Nicht nur sind die meisten von uns Angehörige einer Generation ohne großen Krieg, wir werden wahrscheinlich auch niemals jemandem im Namen einer politischen Agenda einen Dolch in die Kehle drücken, weil der Schweinehund einen anderen Plan für die Welt hat als wir selbst.

Die meisten finden das begrüßenswert. Doch wer das Gefühl für wichtig hält oder gar im Kopf gesund genug ist, um Videospiele und Realität trennen zu können (manche Medienmenschen behaupten ja, das ginge gar nicht), der hat seit 2007 den Parkour- und Attentatssimulator Assassin's Creed.

Nicht ganz ein Jahr nach dem Release des letzten Teils Brotherhood, der als nur halbe Fortsetzung zwar nicht Fisch und nicht Fleisch war, aber doch zumindest einige nette Features wie einen interessanten Mehrspielermodus hatte, dürfen Konsolen-Traceure zum dritten und (wahrscheinlich) letzten Mal in die Rolle des gealterten Assassinen Ezio Auditore Da Firenze schlüpfen, um den autokratischen Templern ordentlich in die Suppe zu spucken. Dabei werden natürlich zahllose Dächer übersprungen, Kanten ergriffen und Gegner erdolcht – doch reicht das allein zu diesem Zeitpunkt noch aus?

Mein Hirn ist Ani-Mus

Desmond Miles hat es geschafft: Seine Psyche ist Brei. Nachdem er mithilfe des VR-Computers Animus auf die in seiner DNS gespeicherten Erinnerungen zugegriffen und so die Leben seiner Vorfahren durchforstet hat, macht sein Verstand den Adlerflug und Desmond fällt in eine Art Koma. Nur noch der Animus selbst hält ihn am Leben und Desmonds Vorgänger 16, der nur noch als virtuelles Wesen in der Software des Animus' lebt, erklärt ihm: Um wieder Struktur in das Chaos zu bringen und seinen Geist zu reparieren, muss er die Reise vollenden.

Assassin's Creed: Revelations - Die Sache hat einen Haken

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 24/301/30
In Revelations verschlägt es einen gealerten Ezio nach Konstantinopel.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Der Renaissance-Meuchler Ezio Auditore erlebte im Alter von 50 Jahren noch ein letztes großes Abenteuer, das zur Klärung der Hintergrundverschwörung wichtig sei. Und dieses Abenteuer wiederum hat mit den letzten Erinnerungen Altair Ibn La-Ahads zu tun, Ezios und Desmonds Vorfahren aus dem 12. Jahrhundert.

So macht sich Desmond also als Ezio auf den Weg und wir uns mit ihm. Nach einem kurzen Besuch auf der Burg Masyaf, dem alten Hauptquartier der Assassinen im heiligen Land, entdeckt Ezio eine verschlossene Tür, hinter der die geheime Bibliothek Altairs vermutet wird – und die Templer sind bereits dabei, sie zu öffnen.

Packshot zu Assassin's Creed: RevelationsAssassin's Creed: RevelationsErschienen für PS3, Xbox 360 und PC kaufen: ab 6,88€

Um das zu bewerkstelligen, braucht man generisches Plotelement Nr. 157, nämlich fünf besondere Schlüssel, die auf der Technologie jener göttergleichen Spezies basieren, die vor den Menschen da war – und von denen auch die mächtigste aller Waffen stammt, der Edenapfel.

Die Spur führt nach Konstantinopel, wo Ezio Kontakt zu seinen türkischen Kollegen aufnimmt. Hier läuft alles ein bisschen anders als in Italien und schon bald gerät der rüstige Messerschwinger auch noch in ein politisches Machtgerangel am Hof des Sultans. Zudem offenbart sich mit jedem Schlüssel, den Ezio findet, eine Erinnerung des großen Reformators Altair, der sein ganzes Leben keine echte Ruhe fand. Doch zwischen Intrigen und Morden findet der gealterte Assassine auch eine Frau, die ihm eine schwache Hoffnung auf einen ruhigen Lebensabend gibt.

Der Brei ist heiß

Ich rede nicht um den heißen Brei: Die Handlung gefällt mir ebensowenig wie die Art, in der sie präsentiert wird. Zwar war ich noch nie ein Fan der Story von Assassin's Creed und bin auch der erste, der das zugibt und sich zugunsten einer fairen Bewertung zurückhält, doch diesmal ist das Problem ein anderes als früher. Meine Abneigung gegen Verschwörungsmumpitz, plakative Schwarz-Weiß-Schemata, babyfressende Bösewichte und hohles Freiheitsgeplärre mit Terrorismusallüren haben mir den Spaß an Brotherhood und Co. versauert, doch Revelations schafft es auch ohne all das, nicht übermäßig zu gefallen.

Altbekanntes im halbneuen Outfit - ein gutes Spiel, aber eine schlechte Fortsetzung. Es wird Zeit für den dritten Teil der Hauptreihe.Fazit lesen

Die Prämisse ist lachhaft. Diversen Fantasy-Spielreihen wird seit jeher vorgeworfen, dass es immer nur um die Beschaffung von drei oder sieben magischen Steinen geht, und jetzt wird der Hauptantrieb der Assassinenreise völlig unironisch in eine doofe Fetch-Quest verwandelt, eine Jagd nach einem abgelatschten MacGuffin.

Als würde das nicht reichen, bringt es die Rahmenhandlung, die Entwicklung des ehemaligen Barkeepers Desmond Miles in einen VR-trainierten Supermenschen, kein Stück voran. Das ganze Spiel verbringt dieser wortwörtlich pennend in einem Van und wacht am Ende verdattert auf, es fehlt nur der Satz: "So, hätten wir das auch abgehakt."

Assassin's Creed: Revelations - Die Sache hat einen Haken

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden6 Bilder
Die Hakenklinge: neues, aber weitgehend sinnloses Spielelement.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Doch halt, es gibt noch mehr! Wer sich mit einem gewissen Recht keinen Kehricht um Desmond schert, sondern einfach die Handlung in Konstantinopel verfolgen will, trifft ebenfalls auf mehr als ein Problem. Die neuen Charaktere sind weder sehr prägnant, noch gibt ihnen das Drehbuch genug Zeit oder hinreichend Schlüsselmomente, sich zu entfalten. Die Templer sind diesmal etwas gemäßigter (nach Cesare Borgia auch keine große Kunst) und die Dialoge nicht durchweg krachplatt, was aber ohne Konsequenz oder Reflexion bleibt.

Die Assassinen amüsieren sich höchstens über Ezios kleinen Kulturschock und die politischen Entwicklungen am Hof sind vom Spieler zu distanziert, als dass er wirklich mitfiebern könnte. Selbst Ezios Kollegen sagen, er solle sich nicht in die Politik hineinziehen lassen, es sei nicht sein Problem und er habe andere Sorgen. Aber hey, ohne Füllmaterial wäre die Story eben nur drei Stunden lang, jetzt aber sind es ordentliche sieben bis zehn – oder halt ungleich mehr, je nachdem, wie oft man sinnlos in der City rumturnt.

Assassin's Creed: Revelations - Die Sache hat einen Haken

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 24/301/30
Generationenkonflikt: Auch die Geschichte von Altair wird zu Ende erzählt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Für eine Sache ist das ganze Szenario dann aber doch gut, einen Wechsel des Schauplatzes. Die Städte sind als enorme offene Spielplätze schon immer ein Highlight der Reihe gewesen und Konstantinopel (und später noch eine alternative Ortschaft mit interessanter Gestaltung), ist erwartungsgemäß toll ausgefallen. Der arabische und orientalische Einschlag dieses kulturellen Schmelztiegels ist nach Venedig und Rom eine erfrischende Abwechslung und rückt das Spiel ästhetisch wieder ein Stückchen in die Nähe des ersten Titels, der in Jerusalem, Damaskus und Akkon spielte.

Im Gegensatz zu Brotherhoods Rom gibt es keine suburbanen Felder oder offene Wiesen und die gesamte Reitmechanik von früher ist weggefallen. Konstantinopel ist komplett wimmelig und lebendig, ohne klaustrophobisch zu werden, und weist eine ordentliche, wenn auch nicht überwältigende Größe auf.

Schon wieder spektakuläre Attentate?

Aber wie hampelt und sticht es sich denn nun in dieser multikulturellen Metropole, wie ist die Spielmechanik, was ist alt, was ist neu? Es sei eine rhetorische Gegenfrage gestattet: Wie viel Neuerung und Politur kann man innerhalb nichtmal eines Jahres überhaupt in ein Spiel packen? Das Grundgerüst von Assassin's Creed stimmt, es stimmt schon seit dem ersten Teil, dessen Hauptproblem struktureller Natur war – neunmal dasselbe zu machen und ansonsten keine Nebenquests zu haben, ödet halt an, und wenn "mit einem Dolch von einem Dach zu springen, um jemanden blutig abzumurksen" langweilig wird, ist wirklich irgendwas im Argen.

Der zweite Teil behob das: bessere, vielfältigere Aufgaben, mehr zu tun, alles prima. Der Kampf war immer noch viel zu leicht, weil man alles totkontern konnte, aber wenigstens sah das Errol-Flynn-Klingentänzchen jedesmal schön aus.

Glücklicherweise ist Revelations spielerisch nicht schlechter als seine Vorgänger, was angesichts der verschlimmbesserten Story nicht ganz selbstverständlich war. Es klettert und hangelt sich kinderleicht und mit tollen Animationen, die Kämpfe sehen spektakulär aus, das Gerangel durch Menschenmengen und hitzige Verfolgungen über Dächer könnten nicht schöner sein. Dann wird das erste neue Spielzeug eingeführt: die Hakenklinge.

Assassin's Creed: Revelations - Konstantinopel - Trailer21 weitere Videos

Anstelle des linken seiner versteckten Dolche lässt Ezio eine Mischung aus Klinge und Haken hervorspringen, immer noch zum Stechen geeignet (es wird leider nie gesagt, wie das gehen soll, es sieht jedenfalls etwas komisch aus), aber darüber hinaus eine Kletterhilfe. Fans wissen: Hier schlummert ungeheures Potential. Pessimisten denken: Abwarten.

Und richtig, nichts ist. Als vereinzelt "neue" Mechaniken kann man mit dem ollen Haken an Blumentöpfen/Laternen weite Schwünge machen, wo man zuvor nur um die Ecke pendeln durfte, und sich an Seilrutschen durch die Stadt tragen lassen, die ohne Erklärung auf den Dächern Istanbuls stehen und abgesehen von leichtem Komfort nichts zum Transport beitragen, sie könnten auch problemlos fehlen.

Assassin's Creed: Revelations - Die Sache hat einen Haken

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 24/301/30
Neue Modi, aber größtenteils wie im Vorgänger: der MehrspielerModus.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Beim eigentlichen Kraxeln erlaubt das Werkzeug schnelle und weite Griffe nach oben. Spielt man jedoch parallel Brotherhood, merkt man, dass das nur Kompensation für Ezios Alter ist – man ist weder merklich schneller noch ist das Erklimmen eines Turms bequemer geworden.

Zusätzlich kann man mit dem Accessoire zwei offensive Manöver starten, die man niemals braucht und... heieiei, lassen wir das Teil, für eine so umfangreich eingeführte Waffe (es gibt viele Tutorial-Missionen, allein mehrere für die Hakenklinge) ist es einfach zu unwichtig. Widmen wir uns den Bomben, der anderen großen Innovation, die in eine bei Assassin's Creed sehr beliebte Kategorie fällt: "Nette Spielerei, aber wegen des leichten Schwierigkeitsgrads unnötig".

Drei, vier, Grenadier

Die türkischen Assassinen benutzen Granaten, um sich diverse Vorteile zu verschaffen. Diese fallen in drei Kategorien, tödlich, taktisch und ablenkend, und erlauben also das Ausschalten, Benebeln oder Locken von Wachen. Die Bomben können Aufprall- oder Zeitzünder haben, sie können den Gegnern anhaften oder als Mine fungieren, durch die Wahl des Pulvers bei der Montage kann man sogar den Sprengradius bestimmen, um z.B. mit kleineren Bomben keine Zivilisten zu gefährden.

Ein hinreichend komplexes aber zugängliches System macht das Experimentieren sehr einfach, das Herumspielen mit den verschiedenen Zutaten (die man in Schatztruhen und bei Gegnern findet, nebst anderer Quellen) bringt großen Entdeckerspaß und die Ergebnisse sind teils vor Coolness triefend oder dicke Schmunzler wert. Einem Haufen Soldaten eine Bombe mit Lammblut vor den Latz zu knallen und dann die Panik auszunutzen, ist ein echter Schenkelklopfer.

Man kann die Bomben auch nutzbringend einsetzen, aber sie bleiben dennoch nichts als eine weitere Alternative in einem Meer unnötiger Gerätschaften. AC ist berühmt-berüchtigt für seine wirklich geringe Herausforderung, ein Abenteuer, das sich schon fast von allein spielt. Mit zwei gehaltenen Tasten kann man sich im Parkour von einem Ende der Stadt zum anderen bewegen und im Kampf hat man viele übermächtige Möglichkeiten, so dass man sich schon anstrengen muss, um ernsthaft in Gefahr zu geraten. Natürlich kann ich nach Materialien suchen, mir Bomben bauen und diese dann gegen die Feinde einsetzen. Aber warum sollte ich mir den Aufwand machen, wenn ich die Feinde, wie viele es immer sein mögen, auch mit Pistole und Armbrust erschießen, mit Wurfmessern perforieren, mit Gift hirntot machen, entwaffnen oder mit einer meiner Nahkampfwaffen problemlos zu Tode kontern kann?

Assassin's Creed: Revelations - Die Sache hat einen Haken

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 24/301/30
Zahllose Möglichkeiten im Kampf - aber immer noch ist der simple Konter am effektivsten.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die einzige Schwierigkeit, die Revelations hier bietet, ist künstlich auferlegt, in Form zwingender oder optionaler Missionsziele, und außerhalb dieser konstruierten Momente hat man keinen Anreiz, etwas anderes als die direkte Variante zu benutzen.

Dieser Makel hängt an der gesamten Reihe wie eine Klette und ist etwas, was man schon längst hätte beheben müssen. Nun ist er aber wahrscheinlich zu sehr im Grundgerüst verankert, denn trifft man auf einen Gegner, der gegen die vom Spieler bevorzugte Variante von Tötung resistent ist, ist das keine gelungene Abwechslung, sondern nervt.

Ich kann jeden Gegner mit einem Konter töten, bloß den einen nicht, und muss zu einer anderen, ebenso leicht auszuführenden Kampfvariante wechseln, prima. Da ist mir anspruchsloses Buttonmashing mit tollen Animationen ohne Störung irgendwie lieber. Oder halt gleich ein neues, forderndes Kampfsystem, aber da müssen wir wohl auf Teil 3 warten, denn hier finden wir es nicht.

Keine Zeit, was zu ändern

Und ansonsten... hat sich einfach nichts getan. Es macht wirklich betroffen zu beobachten, wie das arme Designerteam der zweifelsohne gebellten Anweisung "Macht noch einen Fülltitel!" gerecht werden musste und nun verzweifelt versucht hat, uns dasselbe Spiel wie vor einem Jahr nochmal schmackhaft zu machen. Die Bruderschaft kann wieder per Knopfdruck zum Kampf gerufen werden, was genauso übermächtig ist wie früher.

Man kann sie auch wieder auf Missionen schicken, aber da Geld immer noch völlig unwichtig ist, muss man das auch nicht bzw. macht es höchstens für die Erfahrungspunkte. Statt Taschendieben, die man jagen und zu Fall bringen muss, gibt es nun Meuchelmörder, die man mit einem Knopfdruck selbst töten kann – nette Idee, langweilige Umsetzung.

Man strampelt sich ab, uns etwas Neues zu bieten, legt aber mit jedem Zipfel, mit jedem ergriffenen Strohhalm eine Bauchlandung hin. Templer versuchen nun, befreite Stadtbezirke zurückzuerobern, so dass wir dann eine Runde Tower Defense spielen müssen – die Feinde rücken in Wellen an, wir postieren Assassinen auf den Dächern, die sie beschießen. Nett gedacht und der Spieleszene gut ins Hinterzimmer geguckt, funktioniert aber dank schlechtem Balancing nur halbwegs; meist ist es einfacher, den Bezirk zu verlieren und neu zu erobern.

Assassin's Creed: Revelations - Trailer: Die Geheimnisse von Abstergo Industries21 weitere Videos

Mit Desmond kann man im Animus Plattform-Level aus der Ego-Perspektive bestreiten. Optisch interessant, hat im Konzept ein paar frische Ideen, ist spielerisch dank Fitzelsteuerung zwischen furchtbar und mittelmäßig, auf jeden Fall aber im falschen Spiel.

Sogar Teile des Art-Designs hat man verändert, zweifelsohne in einem verzweifelten Versuch, überhaupt irgendwas anders zu machen. So erkennt man die bekannten Charaktere nicht wieder: Desmond Miles sieht nun aus wie eine Mischung aus Ben Affleck und Sebastian Schweinsteiger, bloß stoned, und Ezio ist doch glatt sein normales Gesicht weggealtert – die ganze Zeit fragt man sich, wer denn der nette alte Mann ist, der über die ganzen Hausdächer hopst.

Irgendein Designer hat auch (wahrscheinlich wegen einer verlorenen Wette) eine Kampfanimation eingebaut, bei der einem Gegner der Kopf um 180 Grad gedreht wird – mag ja in Mortal Kombat oder Tenchu ganz gut passen, aber hier reißt es einfach nur raus.

Und natürlich hat Revelations den großen Nachteil, nicht der Teil zu sein, der Multiplayer einführt. Am Mehrspielermodus hat sich insofern etwas getan, als dass es nun mehr und andere Spielmodi gibt, in denen zum Beispiel ein Spieler markiert und von allen gejagt wird, dabei gibt es Punkte fürs Überleben.

Assassin's Creed: Revelations - Die Sache hat einen Haken

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden6 Bilder
Da brennt die Hütte...
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ein anderer ist ein Infizierten-Modus, wo ein Jäger nach und nach ein Team von Opfern dezimiert, die dann überlaufen und auch zu Jägern werden. Darüber hinaus gibt es mehr klassische Varianten, etwa Capture the Flag, die dank der Dynamik aus Verstecken/Social Stealth und irren Jagden über Hausdächer immer noch viel Charme und Witz haben – vorausgesetzt, man spielt mit Leuten, die nicht einfach wie die Blöden durch die Gegend heizen.

Wir fassen also zusammen: Revelations ist ein Spiel vieler altbekannter Freuden und ebenso zahlreicher kleiner Enttäuschungen. Warum ist jede Neuerung nichts weiter als Spielerei, während die grundlegenden Probleme nach wie vor unangetastet bleiben? Warum ist dennoch das halbe Spiel ein Tutorial? Warum wurde teilweise das Artdesign so stark verändert, dass man alte Charaktere nicht wiedererkennt? Warum führt man groß Elemente wie die Hakenklinge ein, die viel Potential haben, macht aber nichts draus? Und warum, oh warum nur, hat man aus der gesamten Story eine olle Sammelquest gemacht, die den Spieler emotional kaltlässt und die große Rahmenhandlung keinen Zentimeter von der Stelle bringt?

Ein Zyniker würde sagen: Na warum wohl, des Geldes wegen natürlich. Ohne Zweifel wird sich Revelations gut verkaufen und man könnte darüber streiten, ob es das verdient hat oder nicht. Aber in meinem naiven Schädel steckt immer noch die Idee, dass die Industrie nicht komplett aus kleinen Koticks bestehen kann, dass Spiele mehr als bloßer Broterwerb für ihre Macher sein können.

Als Jade Raymond den ersten Teil von Assassin's Creed bewarb, kam irgendwann Hideo Kojima zu ihr, seines Zeichens Vater der Metal-Gear-Reihe und somit eine Legende. Er sagte, er fände das super, was sie dort macht, tolles Spiel, exzellent gestaltet. Ein verdient hohes Lob von hoher Stelle. Für Revelations wird traurigerweise niemand bei Ubisoft von irgendjemandem auch nur ein Schulterklopfen ernten. Und das ist etwas, was kein Profit der Welt ändern kann.