Hach, Konstantinopel. Nach Rom, Monterrigioni und Venedig, also italienischen Gefilden, setzt Meister Ezio die Segel und reist gen Osmanisches Reich. Die Metropole in der heutigen Türkei ist ein Schmelztiegel der Kulturen, ein echter kosmopoliter Melting-Pot, quasi das New York Asiens im Jahr 1511.

Griechen, Byzantiner, Italiener – sie alle haben das Stadtbild geprägt, weil sie alle mal Machthaber waren. In „Assassin’s Creed: Revelations“ sind die Osmanen dran, sie haben die Byzantiner geschlagen und ihnen die ehemalige Hauptstadt des oströmischen Reichs abgeluchst.

Sightseeingtour gefällig?

Die Präsentation auf der E3 beginnt dann auch mit einer ausgedehnten Sightseeingtour. Wir kraxeln auf das Dach der berühmten Hagia-Sophia-Moschee im imperialen Distrikt und können von hier oben die riesige Stadt überblicken, die durch Flüsse und Hügel in vier große Bezirke eingeteilt ist. Da unten erstreckt sich das Händlerviertel von Beyazid, wo Gewürzverkäufer, Teppichhändler und Goldschmiede lautstark ihre Waren anpreisen.

Assassin's Creed: Revelations - Das Ezio-Finale: Ausführliche Infos von der E3

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Neuer Schauplatz: Revelations führt euch nach Konstantinopel.
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Insbesondere beim Schmuckhändler bildet sich sogleich eine große Menschentraube, staunend umringen die Frauen den Händler, der ihnen Armreife umlegt und Halsketten, deren Rubine so verführerisch in der Sonne glänzen. Direkt neben dem Forum Bovis prangt das gigantische Militärarsenal, eine Festung, in der sich über lange Gänge Gefängnisse erstrecken, aber eben auch die Waffenkammer der Stadt. Wir würden nicht nur einen Kurus-Taler darauf verwetten, das Ezio hier das ein oder andere Mal seine Kletterkünste unter Beweis stellen muss.

Weiter im Westen der Stadt liegt das Armenviertel, das Konstantin-Distrikt, wo die Unterschicht, die Armen und Kranken ums Überleben kämpfen. Es ist ein Pulverfass, indem es rumort. Von Aufstand ist die Rede, der Hunger muss ein Ende haben. Und dann, ja dann ist da die geheimnisvolle, unterirdische Stadt Cappadocia. In den Katakomben viele Meter unter Konstantinopel haben über 10.000 Templer eine funktionierende Infrastruktur geschaffen. Eine Stadt unter der Stadt mit Händlern, Gefängnissen, Truppenunterkünften und zivilen Wohnungen.

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Von hier aus haben die Templer die osmanische Politik unterwandert, sich wie ein Blutegel in allen wichtigen Posten von Finanz, Politik und Militär festgesaugt. Cappadocia wird wohl im letzten Drittel von „Revelations“ eine große Rolle spielen –viel mehr will Ubisofts Creative Director Alexandre Amancio nicht verraten. Nicht mal Bestechungsversuche mit Milka-Schokolade und bayrischem Bier scheinen in L.A. zu helfen.

Ezio, alter Sack, immer noch auf Zack

Ezio ist massiv gealtert, zählt nun 50 Lenze, klettert aber immer noch agil wie ein Affe über die Dächer der Stadt. Und doch hat er sich verändert, ist reifer geworden und denkt in Monologen immer wieder über sein Leben nach. Was wäre, wenn er nicht der Nachfahre eines Assassinen wäre? Was, wenn sein Vater ein normaler Bürger gewesen wäre, ein Arzt oder Anwalt. Ezio ist ganz offensichtlich das Töten leid, das Morden, den Verrat, die Lügen.

Nach seinen zahlreichen One-Night-Stands in Bella Italia trifft er in Konstantinopel auf die schöne Buchhändlerin Sofia Sorto. Sie stammt aus Venedig, wollte raus aus dem konservativ-erzkatholischen Italien und will nun die Erkenntnisse des Buchdrucks nutzen, um allen Menschen Wissen zugänglich zu machen. Sie sieht in Ezio einen Gentleman, der sie viel lehren kann. Er sieht in ihr die Chance auf einen Neuanfang. Die Chance auf die große Liebe. Und ein neues Leben.

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Die Jagd nach den Siegeln

Ubisoft Montreal verrät damit bereits, dass dies wohl Ezios letztes großes Abenteuer sein wird. Bevor sich der Meisterassassine jedoch zur Ruhe setzen kann, muss er ein letztes, großes Geheimnis lüften. Fällt das in die Hände der Templer, wäre die ganze Organisation gefährdet. Nur worum geht es eigentlich? Um eine Waffe? Ein Relikt? Einen Schatz? Um das herauszufinden pilgern wir nach Syrien, genauer gesagt zur Ruine der Festung von Masyaf.

Assassin's Creed: Revelations - Das Ezio-Finale: Ausführliche Infos von der E3

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Trotz fortgeschrittenen Alters lernt Ezio noch mach neuen Kniff.
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Doch was sehen unsere Adleraugen: Die Templer haben die Feste genommen, zum Bollwerk ausgebaut und überall auf den Zinnen Wachen postiert. Das Besondere: Vor 300 Jahren waren wir schon mal hier – und zwar im ersten „Assassin’s Creed“ mit Altaіr. Nur was machen die Templer dieses Mal hier? Und warum haben sie eine kleine Armee versammelt, um Masyaf zu verteidigen?

Wir schleichen uns an die erste Wache heran, ziehen sie nach Hinten in die Dunkelheit, drohen mit Schlägen und bekommen nur ein „Mit dieser Waffe werden wir euch vernichten“ an den Kopf geknallt. Die Templer haben also innerhalb der Festungsmauern ein Tor gefunden haben, das zu einem extrem mächtigen Artefakt führt. Wer das Tor zum Glück öffnen will, muss aber zunächst die fünf goldenen Schlüssel finden.

Laut Ubisoft wird es ergo zwei verschiedene Handlungsstränge geben. Zunächst jagt Ezio den ersten vier Türöffnern nach, die natürlich in schwer zugänglichen Kastellen, stark bewachten Regierungsgebäuden und Privatvillen lagern. Richtig spannend wird es dann aber im zweiten Storystrang, denn dann erfährt Ezio, dass der fünfte Schlüssel bereits in Besitz der Templer ist. Die jagen ihn, und er muss ihnen immer wieder entkommen, aber gleichzeitig in Erfahrung bringen, wer die osmanische Regierung unterwandert hat und durch den Agenten herausfinden, wie er in die unterirdische Stadt Cappadocia gelangt.

Um überhaupt erstmal dessen Namen zu erfahren, muss Ezio ein „ ein gewagtes Spiel mit ausgeklügelten politischen Intrigen spielen“, wie es der Creative Diretcor geheimnisschwanger umschreibt.

Ezio muss also die höchsten Ränge des osmanischen Reichs infiltrieren und braucht dafür mächtige Freunde. So wie Prinz Suleiman. Er ist erst 17, soll aber später in der Geschichtsschreibung mal einer der größten Herrscher der Welt werden. Und praktischerweise ist er ja auch der Sohn des Sultans, eine effektive Möglichkeit um mehr über die Regierung zu erfahren.

Das iPad der Assassinen

Spannend ist auch die Begegnung mit dem einflussreichsten Assassinen von Konstantinopel – Yusuf Tazim. Er sieht in Ezio zuerst einen unliebsamen Konkurrenten, merkt dann aber schnell, dass sie für die gleiche Sache kämpfen und lehrt ihn den Umgang mit neuen Waffen. Schließlich ticken die Uhren im Orient etwas schneller und er macht sich lautstark darüber lustig, dass Ezio noch nichts von den neuen Enterhaken gehört hat.

Enterhakenschienen sind der letzte Schrei in gewissen Zielgruppen. Sie werden an die Unterarmklingen geschraubt und lassen sich genau so flexibel einsetzen. Dadurch gewinnt das Gameplay an Fahrt. Zwar war „Assassin’s Creed“ schon immer auf schneller und unkomplizierte Klettermanöver ausgelegt, aber dank des Enterhakens kann sich Ezio einfach an eine der überall gespannten Wäscheleinen hängen und so von Dach zu Dach sausen und den zusätzlichen Schwung nutzen, um beispielsweise Soldaten mit Kettenhemden direkt von einem Turm zu katapultieren oder vom Hafensteg ins Wasser.

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Ist ja auch einfacher als all die anstrengende Handarbeit, man wird ja nicht jünger. Wer Ezio allerdings als akrobatische Kampfsau abgeschrieben hat, der wird sein blaues Wunder erleben. Dank der guten italienischen Küche und seines Jobs ist der Meister auch mit 50 noch agil wie Batman. Er hakt sich in der Rüstung eines Gegners fest, stößt sich mit den Füßen an der massiven Panzerung ab und gewinnt so genug Schwung, um sich über ihn zu katapultieren.

Sieht beeindruckend aus und bringt taktische Vorteile, weil die Eliteeinheiten der Osmanen in der Regel am Rücken schlechter gepanzert sind als vorne – ein Stich mit der versteckten Klinge in den Hals und der Kerl sackt zusammen wie ein italienischer Fußballspieler nach der Schwalbe.

Bombenbastelsystem für Anfänger

Offensichlich hat Ubisoft Montreal sich mehr als einmal bei „The Dark Knight“ inspirieren lassen, denn genau wie Batman kann sich Ezio im neuesten Teil kleine altertümliche Handgranaten basteln. Laut Ubisoft wird es verschiedene Zutaten geben, die, im richtigen Mix per Craftingsystem zusammengebastelt, dann eine schicke Blendgranate ergeben, um sich mal eben zu verdünnisieren oder eben Explosivgeschosse, die direkt töten.

Auch an übernatürlichen Fähigkeiten gewinnt Ezio, so wird das bekannte, aber recht aufgesetzt wirkende Adlerauge durch den Adlersinn ersetzt, durch den Ezio die Umgebung nicht nur mit seinen Blicken stärker wahrnehmen kann. Seine Erfahrung gibt ihm viel mehr die Möglichkeit, Informationen, Zusammenhänge und Aufgaben aus aufgeschnappten Gesprächsfetzen herauszufiltern oder dem Herzschlag einer Person trotz Umgebungsgeräuschen zu lauschen. Ziemlich praktisch wenn man den Laufweg von drei Wachsoldaten kennt und dem Trio eine explosive Überraschung auf der Marschroute platziert.

Together we stand, together we fall

Alt, aber neu aufgesetzt wirkt das System der „Borgia“-Türme, was Spieler des zweiten Teils bereits kennen. Neu hingegen: Nimmt Ezio einen dieser strategisch wichtigen Punkte ein, dient er ihm fürderhin als Kommandoposten und Rekrutierungsbüro für Assassinen-Frischlinge. Denn dieses Mal schlagen die Osmanen zurück, nur wer Azubis anheuert und mit scharfen Waffen ausrüstet, hat eine Chance alle Gebiete zu halten.

Sobald einer der Meuchelmörder-Lehrlinge das Level 10 erreicht, wird er zum Assassinen. Beim Maximallevel 15 dann wird er zum Meisterassassinen befördert und kann eigene Einheiten führen, um selbstständig strategisch wichtige Punkte zu verteidigen. Dazu will Ubisoft Montreal eine neue Gameplay-Mechanik integrieren, die allerdings noch geheim ist. Wir vermuten ein ähnliches System wie in „Der Pate 2“, wo ihr auf einer 3D-Karte mit simplen Klicks die Anzahl der Wachen pro Posten regulieren könnt. Aber viele Wege führen nach Rom, wir sind gespannt, was Ubisoft hier noch aus dem Hut zaubert.