22 Jahre. In Worten: zweiundzwanzig! So lange ist es her, dass die deutsche Spieleschmiede Blue Byte mit Battle Isle ihren ersten großen Erfolg feierte. Jetzt, zwei Jahrzehnte später, will wieder ein deutsches Entwicklerstudio mit Hexagonen und gepflegter Rundenstrategie Karriere machen: KING Art aus Bremen. Wie es aussieht, könnte ihnen das Kunststück gelingen.

Battle Worlds: Kronos - Launch Trailer

Die Damen und Herren hatten im Frühjahr mittels Kickstarter die hübsche Summe von 260.000 Dollar eingesammelt und damit ihr Projekt Battle Worlds: Kronos finanziert. Dessen geschlossene Betaphase hat kürzlich begonnen, das Spiel soll im November erscheinen.

Als kleinen Vorgeschmack dürfen Vorbesteller schon einmal drei Missionen der Kampagne ausprobieren und sich auf vier Mehrspielerkarten die Granaten und Raketen rundenbasiert um die Ohren hauen. Da kommen nostalgische Gefühle hoch - trotz einiger Macken, die es noch auszubügeln gilt.

Wenn ich das durchschnittlich animierte Einleitungsvideo richtig verstanden habe, kloppt ihr euch mit anderen Herrscherhäusern auf dem Planeten Kronos um den Thron des Imperators. Der Name der Welt ist nur die erste tiefe Verbeugung der Macher in Richtung Battle Isle, das seinerzeit auf dem Planeten Chromos spielte. Doch egal ob Gameplay, Einheitendesign oder Interface - zwischen den beiden Titeln gibt es mehr Parallelen als Schrauben in einem handelsüblichen Kampfpanzer.

Mein Feld, das hat sechs Ecken...

Die Bedienung eurer Truppen mittels Maus und Tastatur sollte kein Problem darstellen - der Titel hält sich an die üblichen Konventionen des rundenbasierten Strategiegenres. Für alle uneingeweihten Tabletop-Frischlinge kurz zusammengefasst: Die Karte ist in Genre-übliche Sechsecke, so genannte Hexagone, aufgeteilt.

Battle Worlds: Kronos - Strategie wie in der guten alten Zeit - und besser

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Gut markiert ist halb gewonnen: Auf einen Blick seht ihr die Bewegungsmöglichkeiten und anschließende Feuerreichweite eurer Artillerie.
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Es darf per Mausrad gezoomt werden von einer ordentlichen Nahansicht bis hinaus in eine schematische Übersichtsperspektive, in der alle Einheiten als Symbole dargestellt werden. Optisch erwartet man besser keine allzu großen Sprünge. Hier geht Funktionalität eindeutig vor grafischer Opulenz.

Das Grundprinzip von Battle Worlds ist denkbar simpel: Ihr zieht eure Einheiten zu Lande, zu Wasser und in der Luft, bis eure Aktionspunkte verbraucht sind, dann ist die Gegenseite an der Reihe. Allerdings gibt es hier einen interessanten Kniff: Jedes Fahrzeug und jeder Soldat darf pro Runde zwei Aktionen durchführen. Diese sind in ihrer Art entweder vorgegeben (einmal Bewegung, einmal feuern) oder stehen euch als "Joker" frei (zweimal bewegen oder zweimal feuern oder gemischt).

Beim Ziehen eurer Truppen übers Schlachtfeld solltet ihr beachten, dass die Bewegungsoption immer ganz verbraucht wird, egal, ob ihr nur ein Hexfeld vorwärts tuckelt oder die volle Reichweite ausschöpft. Außerdem bestimmt der Untergrund, wie schnell die Einheit vorankommt oder ob sie das Feld überhaupt betreten darf. Trümmer sind zum Beispiel für schwere Panzerketten kein Problem, doch für leichte Fahrzeuge mehrere Runden lang ein unüberwindliches Hindernis.

Packshot zu Battle Worlds: KronosBattle Worlds: KronosErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Infanterieeinheiten wie der Infantry Bot X-100 können Wälder durchqueren, während die Kollegen auf Rädern in die Röhre schauen. Manche Einheiten können sich zudem über bereits von eigenen Truppen besetzte Felder bewegen, während andere durch sie blockiert werden.

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Ob Eis, Sand oder Waldboden: Die Fahrzeuge kommen unterschiedlich gut mit den verschiedenen Terrains zurecht.
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Weitere Faktoren, die ein kluger General im Hinterkopf behalten sollte, sind Reichweite und Munitionsvorrat der Einheiten. Wie weit eure Geschütze oder die des Gegners feuern, könnt ihr beim Mouse-over sehen, wenn ihr die jeweilige Einheit anklickt, oder mit gedrückter Steuerungstaste.

In der Einfachheit liegt die Stärke: ein gemütliches Spiel für Taktiker, das den Geist von Battle Isle beschwört.Ausblick lesen

Die meisten Fahrzeuge und Kämpfer können nur benachbarte Felder aufs Korn nehmen, während Artilleriegeschütze nur entfernte Ziele treffen und solche Einheiten entsprechend anfällig für Angriffe aus nächster Nähe sind. Darüber hinaus verfügen Distanzkämpfer oft nur über einen begrenzten Munitionsvorrat, der über verstreute Vorräte auf der Karte oder über einen Boxenstopp im nächsten Transport-Truck respektive Lagergebäude aufgefüllt werden kann.

Wird eine Einheit angegriffen, schießt sie automatisch zurück - jedoch nur ein einziges Mal (sofern sie keine speziellen Abwehrboni besitzt). Darum lohnt es sich, gegnerische Fahrzeuge zu umstellen und mit der am besten gepanzerten Einheit zuerst anzugreifen, bevor der Rest das Feuer eröffnet.

Infanterieeinheiten sind in der Lage, Gebäude zu erobern. Feindliche Lager enthalten während der Kampagne zum Beispiel Ressourcen oder frische Truppen, während Radartürme die Sichtweite erhöhen. Fabriken ermöglichen es euch, diverse neue Fahrzeuge zu bauen, und erhöhen eure verdienten Ressourcen pro Runde - darüber hinausgehendes Basenmanagement ist nicht nötig.

Passable KI und wochenlange Mehrspielergefechte

Während des Kampfes sammeln eure Truppen Erfahrung, die beim Level-up in diverse passive Boni investiert werden darf. So erhöht ihr den Schaden, verbessert Panzerung oder Reichweite, ermöglicht den Angriff von Lufteinheiten, wandelt Bewegungs- in Joker-Aktionen um oder verleiht die Möglichkeit, unbegrenzt zurückzufeuern. Alternativ könnt ihr beim Stufenanstieg einige Lebenspunkte wiederherstellen. Da man sich nicht sofort entscheiden muss, ist besonders Letzteres eine beliebte Strategie des Computergegners, um seinen Einheiten in brenzligen Situationen den verlängerten Rücken zu retten.

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Manche der Multiple-Choice-Dialoge geben nützliche Hinweise oder beleuchten die Hintergrundgeschichte ausführlicher.
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Stichwort KI: Die stellt sich in den drei Missionen, die ich im Zuge der Beta ausprobiert habe, alles andere als dämlich an. Selbst an Engpässen wie einer Brücke nutzt der Computer die Reichweiten seiner Geschütze sinnvoll, wahrt im Gegenzug ausreichend Distanz zu euren Kanonen oder zieht rechtzeitig beschädigte Fahrzeuge zurück. Man merkt allerdings, dass viel mit Skripts gearbeitet wurde, um der Kampagne Leben einzuhauchen. Solange ihr euch brav aus der Reichweite von gegnerischen Truppenverbänden heraushaltet und nicht zuerst angreift, rückt der Feind euch auch nicht auf die Pelle - außer es wurde von den Machern explizit so vorgesehen.

Was mir während der Einzelspielerkampagne recht gut gefallen hat, sind die regelmäßig aufploppenden Multiple-Choice-Dialoge, in denen ihr euch mit Kameraden oder den Medien unterhaltet. Das Geplauder beleuchtet die Hintergrundgeschichte ein wenig ausführlicher, wobei die Emotionen der Gesprächspartner in Klammern beschrieben wird. Ein Hauch Text-Adventure-Feeling.

Derzeit sind die Bildschirmtexte - abgesehen vom dritten Einsatz der Kampagne - komplett in Englisch, inklusive Online-Hilfe und Einheitennamen. Das ist zwar nicht weiter schlimm, weil sich Battle Worlds insgesamt sehr intuitiv spielt und selbst Fremdsprachenverächter nicht vor allzu große Hürden stellt, dennoch soll es hier nicht unerwähnt bleiben. Eine komplett übersetzte Version erscheint ebenfalls.

Ohnehin ist das Spiel noch lange nicht fertig: Sie Sounds sind eher zweckmäßig denn spektakulär. Den Kampfanimationen fehlt ebenfalls noch der Feinschliff. Greift zum Beispiel ein Anti-Lufteinheiten-Panzer vom Typ 'Hurricane' einen feindlichen 'Glider' an, schlagen die Raketen derzeit noch auf dem Bodenfeld ein, über dem sich der Flieger befindet.

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Zu Lande, zu Wasser und in der Luft seid ihr unterwegs - die Einheitenvielfalt kann sich sehen lassen.
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Der aktivierte Tarnmodus von Einheiten wie dem 'Hacker' (übernimmt feindliche Truppen), dem 'Sniper' oder dem 'Technician' wird manchmal durch ihre halbtransparente Silhouette gekennzeichnet - manchmal aber auch nicht, weshalb man nicht sicher sagen kann, ob die Einheit nun vor dem Feind verborgen oder noch sichtbar ist. Zudem scheint die Steuerung des Tarnmodus offenbar nicht final zu sein. Mal gibt es ein Icon, um ihn zu aktivieren, mal hilft es, mit der rechten Maustaste auf die Einheit zu klicken, mal scheint nichts zu passieren.

Der Multiplayer-Modus erlaubt Online- und LAN-Partien, die ihr wie beim Fernschach asynchron über mehrere Tage oder Wochen hinweg spielt. Sogar mehrere Partien gleichzeitig könnt ihr auf diese Weise bestreiten. Habt ihr eure Runde beendet, öffnet sich ein Fenster, in dem ihr eurem Kontrahenten eine Nachricht zukommen lassen könnt und einstellt, ob ihr über dessen nächsten Zug per E-Mail informiert werden wollt. Danach landet ihr wieder im Mehrspieler-Hub.

Ebenfalls nett ist die Möglichkeit, Hotseat-Gefechte an einem PC zu veranstalten. Richtig spannend wird der Titel, da er sowohl für PC als auch Linux und OSX erscheinen soll und sogar Tablet-Versionen und eine Browser-Variante geplant sind - klingt nach Strategiespaß auf allen Kanälen, was die Entwickler hier vorhaben.