Ach ja, die achtziger Jahre: Vanilia-Hosen, elektronische Pop-Experimente, Rollschuhbahnen und Heavy-Metal-Aufnäher. Und natürlich: Zeichentrickhelden. Wer erinnert sich nicht an die Abenteuer von Mattels Sonnyboy He-Man, an die frühe Phase des ewig währenden Transformer-Konfliktes und an die dramatischen Spielzeugkriege in deutschen Kinderzimmern. „Awesomenauts“, der als DLC (Xbox 360, PS3) erhältliche MOBA-Titel (Multiplayer Online Battle Arena) von Ronimo Games, lässt diese Zeit wieder etwas aufleben.

Awesomenauts - Raelynn Trailer4 weitere Videos

Zumindest was das Setting und die per Comic-Intro vorgeschobene Geschichte anbelangt, die auch aus dem verwirrten Geist eines Dreikäsehochs stammen könnte. „Awesomenauts“ katapultiert euch in eine bumsbunte Zukunft (exakt ausgedrückt: ins Jahr 3587), in der zwei verfeindete Roboterarmeen um Rohstoffe kämpfen. Ihr tretet diesem intergalaktischen Blechkrieg in der Gestalt eines von sechs Elitesöldnern bei.

Viel mehr gibt es über die Handlung des Spiels nicht zu erzählen, denn abgesehen vom witzigen Intro legt „Awesomenauts“ keinen Wert auf Storytelling. Angesichts der Multiplayer-Ausrichtung des Titels - Einzelkämpfer können ihr Talent lediglich auf Trainingsplätzen gegen Bots schärfen - kein wirklicher Kritikpunkt.

Denn im Vordergrund von „Awesomenauts“ steht Action und nicht Literatur. Das Spielprinzip ist dabei stets gleich und lässt sich nur unter der Verwendung vieler Zahlenwörter beschreiben: In überschaubaren 2D-Arenen treten zwei Dreier-Teams gegeneinander an. Couchfreunde können sich sogar an einer Konsole zusammentun und gemeinsam in die Online-Schlacht ziehen.

Awesomenauts - Retro-Helden aus der Zukunft

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 25/281/28
Farbenfroh und zuckersüß - die Gestaltung ist liebevoll.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ziel ist es, den gegnerischen Bohrkern zu zerstören. Der Weg dorthin ist bleihaltig, da die feindliche Basis von Turret-Kanonen beschützt wird. Hinzu gesellen sich noch KI-gesteuerte Androiden, die darauf programmiert sind, das nächstbeste Geschütz anzugreifen und den Kugelhagel von verbündeten Spielern abzulenken.

Insgesamt stehen euch sechs schräge Charaktere zur Auswahl, mit denen ihr am bunten Kriegstreiben teilnehmen dürft. Aber Vorsicht: Während eines Matches könnt ihr nicht einfach mal eben den Charakter wechseln, sondern müsst mit dem vorliebnehmen, für den ihr euch zu Beginn der Partie entschieden habt. Die falsche Wahl eines Helden kann somit zu einem längerfristigen Ärgernis werden. Jeder Charakter repräsentiert zugleich so etwas wie eine eigene Klasse. Da wäre zum Beispiel Froggy G, der sich aus dem heruntergekommenen Ghetto des Planeten Ribit IV emporgekämpft hat.

Packshot zu AwesomenautsAwesomenautsErschienen für PS3, Xbox 360 und PC kaufen: Jetzt kaufen:

Der Gangster-Kermit springt deutlich höher als seine Rivalen und beherrscht eine tödliche Wirbelwindattacke. Dann ist da noch Sheriff Lonestar: Ein Comic-Cowboy mit Blaster, der den Umgang mit Dynamit sowie den Doppelsprung beherrscht und gerne mal wildgewordene Bullen auf seine Feinde loslässt. Andere Charaktere, wie den übermächtigen Roboter Clunk, müsst ihr im Schweiße eures Angesichts auf dem Schlachtfeld verdienen, was zu Beginn etwas frustrierend sein kann. Es dauert eine Weile, bis man sich an die chaotische 2D-Ballerorgie gewöhnt und die Eigenschaften der Figuren verinnerlicht hat.

Awesomenauts - Retro-Helden aus der Zukunft

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden3 Bilder
Awesomenauts ist ein Spaß für Leute, die gern gegeneinander antreten.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Erschwert wird diese „Selbstfindung“ durch ein zuweilen unfaires Matchmaking, das Neulinge auch gerne mal in die Arme von Gegnern treibt, die bereits alle Charaktere freigeschaltet haben und somit klar im Vorteil sind. „Awesomenauts“ ist zwar in Sachen Balancing weit entfernt von einer Totalkatastrophe – nach einer gewissen Eingewöhnungsphase kann man auch als Einsteiger gegen erfahrene Spieler bestehen –, aber der leicht-bittere Nachgeschmack des Grindens haftet den frühen, zähen Levelaufstiegen schon an.

Doch hinter den ersten Frustmomenten liegt ein verheißungsvolles Land namens Spielspaß, das besonders im Kreise eines eingespielten Teams jede Menge Potenzial entfaltet. Im Gegensatz zu einigen anderen MOBA-Vertretern bietet „Awesomenauts“ dabei auch taktische Möglichkeiten. Es gibt zahlreiche Manöver, die ein kompetentes Team ausführen kann. Wie wäre es beispielsweise mit einem Ablenkungsmanöver: Zwei Mann stürzen sich auf den gegnerischen Bohrkern, während sich der Dritte in Gestalt des Stealth-Helden Leon Chameleon daran macht, die Turrets zu zerstören?

Charmant gestaltetes MOBA-Spiel mit Potenzial. Jetzt ist es an den Entwicklern, dieses auszuschöpfen und die Community mit neuen Maps und Spielmodi bei Laune zu halten.Fazit lesen

Der klassische MMO-Angriff ist ebenfalls nicht zu unterschätzen: einfach ein bis an die Zähne bewaffnetes Trio aus Tank-, Healer- und DPS-Helden aufstellen und den Gegner überrollen. All das gelingt aber nur, wenn ihr euch vor jeder Partie die passenden Items zurechtgelegt habt. Denn bei „Awesomenauts“ stellt ihr keine Waffensets zusammen, auf die ihr jederzeit zugreifen könnt, sondern bestimmt vor dem Start eines Matches neun Items, Perks und Upgrades, die im In-Game-Shop zur Verfügung stehen sollen.

Awesomenauts - Retro-Helden aus der Zukunft

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 25/281/28
Bilder sehen eh alle gleich aus, aber Spaß macht's wirklich.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Selbstverständlich wollen die nützlichen Helfer zuerst mit Heldentaten auf dem Schlachtfeld und mit Rangaufstiegen verdient werden. Um die Ware anschließend während der laufenden Partie zu kaufen – ungeduldige Kunden können sich dank des Teleportsystems direkt zum Shop teleportieren –, werden Solarmünzen benötigt, die auf den Karten verteilt sind und von niedergestreckten Gegnern fallengelassen werden.

Diese „Häppchenfütterung“ von Gegenständen hat den Vorteil, dass die Online-Partien sich stets vom mickrigen Lagerfeuer zu einer Art Waldbrand wandeln. Was als unscheinbare Schießerei beginnt, wird im Laufe eines Gefechts mehr und mehr zur Materialschlacht.

Besonders beeindruckende Licht- und Partikeleffekte zaubert „Awesomenauts“ währenddessen zwar nicht auf den Bildschirm, aber der Comic-Krieg hat andere schöne Seiten. Zum Beispiel die herrlich überzeichneten Helden und Schlachtfelder, die trotz ihres zweidimensionalen Daseins tief blicken lassen.

Selbst nach längeren Aufenthalten im Retro-Kosmos der „Awesomenauts“ findet man immer noch neue Details. Über die magere Auswahl an gerade einmal drei Karten, wird die grafische Detailverliebtheit der Entwickler auf Dauer allerdings nicht hinwegtäuschen können. Ronimo Games muss in den nächsten Wochen ranklotzen und Content (neue Maps und Spielmodi) nachliefern, sonst wird die Zahl der aktiven Elitesöldner gefährlich schnell sinken.