Der E3-Trailer von Assassin’s Creed: Unity strahlt schön aus, was wir beim ersten Anspieltermin im Standard Hotel in Los Angeles fühlten. Wenn der Adler seine Schwingen ausbreitet, dann hat das etwas Majestätisches. Und diese Eleganz führt sich auch in den Räumen des Jardin du Luxemburg fort, jenem Gebäude, in dem wir als der neue Protagonist Arno Dorian den Marquis de Bouillon zur Strecke bringen sollen.

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Der Palast gehört zu den detailverliebtesten Bauten, die wir je in einem Videospiel gesehen haben. Keine Säule kommt ohne Verzierung und besonderen Schliff aus. Keine Wand ist wie die andere, jede mit edlen Stoffen überzogen und Spiegeln behangen, die wiederum kunstvoll von Gold verziert sind.

Schauen wir genau hin, entdecken wir quasi an jedem Zentimeter ein Kunstwerk: eine Engelsfigur aus Porzellan, die an einem klassisch verschnörkelten und protzigen Balkon der Barock-Zeit hängt. Überall kleine Bilder, die in feine Stoffe eingewebt sind, den König zeigen oder Schlachten der Grand Nation. Das kann unmöglich eine Engine zusammenbasteln; die einzelnen Elemente wurden von Hand gesetzt und designt.

Assassin's Creed Unity - Die Brüder des Adlers

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Kein Antwork, kein Photoshop, kein Fake: Der Screenshot stammt aus einer Spielszene. Achtet mal auf Details an der Torte oder dem Kerzenständer.
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Zwischen Eleganz und Lust auf Blut

Auf die Eleganz und Detailverliebtheit trifft aber auch eine deutlich düsterere Seele und Lust nach Blut. Das verdeutlicht auch der Flug des Adlers, der sterbende Bewohner von Paris und französische Soldaten mit melancholischer Musik unterlegt.

Bevor wir das Jardin du Luxemburg erklettern, streifen wir durch die Gassen der Hauptstadt und sind nicht selten überrascht, wie viele „Assassinen“ es hier denn gibt. Gerade passieren wir einen Marktstand, da ersticht ein wütender Bauer einen vorbei marschierenden Soldaten mit seiner Mistgabel und wird von dessen Begleiter erschossen. Das Blut der Beiden besudelt nicht nur den Boden, sondern spritzt auch auf das Obst des Standes.

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Unity soll mit mehr Anspruch zu Koop-Bruderschaften zusammenschweißen. Den fliehenden Soldaten erledigen wir mit der eingebauten Armbrust der Phantom-Klinge.
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Noch krasser inszeniert ist das Ganze im Inneren des Palastes. In einer offensichtlich geskripteten Szene schaut ein anderer junger Soldat in galanter, grüner Gardeuniform einer attraktiven Hofdame nach. Das ist wie eine Einladung, ihn aus dem Verkehr zu ziehen, doch wo solche Animationen in „Black Flag“ im Schnelldurchlauf durchgezogen wurden – Stechen, Leiche auffangen, ab in den Schatten – ist das alles hier eine Spur heftiger. Der Kerl röchelt und sein roter Lebenssaft schießt genau aus der Schnittwunde, wo wir ihn getroffen haben, auf eine Porzellanstatue. Das Blut läuft dort langsam runter, auch die Wände werden besudelt.

Detailverliebt, grafisch imposant, spielerisch interessant: Ubisoft wirft viele altbekannte Mechaniken über Bord und setzt mehr auf Herausforderungen – alleine oder mit der Bruderschaft im Koop.Ausblick lesen

Laut Creative Director Alexandre Amancio ergibt sich die wachsende Brutalität aus dem Setting: „Wir steuern auf den Siedepunk der französischen Revolution zu. Je weiter wir uns nähern, desto mehr Blut fließt. Lynch-Justiz und Morde am Tag waren damals keine Seltenheit, die Menge ergötzte sich an getöteten Adligen und deren aufgespießten Köpfen.“

Brüder im Koop-Geiste: Der Avatar sitzt in der Taverne

„Unity“ steht für Einheit und so trägt das neue Assassin’s Creed den Koop-Gedanken auch deutlich mehr im Herzen, als auf der E3 angedeutet wurde. „Koop ist so ein merkwürdiges Wort, weil jeder etwas anderes darunter versteht“, scherzt Amancio.

Um das Konzept zu erklären, muss er etwas weiter ausholen: „Nehmen wir mal an, wir beide sind auf Xbox Live, PSN oder auf andere Wege miteinander vernetzt und du betrittst eine Taverne. Wenn ich jetzt gerade Unity spiele, sitzt mein Avatar dort auf einem Stuhl und trinkt einen Rotwein“. Natürlich nur als Repräsentation von Amancio, sollten wir hinzufügen – keiner muss sich aktiv in eine Taverne setzen und darauf warten, auf ein Abenteuer eingeladen zu werden. „Du kannst jetzt meinen Charakter ansprechen und bitten, dich auf eine Mission zu begleiten, das funktioniert mit bis zu drei Freunden.“

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Der aufgebrachte Mob lässt sich strategisch nutzen: töten wir die Wachen an der Haupt-Forte, beschäftigen die für uns die Soldaten im Innenhof.
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Es handelt sich dabei jedoch um spezielle Brotherhood-Missionen, die allerdings Teil der Geschichte sind. Jeder muss die also an einem bestimmten Punkt erledigen, kann aber entscheiden, ob er das alleine tut oder eben mit Koop-Freunden. Eine schöne Idee, die Spieler auf natürliche Art zusammenführt, weil einige Missionen alleine ganz schön tricky sind.

„Wenn ein Spiel fordernd genug ist, schließen sich Spieler gerne zusammen“

Das Jardin du Luxemburg beispielsweise wird von gut 30 Soldaten bewacht. Zehn davon befinden sich im Kronsaal, wo der Marquis und seine Frau gerade eine Party abhalten. Wer alleine spielt, der muss sein ganzes Können beweisen und sein Arsenal clever einsetzen.

Die neue Phantom-Klinge beispielsweise hat auch eine Abschussvorrichtung für eine begrenzte Zahl an kleinen Pfeilen. Die ist besonders im Gefecht gegen vier Gegner in einem Raum hilfreich, weil wir darauf achten müssen, keinen entkommen zu lassen – der würde sonst nur Verstärkung rufen. Auch schnelle, Guerilla-artige Attacken und Rückzüge mit Rauchbomben sind prinzipiell machbar, im Verbund mit anderen Spielern wird es aber einfacher.

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Endlich wieder klettern! An Notre Dame, dem Jardin du Luxemburg und anderen hohen Gebäuden durften wir bereits die neue Klettermax-Mechanik ausprobieren.
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Wobei es Amancio gar nicht so sehr darum geht, vielmehr möchte er gemeinsame Taktiken fördern: „Wenn ein Spiel vom Schwierigkeitsgrad her hart und fordernd genug ist, dann schließen sich Spieler gerne zusammen. Natürlich werdet ihr dafür auch belohnt, alles was ihr findet, wandert zu gleichen Teilen in jedes Inventar.“

Laut Amancio sei der erhöhte Schwierigkeitsgrad generell eine Strategie, die man jetzt mal ausprobiere. „Ich glaube das Scheitern beim ersten Anlauf ist gar nicht so schlimm, daraus ergibt sich ja auch bei anderen Spielen ein besonderer Reiz“. Auch gibt er gerne zu, dass es viel Absprache und möglicherweise einige Anläufe brauche, um so gut zu harmonieren wie die Vorspieler auf der Microsoft-Pressekonferenz. Wir sehen das als positives Zeichen für die Serie – und ihr? Sagt es uns in den Kommentaren.