Die Bat-Familie ist im Laufe der Jahre und Jahrzehnte fast so stark angeschwollen wie die Zahl der Widersacher der ollen Fledermaus. Zwischen einer ganzen Galerie an Robins und Einträgen wie Ace dem Bat-Hund war Batgirl immer eine der hervorstechenderen Heldinnen. Bevor Barbara Gordon vom Joker verkrüppelt wurde und als Oracle die Unterwelt mit Informationen das Fürchten lehrte, trug sie selbst spitze Öhrchen und schwang sich von Dach zu Dach. Ein DLC zum neuesten Arkham-Teil scheint also die ideale Plattform, um einen Teil ihrer Geschichte zu erzählen.

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Wer allerdings die bereits vorher erschienene DLC-Episode gespielt hat, in der Harley Quinn Poison Ivy aus dem Gefängnis von Blüdhaven befreit, wird sicherlich etwas missmutig in das neue Abenteuer gehen. Denn wenn Harley auch einen etwas anderen Spielstil und ein paar neue Spielzeuge hatte, so war der Ausflug mit Jokers Lieblingssandsack doch vor allem zweierlei: kurz und unbefriedigend.

Batgirl: Eine Familienangelegenheit DLC - Girls just wanna have fun - kriegen aber keinen

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Barbara Gordon als Batgirl - irgendwie hätten wir ihr einen spannenderes Abenteuer gewünscht.
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Lassen wir die Katze bzw. die Fledermaus gleich aus dem Sack: So gänzlich anders ist Barbaras Abenteuer auch nicht, zumindest ist es nicht die scharfe Abkehr von einem bislang enttäuschenden Trend. Die Story, so man sie so nennen will, ist: Der Joker und Harley Quinn haben Commissioner Gordon entführt und, ganz klassisch, auf einem stillgelegten Vergnügungspark versteckt. Abgesehen von Gordon werden auch andere Polizisten gefangengehalten und natürlich gibt es Bomben zu entschärfen. Dieser Aufgabe stellen sich Batgirl und ihr Partner in zweierlei Sinn, Tim Drake, der dritte Robin.

Ich würde gerne an dieser Stelle berichten, was alles neu ist, aber so wahnsinnig lang wird die Passage nicht. Batgirl, die man spielt (Robin ist nur bei einigen Team-Prügeleien dabei), hat keine neuen Gerätschaften oder Gadgets, keine neuen Manöver. Damit hinkt sie bereits Dr. Quinzel hinterher, die immerhin einen explosiven Springteufel hatte und die beim Raufen in einen Ich-mach-euch-alle-tot-Modus schalten konnte, die beim Schleichen anders funktionierte, weil sie sich weigerte, leise zu sein und keinen Greifhaken hatte. Das erzeugte ein leicht anderes Gefühl, immerhin.

Batgirl hat nüscht von alledem, sie hat dieselben Spielzeuge wie Batman, bloß weniger davon. Dafür dachte man sich: Barbara hat eine Affinität für Technik, also lassen wir sie alle naslang das Hackgerät benutzen. Und tatsächlich kann Batgirl mit dem Apparillo dann auch ein paar Dinge, die Papa Batman nicht im Repertoire hatte. Sie kann gewisse Umgebungsobjekte benutzen, um Feinde kurzzeitig zu blenden, zu verängstigen oder direkt auszuschalten, was ihre Arbeit erleichtert. Das kann man mit viel Wohlwollen vielleicht als Neuerung sehen. Aber es bleibt vereinzelt und dünn.

Packshot zu Batman: Arkham KnightBatman: Arkham KnightErschienen für PC, PS4 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Dennoch, wenn man das nicht gelten lässt, dann ist der Rest des DLCs ehrlich gesagt Wüste und Leere. Der Vergnügungspark ist als Setting ganz putzig und einigermaßen offen (allerdings wirklich nicht groß, man denke sich etwa ACE Chemicals aus dem Hauptspiel, plus vielleicht ein bisschen). Batgirl kloppt sich, dann werden Geiseln in einer Schleichpassage befreit, dann entschärft man mit Hackgerät eine Bombe, wiederholt die ganze Kiste nochmal, am Ende haut man Joker aufs Maul der aber, Überraschung, natürlich entkommt. Überraschung: Fehlanzeige. Gute Ideen: quasi gar keine. Lohnendes Erlebnis: nö.

Batgirl: Eine Familienangelegenheit DLC - Girls just wanna have fun - kriegen aber keinen

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Auf die Mütze gibt es durchaus. Nur sind schöne Prügelanimationen eben nicht alles.
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Im Gegenteil ist es fast ein bisschen schmerzhaft, Rocksteady dabei zuzusehen, wie sie sich abhampeln, um "Familienangelegenheit" mit irgendetwas zu füllen. Völlig einsam und sinnlos finden sich zum Beispiel gegen Ende des DLCs zwei Momente, in denen man plötzlich das Explosivgel und den Line Launcher benutzen muss. Außerdem gibt es einen Satz völlig sinnfreier Collectibles, die wortwörtlich nur für eine Trophäe gut sind und sonst zu gar nichts. Wozu? Warum nicht mehr, früher und häufiger? Es wirkt wie die Gameplay gewordene Panikattacke eines Spieldesigners kurz vor der Deadline.

Man braucht für den neuen DLC eine Spur länger als für den ersten, aber auch hier kann man, wenn man nicht gerade bummelt, in unter einer Stunde durch sein. Dass er Spaß macht, liegt maßgeblich und eigentlich ausschließlich daran, dass das Gameplay des Hauptspiels halt cool ist. Aber wozu sollte man schlappe 7 Euro ausgeben, um das Ganze nochmal in schlecht zu erleben, mit ein paar neuen Animationen und auf einem fauligen Jahrmarkt? Die Antwort bleibt uns "Familienangelegenheit" schuldig.