Battle Worlds: Kronos hatte ein leichtes Spiel mit mir. Sobald ein Titel jene magische Mixtur aus rundenbasierten Gefechten, Hexagonfeldern und dem typischen Battle-Isle-Flair mitbringt, ist es um mich geschehen. Eigentlich. Denn ein bisschen muss ich dann doch an dem Strategiespiel des Bremer Entwicklerstudios King Art Games herumzupfen. Die Macher haben vieles - aber eben nicht alles - auf Anhieb gut hinbekommen.

Battle Worlds: Kronos - Launch Trailer

Wie einst bei Battle Isle

Die Story der Kampagne ist kein Epos von tolkienschem Format, aber ausreichend für ein paar nette Plot-Twists. Auf dem Planeten Kronos wird regelmäßig mit militärischer Gewalt um die Erbfolge gestritten - drei Parteien geben sich aktuell eines auf die Mütze. Neben (eher dürftig gerenderten) Zwischensequenzen wird die Geschichte während der Schlachten in Textfenstern mit Multiple-Choice-Dialogen erzählt, die Emotionen eures Gegenübers werden als Nebentext eingestreut.

Battle Worlds: Kronos - Hex, Hex: Was kann der geistige Battle-Isle-Nachfolger?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 27/321/32
Old-School-Taktiker fühlen sich auf den Hexagonen schnell zu Hause. Doch erst im Mehrspielermodus kommen die Mechaniken richtig zur Geltung.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Letzteres gefällt dem kleinen Rollenspieler in mir, auch weiß ich die satirischen Untertöne rund um die Verflechtung zwischen Medien und Kriegsparteien zu schätzen. Die Gesellschaftskritik fällt zwar nicht so krass aus wie in Paul Verhoevens 'Starship Troopers', ist aber spürbar. Leider wirkt der Plot während der zwei Kampagnen-Parts mit einmal sieben und einmal sechs Missionen recht vorhersehbar, doch was soll man groß nörgeln - nicht für die Handlung, für das Schlachtfeld lebt der Stratege. Hier wird geboten, was die Fans von Battle Isle so lange entbehren mussten.

Dazu gehören freilich weder Grafikpracht noch Bombast-Klanggewitter - so was gilt traditionell als Nebensache. Die Grafik punktet auf hoher Zoomstufe zwar durch nette Details und ist hübsch anzusehen, doch die Präsentation hinterlässt trotzdem einen arg nüchternen und zweckmäßigen Eindruck. Das merkt man vor allem, wenn man maximal herauszoomt - hier wird die Karte in eine schematische Übersicht umgewandelt und die Einheiten als Icons dargestellt. Da freut sich der Minimalist und will gar nicht mehr anders spielen.

Die Kampfgeräusche im Einsatz wurden gegenüber der Beta-Fassung wesentlich verbessert, die Fahrzeuge klingen jetzt stimmiger, doch das Ergebnis "bombastisch" zu nennen wäre stark übertrieben. Strategie-Fans der alten Schule wird all das wahrscheinlich eh nicht jucken - wer auf derartige Ablenkungen steht, bemängelt auch die fehlenden Spezialeffekte während der letzten Schachweltmeisterschaft.

Packshot zu Battle Worlds: KronosBattle Worlds: KronosErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Runde um Runde, Zahn um Zahn

Die Gefechtsmechaniken hatte ich bereits in meiner Vorschau ausführlich beleuchtet - hier noch einmal die Kurzzusammenfassung: Fast 40 Einheiten zu Lande zu Wasser und in der Luft werden geboten. Gezogen wird, bis alle Aktionspunkte verbraucht sind, danach ist der Gegner an der Reihe. Jedes Fahrzeug darf zwei Aktionen durchführen. Zur Auswahl stehen Bewegung, Angriff oder "Joker", die das eine oder das andere erlauben. Wie weit ihr eure Truppen zieht, ist egal - es wird immer eine Bewegungsoption verbraucht.

Battle Worlds: Kronos - Hex, Hex: Was kann der geistige Battle-Isle-Nachfolger?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden5 Bilder
Eine Kampagne für Leseratten, inklusive Nebentext - die diversen Cutscenes zwischen den Einsätzen sind ganz nett, die Handlung wird aber während der Einsätze erzählt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die Reichweite hängt vom Untergrund ab. Fahrt ihr auf Straßen, holt ihr das Maximum aus euren Fahrzeugen heraus, bei Gras kommt ihr schon nicht mehr ganz so weit und auf Schnee oder Sumpf kriechen eure Truppen im Schneckentempo voran. Manche Einheiten wie der Infanterie-Roboter X-100 dürfen Wälder durchqueren, Fahrzeuge wie der Cerberus- oder der superschwere Praetorian-Panzer können über Trümmer fahren. Es gibt See- und Lufteinheiten, das Hovercraft transportiert eure Streitkräfte sowohl zu Wasser als auch an Land. Über mangelnde Optionen muss man sich also nicht beklagen.

Einheiten, die angegriffen werden, verteidigen sich einmal automatisch - sofern der Gegner in Geschützreichweite steht. Danach sind sie weiteren Attacken jedoch hilflos ausgeliefert, sofern sie kein Upgrade erhalten haben. Eine beliebte Taktik ist es deshalb, ein Ziel mit mehreren Einheiten zu umstellen, zuerst das Fahrzeug mit der stärksten Panzerung angreifen zu lassen und nach der obligatorischen Gegenattacke ungestört mit den umstehenden Truppen das Kreuzfeuer zu eröffnen - eine Strategie, die der Computer perfekt beherrscht.

Battle Worlds: Kronos hat seinen Platz auf meiner persönlichen Liste der erfolgreichen Kickstarter-Projekte verdient.Fazit lesen

Im Kampf wird der Schaden von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Wie schlägt sich die jeweilige Einheit gegenüber der Panzerung ihres Kontrahenten? Maschinengewehre prallen an zu dicker Panzerung wirkungslos ab. Ist die Einheit beschädigt? Bei halbierten Lebenspunkten verursacht sie nur noch 50 Prozent Schaden. Flankieren weitere eigene Einheiten das Ziel? Wenn ja, gibt das 15 Prozent mehr Schaden pro Einheit - den so genannten "Klemm-Bonus."

Battle Worlds: Kronos - Hex, Hex: Was kann der geistige Battle-Isle-Nachfolger?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 27/321/32
Zoomt man heraus, wird die Karte schematisch dargestellt. Selbst schuld, wer da die Übersicht verliert!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das alles muss man als Feldherr in die Planung einbeziehen - von der Feuerreichweite und der begrenzten Munition eurer Truppen ganz zu schweigen. Zudem kann jede Einheit durch Erfahrung um zwei Stufen verbessert werden - was belohnt wird mit unterschiedlichen Boni von Bewegungsreichweite über Schaden bis hin zu ganz neuen Einsatzmöglichkeiten wie dem Kampf gegen Lufteinheiten. Überleben mehrere Veteranen-Einheiten eine Mission, dürft ihr diese im nächsten Einsatz erneut in die Schlacht werfen - ein nettes Gimmick, das einen motiviert, seine Truppen gut in Schuss zu halten. Das kann man entweder mittels Heil-Vorräten auf dem Schlachtfeld oder über eine Reparatur innerhalb der verteilten Lager-Gebäude.

Diese und diverse Fabriken oder Radaranlagen lassen sich mit Infanterie-Einheiten erobern. Während der Kampagne wird euch das häufiger als Sekundärziel ans Herz gelegt oder als Primärziel abverlangt. Auch sonst ist es eine gute Idee, nach gegnerischen Gebäuden Ausschau zu halten und diese "umzudrehen". Entweder liegen darin Einheiten oder Rohstoffe versteckt oder ihr dürft neue Truppen zusammenbasteln. Beides ist wichtig während langer Einsätze.

Computer mit Kamikaze-Launen

Die KI hinterlässt mit Erscheinen der Verkaufsversion einen weniger guten Eindruck als in der Beta-Fassung. Schon damals bemängelte ich, dass in der Kampagne viel mit Skripts gearbeitet wurde und Feindverbände brav warten, bis man einen bestimmten Punkt überschreitet, bevor sie angreifen.

Battle Worlds: Kronos - Hex, Hex: Was kann der geistige Battle-Isle-Nachfolger?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden5 Bilder
Nebenstehende Einheiten erhöhen den Schaden eines Angriffs mittels "Klemm-Bonus". Das weiß auch die KI und bevorzugt massive Frontalangriffe.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Nach etwas mehr Spielzeit auf dem Buckel fällt negativ auf, wie stupide der Computergegner in der Folge vorgeht. Er wirft einfach alles nach vorn, was er hat, auch wenn er sich dadurch in Engpässe manövriert und aufgerieben wird. Durch unendlichen Nachschub wird dieses Problem in einigen Missionen ausgeglichen, trotzdem hätte ich mir im fortgeschrittenen Spiel etwas mehr Finesse gewünscht.

Zwar nutzt die KI die Reichweiten ihrer Einheiten aus und meidet tunlichst das Zielgebiet eurer Artillerie oder eurer Geschütztürme, folgt aber ansonsten stets dem Schema, die schwächste Einheit in Reichweite massiv anzugehen und möglichst in die Zange zu nehmen. Je nach Mission - Stichwort Eskort - feuert der Feind zwar tatsächlich zuerst auf sein Primärziel, das ihr verteidigen sollt, lässt sich jedoch durch den geschickten Einsatz anderer Einheiten ablenken.

Trotzdem dürften selbst Meisterstrategen einige Zeit benötigen, um die beiden Kampagnen zu beenden. Die Entwickler haben über Skripte genügend Überraschungen eingebaut, um euch mehr als einmal aus der Reserve zu locken. Unterschiedliche Schwierigkeitsgrade gibt es nicht. Die großen Karten und diversen Siegbedingungen erfordern umsichtiges Vorgehen - was bei einem rundenbasierten Spiel natürlich in der Natur der Sache liegt. Wer sämtliche Sekundärziele erfüllen will oder einem "Überraschungsangriff" zum Opfer fällt, braucht deutlich länger. Wird eine Situation zu haarig, dürft ihr einmalig ein paar Einheiten Nachschub aufs Schlachtfeld fliegen lassen, ansonsten heißt es "zurück zum letzten Spielstand."

Die Einsätze dauern oft zwischen einer und drei Stunden, die Spielzeit der Kampagne kann man also tatsächlich locker mit 30 Stunden veranschlagen, wie der Entwickler verspricht. Ich würde nochmal mindestens fünf bis zehn Stunden draufrechnen. Wem das nicht reicht, der bekommt ein kleines Zuckerl in Form dreier zusätzlicher Herausforderungen-Maps, auf denen man nochmals alles geben muss.

Mehr Feldherren braucht das Land!

Wo die KI häufiger Farbe bekennen muss, hat ein menschlicher Gegner natürlich weit mehr zu bieten. In Battle Worlds: Kronos könnt ihr im LAN oder per Hotseat auf 10 Maps gegen eure Freunde antreten, Onlinegefechte und Ligen sind ebenfalls drin. Die meisten Karten sind für zwei Spieler gedacht, mehr ist los auf "The Transporter" (drei Spieler) und "Four Bases" (vier Spieler).

Battle Worlds: Kronos - Hex, Hex: Was kann der geistige Battle-Isle-Nachfolger?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 27/321/32
Auf manchen Karten müsst ihr neutrale oder feindliche Gebäude erobern - hier kommt die Infanterie ins Spiel.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Besonders praktisch fand ich am Mehrspielermodus die Möglichkeit, asynchron wie beim Fernschach gegeneinander zu kämpfen. Man zieht mit seinen Einheiten, haut vielleicht noch eine Nachricht an sein Gegenüber raus und beendet seine Runde. Hat der Gegner in der vorgegeben Zeit reagiert (maximal 48 Stunden), bekommt man eine Nachricht und kann die Partie fortsetzen. So kann man auch gleichzeitig gegen mehrere menschliche Feldherren auf unterschiedlichen Karten antreten.

Während des Tests hatte ich allerdings Probleme, offene Partien zu finden - es gab schlicht nicht genug. Wer sich im Chat mit den anderen Feldherren austauscht und selbst ein paar offene Matches startet, dürfte bald genügend Spielpartner an der Hand haben. Sobald die Entwickler bei King Art ihre Pläne bezüglich einer Browserversion, sowie einer Fassung für Android und iOS umgesetzt haben, dürfte es keinen Mangel mehr an Gegnern geben. Ich bin zudem auf den Leveleditor gespannt und was die Community damit zustande bringt.