Autor: Christopher Link

Nur ganz wenige Adventures zu dieser Zeit haben einen wirklich ernsten Grundton. Genrevertreter wie »Runaway 2«, »Tony Tough 2« oder »Ankh: Herz des Osiris« setzen stattdessen auf Wortwitz und eine große Portion Ironie. Warum also nach dem halbwegs gelungenen »Scratches« nicht wieder ein echtes Survival-Adventure entwickeln?

Das dachten sich wahrscheinlich auch die Entwickler von »Barrow Hill: Der Fluch der Kelten« und servieren uns ein bierernstes Rätselabenteuer mit Gruselfaktor. Ob wir uns auch vor dem Spiel an sich gruseln mussten, erfahrt ihr im Review.

Barrow Hill - Trailer

Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen...
»Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so schlau als wie zuvor.« Dieser Satz aus Goehtes »Faust« passt perfekt zum Anfang von »Barrow Hill«: Nach der etwas kurzen, aber durchaus atmosphärischen Introsequenz wird der Spieler einfach mitten ins Spiel geworfen ohne auch nur eine einzige Erklärung. Unser Wagen hat mitten in der Herbst-Tagundnachtgleiche, einer Stunden andauernden Dunkelheitsphase, den Geist aufgegeben. Und allmählich sickert uns der Schweiß in die Arschritze, denn wir sind mitten im Nirgendwo gestrandet. Um uns herum herrscht tiefste Nacht, und bedrohlich wirkende Geräusche scheinen immer näher zu kommen.

Barrow Hill - Bei diesem Adventure sind nicht nur die Monster zum Fürchten - und dennoch hat es uns gepackt.

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Irgendwo im Nirgendwo: Gott segne das Handy!
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Es sind diese Momente in »Barrow Hill«, die das Spiel vor dem Absturz retten, denn kaum hat man die ersten Schritte getan, fällt auch schon die äußerst fummelige Steuerung auf. Da das Spiel ein Ego-Renderadventure im Stile von »Myst« ist, klickt man sich nun von Screen zu Screen und übersieht dabei oft wichtige Gegenstände oder verliert schlichtweg die Orientierung, da man sich vollständig drehen kann und es gerade in den dunklen Außenarealen einfach zu wenige Anhaltspunkte gibt.

Die keltisch angehauchte Story wird nur durch die Erzählungen oder Notizen anderer Personen, wie zum Beispiel einer Radiomoderatorin oder eines verängstigten Wachmannes, vorangetrieben, echte Dialoge führt man eher selten. So tappt man leider im wahrsten Wortsinne ziemlich oft im Dunkeln über das, was hier eigentlich vor sich geht.

Barrow Hill - Bei diesem Adventure sind nicht nur die Monster zum Fürchten - und dennoch hat es uns gepackt.

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Ein Blick in die Küche der gamona-Redaktion: ein Fall für Tine Wittler und den Einsatz in vier Wänden.
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Das Gleiche gilt leider auch für die Knobeleien, die zu einem Großteil aus Kombinationsrätseln bestehen. Was man wann, wo und wie machen soll, wird oft nur spärlich verraten. Da hilft dann meistens nur wildes Ausprobieren. Genauso nervig ist, dass bestimmte Gegenstände erst dann benutzt werden können, wenn man auch wirklich genau vor ihnen steht. Erblickt man ein möglicherweise relevantes Objekt aus der Nähe, kann man immer noch nicht mit diesem Gegenstand interagieren, wenn der Cursor anzeigt, dass man noch einen Screen näher an das gute Stück herantreten kann. Solche Momente vermiesen die an sich interessante Survival-Atmosphäre zuweilen gehörig.

Nicht schlecht, aber auch nicht gut...
Den Gruselfaktor eines »Scratches« erreicht »Barrow Hill« nur selten. Dafür gibt es zu wenige Schockeffekte und zu wenig Kontakt mit der Außenwelt, der einem die eigene Misere noch besser vor Augen hätte halten können. Immerhin sind die allmählich in Angst umschlagenden Ansagen einer einsamen Radiomoderatorin echte Highlights. Auch diese Frau steckt bald in großen Schwierigkeiten - die schemenhaften Gestalten vor den Fenstern hat sie sich jedenfalls nicht eingebildet.

Durch die recht langen Passagen, in denen manchmal rein gar nichts passiert, wirkt »Barrow Hill« an manchen Stellen künstlich gestreckt. Das hat zur Folge, dass man entweder gelangweilt das Spiel beendet oder sich ohne wirklichen Spielspaß bis zum Ende quält. Wir dürfen immerhin verraten, dass man sich ruhig die Mühe machen sollte, das Game auch wirklich durchzuspielen.

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Solche gelungenen Grusel-Momente gibt es leider zu selten - hier hatte "Scratches" mehr zu bieten.
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Grafisch bewegt sich »Barrow Hill« nur auf durchschnittlichem Niveau: Alle Locations sind Standbilder, nur selten wird die sterile Szenerie durch wehende Blätter aufgelockert. Und selbst die kleinen Animationen sind nicht wirklich gut. Der absolute Tiefschlag war ein Gespräch mit einem eingesperrten Wachbeamten, dessen Gesicht man nur durch einen Spalt sehen konnte und dessen Bewegungen lediglich aneinander gereihte Bilder darstellten. Immerhin wirken die Umgebungen recht düster und gruselig, was der Atmosphäre des Spiels zu Gute kommt.

Keinen wirklichen Preis kann die deutsche Synchronisation des Spiels gewinnen. Die wirkt mitunter etwas lächerlich, auch wenn man merkt, dass die zum Overacting neigenden Sprecher sich durchaus Mühe gegeben haben. Aber gegen die Vertonung eines Kalibers wie »Runaway 2« haben die amateurhaften Synchronsprecher von »Barrow Hill« keine Chance. Und auch sonst gibt es im Spiel nicht wirklich viele Soundeffekte. Hier hätte man noch Einiges machen können. Zumindest spielen die vorhandenen Effekte auf einer hohen qualitativen Ebene.