Assassin’s Creed gehört zu den ewigen Wiedergängern der AAA-Szene. Jahr um Jahr stößt Ubisoft ein neues Spiel rund um einen meuchelnden Protagonisten auf den Markt und während sich die Settings teilweise sehr stark voneinander unterscheiden, beginnt die immer gleich wirkende Gameplay-Formel allmählich ihren Reiz zu verlieren. Etwas neues brauchen und wollen die Spieler - und die Entwickler scheinen dieses Jahr etwas besser zugehört zu haben.

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Die diesjährige Präsentation von Assassin’s Creed: Unity auf der E3 war ein wenig anders als sonst: Statt den Meuchler auf sich alleine gestellt und allerhöchstens durch KI-Kollegen behindert von Dach zu Dach springen zu sehen, gesellten sich nun menschliche Mitspieler dazu, die in perfekter Choreographie Prunkschlösser betraten, Wachen ausschalteten und durch große Empfangshallen sprinteten.

Es fehlte nur noch ein gemeinsames High-Five in Zeitlupe, um den Best-Friends-Auftritt der Assassinen komplett zu machen. Doch das brüderliche Handklopfen blieb aus, stattdessen war mein Interesse für die Reihe aber wieder geweckt. Endlich wieder himmelhohe Architektur und eine düstere Kulisse statt helllblauer Weltmeere!

Assassin's Creed Unity - Eine Revolution liegt in der Luft

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Mehrspieler-Spaß ist ein wichtiger Punkt für die Entwickler des neusten Teils der Reihe.
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Doch nicht nur das Setting, auch die Präsentation auf der gamescom sorgte für Freude in müden Journalistenaugen: Statt wie sonst meist üblich einfach nur zuzuhören, durfte ich Hand in Hand mit einem der Entwickler mein kooperatives Glück im frühmodernen Paris versuchen. Via Headset verbunden war es unsere Aufgabe, durch eine Parkanlage in ein Schloss einzudringen und dabei möglichst wenig Aufsehen zu erregen.

Coop: Große Worte, aber auch etwas dahinter??

Die spannende Frage, auf die ich mir nun eine Antwort erhoffte, war: Wie würde nach der eindrucksvollen E3-Präsentation von geschulten Profis, die das Spiel kennen, sich nun die Coop-Einlagen anfühlen, wenn die verschwitzten, müden Journalistenhände mit einem der Entwickler zusammenarbeiten müssten? Wie authentisch ist das bisher gezeigte Spielerlebnis wirklich?

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Inszentarorisch ist "Unity" wieder einmal ein ganz großer Wurf.
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Das kurze Abenteuer in Paris am Vorabend der Revolution enthüllte weder spielerische noch erzählerische Neuheiten, bewies allerdings, dass die Zusammenarbeit mit einem Mitspieler für ganz neue Herausforderungen sorgen kann. Tatsächlich ist es schwieriger als gedacht, unentdeckt durch die gut bewachten Areale zu kommen, wenn durch die doppelte Anzahl an menschlichen Spielern auch die Wahrscheinlichkeit, dass ausversehen ein Spieler eine feindliche Sichtlinie berührt, verdoppelt wird.

Keine Neuerfindung des Meuchelmörders, aber womöglich der stärkste Teil seit langer Zeit.Ausblick lesen

Während dieses neue spielerische Element für eine (vielleicht sogar unfreiwillige) Erhöhung des Schwierigkeitsgrades sorgt, ist dieser scheinbare Pluspunkt für das Spiel ein nur sehr schwaches Pro-Argument. Denn wenn die Spieler entdeckt werden, zeigt der unvermeidliche Kampf mit der gegnerichen KI, dass jegliches Schleichen von Anfang an eigentlich recht überflüssig ist.

Viel "alt" trifft auf ein bisschen "neu"

Mit serientypischer Leichtigkeit bekämpfen wir ohne Probleme große Gegnergruppen und beackern das Gamepad so lange, bis keine Feine mehr in Reichweite sind. Warum schleichen, wenn die Kämpfe weiterhin so banal einfach sind? Nur Highscores und die Jagd nach Punkteboni bilden den nahezu einzigen Grund für die Heimlichtuerei der Meuchelmörder.

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Die Kämpfe gehen wieder sehr leicht von der Hand.
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Neben den übrigen typischen Versatzstücken der Serie, die auch bei Unity zu finden sind - Nebenmissionen, Attentate, Rätseleinlagen - hat ein neues Feature Einzug in das Repertoire des Kapuzenträgers gefunden. So wird es - entweder mit Ingame-Währung oder Echtgeld - die Möglichkeit geben, verschiedene Umhänge zu erwerben, die den Meuchelmörder in vier verschiedenen Kategorien teiweilse deutlich stärker machen.

Ob eure Geschwindigkeit, Angriffsstärke, Ausdauer oder Fähigkeit zum Verstecken verbessert wird, liegt ganz an euch und der Wahl eures Kleiderschrankes. Damit bekommen einige Missionen einen gewissen Wiederspielwert und insgesamt erhöht sich die taktische Tiefe des Spiels - ein Faktor, der in vergangenen Teilen kaum eine Rolle spielte.

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Paris bietet den idealen Spielplatz für mordende Kletteraffen.
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Bei der Präsentation fiel der Vermerk “Hacken” auf, der jedes Kleidungsstück zierte: Ein Hinweis auf Aktionen in der Jetzt-Zeit des Spiels? Darauf wollten uns die Entwickler allerdings weder Rede noch Antwort stehen, allerdings wird es wohl auch in der Parallelgeschichte des Spiels allerhand zu tun geben.

Ein kleiner Fertigkeitenbaum gesellt sich schlussendlich zu der überschaubaren Liste an Neuerungen hinzu: Hier dürfen wir regelmäßig Punkte in verschiedene Fähigkeiten und Attribute investieren - “verskillen” wird man sich aber nicht können. Früher oder später hat jeder Spieler alle Fähigkeiten erlernt, nur der einzuschlagende Weg wird individuell entschieden.

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Es wird mehr Missionen geben als jemals zuvor - wie gut diese wirklich sind, müssen wir uns allerdings noch zeigen lassen.
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Ein Schlusswort zum Schauplatz: Paris sieht einfach großartig aus und die verwinkelte, dichte Architektur ist der perfekte Ort für wilde Klettereien und spannende Verfolgungsjagten. Fans der Reihe werden sich Assassin’s Creed: Unity ohnehin ins Regal stellen - doch dank der interessanten, aber überschaubaren Neuerungen sowie des kletterfreundlichen Settings sollten auch Skeptiper, die die letzten Teile verschmäht haben, einen Kauf erstmalig wieder in Erwägung ziehen.