Zehn Meter. Zehn verflixte Meter entscheiden auf EAs Showcase Event in London immer wieder über Sieg und Niederlage. Mit der neuen Steyr Aug im Anschlag preschen wir durch das Tor, erledigen die ersten Wachposten kurz vor der Fahne. Alles gut, verschnaufen, die Gegend sondieren: Die Flagge liegt in der Mitte, leicht rechts in einem ziemlich großen Innenbereich, der fast komplett von einem See umschlossen wird.

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Nur in der Mitte ist ein kleines Steinhaus, verziert mit edlen ionischen Säulen. Der Rest jedoch ist Todeszone: Acht Holzstege führen verzweigt zu dem Pavillon im Zentrum. Um den gesamten Bereich führen Balkone, vollkommen unmöglich die alle abzusichern. Ergo versuchen wir es mit einem Rush: Mit meiner Steyr Aug, die durch das Rot-Punkt-Visier sowohl als Sturmgewehr als auch Präzisionswaffe respektive Sniper-Ersatz dient, renne ich über den kleinen Steg.

Checke die Lage, gebe den Kollegen das Go und dann schnappt die Falle zu: Vier meiner Teamkameraden rennen gerade über einen der Holzstege, da wird die Stille von allen Seiten durch Gewehrfeuer zerrissen. Granaten explodieren, Typen mit M240-Maschinengewehren halten auf den Steg. Der zerbirst in tausend Teile, die beiden Teammates gehen drauf und auch mein Pavillon hat ordentlich was abbekommen.

Wir dachten eigentlich wir hätten vorgesorgt, hatten das halbe Team über die Treppen nach oben geschickt, um einen möglichen Angriff abzufangen, aber auch die gehen drauf. Die erste Runde geht klar an den Feind. Da müssen wir uns was einfallen lassen.

Battlefield 3: Close Quarters - Schnell und hart wie Call of Duty, aber im Herzen Battlefield

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Die neue Steyr Aug ist ein Multi-Talent: Gut im Infight wegen der hohen Schussfrequenz; exzellent auf Distanz mit Rot-Punkt-Visier.
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Cleveres Map-Design

In London konnten wir gut eine Stunde auf Dunya Fortress verbringen, einer der neuen Karten für das DLC-Paket „Close Quarters“ für Battlefield 3, das im Juni erscheinen wird. Es ist zwar eine Infanteriekarte, aber eine mit extrem vielen taktischen Möglichkeiten. Klar, wer Bock hat, schnappt sich die neue SPAS-Schrotflinte, upgradet das Ding mit Explosivgeschossen und räumt damit ordentlich auf.

Wer jedoch als Team vorgeht und schon ein bisschen „Battlefield 3“-Erfahrung gesammelt hat, serviert solche einsamen Wölfe mit ein paar Headshots ab. Die Steyr Aug ist dafür perfekt geeignet: gut auf kurze Distanz und für Vorstöße durch das große Magazin, aber mit Rot-Punkt-Visier auch extrem präzise, um von Balkonen runterzusnipen. Also was unterscheidet diese Karte hier von der typischen „Call of Duty“-Rush-Map?

Packshot zu Battlefield 3Battlefield 3Erschienen für Wii U, PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Es ist auf jeden Fall schon mal das Kartenlayout. So gibt es drei primäre Kampfschauplätze: Einmal der See mit den Holzstegen und dem kleinen Pavillon in der Mitte eben, ein ähnlich gelayouteter Innenbereich nur ohne See, dafür mit Säulen, um Deckung zu suchen, und ein Fahnenpunkt, der sehr versteckt im Keller der Villa ist, wofür es nur zwei Zugänge gibt. Einmal über die Kellertreppe und einmal über ein klaffendes Bombenloch, was quasi den ersten Stock mit dem Untergeschoss verbindet. Das macht es für die Verteidiger freilich einfacher, die sind allerdings im Keller mehr oder minder gefangen, lassen sich also mit Raketenwerfer oder Granaten rausbomben.

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Cleveres Design: Einer der Flaggenpunkte liegt im Keller, erreichbar nur über einen Bombenkrater sowie einen weiteren Zugang.
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Bleibt der Camper im Keller?

Erstaunlicherweise schafft es DICE selbst auf dieser recht überschaubaren Karte ohne die gigantischen Außenareale, die ihr sonst von „Battlefield 3“ gewohnt seid, für die meisten Klassen das richtige Layout zu bieten. So liegt der eingangs beschriebene Pavillon exakt mittig zentriert und es zeigen vier geöffnete Tore darauf. Von den Toren wiederum führt ein Gang unter der Villa hindurch zu einem anderen Tor.

Richtig gute Scharfschützen können ergo vom zweiten Tor durch das erste hindurchschauen und so unentdeckt einen gewissen Teil sichern, haben aber keinen direkten Blickwinkel auf die Fahne. Da hat DICE schon an die Balance gedacht. Ingenieure sorgen für Flaggenbeschuss mit ihren Raketenwerfern und treiben die Ratten aus ihrem Bombenloch bei Flaggenpunkt Delta.

Neuer Modus: Conquest Domination

Mit „Dunya Fortress“ führt DICE auch einen neuen Spielmodus namens „Conquest Domination“ ein. Größter Unterschied zum „Conquest“-Modus: Wer keine Tickets mehr hat, verliert. Außerdem gibt es keine echte Basis, stattdessen werden die Spieler vollkommen beliebig und irgendwo gespawnt.

Mehr Chaos, mehr Zerstörung, etwas weniger Taktik. Close Quarters ist gewagt, macht aber jede Menge Laune.Ausblick lesen

Das macht die Matches weniger vorhersehbar, erschwert natürlich aber auch die Planung für koordinierte Angriffe, weshalb viele Matches irgendwann einfach im Jeder-sucht-sich-irgendwo-einen-Feind-Chaos mündet und keiner sich wirklich mehr darum kümmert seine Flagge zu verteidigen.

Ein Design-Wunder: Ziba Tower

Die Runden auf Dunya Fortress waren durchaus spaßig, fallen aber eher in die Kategorie „ganz nett“, ist aber kein „Muss ich jetzt, sofort und gleich kaufen, runterladen und spielen“-Kandidat. Ganz anders war das auf dem letzten EA-Event in San Francisco, wo wir die zweite Karte des „Close Quarters“-Pakets namens „Ziba Tower“ gespielt haben.

Die fühlt sich streckenweise zwar noch chaotischer an, liegt aber einem fantastischen Design zu Grunde. Die Map ist im Grunde als zweistöckiges Penthouse aufgemacht. Sehr modern, mit vielen Glaselementen, roter Ledercouch, viel Edelstahl. Klar, dass DICE hier voll mit seiner Frostbite Engine 2.0 auftrumpfen kann. Zwar feiert die auch auf Dunya Fortress hier und da ihre Glanzmomente, etwa wenn eine Granate einen der Holzstege zerreißt, aber was auf Ziba Tower abgefeuert wird, ist schlicht nur mit einer Explosion von Partikeleffekten zu umschreiben.

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Destruction Derby: Hier krachen ganze Säulen in sich zusammen. Ein bisschen wie die Guggenheim-Szene aus „The International“.
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Da platzen riesige Fensterfronten in tausend Scherben, Holz splittert, die edle Designer-Couch wird in Fetzen geschossen und unter dem Dauer-Beschuss von MGs, Sturmgewehren und Granatwerfern werden edle Marmor-Statuen zerstört und bricht der Stuck aus den hellen, weißen Säulen. Für einen Architektur-Liebhaber muss das Ganze hier wie eine Schlachtbank sein.

Schnelle Action, „Call of Duty“-Style

Wer also schon immer mal von einer waschechten „Call of Duty“-Karte mit der effektvollen Physik der Frostbite Engine geträumt hat, wird hier glückselig werden. Taktik? Strategie? Sorry, keine Zeit, muss Headshots verteilen. Was hier zählt, ist ein gutes Auge, eine exzellente Übersicht über die Karte und natürlich Treffsicherheit.

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Die gesamte Villa auf Dunya Fortress ist untertunnelt. Wer clever ist, entgeht so Hinterhalten in den Innenhöfen und schlägt selbst von hinten zu.
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Was hier außerdem immer wieder fasziniert, ist, wie schnell sich das Blatt wendet. Gerade bricht man mit seinem Team durch, hat gefühlt ein Stockwerk gesichert, da platzen plötzlich Wände, wird Beton aus der Mauer gerissen, fliegen Granaten und gellt feindliches Gewehrfeuer. Im Grunde müsst ihr euch die Karte so vorstellen, dass ihr immer zwei Gänge entlang rennt, die parallel liegen und nur durch eine Wand voneinander abgetrennt werden. Witzigerweise startet das russische Team auf der einen, das amerikanische auf der anderen Seite. Wer hier also die Shotgun zückt, wird mit Schüssen in die Wand mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf der anderen Seite noch was treffen.

Zudem sind einige Wandteile ausgespart, bestehen also nicht aus Mörtel und Zement, sondern nur dünnen asiatisch angehauchten Papierwänden. Die zu durchlöchern ist freilich ein leichtes. Passend dazu gibt es eine neue Bullpup, die L86LSW. Ein leichtes Maschinengewehr mit enormer Feuerkraft, das perfekt zum „Rumholzen“ geeignet ist.