Activsion hat es mit seinem Elite-Programm für Call of Duty vorgemacht und Electronic Arts ist mit seinem Hochglanz-Shooter nachgezogen: Das Premium-Paket für Battlefield 3 vereinigt zum Preis von knapp 50 Euro neben einer Reihe von Online-Diensten vor allem fünf DLCs für Multiplayer-Gefechte unter einem Dach.

Wer aber nicht alle Zusatzinhalte haben möchte, darf sich auch einzeln bedienen und etwa das gerade veröffentlichte "Battlefield 3: Close Quarters" für 15 Euro unter den Nagel reißen.

Die zweite Erweiterung nach "Back to Karkand" stellt die gewohnte Spielerfahrung in Battlefield zumindest stückweise auf den Kopf. Anstatt mit der Unterstützung schweren Kriegsgeräts den Feind unter Schutt und Asche zu begraben, fechtet ihr die Auseinandersetzungen in "Close Quarters" allein mit gemeinem Fußvolk aus.

Von Angesicht zu Angesicht

Entwickler Dice hat dabei an dem bestehenden Klassensystem wie gehabt keinerlei Änderungen vorgenommen, das Spielgefühl ändert sich jedoch trotzdem gravierend. Welche der vier neuen Karten ich auch betrete, sofort setzt auf den engen, für Infanterie-Gefechte handgeschnitzten Areale eine ungewohnte Hektik ein. Das kannte ich in der Form bisher nur von Call of Duty - diese drangvolle Enge, das ständige Hin- und Hergewetze. Hinter jeder Ecke lauert möglicherweise ein Feind und damit der virtuelle Exitus.

Battlefield 3: Close Quarters - Wie Call of Duty, nur eben Battlefield

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Die Vertikalität spielt in Close Quarters eine große Rolle.
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Und das ist keine leere Versprechung, das ist Realität. Denn die Maps sind so verschachtelt und unübersichtlich, beherbergen etliche Vorsprünge, Deckungsmöglichkeiten und Hinterhalte, dass einem vor lauter Stress der Schweiß auf der Stirn steht.

So gut die Kartengestaltung auch gelungen sein mag - die Enge hat einen bedeutenden Nachteil: Die Zahl der sinnlosen und frustrierenden Tode direkt nach dem Respawn steigt deutlich an, weil es einfach keine sicheren Wiedereinstiegspunkte mehr gibt.

Packshot zu Battlefield 3Battlefield 3Erschienen für Wii U, PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: ab 9,49€

Egal, ob ich mich durch verrostende Fabrikhallen ballere ("Altmetall), ein Designerloft in Minuten zu einer Bruchbude zerschossen wird ("Ziba-Tower"), eine in Ruinen liegende Villa durchforste ("Donya-Festung") oder in "Operation 925" durch einen Bürokomplex inklusive spärlich beleuchteter Tiefgarage hetze - so gut wie immer befinde ich mich im Inneren von Gebäuden.

Battlefield 3: Close Quarters - Wie Call of Duty, nur eben Battlefield

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Destruction HD lässt weitgehende Zerstörung der Umgebung zu.
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Das wirkt sich nicht nur wegen der beengten Umgebungsgestaltung auf den Spielablauf aus, der sich deutlich von den offenen Schlachten der bekannten BF3-Maps unterscheidet. Auch die Vertikalität dieser Areale spielt eine dominante Rolle, an die sich viele noch gewöhnen müssen. Bei früheren Infanterie-Einsätzen kam dieses Element in diesem Maße noch nicht so sehr zum Tragen.

Nicht unbedeutend für die intensiven Scharmützel ist die Tatsache, dass Dice noch mehr Zerstörung an Objekten zulässt. Die Schweden nennen das "HD-Destruction" und tatsächlich ist es möglich, das Inventar der Büros oder Mauerwerk quasi zu pulverisieren. Dadurch wird potenzielle Deckung zwar noch fragiler, andererseits nutzen clevere Spieler diesen Umstand zu leichten Abschüssen aus. Dass ich erneut immer wieder auch Opfer werde, obwohl ich mich vermeintlich hinter die eine oder andere Ecke gerettet habe, kann damit zwar nicht gemeint sein. Vielleicht ist es aber eher Feature als Bug.

Waffenmeister & HD-Zerstörung

Neben den vier neuen Maps bringt "Close Quarters" als herausstechendes Merkmal auch zwei neue Spielmodi mit. "Waffenmeister" dürfte aus anderen Shootern bekannt sein: Jeder Spieler steigt mit einer Standardwumme ins Spiel ein, nach jeweils zwei Abschüssen erhält man automatisch die nächstbessere Waffe. Nur am Ende der Nahrungskette muss mit dem blanken Stahl (sprich Messer) agiert werden, um den siegbringenden Kill zu setzen.

Dieser Spielmodus scheint für die hektischen Levels wie geschaffen, da er den Stressfaktor doch noch einmal potenziert. Allerdings handelt es sich zugleich um einen reinen Egomanen-Modus, denn nur einer kann am Ende gewinnen.

Im Gegensatz dazu steht der Team-Gedanke bei "Eroberung: Vorherrschaft" wieder im Mittelpunkt. Obwohl sich die beiden Parteien auch hier um drei Flaggenpunkte streiten, geht das Ganze deutlich rasanter ab als in vergleichbaren Modi des Hauptspiels, weil die Punkte schneller eingenommen werden.

Battlefield 3: Close Quarters - Wie Call of Duty, nur eben Battlefield

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Erst schießen, dann fragen gilt in den engen Gängen.
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Das Geschehen wogt aufgrund der vergleichsweise geringen Abstände zueinander ständig hin und her. Verschnaufpausen gibt es so gut wie nie. Es fällt daher auch nicht negativ ins Gewicht, dass die Flaggen als Respawnpunkte wegfallen, die Wege sind wirklich sehr kurz.

Erwähnenswert ist zudem, dass mit "Close Quarters" das Waffenarsenal um zehn neue Wummen aufgestockt wird, die auch im Hauptspiel einsetzbar sind. Allerdings erhaltet ihr sie nicht automatisch. Ihr müsst dafür Aufträge (also etwa Abschüsse) erfolgreich absolvieren, um die Knarren freizuschalten. Das stellt aber kein Problem dar, weil es ohnehin nebenbei erledigt wird.

Fazit

Traditionelle Battlefield-Veteranen werden sich mit diesem Zusatzinhalt eventuell schwer tun. Das Geschehen neigt sehr zur Dauer-Hektik und erinnert damit stark an Call-of-Duty-Matches. Zwar sind die kleinen, engen Maps von gewohnt hervorragender Qualität, aber viele dürften dennoch Panzer, Jets und andere Vehikel vermissen.

Battlefield lebt aber schon von jeher von genau dieser atmosphärisch dichten Mischung aus heftigen Infanteriegefechten und dem Einsatz schweren Kriegsgeräts. "Close Quarters" ist sicherlich als Happen für zwischendurch nicht schlecht und erfüllt die in den DLC gestellten Erwartungen voll und ganz. Ich freue mich aber viel mehr auf "Armored Kill", das im September erscheinen wird.

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