„Brotherhood? Das ist doch dieser Multiplayer-Modus für Assassin’s Creed – gähn!“ Oder: „Hätten die nicht gleich Assassin’s Creed 3 machen können? Wer braucht denn so eine Version 2.5?“ Dergleichen Sätze hört man dieser Tage häufig, kommt das Thema Assassin’s Creed: Brotherhood zur Sprache.

Doch Entwarnung! Brotherhood ist kein Addon-Nachklapp im Vollpreisgewand, sondern ein richtiger, neuer „Assassin’s Creed“-Teil, der die Serie um ähnlich große Sprünge voran bringt, wie es zuvor Teil 2 gegenüber seinem Vorgänger getan hat. Wir haben persönlich bei Ubisoft gute vier Stunden mit Ezio in Rom und Umgebung verbracht.

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Brotherhood beginnt exakt in der Sekunde, in der Assassin’s Creed 2 endete. Ezio ist in den Katakomben der Sixtinischen Kapelle auf die Göttin Minerva getroffen und hat ihre Botschaft an den zukünftigen Desmond überbracht. Mit dem Edensplitter kehrt er nach Hause, nach Monteriggioni zurück, wo nicht nur das Schmieden neuer Pläne, sondern auch die sanften Arme holder Weiblichkeiten auf ihn warten.

Assassin's Creed: Brotherhood - Ass(assin) im Ärmel oder: Rom ist euer Pruter

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Ezio baut in Rom eine Bruderschaft der Assassinen auf.
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Und die ersten Tutorialquests, die Neueinsteiger mit den Besonderheiten des Assassinenalltags vertraut machen: Wir sprinten, springen, spurten über Dächer, Wände, Mauern und fangen ein entflohenes Pferd ein. Dann schleppen wir zunächst einem feschen Mädel die Einkäufe nach Hause und anschließend sie selbst ab. Immer noch der gleiche Schwerenöter, dieser Ezio…

Um Brotherhood spielen zu können, muss man die Vorgänger nicht kennen. Schaden kann es aber nicht. Denn zum einen ist die Story um magische Artefakte, genetische Erinnerung und den Krieg zwischen Templern und Assassinen so kompliziert geworden, dass man ihr trotz der Zusammenfassung zu Beginn nur schwer folgen können dürfte – in etwa, als wolle man in der TV-Serie „Lost“ irgendwo während der 3. Staffel quereinsteigen.

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Hoch zu Ross: Ezio kämpft jetzt auch vom Pferde aus.
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Zum anderen gibt sich das Tutorial diesmal verhältnismäßig knapp und setzt viele Kniffe bzw. die Kenntnis der Vorgänger schon voraus. Im wahrsten Wortsinne blutige Assassinen-Anfänger können jedoch ein ausgiebiges Trainingsprogramm im Animus besuchen, in dessen Tron-artiger virtueller Realität auch erfahrene Meuchler ihrem schmutzigem Handwerk noch das Feintuning zur Meisterschaft verpassen können.

Zurück in die Vergangenheit

So weit, so nahtlos. Doch kaum ist das Anfangsgeplänkel durchstanden, greift Ubisoft in die Vollen. „Wir wollen verstärkt auf geskriptete Ereignisse setzen, um die Spielerfahrung noch intensiver zu gestalten“, verrät uns Lead Designer Steven Masters im Interview. Das Vorhaben wirkt geglückt: Wie in einem mittelalterlichen Call of Duty hechten wir in der anschließenden Belagerungsszene, die bereits auf der E3 zu sehen war, durch Kanonenhagel, einstürzende Gebäude, springen aufs Pferd, von dort auf die Burgmauer, bedienen die Kanone gegen die anrückende Armee und preschen von dort zurück ins Gefecht.

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Ezio hat diesmal auch eine versteckte Schusswaffe im Ärmel.
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Dabei fällt uns auf, dass das Kampfsystem durch eine kleine, aber feine Komponente erweitert wurde: Wer einen erfolgreichen Konter landen kann, baut diesen mit ein wenig Glück und Geschick zum mächtigen Kettenangriff aus, sprich: Solange es keinem Feind gelingt, euch ins Straucheln zu bringen, könnt ihr einen Instant Kill nach dem anderen landen und so in Windeseile ein ganzes Bataillon niederstrecken. Dadurch werden die Kämpfe um einiges schneller, dynamischer und taktischer.

Selbst Desmond bekommt diesmal mehr zu tun als nur zwischen Tür und Angel, bzw. Bett und Animus auf und ab zu trotten. Entdeckte er bereits im zweiten Teil zaghaft seine verborgenen Assassinenkräfte in sich, tritt er in Brotherhood endlich vollends in die Fußstapfen seiner agilen Ahnen, klettert wie eine Fliege die Wände hoch, hangelt sich von Vorsprung zu Vorsprung und sieht verborgene Botschaften und Geister der erinnerten Vergangenheit mit seinem Adlerblick.

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Monteriggioni wird angegriffen: Brotherhood setzt auf Inszenierung.
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Doch auch geografisch begibt sich Desmond auf die Spur seiner Vorfahren. Als die Tempelritter ihn in seinem Versteck aufspüren und zur Flucht zwingen, flüchten die Abtrünnigen um Lucy und Desmond ins Monteriggioni der Gegenwart, das verfallene und zur Touristenburg verkommene, einstige Domizil von Ezios Familie. Hier schlagen sie in der Assassinengruft tief unter der Erde, dort wo ihr im Vorgänger Altairs Rüstung erhieltet, ihr neues Hauptquartier samt Animus auf.

Entwarnung: Brotherhood wird ein würdiger Teil 3 mit zahlreichen Verbesserungen.Ausblick lesen

Von dort aus geht es erneut in die Vergangenheit, bekanntermaßen ins Herzstück Italiens, nach Rom, wo es die Verschwörung um die Borgia-Familie und die Geheimnisse um den Edensplitter endgültig aufzudecken gilt. Weitere Städte wird es dieses Mal nicht zu erkunden geben, dafür ist Rom aber um Längen größer als jede Stadt der Vorgänger.

Bei unserer Frage nach Speicherplatzproblemen auf der Xbox schlägt Entwickler Steven Masters die Hände über dem Kopf zusammen. „Oooh ja… aus Entwicklersicht geht es bei Assassin’s Creed um nichts anderes: wie man den Speicher optimal nutzt“, lacht er und fügt hinzu: „Aber wir haben aus den Vorgängern viel gelernt und können das mittlerweile perfekt.“

Rom ist euer Pruter

Spielerisch kommt das neue Setting dem Konzept der Serie sehr entgegen. Das nervige Sims-artige Aufbauen der eigenen Villa in Assassin’s Creed 2 wurde komplett gestrichen und durch eine schrittweise Eroberung Roms ersetzt: Anfangs noch unter der Herrschaft eures Erzwidersachers Cesare Borgia, befreit ihr die Ewige Stadt nach und nach und Sektor um Sektor.

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Wer einen Borgia-Turm erobert, darf in spektakulär in Brand setzen.
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Um einen weiteren Bereich der Stadt einzunehmen, muss Ezio bewachte Türme des Feindes erobern, indem er sich bis an dessen Capitano heranschleicht, ihn lautlos um die Ecke bringt und zu guter Letzt den Turm auf spektakuläre Weise in Brand steckt. Fortan gehört er euch und euren Assassinenbrüdern. Das Volk wird euch so zusehends wohlgesonnen, selbst auf den Straßen ist zu erkennen, dass die geschundenen und geknechteten Bürger mit fortschreitendem Einfluss durch die Auditore glücklicher, emsiger, wohlhabender werden.

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Auch Leonardos Erfindungen sind wieder mit dabei.
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Zudem erhält Ezios Bruderschaft mit jedem eroberten Borgia-Turm ein weiteres Mitglied, das ihm im Kampf auf Zuruf beisteht. Entgegen mancher Befürchtung wird Assassin’s Creed: Brotherhood dadurch weder ein Taktikspiel der Marke Rainbow Six, noch ein Koop-Titel. Die meiste Zeit streicht ihr weiterhin als einsamer Assassine über Dachzinnen und Giebelwinkel, allerdings habt ihr in brenzligen Situationen mehrere Ass(assin)e im Ärmel.

Um eure Assassinen-Brüder fit für den nächsten Einsatz zu machen, könnt ihr sie rollenspieltypisch in verschiedenen Eigenschaften ausbilden, indem ihr sie quer durch Europa auf diverse Missionen schickt. Diese lassen sich allerdings nicht selbst spielen, sondern sind nur eine Frage der Zeit. Irgendwann kehren sie mit erfolgreich erledigter XP-Trophäe zurück – oder eben nicht, bei Fehlschlag.

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Im Colosseum darf Ezio sein Können unter Beweis stellen.
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Ob dieses Feature was taugt? Noch bin ich unschlüssig. Leider reichte die Zeit nicht, um sich eingehender damit zu beschäftigen. Zum jetzigen Zeitpunkt fühlte ich mich aber unwohl an Spieltiefepfützen wie das Facebook-Unding Mafia Wars erinnert. Das fertige Spiel muss erst noch zeigen, was wirklich in der Bruderschaft steckt.

Glücklicherweise hat Ubisoft mit Brotherhood auch sonst massiv an den Kritikpunkten des Vorgängers gefeilt. Die Missionen scheinen auf den ersten Blick um einiges vielfältiger und abwechslungsreicher auszufallen. Mal müssen wir einem Kurier heimlich und ungesehen über die Dächer folgen, mal in der Rüstung des Feindes als solcher verkleidet eine Kiste ausliefern – ohne den Weg zu kennen. Nur die stutzigen Kommentare der Begleiter, wenn wir einen falschen Pfad einschlagen, geben Hinweise auf die richtige Richtung.

Die Wahrheit ist irgendwo dort draußen

Ein großes Manko des Vorgängers: Die linear vorpreschende Storyline ließ kaum Gelegenheit für neugierige Schlenker in die offene Spielwelt mit ihren Nebenaufgaben. Dies Missverhältnis soll in Brotherhood bewusst entzerrt werden. Simpler Trick: Für manche Storymissionen benötigt ihr zunächst eine gewisse Menge Geld oder ein bestimmtes Ausrüstungsobjekt und habt in der Zwischenzeit Gelegenheit, das virtuelle Rom und sein Dolce Vita kennen zu lernen.

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Entwickler Steven Masters: "Es wird DLC geben. Aber anders als bei Teil 2."
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Etwa die Glyphen, die in leicht abgewandelter Form wieder mit dabei sind und ein neues Video mit einer verborgenen Wahrheit bereithalten. Dieses Mal handelt es sich aber nicht um Hinterlassenschaften der Assassinen, sondern um Erinnerungsbruchstücke von Subjekt 16, der in der Rahmenhandlung von Brotherhood eine größere Bedeutung einnehmen soll.

Ob sie bei den zahllosen Mysterien und Handlungsfäden noch durchblicken würden oder genauso verloren sind, wie es den Autoren der „Lost“-Serie bisweilen geschehen schien, fragen wir die Entwickler. „Nein, wir kennen den großen Handlungsbogen, den wir erzählen wollen. Und vor allem: Wir kennen die Auflösung.“

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Bei Gefahr darf Ezio seine Assassinenbrüder zuhilfe rufen.
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Man wisse, was mit Desmond in folgenden Spielen geschehen werde, und wie sich die Rätsel um die Artefakte entspinnen werden. Nur in wie vielen Spielen und welchen Epochen der Menschheitsgeschichte diese sich ereigneten, wüsste man nicht – das hinge natürlich auch vom hoffentlich anhaltenden Erfolg der Serie ab.

Auch mit dem umstrittenen Thema DLC hat man sich ausgiebig beschäftigt und vermutlich die Köpfe heiß diskutiert. „In Teil 2 fühlten sich die Spieler betrogen“, zeigt Masters Verständnis für die Kritik, „weil sie das Gefühl hatten, sie hätten mit der Box nur einen Teil des Spiels gekauft und müssten für den Rest noch mal extra bezahlen.“ Das wolle man bei Brotherhood besser lösen. „Es wird DLC geben“, bestätigt der Chefentwickler, „aber in definitiv anderer Form.“