Er habe sich eingeengt gefühlt, sagte Mark Pacini hinterher. Flexibilität sei keiner der vielen Vorzüge bei Nintendo gewesen, einem Unternehmen, dem er die letzten acht Jahre seines Lebens widmete. Eine gute Zeit, anstrengend zwar, oft hart, aber zugleich enorm fordernd. Acht Jahre, in denen er viel gelernt habe, acht Jahre, für die er dankbar sei. Bis er an diesen Punkt gelangte.

Batman: Arkham Origins Blackgate - Trailer

Der frühere Mitarbeite der Retro Studios, Nintendos wohl wichtigstem First-Party-Entwickler, sehnte sich nach anderen Herausforderungen, wollte sich in neuen Bereichen, neuen Marken, neuer Hardware ausprobieren – und gründete 2008 gemeinsam mit anderen ehemaligen Kollegen Armature Studio. Erst jetzt erscheint mit Batman: Arkham Origins Blackgate ihr erster selbst entwickelter Titel. Fraglich, ob sie damit glücklich sind.

Wer böswillig zwischen den Zeilen lesen will, könnte dort bittere Ironie entdecken. Jene nämlich, die verdeutlicht, dass die Texaner im Grunde die zwangsläufig zusammengedampfte Handheld-Version eines Konsolenspiels programmiert haben, hinter dessen eigener Existenzberechtigung bereits allenfalls ein dünnes Fragezeichen stehen kann.

Batman: Arkham Origins Blackgate - Flügellahmer Flattermann

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Blackgate wäre gern das...
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Ein sehr solider dritter Teil einer Serie, die vor zwei Jahren auf ihrem Zenit war und heute nur mehr von dem bietet, was jeder, der will, schon längst gesehen hat. Schon damals oder heute für 'nen Zehner aus der Grabbelkiste. Als Pacini sagte, er habe Nintendo aufgrund der geringen Flexibilität seiner dortigen Projekte verlassen, hatte er mit Sicherheit andere Dinge als dieses hier im Sinn.

Nicht mega, nicht madig – einfach nur meh

Schlimmstenfalls nur Mittelmaß, ist Blackgate die meisten seiner acht bis zehn Stunden gute Unterhaltung im Geist der Vorlage, ohne dieser jemals ganz gerecht zu werden. Kein Beinbruch also und erst recht kein Einstand, für den man sich als noch junges Entwicklerteam schämen müsste. Die gesamte Spieldauer ist aber dennoch vor allem eines: belanglos.

Packshot zu Batman: Arkham Origins BlackgateBatman: Arkham Origins BlackgateErschienen für 3DS und PlayStation Vita kaufen: ab 19,76€

Reichlich träge schleppt sich Batman auf zweidimensionalen Pfaden durch die (besonders auf der PS Vita) recht ansehnliche 3-D-Umgebung, ganz anders, als es für einen noch jungen Rächer Gothams angemessen wäre. Immerhin setzt Blackgate unmittelbar nach dem Ende von Origins ein und erzählt damit von den Anfängen des Dunklen Ritters, von seinem Aufeinandertreffen mit Catwoman, dem Pinguin und natürlich dem Joker.

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...ist aber nur sowas.
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Dem übergeordneten geschichtlichen Rahmen hat Blackgate allerdings weder Nennenswertes hinzuzufügen, noch gelingt es Armature, die unterm Strich sehr spannungsarme Handlung aufregend in Szene zu setzen. Hübsch gezeichnete Comic-Panels sind ein günstiger und probater Weg, dies zu tun, aber letztlich auch ein Sinnbild der durchgehenden Unaufgeregtheit, die Batman hartnäckiger am Cape klebt als das irre Kichern des Jokers.

Ein bisschen Metroidvania zieht wie schwerer Nebel durch die schummrigen Gänge des namensgebenden Gefängnisses, dessen mit Graffiti beschmierte Wände ihr den Großteil eurer Reise sehen werdet. Die wandelnde Fledermaus klaubt sich entgegen aller Logik, die ohnehin nicht auf der Haben-Seite des Spiels steht, nach und nach seine Gadgets zusammen, nutzt diese zum Freilegen neuer Wege und zwängt sich durch Unmengen Luftschächte, die den Bau so zahlreich durchschneiden, dass dessen Statik der mentalen Stabilität des Jokers gleichen dürfte.

Batman: Arkham Origins Blackgate - Screenshots zeigen die Vita-Version

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Auf „Uh, ist ja ganz nett!“ folgt ein „Haben andere schon besser gemacht“, während man im Kopf Spiele durchgeht, die genau das eben getan haben. Während einer „Nicht schon wieder“-Passage etwa, einer der Art, die euch zum wiederholten Mal durch dieselben Gänge scheucht, nur weil die Uhr nach Spielabschluss sonst zu wenig Umrundungen absolviert hätte. Backtracking sagen Vielspieler, nervig alle anderen.

Ein zu großer Held für ein zu kleines Spiel: Blackgate fehlt sowohl der Mut, entscheidend von der HD-Vorlage abzuweichen, als auch die Qualität, um mit dieser mitzuhalten.Fazit lesen

Batmans Schatten ist zu groß für einen weiteren Star in Blackgate. Statt der Umgebung, dessen Erkundung der eigentliche Mittelpunkt, das reizvollste Element darstellen sollte, waren die Entwickler zu eifrig damit beschäftigt, ihren Helden zu inszenieren. Zwar nutzen die Texaner einige perspektivische Kniffe, spielen mit der Kamera und erzeugen schöne Bilder. Anreize für das Auskundschaften, das Sondieren und Erforschen schaffen sie jedoch keine. Zu plump lassen sie euch mit dem Touchscreen Bildschirm für Bildschirm absuchen, zu wenig gibt es dabei zu entdecken. „Detektiv-Modus“ heißt es, eine Aneinanderreihung netter Wimmelbilder ist es.

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Viel spektakulärer wird's leider nicht.
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Nanananana … Batman!

Die gute Idee wird überstrapaziert, lenkt jedoch – was ungleich schlimmer ist – mehr Aufmerksamkeit auf die Umgebung, als diese standhalten kann. Buchstäblich unter der Lupe werden Sollbruchstellen und Inkonsistenzen aufgebläht, bis sie nicht mehr zu übersehen sind.

Beginnt ihr erst euch zu fragen, weshalb völlig willkürlich Stachelbänder über dem Boden verteilt sind (Antwort: Weil bloßes Laufen ohne Hindernisse noch langweiliger wäre), warum Batman diese nicht überspringen, sondern umständlich „überrollen“ muss (Stichwort: Umgebungsdesign) und aus welchem Grund jedes Fitzelchen via Touchscreen analysiert werden muss, bevor irgendeine Form der Interaktion möglich ist, habt ihr Blackgate bereits zerdacht.

Kann euch zumindest während der Kämpfe nicht passieren, dem vielleicht exemplarischsten Beispiel dessen, was hier schiefläuft. Wieder haben sich Armature an Rocksteady orientiert, wieder wollten sie den „look and feel“ wahren, wieder ist etwas davon auf der Strecke geblieben.

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Der Detektiv-Modus ist solide umgesetzt, aber im Grunde auch nur dabei, weil es sich so für ein Batman-Spiel gehört.
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Freeflow-Action gibt’s auch auf Vita und 3DS, genauso wie das wohlige Gefühl des In-einen-Tunnel-Spielens. Eine Taste, links oder rechts auf dem Digikreuz und ein Mindestmaß an Timing ist alles, was ihr dafür braucht – wenn ihr wollt. Wenn nicht: kein Problem. Was fehlt, ist die dreidimensionale Umgebung der Arkham-Spiele und eine Form der Belohnung für das Aufrechterhalten hoher Kombos.

Letztlich ermöglicht Blackgate ähnliche Keilereien wie Origins. Nur eine ganze Spur belangloser, ohne Herausforderung oder etwas, das es über die Vorlage hebt. Es ist das zentrale Problem von Batman: Arkham Origins Blackgate, das nicht mehr als ein konzentriertes Destillat des großen Originals ist – oder überhaupt sein will.