten wieder auf Munitionssuche gehen. Das ist mehr als die gewünschte spaßige Taktik und muss noch angepasst werden. Das hat DICE mittlerweile auch versprochen. Bis zum Launch oder schon zur nächsten Beta von Battlefield 5 soll diesbezüglich noch Fein-Tuning betrieben werden. So spawnt man dann vielleicht mit einem Magazin mehr oder hat von Anfang an ein Medi-Pack dabei, auch wenn man nicht den Sani benutzt.

Das Bauen-Feature gliedert sich gut in das Spiel ein, ohne übertrieben viel Zeit oder Platz einzunehmen.

Eine gute Neuerung ist der Wegfall der „Sweetspot“-Mechanik für die Sniper. Die Scharfschützengewehre liefern nun keinen garantierten Kill mehr, wenn die richtige Distanz zum Ziel besteht. Stattdessen ist der Schadensmultiplikator für kritische Treffer nun deutlich höher. Dafür gehen Soldaten bei Körpertreffern erst nach zwei bis drei Schüssen zu Boden. Das ist für Scharfschützen natürlich nun deutlich schwieriger als noch in Battlefield 1, macht die Treffer aber umso befriedigender, wenn sie gelingen. Zudem macht es das Leben der restlichen Soldaten einfacher, wenn sie nicht ständig aus verschanzten Positionen erledigt werden.

Die zusätzliche Zeit bis zum Release von Battlefield 5 muss von DICE und EA intensiv genutzt werden, um den Start so reibungslos wie irgend möglich zu gestalten.Ausblick lesen

Ebenso gut, wenn auch noch heiß diskutiert, ist das Ende des Spotting-Systems. Dadurch schießt ihr nun nicht mehr auf Verdacht auf große Dreiecke über den Köpfen gescannter Feinde, sondern müsst tatsächlich selbst die Augen öffnen und die Umgebung beobachten. Das macht die Kämpfe deutlich langsamer und taktischer. Eine Neuerung, die der Battlefield-Reihe definitiv eine neue Nuance verleiht. Denn gerade in Battlefield 1 bestand ein Großteil der Matches daraus, in die Menge der Gegner rein zu sprinten oder aus kilometerweiter Entfernung zu spotten und dann das Sniper-Gewehr auszupacken. Dank fehlendem Spotting spielt sich jetzt dazwischen ebenso viel auf dem Schlachtfeld ab.

Waffen haben einen eigenen Skill-Tree. Leider sind diese beschränkt, sobald man sich für eine Seite entscheidet.

Balancing- und Verbesserungen

In Sachen Gunplay und Waffen-Handling macht Battlefield 5 schon jetzt vieles richtig. Einzig am Balancing muss noch ein wenig geschraubt werden. So hatten wir aktuell noch das Gefühl, dass der Support mit den LMGs und (theoretisch) unendlicher Munition durch die eigene Versorgung leicht übermächtig ist. Zudem ist das STG-44 des Sturmsoldaten aktuell ohne wirkliche Konkurrenz im eigenen Kit. Aber das lässt sich mit einigen Anpassungen beheben. Anpassungen sind auch ein gutes Stichwort für die Skill-Trees, die wir mit jeder Waffe freischalten können. So reduzieren wir mit höheren Level (diese werden durch das benutzen jeder Kniffte erreicht) etwa den horizontalen Rückstoß oder laden schneller nach. Das macht Spaß und die Lieblingswaffe noch cooler. Allerdings sind die Skill-Trees limitiert, sobald eine Richtung gewählt wurde und können nur mit einer neuen Waffe anders aufgebaut werden. Hier wäre ein Wechsel zwischen den Optionen sinniger, um sich auf diverse Situationen und Karten einstellen zu können.

Was unbedingt noch eine gehäufte Ladung Balancing braucht, ist die V1, die sich per Squad-Befehl und entsprechender Punktzahl des eigenen Trupps abrufen lässt. Diese zerstört auf Rotterdam ganze Häuserblocks und macht mit sämtlichen Soldaten im Umkreis kurzen Prozess. Im Rahmen der Beta gab es aber bis auf die 40.000 Squad-Punkte keine weitere Beschränkung. Heißt für das Spielerlebnis: Gegen Ende der Runde hagelt es eine V1 nach der anderen auf die Kontrollpunkte. Manchmal sogar zwei in kurzer Folge auf einen Punkt. Das ist nervig und bringt den sonst so glatten Spielfluss gehörig zum Stehen, weil sich alle nur noch vor den Raketen fürchten.

Die V1 ist in der Beta von Battlefield 5 noch ziemlich mächtig und viel zu oft anzutreffen.

Hinter dem Vorhang geht’s chaotisch zu

Die Bugs in Battlefield 5 sind aktuell noch mannigfaltig. Sie reichen von einfachen Fehlern bei den Animationen über verstorbene Soldaten, die mitten in der Luft schweben bis hin zu Matches, die einfach nicht enden wollen. Und damit meine ich nicht, dass sie langweilig sind. Nein, sie werden nicht abgeschlossen, wenn der Runden-Timer auf null springt. Dafür bekommen sämtliche 64 Spieler die Endmusik auf die Ohren und befinden sich im Battlefield-Limbo, aus dem sie nie wieder herauskommen. Zumindest nicht, wenn sie es nicht selbst durch einen traditionellen Druck auf „Quit“ beenden. Vielleicht will DICE aber auch nur Gutes für uns und uns indirekt dazu zwingen, Battlefield 5 gänzlich auf Herz und Nieren zu testen.

Nagut. Aber was kommt diesen Monat auf den Markt? Seht selbst:

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Diese Zeit braucht es aber gar nicht. Die Bugs zeigen sich auch so immer wieder und werden auch schon innerhalb der Community In- und Out-Game diskutiert. Die Frage, die sich uns stellt, ist, ob zwei Monate ausreichen, um aus Battlefield 5 noch einen (fast) fehlerfreien Shooter zu machen. Der Beta-Build ist unter Garantie älter als das, was die Entwickler aktuell tagtäglich vor sich haben. Das ist gängige Praxis für Beta-Phasen. Mittlerweile dürften einige grobe Schnitzer behoben worden sein. Die Hoffnung bleibt also weiterhin, dass sich für Battlefield 5 alles am Ende zum Guten wenden wird. Wir drücken die Daumen.