Für eine Reihe, die im Wesentlichen nur auf zwei dünnen Fundamenten basiert, hat Assassin's Creed diese in der Vergangenheit arg schleifen lassen. Während Unity im vergangenen Jahr zumindest noch das Kampfsystem ein wenig auf Vordermann gebracht, den übermächtigen Kontern den Stecker gezogen und die Auseinandersetzungen ganz allgemein gestrafft hat, geht Syndicate gleich in mehrerlei Hinsicht einen Schritt zurück.

Adressieren wir mal den Elefanten im Raum: Warum lässt sich Ubisoft nicht vom ähnlichen, aber ungleich besseren Arkham-Kampfsystem der Batman-Spiele inspirieren? Wie gesagt, deutliche Parallelen sind bereits jetzt zu erkennen, insofern wäre es keine 180-Grad-Wende, die da plötzlich vollzogen werden müsste. Vor allem zwei Dinge müssten passieren:

Kein seltener Anblick: Gleich mehrere Feinde auf einmal werden verdroschen. Kämpfe sind nach wie vor zu simpel, die Assassinen zu stark.
  1. Assassinen müssen allgemein schwächer und weniger mächtig werden.
    Nach wie vor lässt sich auch ein Dutzend Gegner auf einmal plattmachen, immer noch sucht man Kämpfe in der Regel eher, als ihnen (wie es sich für einen Assassinen gehören sollte) aus dem Weg zu gehen. Das unterminiert nicht nur die Prämisse des Schleichspiels, das Assassin's Creed nach wie vor sein will, sondern nimmt der Reihe auch ihren spielerischen Anspruch.
  2. Schluss mit blindem Knöpfchendrücken.
    Abgesehen von der Konter-Taste reichte es jüngst auch in Syndicate wieder, stumpf auf die Angriffstaste zu hämmern, um Feinde mit Kombos einzudecken. Niemand möchte plötzlich ein Beat-em-up vor der Nase haben, aber auch hier zeigt etwa Batman wieder mit simplen Kniffen, wie's besser geht: mit Timing nämlich. Es braucht keine vier verschiedenen Angriffs-Tasten, nur den richtigen Augenblick, in dem man eine drücken muss. Wer im Rhythmus attackiert, wird vom Spiel belohnt, wer ohne jegliche Übersicht Buttonmashing betreibt, bestraft – so sollte, so könnte es ohne große Änderungen am eigentlichen System sein.
In Unity war die Kletterei zwar ebenfalls nicht sonderlich komplex, aber zumindest sinnvoll, da es noch keinen Seilwerfer gab.

Das wird beim Klettern nicht ganz so einfach, zugegeben. Die in Unity eingeführte Sicherer-Abstieg-Taste dürften die meisten von uns mit Kusshand angenommen haben, allerdings macht sie das Kraxeln nur komfortabler, nicht anspruchsvoller. Damit das überhaupt passieren kann, müsste zuerst einmal der in Syndicate eingeführte Seilwerfer ersatzlos gestrichen werden: zu große Reichweite, zu mächtig, schadet dem Spielgefühl, weg damit.

Assassin's Creed Syndicate - Launch Trailer: Evie11 weitere Videos

Alle weiteren Schritte müsste sich Ubisoft schon sehr genau überlegen. Eine Möglichkeit wäre, weniger Punkte zum „Andocken“ für die Assassinen zu verteilen, sodass der Auf- und Abstieg genauer geplant werden muss. Auch das Drosseln des Tempos sowie eine eigene Absprung- oder Festhalt-Taste könnten dem Kletterspaß durchaus zuträglich sein. Jede Menge Möglichkeiten – man müsste ihnen nur eine Chance geben.

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