Es ist so eine Sache mit den DLCs: Viele hassen sie und argumentieren, ihnen würden ohnehin zum Spiel gehörende Elemente gegen zusätzliches Geld verkauft. Aber trotzdem scheinen die Dinger regen Anklang zu finden, denn sonst würde sie ja auch keiner produzieren. Ganz so schlecht wie ihr Ruf sind die Erweiterungen dann aber doch nicht (immer).

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Um es vorwegzunehmen: Der Story-DLC Schrei nach Freiheit ist einer jener DLCs, mit denen man sehr gut leben kann. Das liegt zum einen daran, dass er völlig losgelöst ist von der Hauptgeschichte. Man hat weder das Gefühl, dass er dem Hauptspiel entrissen wurde, um ein künstliches Dasein als Cyborg-Software zu fristen. Noch entsteht der Eindruck, dass man ohne dieses Abenteuer als Assassin‘s-Creed-Fan nicht befriedigt existieren könne.

Freiheit!

Zum anderen liegt es aber auch daran, dass "Schrei nach Freiheit" eben auch einen ziemlich runden Eindruck hinterlässt. Für den Preis von immerhin knapp 10 Euro (Season-Pass-Besitzer zahlen nix extra) erhaltet ihr eine mehrstündige, völlig für sich stehende Nebengeschichte, in der aber alle spielerischen Komponenten des Hauptspiels nahtlos integriert sind. Der Held, Adewale, kann mindestens genauso gut klettern wie Edward Kenway. Und auch aufs Kämpfen und Meucheln versteht er sich perfekt.

Assassin's Creed: Schrei nach Freiheit - "Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe"

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Mit seiner Informantin Bastienne schmiedet Adewale Pläne zum Umsturz der Unterdrücker.
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Ihr könnt - abseits der neun Hauptmissionen - jederzeit tun und lassen, was ihr wollt: auf Schatzsuche gehen, mit dem Kahn umherschippern und Schiffe überfallen, auf Tauchstation gehen - you name it! Wer die ganzen Beschäftigungsmaßnahmen von Assassin‘s Creed 4: Black Flag cool findet, wird sich auch hier absolut zu Hause fühlen.

Die Geschichte spielt 15 Jahre nach den Geschehnissen von Black Flag. Adewale hat sich von der rechten Hand Kenways zum selbstständigen Kapitän der "Experto Crede" gemausert. Er befehligt seine ihm treue Mannschaft und ist jetzt auch selbst ein Meister der Assassinen-Kunst. Das Rundum-Wohlfühl-Paket, sozusagen. Der Zufall, natürlich ein Sturm, spült ihn zu Beginn der Episode an die Küste des Karibiknests Saint-Domingue, wo er praktisch mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert wird: Der Sklavenhandel blüht. Für ihn als ehemaligen Sklaven ein Unding. Und damit ist die Prämisse für den Fortgang der Geschichte gelegt, denn Adewale macht sich nun daran, möglichst viele der Leibeigenen zu befreien.

Packshot zu Assassin’s Creed: Schrei nach FreiheitAssassin’s Creed: Schrei nach FreiheitErschienen für PS4, Xbox One und PC kaufen: Jetzt kaufen:

Dafür stehen verschiedene Wege offen. Zum einen könnt ihr Sklavenschiffe kapern und die Gefangenen vor einem schlimmen Schicksal bewahren. Was aber vor allem anfangs gar nicht so einfach ist, weil es meist mehrere schwer bewaffnete Begleitschiffe gibt, die aus dem Weg geräumt werden müssen.

Assassin's Creed: Schrei nach Freiheit - "Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe"

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Adewale ist stolzer Kapitän der "Experto Crede", mit der ihr Sklavenschiffe aufbringt und Leibeigene befreit.
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Langsamer geht es an Land zur Sache. Statt, wie auf hoher See, gleich Dutzende Sklaven zu befreien, holt man hier mal fünf Sklaven aus einer Zelle, befreit eine Handvoll auf dem Sklavenmarkt oder luchst sie einem Transport ab. Das tut ihr aber nicht zum reinen Selbstzweck, denn Adewale wird schnell Teil einer Widerstandsbewegung, die neue Mitglieder dringend benötigt. Und die früheren Sklaven sind natürlich mehr als glücklich und schließen sich dankbar den Widerständlern an.

Gleichzeitig erhalte ich für die Befreiungsaktionen auch Boni beim Einkaufen bzw. schalte neue Gegenstände für meine Ausrüstung oder das Schiff frei. Diese Spielmechaniken gleichen, wie auch alles andere, denen des Hauptspiels sehr stark. Das gilt übrigens für die gesamten Missionsstrukturen, die zwar abwechslungsreich gestaltet sind, aber nur gelegentlich deutlich von dem abweichen, was wir aus früheren Assassin‘s-Creed-Folgen gewohnt sind. Ihr infiltriert also beispielsweise eine Plantage, belausche dort den Herren des Hauses und befreit dann alle Leibeigene.

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Aber auch an Land kann man den Sklavenhändlern durch Überfälle auf Transporte das Leben schwer machen!
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Mit dem erworbenen Wissen stellt ihr wiederum eure Informantin zufrieden, die euch weitere Infos und Ziele nennt. Für meinen Geschmack muss man ein bisschen zu häufig irgendwelche Personen beschatten - ihnen "unauffällig" folgen - wer geschickt ist, rettet aber unterwegs ein paar flüchtige Sklaven. Im Großen und Ganzen fühlte ich mich von der Story aber gut unterhalten. Das liegt auch daran, dass mit Adewale ein sehr charismatischer Charakter die Hauptrolle spielt, dem ich das Verhalten als Befreier auch abnehme.

Cooler DLC mit charismatischem Helden, der sein Geld durchaus wert ist.Fazit lesen

Spielerisch unterscheidet sich die Erweiterung also praktisch nicht vom Hauptspiel, aber Ubisoft spendiert immerhin zwei neue Waffen. Zum einen setzt ihr jetzt statt eines Schwertes eine Machete ein. Auf die Kämpfe hat das keinen wesentlichen Einfluss. Anders beim zweiten Gadget: der Donnerbüchse. Ein Schrotgewehr, das mächtig austeilt und auch schon mal ein halbes Dutzend Gegner auf einmal aus den Stiefeln pustet. Wer sich seine Feinde also taktisch geschickt zurechtlegt, kann auch größere Gruppen recht locker ins Jenseits befördern.