Nach Origins kommt Odyssey. Assassin’s Creed, das eigentlich eine Pause zwischen den Spielen einlegen wollte, kehrt in diesem Jahr doch direkt wieder zurück. Ist Assassin’s Creed: Odyssey ein Erfolg geworden oder gibt es aufgrund des Release-Rhythmus wieder Grund zur Sorge um die altehrwürdige Assassinenreihe?

So mächtig sind Entscheidungen in Assassin’s Creed Odyssey:

Assassin's Creed: Odyssey - Die Macht der Entscheidung-Trailer6 weitere Videos

Vor mehr oder weniger sechs Jahren, in einer Zeit, in der Lootboxen noch furchtbare Zukunftsmusik waren und die Eröffnung des Flughafens Berlin/Brandenburg kurz bevor stehen sollte, war die Gaming-Branche zur Weihnachtszeit die virtuelle Form von „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Call of Duty und Battlefield stritten um den Shooter-Thron, während sich ein neues Assassin’s Creed auf den Markt warf, wenig Neuerungen mit sich brachte, aber den meisten trotzdem ausreichte. Einfach, weil es keine Alternative gab. Doch irgendwann wurde es selbst den hartgesottensten Fans zu bunt. Die Handbremse wurde gezogen, Assassin’s Creed brauchte eine lange Pause und einen kleinen Reboot.

Der ist mit Assassin's Creed: Origins auch ziemlich gut gelungen. Umso schlimmer für die Spieler, die sich die damaligen Zeiten noch im Gedächtnis behalten: Bereits ein Jahr nach Origins tritt nun Assassin’s Creed: Odyssey die Nachfolge an. „Auweia“ werden die meisten von euch wohl gedacht haben, während die flache Hand auf die Stirn klatschte. „Das kann doch nur schief gehen, Ubisoft“. Auch wir dachten, dass Assassin's Creed: Odyssey wieder in alte Schemata zurückverfallen würde. Doch weit gefehlt. Assassin’s Creed: Odyssey ist das beste Assassin’s Creed seit Jahren. Und das, obwohl es keine Assassinen in sich trägt. Warum, wieso und weshalb erfahrt ihr im nun folgenden Test zum neuen Open-World-Hit von Ubisoft.

Wir haben für unseren Durchlauf Kassandra als Heldin gewählt. Wen ihr mit auf Reisen nehmt, hat einige Auswirkungen auf das Spiel.

Spartiaten! Was ist euer Handwerk?

Die Geschichte von Assassin’s Creed: Odyssey ist im antiken Griechenland angesiedelt. Während des Peloponnesischen Krieges zwischen Athen und Sparta schlüpfen wir in die Rolle des Söldners Alexios oder der Söldnerin Kassandra. Eine Neuerung für die Reihe, die euch nun direkt am Anfang vor die Wahl stellt, welchen Helden ihr durch das ganze restliche Abenteuer steuert. Doch dazu später mehr. Egal, wie die Wahl ausfällt: Ihr sitzt gemütlich mit Alexios oder Kassandra auf der kleinen Insel Kefalonia, verbringt eure Tage mit einigen Freunden, dem Trinken von Wein oder kleinen Aufträgen. Das würde aber noch nicht reichen, um ein ganzes Assassin’s Creed mit einer Geschichte zu füllen. Ihr seid zudem der Erbe des Speers von Leonidas, dem großen spartanischen Helden, der Xerxes und die Perser mit seinen 300 Männern kurzzeitig aufgehalten hat und so damit sein ganzes Volk rettete.

Das macht die Söldner natürlich für einige Gruppen in ganz Griechenland interessant. Zumal es einen Krieg zu gewinnen gibt. Wir schnappen uns also den abgebrochenen Speer, samt einem ganzen Arsenal anderer Waffen, ein großes Schiff und schippern direkt ins Abenteuer. Wir meucheln, schleichen oder kämpfen offen in Kriegen um die Herrschaft von Sparta oder Athen. Schließlich sind wir als Söldner ungebunden, folgen immer nur dem Geld oder unserem Herzen. Wir treffen auf historische Persönlichkeiten, bringen Herrscher zu Fall und sorgen uns um die Belange der Bürger Griechenlands.

Haben wir einen Staat geschwächt und den Anführer erledigt, steigt die große Schlacht um die Vorherrschaft.

Das alles funktioniert als Vehikel für Assassin’s Creed: Odyssey erstaunlich gut und ist dank einiger cleverer Story-Griffe der Entwickler extrem erfrischend. Alles, was wir in einem Assassin’s Creed erwarten, steckt auch in Odyssey. Aber es gibt eben auch endlich mehr unter dem antiken Chassis.

Die alte Tradition der Assassin’s Creed-Reihe

Wie Kollege Fabian Käufer bereits im Test zu Assassin’s Creed: Origins zurecht erwähnt hat, ähneln die neuen Ableger nach der Zwangspause mehr einem Rollenspiel à la The Witcher und geben sich alle Mühe, mehr Abwechslung für die Spieler bereitzuhalten. Kein langweiliges Kampfsystem ohne Tiefe, keine ewig gleichen Quests und vor allem mehr Freiheiten für die Spieler. Ein Bruch, der dringend nötig war und sich in Assassin’s Creed: Odyssey noch mehr durchsetzt.

Assassin’s Creed: Odyssey macht seinem Namen alle Ehre und schickt uns auf eine epische Reise, die auch völlig ohne Assassinen hervorragend funktioniert.Fazit lesen

So war es in Assassin’s Creed: Origins noch so, dass wir mit Bayek ab einem Punkt in der Story nur noch von einem Ordensmitglied zum anderen sprangen und das Meucheln immer mehr zur Routine wurde. Assassin’s Creed: Odyssey ist hingegen gerade hervorragend, weil es ohne diese Prämisse im Rampenlicht auskommt. Zwar gibt es immer noch einige Ziele auszuschalten, diese werden aber nicht als einziger Story-Hook herangezerrt. Stattdessen geht es um die persönliche Geschichte von Alexios oder Kassandra, die sich auf eine herrlich natürliche Weise mit den anderen Handlungssträngen verwebt.

Wenn es nach uns ginge, könnte die komplette Assassin’s-Creed-Reihe dem Credo der Assassinen abschwören und sich mehr auf solche Geschichten konzentrieren. Die Handlung rund um Layla Hassan und ihre Bruderschaftshelfer in der Gegenwart holt sowieso niemanden hinter dem Ofen hervor und verkommt in Assassin’s Creed: Odyssey fast schon zu einem spielbaren Warnhinweis: „Sie haben schon so lang gespielt. Wollen sie nicht mal eine Pause einlegen?“ Nein! Wir wollen weiterzocken!

Wie wir uns entscheiden, kann folgenschwere Konsequenzen mit sich bringen.

Wer die Wahl hat, hat endlich Spaß

Assassin’s Creed: Odyssey bringt endlich etwas mit, was die bisherigen Ableger schmerzlich vernachlässigt haben: Schwerwiegende Entscheidungen und tiefgreifende Folgen. Das beginnt schon mit der Wahl zwischen Alexios oder Kassandra. Doch keine Sorge, ihr werdet die Geschichte so oder so komplett erleben, aber es gibt eben einige subtile und einige grundsätzliche Änderungen. Auch im restlichen Spiel kommt es immer wieder zu solchen Momenten. Befreien wir eine kranke Familie aus den Klauen eines übereifrigen Priesters oder riskieren wir damit vielleicht, dass die gesamte Insel durch die Krankheit in eine Abwärtsspirale taumelt? Das bringt Risiken mit sich, Herzklopfen und jede Menge echte Gefühle beim Spieler, wenn die Konsequenzen doch aus dem Ruder laufen.

Apropos Emotionen: In Assassin’s Creed: Odyssey haben wir aufgrund des neu gefundenen Humors und der scharfen Dialoge schallend gelacht und diebisch in uns hineingekichert. Im Gegensatz zum direkten Vorgänger nimmt sich Odyssey nicht mehr ganz so ernst und das ist auch gut so. Mal gibt es gut getimte Slapstick-Einlagen, mal subtile Gags im Hintergrund oder auch mal bitterböse Kommentare, die wir so in einem Assassin’s Creed nicht erwartet hätten. In Kombination mit der chronisch zynischen Art von Alexios und Kassandra wird daraus ein Mix, der uns wieder einmal an die Witcher-Reihe erinnert.

Kämpfe und Schleich-Kills machen auch nach etlichen Stunden immer wieder Spaß.

Ebenso wie das Kampfsystem, das sich über die Jahre der Assassinenreihe immer weiter definiert hat. Mittlerweile ist Ubisoft bei einem richtigen Action-System angelangt, das Dark Souls und The Witcher nacheifert. In Verbindung mit aktiven Skills – unter anderem der überaus coole Spartan-Kick, hell yeah – tänzeln wir um Feinde herum, nehmen sie mit den Bogen von Weitem aufs Korn oder packen Spezial-Finisher aus, die noch so gestandene Feinde zu einer Fußnote in den Geschichtsbüchern verwandeln. Doch warum sich über „Abkupfern“ beschweren, wenn es so gut umgesetzt wurde.

In der folgenden Bilderstrecke zeigen wir euch, was die einzelnen Editionen von Assassin's Creed: Odyssey enthalten:

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