Wer ist Harry Potter eigentlich und was macht ihn so besonders? Ein bebrillter und zugegebenermaßen mutiger Jugendlicher, der Bekanntheit erlangt hat, ohne etwas dafür zu tun. Den Angriff eines übel gelaunten Möchtegern-Weltherrschers zu überstehen, das ist Grundlage seiner Berühmtheit. Feuerbälle werfen? Blitze aus den Fingern schleudern? Solch Aufsehen erregende Fähigkeiten sind nicht sein Metier.

Eben hier kommt ihr ins Spiel. Als talentierter Nachwuchsmagier drückt ihr ähnlich wie Harry die Schulbank. Und zwar wesentlich cooler: Mit unfassbar mächtigen Zaubern brutzelt ihr Myriaden an Monstern und löst knifflige Rätsel. Das macht euch so schnell keiner nach. Nicht einmal ein berüchtigter Nachwuchsmagier, der seiner Erfinderin zu mehr Reichtum als die Queen verholfen hat.

Avencast - Rise of the Mage - Trailer #2Ein weiteres Video

Prügelspiel trifft RPG

Das geht ja gut los. Vor der gesamten Klasse werden wir von unserem Lehrer für unsere Unachtsamkeit angepflaumt. Und das, nur weil wir kurz eingeschlafen sind… Selbst in Spielen sind wir also nicht vor der Schelte der Pauker sicher. Dabei haben wir die Lehranstalt im echten Leben eigentlich längst hinter uns.

Avencast - Rise of the Mage - Klein, aber fein: Im RPG-Hypefischbecken findet Avencast eine hübsche Nische.

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Treib es nicht zu bunt! Die Effekte von Avencast sind größtenteils hübsch anzuschauen.
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Fürwahr, von einem angehenden Supermagier sind wir zu Beginn von „Avencast – Rise of the Mage“ noch weiter entfernt als Paris Hilton von Nobelpreisen. Und auch das Spiel selbst will nur schwerlich in das Korsett eines typischen RPGs passen. Untypischerweise navigieren wir unseren frisch gebackenen Zauberjüngling mit den WASD-Tasten in einer für Rollenspiele bewährten Isoperspektive.

Warum die aus dutzenden Titeln bewährte Maussteuerung nicht zum Einsatz kommt? Das Kampfsystem ist Schuld. „Avencast“ macht nämlich Schluss mit Dauerklick-Orgien. Stattdessen setzen die Entwickler von „Clockstone Software auf ein direkteres System. Das erfordert ungleich mehr Geschick und den Einsatz sämtlicher Eingabegeräte. Keine Angst, klingt komplizierter als es ist. Im Grunde kloppt und zaubert ihr euch wie in einem klassischen „Beat ’em up“ durch Monsterhorden.

Einfache Schläge erfordern einen simplen Mausklick, Spezialattacken eine bestimmte Abfolge von Tastatureingaben. Beispiel: Um einen besonders kräftigen Hammerschlag auszuführen, müsst ihr auf „S“ und „W“ sowie die linke Maustaste klicken. Die gleiche Kombination mit der rechten Maustaste ergibt wiederum den mächtigen Schuss „Seelenkelch“. Merke: Tastaturkommandos plus linke Maustaste rufen Nahkampfattacken hervor, die gleiche Prozedur mit der rechten Maustaste Zauberangriffe.

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Fünf gegen Einen: die perfekte Aufwärmübung für einen abenteuerlustigen Zauberlehrling.
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Damit auch Zocker mit zwei linken Händen nicht verzagen, dürft ihr sämtliche Spezialfähigkeiten auf Symbolleisten legen. In dem Fall reicht ein simpler Klick, um die Fertigkeit auszulösen. Doch keine Frage – wer virtuos den Umgang mit Maus und Tastatur beherrscht, hat es in den Kämpfen deutlich leichter.

So abwechslungsreich und innovativ das Kampfsystem auch ist, lässt es doch Feinschliff vermissen. Im Eifer des Gefechts ist viel Präzision erforderlich, um gleichzeitig Attacken vom Stapel zu lassen und feindlichen Hieben auszuweichen. Zwei- oder dreimal verklickt und schon ist die Auseinandersetzung so gut wie verloren. Selbst in höheren Erfahrungsstufen machen die Kreaturen kurzen Prozess mit dem Helden. Ständiges Zurückziehen, Heilen und erneutes Vorpreschen ist die Folge. Dass unser Recke wie im Halbschlaf durch die Welt trödelt, macht es nicht besser.

Zudem ist die Mechanik nicht dynamisch genug. Wie in „The Witcher“ diverse Angriffsketten aneinander zu reihen, ist unmöglich. Nach dem Einsatz einer Spezialfähigkeit müssen wir stets kurz warten, um einen erneuten Hieb bzw. Zauberspruch zu lancieren. So verspielt „Avencast“ im wahrsten Sinne des Wortes das Potenzial, das ein neuartiges Kampfsystem per se mit sich bringt. Für den Mut zur Innovation gebührt dem Titel dennoch ein Extralob. Und schlecht ist das Gebotene nun wirklich nicht. Nur ein wenig ausgefeilter und polierter hätten wir es uns erhofft.

Wie aus dem Nichts erscheint mit Avencast ein würdiges Action-Rollenspiel mit coolem Questdesign und interessantem Kampfsystem.Fazit lesen

Die üblichen Verdächtigen

Was wir bisher über „Avencast“ geschrieben haben, mag nicht allzu sehr nach Rollenspiel klingen. Und doch ist der Titel ein typischer Vertreter seines Fachs. Die angesprochenen Spezialfähigkeiten etwa müsst ihr euch wie üblich erst mit Erfahrungspunkten „erkaufen“. Durch das Lösen von Quests und Metzeln von Gegnern steigt ihr peu à peu levelweise auf. Die dadurch gewonnen Punkte investiert ihr in (magere) vier Kategorien: Leben, Mana sowie die beiden Zauberschulen Blut- (Nahkampffertigkeiten) und Seelenmagie (Distanz-Zauber).

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Das Inventar in seiner vollen Pracht. Sammelleidenschaft kommt leider keine auf.
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Zusätzlich dürft ihr pro Level ein Pünktchen in einen von drei Talentbäumen stecken. Neben den bereits angesprochenen Blut- und Seelenmagie-Skills erwartet euch eine nette Auswahl an Beschwörungszaubern. So könnt ihr euch diverse Begleiter herbei hexen, die euch tatkräftig unterstützen. Von Imps über Golems bis hin zu kristallinen Seepferdchen (!) ist alles dabei, was das Fantasy-Herz begehrt.

Mut zum Rätsel

Bei den Quests schlägt „Avencast“ einen erfrischend kreativen Weg ein. Typische Sammelaufträge der „Suche mir zehn Kräuter/Pilze/XY-Items“-Machart kommen zwar vor. Schließlich haben Rollenspieler diese mittlerweile fast so lieb gewonnen wie Shooter-Fans die Sprengung von Abwehranlagen oder die Infiltration feindlicher Lager. Doch auch wesentlich rätsellastigere Aufgaben haben ihren Auftritt. So müssen wir beispielsweise Spiegel in eine bestimmte Position rücken, damit Lichtstrahlen einen Mechanismus aktivieren. Keine Angst: Viel schwieriger wird es nicht. Die Kopfnüsse bleiben stets fair und für jedermann lösbar.

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Da hat wohl jemand zu viele rote Bohnen gegessen…Unsere Spezialattacke taucht den kompletten Bildschirm in atmosphärisches Rotlicht.
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Was die Quests an Einfallsreichtum aufweisen, fehlt den Gegenständen. Die Auswahl an Waffen und Rüstungen ist gering, ebenso die Besonderheiten derselbigen. Die Motivation, einzigartige Items aufzuklauben, kommt kaum auf. Seine Suchtwirkung entfaltet „Avencast – Rise of the Mage“ vielmehr über die interessanten Aufträge und den Drang, immer mächtigere Fähigkeiten zu erlangen. Deren Auswahl hätte zwar ebenfalls vielfältiger ausfallen dürfen. Spaß macht das Experimentieren mit Blut- und Seelenmagie-Zaubern aber allemal!

Wenig Glanz, viel Gloria

Summa summarum also viel Licht und einige wenige schattige Stellen, die „Avencast“ mit sich bringt. Die Grafik etwa, stilistisch hochwertig, technisch aber veraltet. Kein Vergleich zu den bildschönen Animationen eines „The Witcher“ oder den stimmungsvollen Umgebungen von „Titan Quest“.

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Ein echter Romantiker: Mit einem Herz aus Feuer bringt unser Held seine Feinde in Wallung...
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Vor allem die Levels wirken äußerst kantig und nach dem Baukastenprinzip erstellt. Zaubereffekte und Kampfbewegungen gehen in Ordnung. Die typischen Fantasy-Gestalten (Riesenspinnen, Skelette, Gargoyles…) sind pflichtgemäß dem Rollenspielhandbuch für Ungeheuer entnommen. Schade: Ein Mehrspielermodus ist absent. Dabei hätte sich der Titel fantastisch dafür geeignet, kooperativ die dunkle Bedrohung auszuschalten.