Wer hat, der hat – und darf seine mühsam verdiente Kohle ausgeben, wofür er möchte. Etwa für vorgefertigte PCs, die viel Leistung versprechen, aber theoretisch billiger zu haben sind, wenn man sie selbst zusammenbastelt. Asus möchte euch diese Arbeit an einem ausgewogenen System mit dem ROG G20 abnehmen.

Schon komisch, wie man in dieser Branche immer wieder auf den Kontrast zwischen innerem und äußeren Design stößt. Unwahrscheinlich, dass irgendjemand diesem PC Leistung und Abstimmung für Spiele abspricht. Nur stylisch ist etwas anderes. Das Design des ROG 20 hat durchaus etwas lässiges und futuristisches an sich, aber egal, wo man das Ding im Haushalt platziert, es will sich nirgends einfügen.

Abgeschrägte Fuge in der Mitte, Schlitze überall, angereichert durch hintergründig platzierte, farbige LEDs, ansonsten schwarz: sieht auf Fotos verdammt cool aus. Aber wenn dieser Mini-PC erst einmal im eigenen Domizil steht, sticht er heraus wie ein Hippie auf einem Kongress der NRA. Selbst im Vergleich mit einem nüchternen, monströsen Tower wirkt dieses Ding so aufdringlich und klotzig wie die berühmte imperiale Raumstation aus Krieg der Sterne. Um es mit den Worten meiner Frau auszudrücken: Das Ding ist potthässlich und muss in einer schlecht einsehbaren Ecke verschwinden – für den Fall, dass Besuch kommt.

Asus ROG G20 - Das ist kein Mond, das ist ein PC-Gaming-Todesstern!

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Da ist das Ding. Ob einem das Design gefällt oder nicht, zumindest weckt es Emotionen - und das ist nie ganz schlecht.
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Geschmackssache, sagte der Affe und biss in die Seife

Andererseits, was kümmert den ein oder anderen das Äußere, wenn dafür eine kraftvolle Spielemaschine in der weibchenfreien Männerhöhle tuckert. Je nach Geldbeutel versüßt euch eine Grafikkarte der Geforce 900er Reihe in gewohnter Staffelung den Feierabend, angefangen bei einer eher schwachbrüstigen 950 für Einsteiger bis hin zum extravaganten 980er-Modell. Selbstverständlich unterstützt durch einen Intel-Prozessor, denn bei Spielen zieht AMD seit geraumer Zeit den kürzeren. Intel Core i5 oder i7 ergänzen die Ausstattung.

Das vorliegende Modell für diesen Artikel gehört zu den anspruchsvolleren Varianten. Rund 1400 Euro kostet die Kiste mit der Kombination GF 970 plus Core i7 bei 3,6 Ghz und 16 GB Arbeitsspeicher. Klingt nicht nach einem Schnäppchen, zumal die nutzbare Festplatte mit einem überschaubaren Terabyte haushalten muss. Auf der ebenfalls installierten, 128 GB großen SSD-Platte fallen rund 100 GB für Windows 8.1 an, der Rest besteht aus einer versteckten Partition samt Installationsdateien. Da ist nicht viel herauszuholen.

Wer genau hinhört, vernimmt aus der Ferne das Schimpfen der Elite-Bastler. Viel zu teuer, bekommt man doch eigenhändig viel günstiger zusammengeschraubt, Laberrhabarber. Mag sein, zumal nur begrenze Einsicht auf das Motherboard möglich ist und einige Variablen im Freien schweben. Der komplette Chipsatz der Hauptplatine stammt von Intel und bedient sich bei der aktuellen 9er-Serie. Laut Systemsteuerung befindet sich zudem ein Raid-Controller und eine Xeon-CPU im Chipsatz, was eine typische Kombination für Server darstellt. Diese Kombination wird dem Bus-System zugeteilt, wobei die tatsächliche Funktion im Verborgenen bleibt. Keine der Platten wird gespiegelt. Schnelles Raid-0-Schreiben wäre nur mit zwei baugleichen Festplatten möglich. Schon ein wenig rätselhaft, aber mitnichten mal schnell zusammengeschustert.

Genaues Hinhören ist obendrein ein gutes Stichwort, denn abgesehen von einer kurzen Hauruck-Entlüftung für anfallenden Staub macht das Gerät im Normalbetrieb keinerlei wahrnehmbaren Geräusche. Man könnte eine Stecknadel fallen hören, sofern gerade kein Spiel (oder eine andere grafisch anstrengende Applikation) nach Leistung schreit. Und selbst wenn, erzeugt die Grafikkarte einen angenehm leisen Geräuschpegel, der nicht einmal Film-Enthusiasten verärgern würde.

Zapp, da war der Strom weg

Mit dem Zweck als Zeitvernichter vor Augen ergibt die Zusammenstellung viel Sinn. Die alte Hardware-Zicke Project Cars lief auf höchsten Grafikeinstellungen wie geschmolzene Butter, GTA V genauso. Wen wundert's, sollte bei dem Anschaffungspreis schließlich außer Frage stehen. Na gut, man könnte eventuell wegen des optischen Laufwerks meckern. Richtig gelesen, kein magneto-optisches, also kein Brenner, sondern nur ein Lesegerät, und dazu noch sparsam gerechnet. Einerseits nicht in der Lage, Blu-rays zu lesen – DVDs sind das Höchste der Gefühle – anderseits ein wackeliges Laptop-Modell, dessen einziger Vorteil im verschwindend geringen Platzbedarf liegt. Ein anständiger Brenner hätte den Kohl wohl kaum fett gemacht, auch wenn drehende Medien heute kaum noch angesagt sind. In allen anderen Hardware-Kategorien bleibt dagegen kein Spielraum zum Stänkern. USB und Audio-Buchsen wurden prima platziert, HDMI kann vom ersten Moment an genutzt werden, ähnlich wie bei den typischen „Beinahe-Steam Machines“ und dank der beiliegenden Tastatur (leider im englischen Qwerty-Layout) samt Maus ergibt sich ein Komplettsystem out of the Box.

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Selbst die anspruchsvolle PC-Version von GTA 5 läuft auf dem G20 ohne große Probleme.
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Trotzdem besteht kein Grund zur Lobhudelei. Ein Komplettsystem sollte möglichst einsteigerfreundlich sein, was die vorliegende Testhardware nicht unbedingt ist. Denn die allererste Amtshandlung des Systems nach dem Anschluss war ein fröhlicher Parsing-Fehler beim vorinstallierten Windows 8.1. Da war nichts zu rütteln, denn nach dem ersten Neustart verriet ein Fenster, Windows müsse neu installiert werden. Große Freude, vor allem wenn man keinen Plan hat, wie man das Betriebssystem raufschaufeln soll.

RTFM: Read the fucking manual. haha, guter Witz! Die beiliegende „Bedienungsanleitung“ besteht aus einem doppelseitigen Din-A-3 Faltblatt, auf dem in zehn Sprachen unglaublich wichtige Dinge erklärt werden. Etwa, wie man die Farbe der LED-Lämpchen ändert. Von der Installationsanleitung fehlt dagegen jede Spur. Okay, selbst ist der Mann... beim Suchen des Supports. Im Web ein Trauerspielspiel. Man findet bei Asus alles, nur keinen kompetenten Web-Service. Es bleibt die Asus-Kundenhotline, in der Service-Mitarbeiter mit gebrochenem Deutsch zu verstehen geben, dass sie nicht einmal von der Existenz des Gerätes wissen, ganz zu schweigen von einer Lösung. Das hatte im vorliegenden Fall eine Weiterleitung zu zwei weiteren Mitarbeiten zufolge, die ebenso ratlos waren, obwohl ähnliche Modelle längst im Umlauf sind. Erst bei der Frage, wie das denn auf anderen Asus-Geräten gehandhabt wird, fiel endlich der Groschen: Um eine Neuinstallation zu starten, genügt es, beim Hochfahren möglichst zeitig die F9-Taste zu betätigen.

So weit, so ärgerlich, aber immerhin verlief danach softwareseitig alles reibungslos. Alle nötigen Treiber sind mit an Bord (sollten aber augenblicklich aktualisiert werden), somit fehlt nur noch Steam oder eine andere Vertriebssoftware, die man sich per integriertem WLAN oder kabelgebunden aus dem Netz saugt.

Und Fingerspitzengefühl für den Fall, dass die Kiste noch nicht den richtigen Platz eingenommen hat, denn eine Kuriosität könnte euch unter Umständen (einmalig) den Spaß vermiesen. Wie heutzutage üblich, saugt die Grafikkarte eine Menge Saft und benötigt daher ein separates Netzteil. Beim Asus G20 wurden beide Netzteil-Komponenten in einen gemeinsamen externen Klotz verbannt, was zwar nicht vor dem Anschluss zweier Kaltgerätekabel bewahrt, aber immerhin ein wenig Platz spart. Das Blöde an der Sache ist nur, dass die beiden Standardkabel, die vom Netzteil in das Gerät führen, nicht baugleich sind.

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Wohin guckt der Kerl und welches Spiel zockt er, verdammt noch mal!? Der typische Gamer durch die Augen eines Werbegrafikers.
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Eine Frage des Details: Der Hohlstecker für das Motherboard rastet dank einer Verankerung in der Buchse ein, das Pendant für die Grafikkarte dagegen nicht. Zugegeben, der Graka-Hohlstecker sitzt nicht lose, aber es benötigt nur einen minimalen Kraftaufwand, um ihn aus der Buchse zu ziehen. Geschätzt reicht es bestimmt, wenn die Hauskatze ihr Fell dran reibt. Zapp – Ende Gelände. Es dürfe kein Geheimnis sein, was so ein unfreiwilliger Stromausfall dem System antun kann. Angesichts des Anschaffungspreises ist das nicht vertretbar. Schon gar nicht, wenn man mal vergleicht, wie hochpenibel Konsolen verbaut werden, die für gerade mal 400 Euro oder weniger über den Ladentisch gehen. Da stimmt jeder Anschluss. Wieso bekommt das so eine erfahrene Firma wie Asus nicht gebacken?

Fazit

Der fertige Mini-PC ROG G20 will keine verkappte Steam Machine sein, sondern ein kompakter Fertig-PC mit handverlesenen Komponenten, die hervorragend zueinander passen. Das vorliegende Modell erfüllt alle Erwartungen, wenn es um Leistung und Spielkomfort geht. Die Kiste ist schnell, komfortabel und leise obendrein. Nur leider auch ein Design-Ungetüm mit einigen Fehlern im Detail.

Bei einem Preis von 1400 Euro (variabel je nach Ausstattung) dürfen solche Schnitzer wie mangelhaft installiertes Betriebssystem und ungenügend festgeklemmte Stromkabel nicht vorkommen. Ein anständiges Laufwerk, verbesserter Support sowie eine etwas hochwertigere QWERTZ-Tastatur hätten sicherlich nicht geschadet. Nach der Begutachtung dieser Schnitzer ist es leicht, etwaige Ausfälle zu verhindern, darum kann man all das als Flüchtigkeitsfehler abtun, mit denen man leben kann, weil sie keine dauerhaften Nachteile mitbringen.

Wer mit einer Anschaffung liebäugelt, wird den Kauf also mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht bereuen. Ausnahme sind natürlich Elite-Bastler, aber auch die müssen erst einmal ein derart leises und fixes System zusammenbekommen. Wir sprechen jedenfalls eine Kaufempfehlung mit minimalem Vorbehalt aus.

Ginge es rein um Ausstattung und Leistung, wäre Asus ROG G20 eine tolle Anschaffung. Aber Bau- und Softwarefehler sind bei diesem Preis unverzeihlich.