„ Nun ist ja beileibe nicht alles schlecht“, stand hier noch ein paar Seiten zuvor und die nachfolgenden Punkte sollen beweisen, dass es sich dabei um mehr als eine hohle Phrase handelt. Auch das sonst so träge Assassin's Creed geht gelegentlich ein paar Wagnisse ein – und diese drei dürfen künftig gern noch weiter ausgebaut werden.

  1. Missionsdesign
    Es ist paradox, aber für ein Spiel, dessen Geschichte sich qualitativ irgendwo zwischen Farmville und Transformers bewegt, knallt uns Assassin's Creed Syndicate erstaunlich interessante, abwechslungsreiche und clevere (Haupt-)Missionen vor den Latz. Wo es gerade Rollenspiele gern mal schleifen lassen, achtet Ubisoft geradezu peinlich genau darauf, nur keine Redundanz aufkommen zu lassen, lässt mehrere Missionen sogar aufeinander aufbauen und diese dann in einem kleinen Finale kulminieren. Kann man nicht viel besser machen, Hut ab dafür. Sollte man ganz, ganz dringend weiter ausbauen.
  2. Zwangsdiät: Abspecken, wo es notwendig ist
    Wie das Gros moderner Open-World-Spiele leidet auch Assassin's Creed an einem chronischen Minderwertigkeitskomplex. In der Konsequenz muss alles immer noch größer, noch lauter sein. Ist aber grober Unfug, oft ist sogar das Gegenteil der Fall – und genau das hat vergangenes Jahr bereits Unity erkannt. Ubisoft ist nicht dem Trugschluss erlegen, die Leistung der aktuellen Konsolen ausschließlich dafür nutzen zu müssen, einfach mehr von allem zu machen, jede Zahl mit drei zu multiplizieren.

    Die Missionen in Syndicate sind große klasse.
    Die französischen Assassinen wurden vielmehr auf Zwangsdiät gesetzt, mussten mit weniger Schnickschnack als ihre Old-Gen-Kollegen auskommen und haben enorm davon profitiert. Es braucht keine 58 Gadgets, die kein Schwein jemals benutzt. Lieber eine gut sortiere, sinnvolle Auswahl.

    Syndicate hat diesen Trend beinahe unverändert übernommen, was zumindest mal kein Rückschritt war. Die nächsten Teile müssen ihn allerdings fortsetzen und sich trauen, an weiteren Stellen einzusparen. Keine 500 versteckten Truhen mehr, keine endlosen Nebenmissionen, keine Kartenlegende, die sofort den gesamten Bildschirm belegt, wenn man sie aufruft. Wieso nicht sogar mal die Stadt wieder um ein paar Quadratkilometer schrumpfen lassen, dafür aber noch detaillierter gestalten? Ich jedenfalls verlaufe mich schon in einem Hinterhof, da muss es keine Stadt mit zwei dutzend Bezirken sein. Ich sage „Weniger ist mehr“ und zahle fünf Euro ins Phrasenschwein.
  3. Rollenspieleinschlag
    Hieran haben sich bereits viele Spiele überhoben, Syndicate überraschenderweise nicht. Der leichte Rollenspieleinschlag tut dem Meuchler gut, gibt ihm etwas dringend benötigte Komplexität und Spielern zusätzliche Motivation, mögliche Nebenaufgaben in Angriff zu nehmen. Das nach wie vor zu simple Kampfsystem der Reihe führt das Freischalten neuer (schweinecool designter) Waffen ein wenig ad absurdum, ändert aber nichts am Spaß, der dahinter steckt. Der noch unausgewogene Skilltree? Geschenkt, kann man nächstes Mal ja besser machen. Dreht Ubisoft hier noch an ein paar Stellschrauben, könnte das gesamte Spiel enorm von diesen vergleichsweise kleinen Faktoren profitieren. Vielleicht ist es ja schon nächstes Jahr soweit. Wir sind jedenfalls gespannt, Ubi.

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