Bugs, Abstürze und eine Menge Arbeit für die Entwickler: Das war unser Urteil nachdem die Beta von Battlefield 5 über die Bühne gegangen war. Für diese Herkulesaufgabe nur zwei Monate einzuplanen, schien auf den ersten Blick fast unmöglich. Die Zeit ist abgelaufen und Battlefield 5 zumindest schon für die Origin-Access-Abonnenten verfügbar. Bevor sich auch alle anderen in die Schlacht stürzen, haben wir uns Battlefield 5 geschnappt und unter die Lupe genommen. Haben EA und DICE die Kurve noch gekriegt?

Wir zocken eine Runde „Eroberung“ auf „Verbogener Stahl“:

Battlefield 5 - Bis zum letzten Soldaten auf Verbogener Stahl7 weitere Videos

Die Antwort darauf ist aber auch nach mittlerweile 20 Stunden Spielzeit recht schwierig. Die gröbsten Schnitzer der Beta gehören der Vergangenheit an. Im Kern weiß Battlefield 5 mit großen Höhepunkten zu begeistern. Dennoch gibt es so einige offene Fragen und Baustellen, die sich nicht einfach übergehen lassen. Auf den folgenden Seiten erfahrt ihr also, warum Battlefield 5 zwar genau das ist, was wir erwartet haben, aber auch nicht den nötigen Bumms mitbringt, um darüber hinaus zu begeistern.

Battlefield 5 ist da und will uns stundenlang mit Kriegsgeschichten und dem Multiplayer fesseln.

Aus dem Leben der Soldaten

Starten wir bei dem, was ein guter Anteil der Spielerschaft liegen lassen wird, wie die Stulle vom Vortag: Der Singleplayer von Battlefield 5. Wieder orientieren sich die Entwickler hier an mehreren kleinen Geschichten aus dem Zweiten Weltkrieg, die zumindest lose an echte Geschehnisse oder Organisationen angelehnt sind. So zum Beispiel die erste Episode „Unter keiner Flagge“, die die britische Geheimeinheit der SBS (Special Boat Service) beleuchtet, die sich in kleinen Gruppen hinter feindliche Linien geschlagen und dort präzise Ziele ausgeschaltet hat.

Wir haben zum Zeitpunkt dieses Test drei Episoden gespielt, das Intro mit einer kurzen Vorstellung aller Geschichten nicht eingerechnet. Die vorerst letzte Episode wird erst zum offiziellen Launch von Battlefield 5 am 15. November 2018 erscheinen. Wir gehen aber davon aus, dass sich am Gesamteindruck nach den ersten drei Kapiteln nicht viel ändern wird. Denn diese sind zwar inszenatorisch und grafisch die absolute Wucht, stellen sich aber durch das Gameplay immer wieder selbst ein Bein.

Gerade Solveig (rechts), die Heldin der zweiten Geschichte, bleibt extrem blass und fragwürdig.

Sequenzen, die besonders Spaß machen und damit auch Potenzial haben, im Gedächtnis zu bleiben – wie das großartige Finale der ersten Episode (Keine Sorge, wir spoilen an dieser Stelle nichts) – werden unnötig in die Länge gezogen. Dann taucht eine Welle von Gegnern nach der anderen auf und für den Spieler wird es zur reinen Materialschlacht gegen die leicht dämliche KI. Dann lieber kurz und knackig halten, damit der Spielspaß nicht darunter leidet. Die Open-World-Level dazwischen, in denen wir zwei bis drei verschiedene Stellungen zerstören müssen, wiederholen sich leider in allen Kapiteln und fühlen sich spätestens im dritten Akt einfach nur noch wie stumpfes Rauszögern für mehr Spielzeit an.

Egal, ob wir schleichen oder einen auf Rambo machen: So richtig will die Kampagne in den vier Stunden einfach nicht zünden. Die gezeigten Charaktere tragen ihren Teil zu diesem Problem bei. Während Billy Bridger aus der ersten Episode noch seinen Charme mitbringt, sind Solveig und Deme aus „Nordlys“ und „Tirailleur“ aufgrund ihrer Motivation und des mitschwingendem Pathos teilweise sogar ziemlich fragwürdig.

Der Grund, warum Battlefield 5 richtig rockt

Der Singleplayer wird aber – auch wenn er es durchaus versucht – nicht der Hauptgrund sein, Battlefield 5 zu kaufen. Seit Anbeginn der Reihe ist es schließlich der Multiplayer, der Gamer stundenlang fesselt. Zum Start von Battlefield 5 gibt’s insgesamt acht Karten in den Gamemode-Kategorien Eroberung, Infanterie-Fokus und Grand Operations. Letztere sind die konsequente Weiterführung der Operationen aus Battlefield 1 und ziehen sich nun über mehrere Tage auf mindestens zwei Karten. So springen wir auf Narvik zunächst als Angreifer ab und versuchen die Küste unter schweren Verlusten zu stürmen, um Geschütze zu zerstören. Am zweiten Tag gibt es dann einen anderen Spielmodus, bei dem wir Punkte entlang der kleinen Stadt einnehmen müssen. Abhängig von unseren Leistungen an Tag 1 haben wir dann mehr oder weniger Unterstützung dabei.

Explosionen, Kugelhagel, Deckung suchen: Der Bombast von Battlefield 5 zündet erst so richtig im Multiplayer.

Ist dies geschafft, wechselt die Karte und wir kämpfen auf den arktischen Gipfelspitzen der Karte „Fjell 652“ umzingelt von Infanterie und Flugzeugen um den großen Sieg. Das alles spielt sich wirklich wie eine große Schlacht und bringt viel Abwechslung mit sich. Wir dürfen gespannt sein, wie das System mit anderen Maps oder neuen Modi in Zukunft noch weitegetrieben wird. Wer es lieber kürzer hat, der darf sich in einzelnen Matches in „Infanterie-Fokus“ messen oder lieber klassisch auf allen Karten Punkte erobern, bis die Tickets eines Teams aufgebraucht sind.

Battlefield 5 bringt großartige Action-Momente und filmreife Szenen auf den Bildschirm. Damit bekommen wir alles, womit wir auch gerechnet haben. Aber leider auch nicht mehr.Fazit lesen

Apropos Karten: Mit Battlefield 5 hat DICE sich selbst übertroffen und einige der besten Multiplayer-Karten geschaffen, die es in den letzten Jahren gab. „Devastation“, „Arras“ und „Verbogener Stahl“ strotzen nur so vor Details und taktischen Routen. Und eben weil sie so ausgeklügelt sind, gibt es zum Launch „nur“ acht Maps. Ob wir uns an diesen Maps sattsehen können? Vielleicht, wenn wir noch ein paar dutzend Stunden auf dem Tacho haben. Diese wollen wir auch auf alle Fälle sammeln, denn Battlefield 5 zieht uns mit seinen filmischen Momenten immer wieder zurück. Ein ums andere Mal hatten wir das Gefühl in großen Anti- und Kriegsfilmen zu stecken. Szenen die wir aus „Saving Private Ryan“ oder „Band of Brothers“ kennen, können hier tatsächlich gespielt werden.

Devastation gehört in Sachen Optik definitiv zu den Highlights von Battlefield 5.

Mehr Taktik, weniger Zufall

Insgesamt mag Battlefield 5 durch den taktischeren Ansatz und den neuen Team-Fokus ein wenig langsamer geworden sein, aber es ist immer noch ein Battlefield. Das Gunplay ist großartig, die neuen Änderungen bringen frischen Wind mit sich und jede Sekunde haben wir das Gefühl, dass die Schlacht um uns herum wirklich tobt. So ein Gefühl kann nur Battlefield und das ist genau der Grund, warum wir immer weiter machen wollen.

Die klassische Aufteilung zwischen Sturmsoldat, Sanitäter, Versorger und Aufklärer ist auch in Battlefield 5 zurück, wurde dank einiger Änderungen aber verfeinert. Mit steigendem Level wählen wir etwa, ob wir mit dem Aufklärer eher Snipen wollen oder mehr Punkte bekommen, wenn wir die Team-Mitglieder durch geschickte Spawn-Punkte unterstützen. Sturmsoldaten wählen hingegen, ob sie aufs Ballern gegen Infanterie oder gegen Tanks und Co. setzen. Versorger und Sanis sind aufgrund des neuen Attrition-Systems gefragter als je zuvor. Denn jeder Soldat startet nur mit einem Med-Pack für die schnelle Heilung und begrenzter Munition. Regelmäßige Trips zu Versorgungsstationen auf der Map kosten Zeit und womöglich den Sieg. Gut also, wenn die Squads ausgewogen sind und nicht nur vier Sniper auf die Jagd gehen.

Das System der knappen Munition und beschränkten Selbstheilung setzt sich nach den Änderungen aus der Beta gut im Spiel um. Es schafft Situationen fernab des Granaten-Spams, der einst Battlefield 1 heimgesucht hat. Wer noch Flashbacks zu leeren Knifften in der Beta des Spiels bekommt, wird aufatmen. Denn der schmale Grat zwischen zu wenig und zu viel Munition zum Start ist unserer Meinung jetzt ziemlich gut gesetzt. Dem taktischeren Ansatz hilft zudem die Squad-Heilung, die es nun allen Mitgliedern einer Vierergruppe erlaubt, sich gegenseitig wieder auf die Beine zu holen. Unabhängig davon, ob sie Sani spielen. Das dauert dann ein bisschen länger, kann aber entscheidende Situationen herbeiführen.

Durch Befestigungen können Ziele komplett abgeriegelt werden. Hier kommt der Gegner nur mit schweren Geschützen durch.

Im Rahmen der Beta wurde das Befestigungs-Feature noch als Fortnite-Anlehnung von vielen Spieler abgewatscht. Aber auf allen Maps zeigt sich, dass Sandsäcke, Panzersperren und Geschütze einen enormen Vorteil rausholen können. So gibt es Punkte auf den Karten, die zum Beginn der Schlacht auf offenem Felde liegen. Erst wenn sie befestigt werden, können sie ohne den direkten Einfall der gegnerischen Horden verteidigt werden. Einen Punkt müssen wir an dieser Stelle noch erwähnen, wenn es um die Taktik von Battlefield 5 geht. Denn jedes Fahrzeug und jede Waffe bringt einen eigenen Skill-Tree mit sich. Wir wählen etwa, ob unser MG weniger nach oben zieht oder lieber schneller lädt, während Panzer und Flugzeuge….Ja, diese schauen aktuell noch in die Röhre. Denn dort ist der Menüpunkt für die Anpassung zwar zu sehen, aber mit der Nachricht „Demnächst“ ausgegraut. Und mit „Demnächst“ wird ein ziemlich großer Teil von Battlefield 5 beschrieben, der uns aktuell noch ein wenig Bauchschmerzen bereitet.

Das Problem mit den nachgeschobenen Inhalten

An dieser Stelle würden wir euch nämlich gern noch zeigen, wie „Tides of War“ (der kostenlose Ersatz des Premium Pass mit neuen Waffen, Fahrzeugen und kosmetischen Items), „Combined Arms“ (der Koop-Modus) sowie „Firestorm“, der Battle Royale-Modus von Battlefield 5, im Gesamtkonstrukt des Spiels wirken. Die neuen Inhalte gibt’s erst ab Dezember 2018, der BR-Modus lässt sogar noch bis zum Frühling 2019 auf sich warten. Das Problem hier ist, dass Battlefield 5 aktuell zwar richtig Spaß macht, aber eben ein wenig in Punkto Content hinter der Konkurrenz hinterherhinkt. Call of Duty: Black Ops 4 ist nun mal der direkte Kontrahent in diesem Jahr und bietet mit Multiplayer, Zombies und Blackout das rundere Paket. Da müssen DICE und EA noch zeigen, dass sie ebenfalls wissen, was die Spieler wirklich wollen.

Der Ingame-Shop ist zum Launch noch überschaubar. Zudem fehlt noch die Implementierung der Echtgeld-Währung.

Im Grunde setzt EA dank des neuen Abo-Services „Premier“ sowieso darauf, dass die meisten Spieler Battlefield 5 und künftige Games aus dem eigenen Hause als Service verstehen und die monatliche Zahlung bevorzugen. Das merken wir bereits beim gestaffelten Start, der unglaublich verwirrend für Otto-Normal-Spieler sein dürfte. Diejenigen, die eine Version von Battlefield 5 zum Vollpreis kaufen, dürfen als Letzte zocken und kommen sich nicht zu Unrecht veralbert vor. Da werden sich viele – wir inklusive – die Frage stellen, ob es nicht Sinn macht, ein paar Monate zu warten, um zu sehen, wie sich Battlefield 5 weiterentwickelt. Wer direkt zum Launch dabei sein will, zahlt am Ende vermutlich mehr und bekommt das unrundere Spiel. Selbst, wenn es im aktuellen Zustand schon einen riesigen Spaß macht.