Mehr als neun Millionen Mal ging Borderlands 2 laut Publisher 2K über den Tresen – es ist das erfolgreichste Spiel in der Geschichte des Unternehmens. Doch anstatt jetzt einfach einen Nachfolger rauszuhauen, wagt Entwickler Gearbox Software den Schritt, eine völlig neue Marke aus dem Boden zu stampfen: Battleborn. Dass das Team um Randy Pitchford neue Ideen erfolgreich umsetzen kann, hat es mit Borderlands eindrucksvoll beweisen und weitere Spin-offs sind ja bereits bei externen Studios in der Mache. Im US-Magazin Game Informer wurden jetzt die ersten Fakten zum neuen Koop-Shooter enthüllt.

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Meine erster Gedanke beim Angucken des Trailers: Avatar 2 kommt als Videospiel raus! Doch für die Entwickler steckt natürlich viel mehr dahinter: „Battleborn ist das größte Projekt, an dem wir je gearbeitet haben", behauptet Gearbox-Chef Randy Pitchford. In dem Spiel wird am Ende mehr Aufwand stecken, als in alle Gearbox-Spielen der letzten zehn Jahren zusammen, sagt er. Das ist natürlich noch lange keine Garantie auf ein gelungenes Werk – und Kenner wissen auch um die Misserfolge (Alien: Colonial Marines, Duke Nukem Forever) der Entwicklerbude aus einem Kaff in Texas.

Doch auf den ersten Blick wirkt die bunte Videospielwelt mit vielfältigen Protagonisten schon irgendwie cool. Dahinter steckt eine verrückte Verschmelzung verschiedener Genre-Klischees- und Spielmechaniken, die aus allen möglichen Bereichen der Fantasy und Science-Fiction entliehen wurden.

Auf der einen Seite soll Battleborn zum Release etwa 20 divergente Charaktere enthalten, die nicht nur mit Gewehren oder schweren Gattling-Geschützen ins Feld ziehen, sie ballern auch verwunschene Pfeile heraus oder beschwören telekinetische Schwerter. Eine nicht unbedingt gewöhnliche Kombination auf den Gaming-Schlachtfeldern von heute. Während eine Figur an einen übellaunigen Sith-Lord erinnert, denkt man bei anderen eher an herumwankene lebende Pilze auf zwei Beinen. Oder Elefanten.

Battleborn - Von Borderlands zu Battleborn, vom Ego-Shooter zum Ego-MOBA?

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Stilistisch bedient sich Battleborn bei vielen Quellen. Gearbox scheut sich jedoch nicht, die Ähnlichkeiten zu Game of Thrones, Avatar und Borderlands direkt beim Namen zu nennen.
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First-Person-MOBA?

Die hohe Anzahl andersartiger Charaktere kommt aber andererseits wohl nicht von ungefähr, denn Battleborn soll auf verschiedenen kooperativen und kompetitiven Spielmechanismen basieren. Viele der bislang bekannten Spielelemente sind daher nicht allein auf dem kooperativen Wesen der Kampagne ausgerichtet, sie haben ihre Wurzeln in Spielen wie League of Legends, Battlefield oder Titanfall – alles Inspirationsquellen, die von Gearbox beim Namen genannt werden. Deutlich wird das etwa beim Mehrspieler-Modus „Incursion" für zehn Spieler (fünf gegen fünf). Das ist eindeutig nichts anderes als ein First-Person-MOBA.

Warum? Zum einen braucht man in herkömmlichen Shootern selten viel mehr als höchstens ein halbes Dutzend Spielfiguren. Aber die vielseitige Aufstellung hinsichtlich der Klassen ist nur das Offensichtliche. Die Charaktere sehen nicht nur unterschiedlich aus, sie spielen sich auch anders – vom CoD-Shooter-Stil über WoW-RPG-mäßiges Gehabe bis hin zum Street-Fighter-Kampfsystem sind viele Spielstile vertreten.

Packshot zu BattlebornBattlebornErschienen für PC, PS4 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Auch das Auflevelsystem namens „Helix“, das Gamern verschiedener Erfahrungsstufen das Zusammenspiel erleichtern soll, weckt MOBA-Erinnerungen. Dahinter steckt ein schnelles Levelsystem, bei dem die Erfolge nach jedem Match zurückgesetzt werden. Jede Partie beginnt also bei Stufe 1. Darüber hinaus soll im Hintergrund auch ein Meta-Belohnungssystem laufen, durch das das Freischalten neuer Charaktere, die nur in der Koop- und MP- Begegnungen erspielbar sind, möglich ist.

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Die im Trailer vorgestellen Charaktere versprechen zumindest eines: Abwechslung.
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Zu diesem System gehört auch eine Ingame-Währung, mit der alternative Skillsets und Skins erworben werden können. Auf diese Weise lassen sich etwa die Helix-Skilltrees individualisieren. Die Talente sind dabei meist ein zweischneidiges Schwert – entweder muss man sich für eine verbesserte Verteidigung oder höhere Agilität, Schaden oder Defensive entscheiden. Das gesamte Mehrspieler-System soll, so die Entwickler, im Gegensatz zu traditionellen Online-Shootern wie Call of Duty stehen, in denen Spieler oft nur aufgrund ihres häufigen Zockens bevorteilt sind.

Der bislang enthüllte Spielablauf im Modus „Incursion“ klingt nach einer Mischung aus bekannten MOBA-Varianten, Battlefield und Titanfall. Zwei Teams á fünf Spieler treten gegeneinander an, um sich gegenseitig auszulöschen oder die Basis der anderen Mannschaft zu vernichten. Dabei schicken sie auch jeweils eine kleine Armee von KI-Robotern in die Schlachten, die den Feind von der eigenen Zentrale fernhalten bzw. beim Erobern des gegnerischen Turms unterstützen sollen. Dazu können Gegner wie in Battlefield „aufgedeckt“ werden, damit diese für kurze Zeit auf der Karte erscheinen.

Das Abballern von Drohnen-Robotern hat Gearbox ebenfalls nicht neu erfunden, auch diverse MOBAs und Titanfall funktionieren nach diesem Prinzip. In Battleborn dient das metallische Kanonenfutter vor allem einem Zweck: mit den Spielfunktionen warm werden und Einsteigern helfen. Sie sollen leichte Abschüsse verbuchen und dadurch weniger schnell dem Frust anheimfallen, wenn sie ein besserer Spieler ins Jenseits befördert. Der Vorteil: Auch dabei leveln sie ihre Figur (bis zur Maximalstufe 20) auf und erhalten Zugriff auf stärkere Talente des Skilltrees, die sich laut Game Informer mit dem Controller sehr einfach und intuitiv auswählen lassen.

Ein spannendes Projekt, aus dem ich noch nicht so ganz schlau werde.Ausblick lesen

Um bei der gesamten Vielfalt von Spielerklassen und Fertigkeiten den feinen Punkt der Balance nicht zu verpassen, will man Dedicated Server einsetzen, die anhand von Spieler-Feedback und eigener Datenanalyse eine Anpassung der Mechaniken erlauben. Die neue Konsolentechnologie soll dieses Vorgehen besser unterstützten als in der Vergangenheit, sagt Gearbox. Davon abgesehen soll es aber auch Modi geben, die sich total von „Incursion" unterscheiden – als MOBA-Shooter will der Entwickler Battleborn deshalb nicht bezeichnen.

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Battleborn will kein First-Person-MOBA sein, fühlt sich aber bisweilen so an.
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Ein bisschen Borderlans, ein bisschen Game of Thrones, ein bisschen viel

Und sonst so? Art Director Scott Kester, verantwortlich für Borderlands' Comic-Look, hat auch diesmal wieder die gestalterische Kontrolle. Und das sieht man dem comichaften Sci-Fi-Look durchaus an. Die Grafik soll dabei nicht nur reiner Selbstzweck sein, sondern auch dazu dienen, den Schlachtverlauf ablesen zu können – etwa durch Rauch oder Explosionen, die auf bestimmte Events hinweisen.

Möglicherweise passt diese Optik auch am besten zu der Hintergrundgeschichte, die ein sehr breites Spektrum an Ideen und Geschmäckern abdecken muss. Die Geschichte klingt nämlich schon ein bisschen wie aus Groschenroman-Heften zusammengezimmert: Alle fünf Fraktionen des Spiels befinden sich auf einem Rennen nach „Solus“, dem einzig verbliebenen Stern des Universums. Alle anderen Sonnen wurden von einer mysteriösen Macht namens Varelsi ausgelöscht.

Die überlebenden Rassen schicken nun ihre besten Kämpfer, die Battleborn, in die Schlacht um das letzte bewohnbare Sonnensystem. Dabei treffen extrem unterschiedliche Kreaturen aufeinander. Die Peacekeeper fungieren als eine Art intergalaktische Schutzpolizei, das Jennerit Imperium erinnert hingegen eher an futuristische, schwertschwingende Samurai. Die Eldrid repräsentieren dagegen eher so etwas wie die naturliebenden Elfen. Während bei den Gesetzeshütern eher Space-Marine-mäßige Figuren auftreten, tummeln sich bei den Eldrid erwartungsgemäß Bogenschützen und bei den Jennerit Sith-ähnliche Lichtsäbel-Schwinger und Kampfroboter.

Gearbox bezeichnet Game of Thrones als eine der großen Inspirationen für die Diversität der eigenen Geschichte. Wie in der HBO-Serie bekriegen sich auch hier alle Gruppierungen gegenseitig und ignorieren dabei die viel elementarere Bedrohung im Hintergrund, so die Entwickler. Viel ist über die Varelsi allerdings noch nicht bekannt, sie werden aber wohl eine der Feindesfraktionen in Kampagne und MP stellen.

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Ratatata!
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Trotz des vordergründigen Ernstes wird aber auch Battleborn nicht auf den überzogenen Humor verzichten, der auch in Borderlands zum guten Ton gehört. „Wir hatten eigentlich vor, es auf der etwas ernsteren Schiene zu halten", sagt Gearbox, doch am Ende habe man das doch nicht durchgehalten und sei umgeschwenkt. Ob die dummen Sprüche wie „Ich will allen nur mitteilen, dass ich eine geile Zeit habe" oder diverse Beleidigungen, die sich die Figuren in den Partien an den Kopf werfen, nicht irgendwann auf die Nerven gehen, bleibt abzuwarten.

Zur eigentlichen Kampagne hat Gearbox bisher kaum Informationen preisgegeben. Allerdings will man Spieler dazu motivieren, Battleborn gemeinsam zu zocken und arbeitet deshalb an einer Fünf-Spieler-Koop-Kampagne. In ihr sollen weitere Hintergründe zur Bedrohung aufgedeckt werden. Außerdem sei die Kampagne auf Wiederspielbarkeit ausgelegt – was auch immer das heißen mag. Mit 30 Stunden Spielzeit, wie bei Borderlands 2, soll man aber rechnen können. Und für Fans von Borderlands gibt es auch Hoffnung: Teil 3 ist laut Pitchford nicht ausgeschlossen.