Vor zehn Jahren war der Hype um Assassin's Creed groß – dabei war noch nicht mal das allererste Spiel der Reihe erschienen. Erst im November 2007 ist Assassin's Creed geboren und damit zum gegenwärtigen Stand erst neun Jahre alt. Neun Jahre, in denen wir aber mehr als ein Dutzend Mal in den Animus gestiegen sind. Allerdings hat die Serie einiges von ihrer Faszination eingebüßt: Unity war zum Release unfertig, Syndicate uninspiriert und altbacken, und so gibt es in diesem Jahr zum ersten Mal seit langem eine Pause. Und die bietet sich optimal für eine Remastered-Collection an.

Die „Ezio Collection“ nennt sich das Bundle, das mit Assassin's Creed II, Brotherhood und Revelations durchaus prall gefüllt ist und die gesamte Geschichte von Ezio Auditore da Firenze erzählt – für viele, mich eingeschlossen, nach wie vor übrigens der sympathischste und markanteste aller bisher vorgestellten Assassinen. Gleichzeitig spielt aber auch noch die Rahmenhandlung um Desmond Miles, den Eden-Apfel und den neumodernen Krieg mit den Templern eine tragende Rolle. Solltet ihr jetzt nur ein dickes Fragezeichen vor dem Kopf haben, ist das nicht weiter dramatisch: Die Geschichte außerhalb des Animus entstammt einer Zeit, zu der Ubisoft noch daran interessiert war, mit Assassin's Creed ein zusammenhängendes, sinnvoll verknüpftes Universum zu kreieren – bis man den vielversprechenden und hochspannenden Gedanken dem Mainstream geopfert und das korrupte Unternehmen Abstergo zur Videospielfirma transformiert hat, damit man die Serie unendlich lange weiterführen kann.

Assassin's Creed Ezio Collection - Requiescat in Pace – jetzt aber wirklich

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Willkommen zurück, Ezio.
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Solltet ihr also erst mit Black Flag bzw. auf der neuen Konsolengeneration eingestiegen sein, werdet ihr zum einen vor allem anfangs nur Bahnhof verstehen und zu allem Überfluss nach dem Durchspielen von Revelations komplett den Überblick verlieren. Erst Assassin's Creed III führt die Gegenwarts-Geschichte zu Ende – dafür müsstet ihr allerdings wieder zurück zur PlayStation 3 oder Xbox 360. Reden wir also nicht länger drumherum: Die drei enthaltenen Spiele sind zwar immer noch gut, hinterlassen für „Nachholer“ aber mehr Fragen als sie beantworten. Immerhin wird die Ezio-Saga vollständig zu Ende erzählt; andere aktuelle Remaster beinhalten ja nur ein oder zwei Drittel einer Trilogie.

Packshot zu Assassin's Creed Ezio CollectionAssassin's Creed Ezio CollectionRelease: PS4, Xbox One: 17.11.2016 kaufen: Jetzt kaufen:

Eine angenehme Zeitreise

Im Vorfeld habe ich mir ein wenig Sorgen gemacht, ob diese vermeintlich wenig aufwendigen Neuauflagen (man ist heutzutage ja einiges gewohnt) meine guten Erinnerungen an Ezio und seine Abenteuer im Italien der Renaissance ruinieren würden. Zumal man ja auch bedenken muss, dass es vieles, was die modernen Assassin's Creeds zu bieten haben, damals entweder noch nicht existierte oder erstmals eingeführt wurde. Aber genau das ist nicht geschehen: Obgleich alle drei enthaltenen Titel aus rein spielmechanischer Sicht veraltet sind – das Klettern ist unbequem und wer im Kampf kontert, kann quasi nicht mehr verlieren –, ist es für mich eine angenehme Zeitreise zurück.

Vor allem die Vorzüge von Assassin's Creed II bestehen bis heute: Florenz und ganz besonders Venedig bleiben zwei zauberhafte Schauplätze, Ezios Werdegang zum Meisterassassinen sowie der Krieg gegen die Pazzi und den Spanier eine der besseren Geschichten der Serienhistorie. Und jeder, der sich für Videospielmusik begeistern kann, wird die fantastischen Melodien aus der Feder von Jesper Kyd lieben, egal, ob er sie nun zum ersten oder wiederholten Male hört. Brotherhood und Revelations haben 2010 und 2011 auf diesem neuen Fundament aufgebaut und Ezios Geschichte in Rom und schließlich Konstantinopel fortgesetzt. Die Fortschritte dazwischen belaufen sich auf kleine, aber spürbare Details.

Für mich als Serienkenner und langjährigen Fan ist die Ezio Collection eine fast romantische Rückkehr in zwei Abenteuer, die ich damals, als ich sie das erste Mal gespielt habe, absolut geliebt habe – Revelations hat mich zwar nicht begeistert, aber auch dieses Spiel mochte ich sehr. Und sie bereiten mir auch im Jahr 2016 auf der PlayStation 4 viel Freude. Vor allem, weil ich über die kleinen und großen Mäkel, die sie alle mit sich herumtragen, hinwegsehen kann: Ihre Spielwelten sind nach heutigen Standards weitestgehend leer, das Kampfsystem ein Selbstläufer, das Gekraxele unhandlich, speziell auf dem Weg zurück zum Boden, was oft im ungeplanten freien Fall endet. Man mag auch das Sammeln von Kodex-Seiten in Teil 2 und die Ermüdungserscheinungen in Revelations verteufeln. Was die Trilogie aus meiner Sicht aber heute noch für Serienliebhaber spielenswert macht, ist neben der tollen Szenarien, der Geschichte und der Musik vor allem die historische Darstellung. Es gibt kein anderes Videospiel, das den Charme des 15. Jahrhunderts in Italien so akkurat und detailgetreu einfängt. Wer wollte nicht schon einmal Leonardo da Vinci treffen und mit seiner Flugmaschine über Venedig gleiten?

Assassin's Creed Ezio Collection - Requiescat in Pace – jetzt aber wirklich

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Ubisoft hat nicht gerade alles in die Waagschale geworfen, den dezent angestaubten Abenteuern aber doch eine recht ordentliche Frischzellenkur verpasst.
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Und was ist neu oder anders?

Gerade im Vergleich zu einem Skyrim wirken die drei Assassin's Creeds übrigens alles andere als hässlich – man darf freilich keine Kulissen und Gesichter vom Niveau eines Unity oder Syndicate erwarten, aber für die aktuellen Konsolen hat Ubisoft den betagten Spielen doch ein überzeugendes Makeover gegönnt, und gerade bei Nacht und von der Spitze der Engelsburg in Rom stört man sich nicht an Pop-ups und etwas verwaschenen Texturen. Davon abgesehen sind die Veränderungen für die Collection überschaubar: Alle DLCs sind integriert, Sammler können sich auf drei Platin-Trophäen freuen und wer noch mehr AC will, darf sich die beiden Kurzfilme Lineage und Embers zu Gemüte führen.