Es ist keine große Sache, harte Kritik an etwas zu üben und ich würde mal vorsichtig behaupten, genau das erst kürzlich in meinem „Assassin's Creed Syndicate“-Test getan zu haben. Ubisofts Reihe hat sich selbst überlebt, scheut sich aber aus naheliegenden Gründen vor einem längst überfälligen Neustart. Wer das fordert, sollte neben einer sauberen Argumentation vor allem konkrete Vorschläge parat haben. In diesem Sinne: Bitteschön, Ubisoft. Dieser Artikel ist für euch.

Nun ist ja beileibe nicht alles schlecht, was da in den vergangenen Jahren immer wieder in unsere Laufwerke gespült wurde. Die mittlere Qualität der Assassin's-Creed-Serie ist nach wie vor eine überdurchschnittlich hohe, mit kleineren Ausreißern in beide Richtungen. Insofern: Ja, kann man schon spielen und seinen Spaß mit haben – nur eben seit Jahren denselben. Von der früheren Einzigartigkeit, die den Erfolg der Reihe überhaupt erst zementiert hat, ist nach acht Jahren und neun Teilen kaum etwas übrig geblieben.

Deshalb ist es längst überfällig, ein paar entscheidende Dinge anders zu machen und die bereits vorhandenen Stärken auszubauen. Wir bieten mal etwas Starthilfe.

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Reise, Reise: Ein wirklich frisches Szenario mit allem, was dazu gehört

Es mag vermessen sein, ausgerechnet einer Serie wie Assassin's Creed gleichförmige Schauplätze vorzuwerfen, andererseits gewöhnen wir uns im Laufe der Zeit selbst an die beeindruckendsten Anblicke. So großartig das Unity-Paris der Französischen Revolution und die industrialisierten Straßen Londons auch sind (und nicht, dass wir uns falsch verstehen: das sind sie wirklich), so schablonenhaft scheint Ubisoft diese historischen Städte inzwischen vom Reißbrett in Polygone zu pressen.

Den Schauplatz um 200 Jahre und doppelt so viele Kilometer auf der Weltkarte zu verschieben, ist nicht länger ausreichend. Damit Assassin's Creed uns und vor allem sich selbst aus der gleichförmigen Fortsetzungs-Lethargie befreien kann, muss es bereits auf den ersten Blick Unerwartetes leisten. Und so schön die verschiedenen Epochen europäischer Länder in der Vergangenheit auch dargestellt wurden, eins waren sie wahrlich schon längst nicht mehr: unerwartet.

Kollege Dom hat speziell dieses Feld bereits vor anderthalb Jahren beackert und im Wesentlichen teile ich seine Einschätzungen noch heute. Die konkrete Epoche ist sekundär, vor allem muss Ubisoft mal den Kontinent wechseln. Allein dadurch ergeben sich viele der unlängst geforderten erzählerischen und spielerischen Änderungen fast von selbst.

Assassin's Creed - 5 Dinge, die sich ändern müssen (und 3, von denen ich gern mehr sehen würde)

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Das Spiel (Tenchu Z) ist Rotz, Assassin's Creed aber gar nicht so unähnlich - und es spielt im alten Japan!
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Ich würde den Namen meines Erstgeborenen für ein Assassin's Creed im Japan der Edo-Zeit hergeben, könnte mich aber auch mit Assassinen im alten Ägypten anfreunden. Mit Ninjas alte Tempel mit Blick auf den Fuji erklimmen oder Pharaonen meucheln? Count me in!

Das mag in Ubis Ohren nach unheimlich viel Arbeit klingen und ich möchte hier auch gar nichts beschönigen: Natürlich bedingen Szenarien wie diese den Bruch einiger bestehender Traditionen, aber ohne die geht es ohnehin nicht. Und nur, weil es auf den ersten Blick exotisch wirkt, kann es bei näherer Betrachtung trotzdem zum grundlegenden Serienkonzept passen. Wurfmesser werden in Japan zu Wurfsternen, Assassinen zu Ninjas – zur Hölle: Mit Tenchu gab es bereits vor über 15 Jahren eine Schleichspiel-Reihe mit Japan-Setting, von der sich Ubisoft durchaus hat inspirieren lassen. Imitation ist die höchste Form der Anerkennung, heißt es. Warum nicht endlich fortsetzen, was bereits mit Assassin's Creed 1 begonnen wurde?

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