PS3- und Xbox 360-Spieler sind schon längst mit Ezio Auditore Da Firenze in Florenz und Venedig unterwegs, dabei ist Altairs Abenteuer noch gar nicht vorbei. Auf der PSP führt der Assassine die Jagd nach den Templern fort, um auch die letzten Überbleibsel des unheiligen Ordens zu vernichten. Griptonite Games versuchen das Spielprinzip des Vorgängers auf Sonys kleinen Handheld zu portieren – gelingt dieses Vorhaben oder scheitern die Entwickler an ihren Ambitionen?

Achtung: Wenn ihr den ersten Teil von Assassin's Creed noch nicht gespielt habt und nicht wissen wollt, wie die Geschichte ausgeht, dann überspringt die folgenden Absätze und lest auf Seite 2 weiter.

Assassin's Creed - Assassin´s Creed Embers Announcement Trailer

Der alte Feind

Wir erinnern uns: Al Mualim, der Meister der Assassinen, stellte sich am Ende von Altairs Reise durch das heilige Land als Verräter heraus, der in Wahrheit für die Tempelritter arbeitete. Mit Al Mualims Tod war zwar die Bedrohung durch den Edenapfel, ein Gedanken kontrollierendes Artefakt, beseitigt, aber der Orden der Templer existiert nach wie vor. In Assassin's Creed: Bloodlines macht sich Altair nun auf den Weg nach Zypern, um die Städte Limassol und Kyrenia von den Templern zu säubern, die erneut Versuchen den Edenapfel an sich zu reissen.

Assassin's Creed: Bloodlines - Altair auf Zypern: Meuchelmord statt Urlaub

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Auch in Bloodlines schleicht sich Altair an ahnungslose Templer heran.
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Altair begegnet auf seiner Mission einer alten Bekannten, der Templerin Maria, die er im Vorgänger verschont hat. Der Konflikt zwischen den Beiden steht im Mittelpunkt der Story, Maria ist jedoch nicht der Feind – Armand Bouchard führt die Templer Zyperns an und ist Altairs ultimatives Ziel. Im Gegensatz zum ersten Teil von Ubisofts Orient-Abenteuer verzichtet Bloodlines gänzlich auf die Gegenwarts-Abschnitte, es wird nicht einmal erklärt, dass wir in Wirklichkeit den Barkeeper Desmond Miles spielen, der von der Organisation Abstergo festgehalten wird und mit Hilfe des Animus die Erinnerungen seiner Ahnen abspielt.

Zu den Waffen!

Die Geschichte von Bloodlines ist für Kenner des Vorgängers zwar spannend, aber nicht überwältigend. Es fehlen Höhepunkte und überraschende Wendungen, dennoch ist die komplizierte Beziehung zwischen Maria und Altair unterhaltsam und es werden einige Story-Lücken zwischen dem ersten und zweiten Assassin's Creed gefüllt. Lediglich Altairs Kaltblütigkeit macht es manchmal schwer, sich mit dem Auftragsmörder zu identifizieren. Solltet ihr Teil 1 noch nicht kennen, wird die Geschichte des PSP-Ablegers lediglich verwirrtes Kopfkratzen auslösen.

Packshot zu Assassin's Creed: BloodlinesAssassin's Creed: BloodlinesErschienen für PSP kaufen: Jetzt kaufen:

Wie auch beim Vorbild auf den Konsolen und dem PC steuern wir Altair durch eine offene und frei begehrbare Welt. Die beschränkt sich jedoch auf die zwei Städte Limassol und Kyrenia, die mehr oder weniger unnötige Außenwelt entfällt. Wenn man Assassin's Creed schonmal in Bewegung gesehen hat, dann fragt man sich natürlich, wie Bloodlines eine solch lebendige Welt auf die PSP portieren soll. Die Antwort: Gar nicht.

Assassin's Creed: Bloodlines - Altair auf Zypern: Meuchelmord statt Urlaub

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Wie im ersten Teil erklimmt Altair Türme um die Gegend zu erkunden.
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Zwar sind die Städte an sich groß und offen, aber in mehrere quadratische Zonen unterteilt, die durch große Mauern getrennt werden. Beim Übergang von einer Zone in die nächste wird demnach erstmal geladen. Außerdem scheint die Population der Städte Zyperns zur Zeit des 12. Jahrhunderts sehr gering gewesen zu sein, denn auf den Straßen sehen wir nur vereinzelt Bürger herumlaufen. Wachen scheint es dafür an jeder Ecke zu geben. Das hat natürlich auch spielerische Auswirkungen, denn bei einer Flucht stellen sich Altair nun viel weniger Menschen in den Weg.

Hauptaugenmerk liegt – wie sollte es anders sein – auf den Morden der einzelnen Vertreter des Templer-Ordens. Bloodlines ist in verschiedene Abschnitte unterteilt, pro Abschnitt lösen wir diverse kleine Aufgaben, eskortieren etwa einen Wagen durch die Stadt, vernichten eine bestimmte Anzahl an Wachen oder überliefern Botschaften und sammeln Informationen. Jeder Abschnitt gipfelt schließlich im Kampf gegen unser aktuelles Ziel, denn im Gegensatz zum großen Bruder nieten wir die großen Templer-Persönlichkeiten nicht einfach um, sondern liefern uns einen traditionellen Bosskampf Mann gegen Mann. Oder Frau, je nachdem.

Assassin's Creed: Bloodlines - Altair auf Zypern: Meuchelmord statt Urlaub

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In Bloodlines stehen die Kämpfe im Vordergrund.
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Überhaupt legt Bloodlines wesentlich größeren Wert auf das Geplänkel mit Dolch, Schwert und Wurfmesser, denn Altair stolpert von einem Kampf in den anderen. Sein Arsenal nebst versteckter Klinge steht ihm übrigens von Anfang an zur Verfügung, Griptonite verzichtet also auf den "Metroid-Effekt" des Originals. Auch die Gefechte gegen Wachen, Räuber und Templer laufen wie gewohnt ab: Mit dem richtigen Timing lösen wir Kombo-Angriffe aus, kontern die Attacken unserer Feinde oder rollen uns zur Seite. Anfangs genügt simples Kontern, im späteren Spielverlauf werden die Gegner jedoch zunehmend aggressiver und nicht mehr jeder Schlag lässt sich blocken, außerdem kämpft Altair stets gegen eine Übermacht. Es wirkt immernoch etwas albern, wenn sich fünf bis sechs Feinde um den Assassinen versammeln und keiner etwas macht, in Sachen Inszinierung stehen die Kämpfe den Next-Gen Varianten aber trotzdem in Nichts nach. Leider verdienen auch spätere Gefechte nie das Prädikat "anspruchsvoll", lediglich Bossbegegnungen können recht knackig werden.

KI? Welche KI?

Wenn Altair Hals über Kopf die Flucht ergreifen muss, dann nutzt er dazu vorzugsweise die örtliche Dächerlandschaft. Grazil und flink erklimmt er nahezu jedes Gemäuer und überwindet halsbrecherische Abgründe. Sollten seine Verfolger den Sichtkontakt zum Assassinen verloren haben, wird das über das Aufmerksamkeits-Symbol und einen Ton signalisiert. Um die Verfolger nun komplett abzuschütteln, muss sich Altair verstecken, etwa in einem Heuhaufen oder einem Pavillion. Banken fehlen und obwohl durchaus andere Kuttenträger in den Städten umherlaufen und Altair mit einem Druck auf die X-Taste in den unauffälligen Modus wechseln kann, ist es nicht möglich bei den Mönchen unterzutauchen, wie das etwa im Vorgänger und auch bei Assassin's Creed 2 der Fall ist.

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Ab und zu durchstreift Altair auch Innenräume.
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Immer wieder durchlaufen wir auch strikt lineare Passagen und kämpfen uns etwa durch ein heruntergekommenes Gefängnis oder ein altes Schloss. Hier versucht Bloodlines künstlich die Atmosphäre eines Schleichspiels zu wahren und setzt uns jeden Gegner so vor die Nase, dass wir ihn mit einem Stealth-Kill ungesehen umlegen können. Wir kämpfen uns also durch enge Gänge und die Wachen schauen immer nur in eine Richtung - das ist nicht nur höchst unglaubwürdig sondern auch sehr anspruchslos. Glücklicherweise hält sich die Länge dieser Abschnitte in Grenzen, aber auch die übrigen Missionen nutzen die Größe der Spielwelt nur begrenzt.

Auch auf der PSP kann Altairs Templerjagd Spaß machen, leidet aber am monotonen Spielablauf und schwacher Technik.Fazit lesen

Spieler, die Teil 1 der Templerhatz bereits auf der PlayStation 3 oder Xbox360 gespielt haben, werden sofort mit der Parkour- und Kampfsteuerung zurechtkommen, ähnelt sie doch stark dem Vorbild. Lediglich die Kontrolle der Kamera wird nun umständlich mit der linken Schultertaste und den Aktionstasten bedient. Leider bleibt Altair immer wieder an kleineren Kanten hängen und gerade in engen Arealen ist die Bedienung mit dem kleinen Analogstick etwas hakelig.

Neben den Story-Missionen können wir mit unserem Helden kurze und nur mäßig motivierende Nebenaufträge in den Städten erfüllen, etwa Botengänge erledigen oder Wachen ausschalten, die Bürger belästigen. Für solche Taten bekommen wir, wie auch für das Erfüllen der normalen Missionen, Punkte, mit denen wir im Menü Upgrades freischalten. So können wir etwa Altairs Leben erhöhen, unseren Vorrat an Wurfmessern aufstocken oder den angerichteten Schaden verbessern. Außerdem erhalten wir für sämtliche Aktionen im Spiel Geld, das nur dann von Nutzen ist, wenn wir unsere PSP mit einer PS3 und Assassin's Creed 2 verbinden. Dann können wir spezielle Waffen in beiden Spielen freischalten.

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Altairs PSP-Ausflug kann beeindruckend aussehen, schwächelt aber im Detail.
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Was Assassin's Creed: Bloodlines technisch aus der PSP herausholt ist an einigen Stellen erstaunlich, an anderen sehr enttäuschend. Optisches Highlight ist Altair selbst, der geschmeidig animiert spektakuläre Kampfmanöver ausführt und glaubwürdig an Häuserwänden entlangklettert. Die Städte Limassol und Kyrenia unterscheiden sich in Farbgebung und Architektur und werden ruckelfrei dargestellt, dennoch kann das PSP-Abenteuer des Assassinen teilweise sehr hässlich aussehen: Ständig gibt es Pop-Ups, Texturflimmern, Clipping- und Positionsfehler. Da hören die Bugs aber noch nicht auf, auch der Sound stottert regelmäßig und Dialoge werden teilweise zu spät abgespielt. Die deutsche wie auch die englische Sprachausgabe sind solide, die an sich hervorragenden und stimmigen Soundeffekte wurden direkt aus dem ersten Teil übernommen. Lediglich die Musik ist reichlich unspektakulär und wenig abwechslungsreich.