"Assassin's Creed: Brotherhood" ist mit Sicherheit eines der am sehnlichsten erwarteten Spiele auf der E3. Bei der Ubisoft-Pressekonferenz zeigte sich: völlig zu Recht.

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Und es begann mit einem "Bumm!": Noch bevor die E3 richtig begonnen hat, knallte Ubisoft den E3-Journalisten auf der Pressekonferenz ordentlich einen vor den Latz. Das Geschoss wiegt in der Realität etwa zehn Kilogramm, ist eine Kugel und gemeinhin nicht das, was man als Einrichtungsgegenstand im Schlafzimmer hat – schon gar nicht in fliegender Weise. Durch eine Kanonenkugel wird nämlich unser Lieblingsmeuchelmörder Ezio, der Held von "Assassin's Creed II", in seiner Villa gestört. Wohlgemerkt: Sie kommt durch die Decke.

Assassin's Creed: Brotherhood - Alle Wege führen nach Rom – wenn auch über L.A.

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Kanonen und Spatzen: AC3 setzt auf Spektakel.
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"Assassin's Creed: Brotherhood" erntete bei seiner Präsentation enorm viel Beifall und meldete sogleich Ansprüche auf den Titel "Spiel der E3" an. Genaugenommen sind die neuen Abenteuer von Ezio Auditore de Firenze aber kein offizieller dritter Teil, der Aufbruch der Assassinen-Brüderschaft nach Rom ist eher ein "Assassin's Creed 2,5". Wir wollen aber dennoch das Kürzel AC3 verwenden, da Ubisoft numerisches Tiefstapeln gar nicht nötig hat: "Brotherhood" ist ein vollwertiges Spiel, das seine Vorgänger sogar übertreffen könnte.

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Dieses Mal verschlägt es Ezio nach Rom.
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Zurück zum ungebetenen Projektil, das die Villa Auditore architektonisch neu gestaltet: Die Kanonenkugel ist zweifellos kein Liebesbeweis von jenseits der Stadtmauern. Das weiß auch Ezio, zögert keine Sekunde und rennt aus dem Gebäude. Ja, Monteriggioni ist auf dem besten Weg zum Trümmerhaufen. Überall schlagen Kugeln ein, Gebäude fallen in sich zusammen, Trümmer wirbeln durch die Luft.

Pferde-Parkverbot aufgehoben

Nun liegt es natürlich an Ezio, den Angriff zurückzuschlagen: Er rennt über den Vorplatz, springt gewohnt lässig über die Brüstung und landet im Sattel eines Pferdes. Moment, Pferd? Mitten in der Stadt? Jawohl, in AC3 wurde das Reit- und Parkverbot in den Städten aufgehoben. Generell soll Ezios Reittier nun eine stärkere Rolle spielen: Das bisher ziemlich überflüssige Reiten wird deutlich aufgepeppt. Dieser Schritt wurde auch deshalb notwendig, weil es Ezio nun bekanntlich nach Rom verschlägt. Die Fläche der Ewigen Stadt übertrifft aber jene von Florenz oder Venedig um ein Vielfaches. Aber dazu später mehr.

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Pferde dürfen erstmals auch innerhalb der Stadt benutzt werden.
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Zurück zu den dramatischen Ereignissen der Eröffnungssequenz: Ezio gibt dem Pferd die Sporen, während die Häuser um ihn herum einstürzen – das wirkt zwar stark gescriptet, aber auch unheimlich dynamisch. Anders gesagt: das Mittendrin-Gefühl ist fantastisch. Im fertigen Spiel soll beim Reiten außerdem ein erweitertes Kampfsystem zum Einsatz kommen. So lebensnah wie in "Red Dead Redemption" wirken die Ubi-Rösser zwar noch nicht, aber bis zum Release Mitte November ist ja noch durchaus Zeit.

Feuer frei!

Fehlende Abwechslung war der Hauptkritikpunkt des Debüts, daran änderte Teil 2 schon enorm viel. Nun kommen abermals neue Spielelemente hinzu. Ezios Pferd stößt nämlich an die Grenzen seiner Knautschzone, als ihm ein umstürzendes Haus vor die Hufe fällt. Ezio muss "zu Fuß" weiter, was in "Assassin's Creed" natürlich klettern, schwingen und springen bedeutet.

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Auch in Rom führt Ezios Weg wieder bevorzugt über die Dächer.
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Schnell ist er auf der Stadtmauer, die verbissen von den eigenen Truppen verteidigt wird. Das mit dem Schießpulver hat sich nämlich herumgesprochen, es wird geballert, was das Zeug hält. Gegen moderne Waffen hilft aber auch nur moderne Technologie, weshalb Ezio die Kontrolle über eine stationäre Kanone übernimmt.

Die folgende Geschützsequenz, bei der Ezio die heranrückenden Truppen dezimieren muss, ist zwar im Grunde keine revolutionäre Idee, überzeugt aber durch ihre spektakuläre Inszenierung. Man sieht das voraussichtliche kreisförmige Einschlaggebiet und schickt seinerseits explosive Grüße an die Angreifer. Die Atmosphäre dieser Szene ist enorm, Größe und Detailreichtum des Schlachtfeldes faszinieren. Auch Kleinigkeiten begeistern: Beispielsweise wird die Kanone nicht unsichtbar nachgeladen, stattdessen wuselt ein Helfer nach jedem Schuss nach vorne, um die Waffe mit einem neuen Geschoss zu bestücken.

Dynamisch und rustikal

Trotz des bombigen Einsatzes von Ezio schaffen es die Angreifer aber, einen Turm an der Stadtmauer zu platzieren. Die ersten Soldaten strömen aus dem Belagerungsgerät heraus. Das ist natürlich der Zeitpunkt, das Schwert zu zücken. Hier macht sich sogleich die nächste Neuerung bemerkbar: Die Nahkämpfe spielen sich deutlich flotter und actionlastiger. Damit reagieren die Entwickler auf den Hauptkritikpunkt des Vorgängers: Sobald Ezio zu den Waffen griff, spielte sich "Assassin's Creed II" etwas behäbig und statisch. Man fokussierte einen Gegner und umkreiste ihn – im Wechselspiel zwischen Zuschlagen und Parieren – eine gefühlte Ewigkeit. War einer besiegt, ging das Spielchen von vorne los.

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Das Kampfsystem von AC3 wurde stark überarbeitet.
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In "Brotherhood" wurde die Kampfmechanik umgekrempelt, die Auseinandersetzungen sollen sich deutlich flotter spielen. Gegner werden nicht mehr "abgearbeitet", man muss sich ständig der gesamten Feindesgruppe widmen. Die Künstliche Intelligenz der Widersacher ist nach Aussage der Entwickler auch deutlich aggressiver.

Wenn Assassin's Creed: Brotherhood nur halb so gut wird wie erwartet, kann man sich schon jetzt festlegen: AC3 wird ein Knaller.Ausblick lesen

Stichwort aggressiv: Ezio geht erneut ziemlich rustikal zu Werke, die Animationen und Finishing-Moves werden bei der USK sicherlich für einige Diskussionen sorgen – zumindest falls das Spiel ungeschnitten auf den deutschen Markt gebracht werden soll. So filetiert der Assassine die Angreifer mit seinem Schwert wie schon im Vorgänger, neue Animationen sorgten während der E3-Vorstellung für so manche "Ooooh"- und "Autsch!"-Rufe. Da wird ein Soldat mit einem Tritt in die Weichteile in eine gekrümmte Position versetzt, währenddessen zieht Ezio sein Schießeisen, setzt an und drückt ab. Einem gepanzerten Schurken nimmt er die Axt weg und erledigt ihn sogleich damit. Ein wuchtiger Axt-Wurf in die Brust streckt einen weiteren Angreifer nieder. Schon heftig.

Alle Wege führen nach Rom

Ezios Kampf ist aber letztlich aussichtslos, Monteriggioni fällt. Eine längere Cutscene klärt uns im Folgenden darüber auf, wer hinter dem großangelegten Angriff steckt: Cesare Borgia, der Sohn des Gegenspielers aus Teil 2. In der Hand hat er den goldenen Apfel, jenes legendäre Artefakt, das die Hauptrolle im Vorgänger spielte. Das Ende dieses Prologs markiert eine andere Kugel, und zwar jene, die Ezio trifft…

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Teamwork: Ezio wird sich erstmals nicht allein dem Kampf stellen.
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Das ist aber nur das Ende der auf der E3 gezeigten Präsentation, Ezio überlebt (wie, wurde allerdings nicht verraten) und begibt sich auf einen Rachefeldzug. In dem steht natürlich wieder der Konflikt zwischen Assassinen und Templern im Mittelpunkt. Die Reise geht nun endlich (richtig) nach Rom, das am Ende des Vorgängers bekanntlich nur im Minimalausschnitt zu sehen war. In "Brotherhood" ist die Stadt am Tiber der Hauptschauplatz, das Gebiet soll auf alle Fälle groß genug für ein "abendfüllendes" Spiel sein und etwa die dreifache Fläche von Florenz haben.

Die vielleicht wichtigste Neuerung von AC3 ist jenes Feature, das bereits im Titel angesprochen wurde: "Brotherhood" bedeutet nämlich Bruderschaft, soll heißen: Einzelgänger Ezio bekommt Gesellschaft. Alleine kann er nämlich am Herz der Verschwörung, also in Rom bzw. im Vatikan, nicht viel ausrichten, weshalb er nun Helfer anwerben und trainieren kann. Die Hilfs-Assassinen haben praktische Spezialfähigkeiten, die viele neue Elemente ins Spielgeschehen bringen: Feindesgruppen können beispielsweise großflächig mit Pfeilen ausgeschaltet werden, Ezios Brüder können auch auf Befehl einen Gegner von oben niederstrecken oder Wachen gezielt ablenken.

Mitglieder der Bruderschaft können aber auch auf "Solo-"Missionen geschickt werden, bei erfolgreichem Absolvieren winken Erfahrungspunkte oder bessere Gesundheit. Das klingt zunächst mal interessant, den Beweis, dass das System auch Spaß macht und nicht es nicht bei bloßen Benachrichtigungen nach Erfüllung einer Aufgabe bleibt, muss Ubisoft erst erbringen – Spielszenen dazu zeigte man nämlich nicht.