Die Hersteller erfolgreicher Spielemarken stecken oft in einem künstlerischen Dilemma: Fans und Investoren fordern flotten Nachschub. Kritiker wollen jedoch Innovationen sehen. Diese unterschiedlichen Ansprüche vertragen sich meist nicht besonders gut. Auch der schwedische Entwickler Dice versucht sich bei Battlefield 4 an einem Balance-Akt zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Das zeigt sich besonders gut beim Singleplayer-Modus, der von Marketing und PR vehement eingefordert wird, weil er gerade in Deutschland noch enorm wichtig für die Verkaufszahlen sein soll.

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Für die Macher ist die Kampagne aber ein eher ungeliebtes Kind, wie man hinter vorgehaltener Hand preisgibt. Nach ausführlichem Test der etwa sechs Stunden langen Kampagne bewahrheitet sich das auch. Denn die krude Geschichte um einen gewissen Sergeant Daniel Recker und sein "Tombstone"-Squad wird zwar bemüht auf die Beine gestellt. Vergleicht man das jedoch mit der Blockbuster-Inszenierung der letzten "Call of Duty"-Teile, bleibt Battlefield 4 deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Battlefield 4 - Mehr als ein Grafik-Update?

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Die Seegefechte bringen neue Impulse für die Battlefield-Schlachten, wobei vor allem die wendigen Kanonenboote herausstechen.
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Die gesamte Handlung um einen Konflikt mit China und Russland bleibt vom ersten Moment an unverständlich. Die Missionen: zusammengestückelte Action-Versatzstücke vom Reißbrett, voller Soldaten-Pathos und teils merkwürdig agierenden Charakteren. Das ergibt vorne und hinten kaum einmal Sinn. Das hat Dice zumindest bei den "Bad Company"-Ablegern schon amüsanter und besser hinbekommen.

Packshot zu Battlefield 4Battlefield 4Erschienen für PC, PS3, Xbox 360, Xbox One und PS4 kaufen: ab 4,11€

"Ich will nur Multiplayer!?"

Jaja, ich weiß, was ihr jetzt denkt: "Wen interessiert denn bei Battlefield der Singleplayer-Modus?!" Aber es gibt dort draußen Millionen Käufer, die niemals den Weg in den Mehrspielermodus finden, sondern sich nur durch die Story kämpfen. DENJENIGEN sei gesagt, dass sie von dieser Kampagne eigentlich nur enttäuscht werden können, auch wenn man Dice hier spielerisch trotz ziemlich tumber KI und schon gar nicht audiovisuell etwas vorwerfen kann. Denn in diesen Bereichen bietet das Studio - abgesehen von einigen Ruckel-Schwächen in Zwischensequenzen und einer vergleichsweise hässlichen Abschluss-Mission - mit seiner Frostbite-3-Engine ganz großes Action-Ballett.

Die grafischen Unterschiede der einzelnen Versionen sind dabei durchaus markant. Zwar erreichen die Current-Gen-Fassungen immer noch meist ziemlich ansehnliche Ergebnisse, doch gegen PC- und Next-Gen-Konsole (PS4) sehen sie doch eher alt aus. Gerade was Texturdetails und Grafikeffekte betrifft, etwa die weitgehende Zerstörung der Umgebung, setzt sich die PC-Version klar von allen Konsolen ab. Aber auch auf der PS4 bekommt ihr in vielen Momenten eine wunderschöne Augenschmaus-Granate um die Augen gepfeffert. Und das alles bei 60 FPS, denn "Battlefield 4" robbt sich damit an seinen Hauptkonkurrenten "Call of Duty" heran, der dieses Feature bisher als Alleinstellungsmerkmal wie ein Mantra vor sich hin betete.

Dieses Mehrspieler-Ereignis wird in diesem Jahr wohl kaum noch zu übertreffen sein!Fazit lesen

Diese Anpassung macht sich vor allem in Situationen positiv bemerkbar, in denen wirklich viel auf dem Bildschirm passiert. Das Geschehen knallt dann im Vergleich zu Battlefield 3 spürbar ruhiger und flüssiger über den Schirm. Bei all dieser optischen Opulenz ist es aber ein wenig verwunderlich, dass ich immer wieder an kleinen Objekten oder Ecken hängen bleibe - das kann schon nerven. Wurde hier die Feinarbeit nicht abgeschlossen?

Von dem Grafik-Tohuwabohu darf man sich natürlich nicht blenden lassen, denn Battlefield 4 bietet spielerisch keine Revolution. Dice hat vielmehr eine Reihe Schrauben verstellt, um sich mit kleineren Neuerungen am Mehrspielermodus der Kritik mangelnder Innovation zu entziehen. Die Schweden sagen es ja im Prinzip beinahe selbst, indem sie das so genannte "Levolution" einführen. Damit ist gemeint, dass die zehn neuen Maps jetzt dynamischen Prozessen unterliegen. Ihr könnt also mitten in der Schlacht interaktiv Hochhäuser zum Einsturz bringen oder etwa einen Damm sprengen.

Das ist zwar irgendwie cool, weil dann plötzlich das Gelände unter Wasser gesetzt wird. Während der Gefechte hatte das aber gefühlt nur eine niedrige Bedeutung für den Spielablauf. Das ist in etwa vergleichbar mit dem "Wettersystem", das auf den "Meeres"-Maps Wellen verursacht: nett, aber nicht mehr.

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Im Commander-Modus könnt ihr eure Kameraden mit EMP- oder Raketenangriffen unterstützen – das funktioniert auch am Tablet tadellos.
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Obwohl subtiler, ist eine andere Änderung beim Kartendesign durchschlagender: Die Umgebung wirkt oft etwas weniger weitläufig, dafür aber vertikaler. Sprich: Ich werde häufiger aus der Höhe beschossen - und das liegt nicht an den Kampfhelis und Jets, die über den Köpfen ihre Runden drehen. Sondern daran, dass die Maps entsprechend gebaut sind und solches Gameplay unterstützen. Auf veränderte Umstände muss man sich insgesamt einstellen, weil eben viele Karten Wassergebiete oder offenes Meer enthalten.

Das macht sie zum idealen Tummelort für die neuen, wendigen Kanonenboote und Amphibienfahrzeuge, mit denen ihr jetzt auch ins Gefecht ziehen könnt. Gerade mit den Offensiv-Booten lässt sich teilweise mächtig abräumen, weil die meisten Spieler sich erstmal darauf einstellen müssen, massivst von der See aus beschossen zu werden. Auch Duelle mit feindlichen Angriffskähnen haben es in sich und machen eine Menge Spaß.

Neu oder zurückgeholt

Wie schon geschrieben, hat Dice viele kleine Neuerungen eingestreut. Mit einigen Gewehren lugt ihr jetzt etwa vorsichtig ums Eck oder ihr sammelt auf dem Schlachtfeld "Battle Pickups" auf - besonders starke 1-Hit-Kill-Waffen, die aber nur begrenzt Munition besitzen. Squads bestehen jetzt zudem aus fünf Soldaten, was die taktische Flexibilität erhöhen soll. Außerdem könnt ihr nun Nahkampfattacken kontern, sofern sie nicht von hinten erfolgen. Und dann wären da noch die Field Upgrades, die aus Battlefield 2142 eine Rückkehr feiern.

Sie ersetzen das Spezialisierungs-System aus Battlefield 3 und sollen das Teamplay stärken. Ähnliches gilt für den Commander-Modus, der einem Spieler pro Team die Möglichkeit gibt, auf übergeordneter Ebene in die Schlacht einzugreifen. Etwa, indem er Versorgungspakete abwerfen lässt oder indem Raketen- oder EMP-Angriffe initiiert werden. Das funktioniert sogar per Tablet, egal, wo ihr euch gerade befindet.

Wer sich bisher nicht mit Helis oder Jets in den Kampf wagte, kann sich übrigens ausgiebig auf dem "Testgelände" rumtreiben und dort ohne Druck alle Fahrzeuge und freigeschalteten Waffen ausprobieren. Dice hat zwar die Steuerung der Fluggeräte ein wenig vereinfacht, aber selbst Profis können ja ab und zu eine Übungsrunde einlegen oder das Controller-Layout in Ruhe für sich perfektionieren und testen.

Von den acht angebotenen Spielmodi sind drei (teilweise) neu: "Domination“ kannte man bereits als Käufer der DLCs von Battlefield 3. Dabei handelt es sich um eine "Conquest"-Variation, die nur mit Infanterie gezockt wird. Das Gleiche gilt für "Defuse", in dem zwei Teams à fünf Spieler aufeinandertreffen und eine Seite eine Bombe hochjagen muss. Einen Respawn gibt es dabei nicht - das erinnert doch stark an Counter-Strike.

Last, but not least: "Obliteration", der für mich coolste neue Modus. Auf der Karte erscheint jeweils eine Bombe, die erobert und dazu genutzt wird, nacheinander drei Ziele des Gegners zu zerstören. Die Gefechte waren oft extrem abwechslungsreich und umkämpft. Modi wie "Rush" oder "Deathmatch" sind dagegen schon längst alte Bekannte. Für E-Sportler dürfte sicherlich der neue Spectator-Modus interessant sein, in dem sich die Schlachten aus nahezu jeder Perspektive beobachten lassen.

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Wer sich nicht gleich mit Jet oder Heli in die Schlacht stürzen will, kann die Steuerung auf dem „Testgelände“ ausgiebig ausprobieren.
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Eingebunden ist das gesamte Mehrspielersystem abermals in das umstrittene Origin und Battlelog. Letzteres wurde deutlich aufgebohrt und erlaubt euch beispielsweise, euren Freunden Herausforderungen und Aufgaben zu stellen oder sofort zu sehen, dass sie online sind und was sie gerade treiben. Wie es sich für das digitale Zeitalter gehört und wie es wohl bei vielen Online-Spielen bald zum Standard gehören wird, sind die meisten Funktionen des Battlelog auch mobil per App verfügbar.

Loadout-Änderungen sind hier genauso möglich wie die Suche nach Spiel-Servern. Außerdem könnt ihr euch während der laufenden Spielsessions auch eine Minimap auf Tablets anzeigen lassen oder Ausrüstungsanpassungen vornehmen, die nach dem nächsten Respawn automatisch aktiv werden.