Autor: Volker Schütz

Eine amerikanische Stadt steht in Flammen und Al Qaida weiß von nichts. Wer ist zu so etwas fähig? Die schockierende Wahrheit: Ein ehemaliger Angestellter von id software.

Eine Geschichte hat American McGee mindestens tausendmal erzählt. Wie er in L.A. an einer gigantischen Anzeigentafel vorbeifuhr, auf der "Angriff mit biologischen Waffen: Bist du vorbereitet?" stand und er so auf den Gedanken für den aktuellen Actiontitel von Enlight Software kam.

Die Presse spricht in diesem Zusammenhang gerne vom ironischen Umgang mit der amerikanischen Kultur der Angst, vom sozialkritischen, schwarzen Humor des selbsternannten Bush-Kritikers McGee und sogar von befreiender Katharsis. Faktisch dreht sich die Handlung des Spiels um den obdachlosen Latino Anthony Williams, der von einem Desaster in das nächste schliddert. Erdbeben, Meteoriteneinschläge, Flugzeugabstürze und Zombieangriffe - alles vorhanden, was der Katastrophenfilm-Connoisseurs begehrt.

Bad Day L.A - Eine amerikanische Stadt brennt - und Al Quaida weiss von nichts. Amercian McGee machts möglich!

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Zehn Level voller Wut, Terror und totalem Chaos sorgen dafür, dass selbst Quentin Tarantino-Jünger nicht gelangweilt an der Maus einschlafen.

Koalition der Willigen
Der blutrünstige 3rd-Person-Shooter im Toon-Shader-Look vermischt flotte Sprüche à la "Duke Nukem" und Zitate aus Politik, Film und Fernsehen. Kalauernd wie metzelnd kämpft sich unser Hauptcharakter durch das übergeschnappte L.A.

An seiner Seite streitet einer von vier Kompagnons: der mexikanische Gärtner Juan, das kranke Zombiekind, The Sergeant oder Beverly, die Beverly Hills Tussi. Sie alle geizen weder mit exotischen Waffen noch mit Anspielungen auf aktuelle politische Entwicklungen in den USA.

Im Zentrum steht immer wieder ein insbesondere von Michael Moore populär gemachter Glaubenssatz: die US-Medien und Regierung halten die Bevölkerung in einem Zustand permanenten Schreckens.

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Nach Aussage des aufgrund geringer Lohnkosten ausschließlich in China entwickelnden und auf der nahe Hong Kong gelegenen Aussteigerinsel Lamma lebenden Designers McGee handelt es sich bei Bad Day L.A. um eine Kritik am amerikanischen System.

So besteht er darauf, dass es sich nicht um ein weiteres Splatter-Game handelt. Fast scheint er sogar Angst zu haben, dass ihm traditionelle Spielernaturen allein aufgrund des durchschimmernden "Realitätsbezugs" abspringen. Er versucht den Beanstandungen zuvorzukommen: "Ich weiß, mancher von euch denkt 'Warum um alles in der Welt sollte ich ein Videogame spielen wollen, das sich mit realen Problemen beschäftigt, wenn ich stattdessen einfach Fox News anschalten könnte?'".

Angesichts der politischen Ausrichtung des Senders ahnt der geneigte Leser, dass diese Bemerkung McGees unfreiwillig einen Ironiegrad erreicht, den Bad Day L.A. beim besten Willen nicht halten können wird.

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Lachen frisst Seele auf
Glücklicherweise ist das andere erklärte Ziel des Spiels, den User zum Lachen zu bringen. Soll die Geschichte doch eine Mischung aus "Day After Tomorrow" und "Mad Max" darstellen, mit einem Hauptcharakter vom Schlag Dave Chapelle, Eddie Murphy oder Ali G.

Für den ewig auf der Flucht befindlichen Anthony Williams bringen in der Regel die vorgerenderten Sequenzen die Hölle auf Erden. Den Spieler versetzt dagegen eher die restliche Spielzeit in Paranoia. Er muss nämlich ein wachsames Auge auf ein Feature richten, das den ehemaligen Berater des "Office of Homeland Security" Tom Ridge zu Tränen rühren würde: die farbige Terror-Alarm-Anzeige. Diese muss der Spieler möglichst niedrig halten, während er das digitale Alter-Ego durch die Missionen bugsiert.

Das geschieht, indem man anständige Bürger schützt, weniger anständige abknallt und in keinem Fall Kollateralschäden zulässt. Je höher die Terroranzeige steigt, umso mehr Angriffen sieht sich Anthony wiederum selbst ausgesetzt.

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Die Hölle sind andere Menschen
Wenn er durch Level wie den Hollywood Boulevard, Venice Beach oder Beverly Hills wütet, kann er sich trotz der permanenten Prügel einer Sache gewiss sein: er ist unsterblich.

Showstopper wie der lange Fall aus großer Höhe (und vor allem der Aufprall), beziehungsweise das Phänomen des Todes im Allgemeinen sollen bei Bad Day L.A. der Vergangenheit angehören. Allerdings nur für den Spielercharakter. NPCs werden genreüblich mit Hilfe von klassischen Schlag- und Schusswaffen sowie bizarrem Utensil (etwa gefährlichen Nagelknipsern) ins Land ihrer Ahnen geschickt. Der Look des Ganzen ist inspiriert durch die Arbeiten des Kozyndan genannten Künstlerpärchens Dan und Kozue Kitchens aus Santa Monica, die ihre Finger schon "im Spiel" hatten bei "The Urbz: Sims in the City" und den Entwürfen der "Katamari Damacy" Charaktere. Die norwegische Rock-Band "Chrome Division" zeichnet derweil verantwortlich für den Soundtrack zum fröhlichen Comic-Massaker.

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Ausblick
Bad Day L.A. verspricht kurzweilige Splatter-Action. Tiefgang bezeichnet hierbei bestenfalls, wie weit die Motorsäge in Computergegner passt, ohne am anderen Ende wieder herauszugucken. Insgesamt wird sich das Machwerk vermutlich den schrägen Style von American McGee und das außergewöhnliche Design zu Gute halten können.

Ob darüber hinaus auch Freude beim Metzeln und Morden aufkommt, dürfte dagegen genauso weit eine Frage der konkreten Umsetzung wie der persönlichen Einstellung werden.