Assassin‘s Creed: Brotherhood beginnt mit einem „Was bisher geschah“, wie wir es auch von TV-Serien kennen. Die Handlung der zweikommafünften Attentatsepisode setzt nämlich genau dort an, wo Teil 2 endete: Ezio Auditore schnappt sich den legendären Edenapfel von einem korrupten Papst und sichert ihn für seine Assassinen-Bruderschaft.

Diese steht seit Jahrhunderten im Zwist mit dem Templerorden, der die Menschheit versklaven will, während Ezio mit seinen Kameraden den freien Willen schützen möchte. In „Brotherhood“ wird der Konflikt dieser beiden Geheimbünde nun in der „ewigen Stadt“ weitergeführt: Rom.

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Zäher Einstieg

Doch auch wenn die Geschichte direkt an das zweite Assassinen-Action-Adventure anknüpft, werden eure erzielten Errungenschaften wie angehäuftes Geld, Rüstungen und Waffen nicht in die neue Episode übernommen. Ezio Auditore fängt quasi abermals bei null an, muss sich alles von Neuem erarbeiten, Beziehungen pflegen und jeden Florint blutig erkämpfen. Im spieltechnischen Zusammenhang ergibt das natürlich schon Sinn, denn es würde zu leicht sein, mit einem beinahe übermächtigen Meuchler durch das Spiel zu wandern. Trotzdem ist es auch mit den vorgenommenen Plot-Kniffen (die wir hier nicht aufdecken wollen) schwer zu vermitteln, dass wir nun wieder alles neu aufbauen müssen.

Assassin's Creed: Brotherhood - Ezio in Rom: Diesmal ist der Papst fällig

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Dieses Mal geht es ins Herz Italiens: nach Rom.
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Ubisoft macht auch aus meiner Sicht den gleichen Fehler wie beim zweiten Teil: Die ersten Stunden sind als eine Art übergroßes Tutorial angelegt. Jeder Schritt wird minutiös erklärt, längst bekannte Features so langatmig eingeführt, damit auch noch der letzte Neueinsteiger alles kapiert. Wer die beiden vorherigen Episoden gespielt hat (und das wird wohl die Mehrheit betreffen) wird mit dieser Art Spieldesign nur wenig anfangen können. Immerhin wurde der größte Teil des Kampftrainings in ein „virtuelles Trainingslager“ ausgegliedert, das separat vom Spielverlauf jederzeit über das Menü angesteuert wird.

Bis Assassin‘s Creed: Brotherhood also so richtig auf Touren kommt, vergeht geraume Zeit. Weit in den vierten Akt hinein sind wir damit beschäftigt, altbekannte Spielmechaniken kennenzulernen. Glücklicherweise fesselt die Fortsetzung der spannenden Geschichte genug, um bei Laune zu halten. Und ein paar Neuerungen gibt es immerhin trotzdem. So beispielsweise das System der Borgia-Türme mit ihren Hauptmännern.

Assassin's Creed: Brotherhood - Ezio in Rom: Diesmal ist der Papst fällig

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Die Borgia-Türme müssen verschwinden, damit Rom in alter Pracht erblühen kann.
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Rom ächzt unter dem negativen Einfluss der Borgia-Familie, der sichtbare Ausdruck dieser Unterdrückung sind diese Bauten. Ezio muss zunächst die kommandierenden Offiziere dieser Bauwerke ausschalten, bevor er sie abfackelt und damit einzelne Gebiete Roms befreit. Erst dann kann die Stadt in diesen Bereichen wieder in alter Pracht erblühen, können wir Läden wiedereröffnen und renovieren.

Vor allem das neue Bruderschaft-System und der Mehrspielermodus heben die neue Episode von Teil 2 ab.Fazit lesen

Ähnlich wie im Vorgänger steht dahinter ein Wirtschaftssystem, das euch durch solche Aktionen regelmäßig Geld in die Kasse spült und damit eure Handlungsfreiheit weiter erhöht. Euer Hauptquartier befindet sich nun im Herzen der italienischen Metropole des frühen 16. Jahrhunderts. Hier trefft ihr euch mit euren Verbündeten und schmiedet Pläne, die den Borgia zum Verhängnis werden sollen.

Ihr paktiert dabei wieder mit einiger Lokalprominenz, am wichtigsten sind jedoch die Untergrundbewegungen der Dirnen, Diebe und Söldner. Sie helfen euch nicht nur aktiv im Kampf gegen die Soldaten der Stadt, sie versorgen euch zudem mit allerlei alternativen Nebenbeschäftigungen und Herausforderungen, die euch abseits der Hauptgeschichte stundenlang unterhalten.

Brotherhood!

Noch wichtiger ist jedoch das völlig neue Bruderschaft-System, das der Fortsetzung seinen Namen gibt. Sobald ihr diese spezielle Fertigkeit erhaltet, dürft ihr aufmüpfige Bürger Roms, die sich mit den Stadtwachen anlegen, für die Assassinen-Vereinigung rekrutieren. Über ein Dutzend solcher Rekrutenslots stehen euch zur Verfügung. Die neuen Mitstreiter greifen auf einen simplen Knopfdruck Wachen oder Attentatsopfer an, entlasten euch in Gefechten.

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Ezio muss nicht mehr allein kämpfen, er rekrutiert und bildet Assassinen aus, die ihn im Kampf unterstützen.
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Sie sind jedoch mehr als Kanonenfutter, das ihr nach Ablauf eines Timers zu eurer Unterstützung herbeiruft. Ihr bildet die jungen Recken aus, schickt sie auf Meuchelaufträge in ganz Europa. Bei all ihren Einsätzen sammeln sie Erfahrung, sie steigen im Level auf und erhalten sogar Ausbildungspunkte, die ihr in Bereiche wie Waffen und Rüstung investiert. Und sie können auch sterben, wenn ihr sie etwa auf zu heikle Missionen beordert oder sie für den Job nicht geeignet sind.

Das bekannte Kampfsystem ließ Ubisoft größtenteils unangetastet, die Auseinandersetzungen sind nun allerdings etwas schneller. Stehen euch viele Feinde gegenüber, genügt jetzt mit dem richtigen Timing jeweils ein Knopfdruck, um Attentatsserien auszuführen: Ezio springt dann von einem Kontrahenten zum nächsten und verpasst ihnen Todesstöße im Akkord. Auch wenn wir nun häufiger offensiv agieren, beherrscht das optimierte Kontersystem nach wie vor die Szenerie einschließlich einiger sehr nett anzusehender neuer Animationen.

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Ab sofort sind auch Duelle zwischen Reitern möglich.
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Immerhin ist es nun auch möglich, sich auf dem Rücken von Pferden Duelle mit berittenen Soldaten zu liefern. Wie auch in Assassin‘s Creed 2 gibt es außer den reinen Attentatsmissionen und der Haupthandlung eine Vielzahl weiterer Tätigkeiten. Neben den oben erwähnten Gildenmissionen warten zahlreiche versteckte Rätsel auf euch, existiert ein geheimes Tunnelsystem, das nach Freischaltung ein bequemes Schnellreisesystem eröffnet und euch in der riesigen Stadt viel Zeit spart.

Hier kommt ihr noch viel schneller voran als mit einem Pferd. Diese eignen sich jetzt aber recht gut dazu, um innerhalb der Stadtmauern größere Distanzen zu überwinden, denn weite Wege stehen in Assassin‘s Creed: Brotherhood an der Tagesordnung. Zu den (meist) optionalen Betätigungen gehören auch in dieser Fortsetzung waghalsige Klettereinlagen in speziellen Geheimgrüften. In den „Romulus“-Verstecken überwindet ihr dank eurer artistischen Fertigkeiten nicht nur halsbrecherische Kletter- und Sprungpassagen, ihr erbeutet auch jede Menge Zaster und besonders gute Rüstungsteile.

Apropos Ausrüstung: Ubisoft hat das Wirtschaftssystem ein wenig aufgebohrt. Plündert ihr Leichen, erhaltet ihr nun auch wertvolle Objekte, die ihr in den Läden verkaufen könnt. Das Angebot an Waren scheint insgesamt etwas offener zu sein als noch in Assassin‘s Creed 2.

Neu: Multiplayer

Verglichen mit diesem Vorgänger haben sich die Zwischensequenzen leider optisch nicht weiterentwickelt. Immer noch wirken die Figuren kantig, ihre Bewegungen arg hölzern. Ähnliches gilt für die Animationen der Pferde, die im Vergleich mit Red Dead Redemption fast schon peinlich staksig agieren.

Überhaupt hat sich im technischen Bereich kaum etwas getan, die Stadt macht zwar einen hübschen, belebten Eindruck, Vieles wirkt jedoch generisch, Abläufe (wie beispielsweise das Freischalten von Aussichtspunkten, mit dem neue Areale und damit Aufträge erreichbar werden) sind uns wohl bekannt. Lediglich Desmond Miles, der eigentliche Protagonist in der „Gegenwart“, scheint eine richtige Entwicklung zu durchlaufen und erhält endlich Assassinen-Fertigkeiten.

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Wer ist Jäger und wer Gejagter? Im neuen Mehrspielermodus weiß man das nie so genau!
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Völlig neu hingegen ist der Mehrspielermodus, den es in den beiden bisherigen Episoden überhaupt nicht gab. Mit unterschiedlichen Charakterklassen (wie z.B. Doktor, Priester, Henker, Söldner oder Kurtisane) und jeweils individueller Bewaffnung und Moves gehen bis zu acht Spieler im Modus „Gesucht“ nicht nur auf die Jagd auf computergesteuerte Attentatsziele, sie schalten dabei auch menschliche Kontrahenten aus.

In „Allianz“ treten dagegen mehrere Zweierteams kooperativ gegeneinander an und lauern ihren Widersachern auf. In der Praxis spielt sich das tatsächlich sehr vielfältig. Nie weiß man genau, welche der Figuren nun computergesteuert oder von Menschenhand geführt ist (vorausgesetzt, der Spieler rennt nicht die ganze Zeit wie gehetzt herum).

Das erzeugt viele spannende Momente, in denen ihr nie wisst, wer gerade Jäger und wer der Gejagte ist. Lediglich mit der Erkennung des eigentlichen Ziels hatten wir im Test unsere Probleme, hier wird nur selten klar, welche Figur wir denn nun attackieren sollen. Unterm Strich ist das aber eine durchaus unterhaltsame Sache!