Kann sich von euch noch jemand daran erinnern, worin es in Assassin‘s Creed anno 2008 überhaupt ging? Gut - ein Konflikt zwischen Meuchlern und Templern - aber sonst? Ubisoft ist im Laufe der Jahre durch so viele Epochen gesprungen und hat so viele Charaktere eingeführt und wieder verschwinden lassen, dass einem der Kopf glüht. Bestes Beispiel: das neue Assassin‘s Creed 4: Black Flag. Im Vorgänger stand noch Connor Kenway im Mittelpunkt der Geschichte. Jetzt wirbelt ein gewisser Edward Kenway über den Bildschirm. Seines Zeichens Großvater von Connor.

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Wie gesagt: So ein bisschen kunterbunt geht es ja schon zu im Assassin‘s- Creed-Universum, wo selbst die Spiele keine chronologische Handlung erzählen. Statt amerikanischem Befreiungskrieg im ausgehenden 18. Jahrhundert versetzen uns die Macher an den Beginn des Jahrhunderts. In das so genannte Goldene Zeitalter der Piraterie. Und unser Held ist mitten drin im Freibeuter-Geschäft. Obwohl er eigentlich für diese Art von Gesellschaft viel zu feingeistig ist: Statt Ruhm und leichter Mädchen will er sich lieber ein kleines Vermögen erkämpfen, mit dem er sich zur Ruhe setzen kann.

Assassin's Creed 4: Black Flag - Schwarze Flagge, schwarzer Bart - du Pirat?

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Auf dieser abgelegenen Insel könnte sich ein wertvoller Schatz versteckt halten.
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Zwei Spiele in einem

Dass daraus (so schnell) nichts wird, kann man sich bei den Vorzeichen der Serie schon denken. Denn irgendwann tritt die Assassinen-Gilde auf den Plan. Ohne zu viel zu verraten sei gesagt, dass Edward diese Gesellen höchst suspekt vorkommen. Doch in den etwa 20 Stunden Spielzeit der Kampagne gibt es natürlich die eine oder andere Wendung... Allerdings lässt sich die Spielzeit auch deutlich ausdehnen, 50 Stunden sollten bei all den Nebenbeschäftigungen locker drin sein. Denn Ubisoft bringt mit Assassin‘s Creed 4: Black Flag erstmals eine vollkommen offene Spielwelt heraus, in der ihr euch nach Herzenslust als Pirat UND Assassine verdingt.

Packshot zu Assassin's Creed 4: Black FlagAssassin's Creed 4: Black FlagErschienen für PS3, Xbox 360, PC, Wii U, Xbox One und PS4 kaufen: ab 14,12€

Wo ihr abseits der Hauptmissionen euren Schwerpunkt setzt, ist völlig euch überlassen. Assassin‘s Creed 3 spielt dabei insofern noch eine Rolle, als es als Blaupause und Testumfeld für diese vierte Hauptepisode hergehalten haben dürfte. Vor allem das dort erstmals eingeführte maritime Umfeld wird jetzt extrem ausgeweitet - aber das ist bei einem Piratenspiel nur recht und billig. Mit der "Jackdaw" pflügt ihr durch das Karibische Meer, besucht Orte wie Havanna und Nassau und entdeckt allerlei exotische Eilande, Dschungeltempel und Schatzverstecke.

Viele dieser Aktivitäten haben mit dem eigentlichen Assassinen-Dasein nichts zu tun, sie dienen lediglich eurem Broterwerb, der Freischaltung neuer Gegenstände - und dem Spaß. Mit der Jagd von Tieren erhaltet ihr wie in Far Cry 3 Zugang zu neuen Ausrüstungsgegenständen, durch Überfälle auf Schiffe sammelt ihr Ressourcen, mit denen ihr das Schiff ausbaut: bessere Kanonen (für die ihr übrigens Munition kaufen müsst), verstärkte Panzerung oder Rammbock.

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Auch prominente Piraten wie Blackbeard spielen in der Geschichte eine wichtige Rolle.
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Wer den dritten Teil gespielt hat, wird sich sehr schnell an die Steuerung des Piratenkahns gewöhnen und auch alle anderen werden kaum Probleme damit haben. Kleiner Tipp: Die Eroberung von Festungen kann euch dabei sehr von Nutzen sein, denn wenn sich Piratenjäger auf eure Fersen heften oder ihr andere Schiffe in Reichweite der Befestigung attackiert, werden sie auch von Land aus unter Beschuss genommen. In den malerischen Städten selbst warten selbstverständlich auch etliche Aktivitäten auf euch, dort rekrutiert ihr nebenbei neue Besatzungsmitglieder, die ihr aber alternativ auch aus Seenot retten oder aus den Klauen der Kolonialmächte entreißen könnt. Je mehr Männer euch aufs Schiff folgen, desto leichter fallen die Enter-Aktionen.

Die offene Spielwelt bietet praktisch zwei Abenteuer in einem Spiel - schon allein dafür sollte man einen Blick riskieren.Fazit lesen

Diese sind leider recht unspektakulär inszeniert, da sie nur aus kleineren Scharmützeln bestehen, in denen eine vorgegebene Anzahl von Verteidigern beseitigt werden müssen. Wenn ihr einen feindlichen Kahn manövrierunfähig geballert habt, könnt ihr ihn mit einer weiteren Salve auch auf den Meeresgrund schicken. Dann erhaltet ihr jedoch viel weniger Beute. Gekaperte Schiffe lassen sich außerdem der eigenen Flotte hinzufügen. Und die lässt sich - ähnlich dem System in "Brotherhood" - in die Welt entsenden, um euren Wohlstand zu mehren. Das funktioniert sogar per Tablet- App.

Spielerisch kaum Fortschritte

Wenn man sich nicht gerade auf der „Jackdaw“ rumtreibt, hält Assassin‘s Creed 4: Black Flag die bekannten Assassinen-Tätigkeiten für euch bereit: Die Spielmechanik ist im Vergleich zu den Vorgängern nahezu unangetastet geblieben. Ihr klettert über Gebäude, pirscht euch durch Gestrüpp an eure Ziele heran, öffnet Schatzkisten. Das Klettern geht immer noch eher vollautomatisch vonstatten. Mit eher subtilen Anpassungen hat Ubisoft jedoch etwas mehr Schleichelemente in vielen Missionen versteckt, die das Lösen manchmal zur kniffligen Sam-Fisher-Gedächtnis-Aufgabe mutieren lassen.

Das ist nicht weiter schlimm - im Gegenteil, sogar ziemlich spannend. Nur macht unserem Bestreben unentdeckt zu bleiben häufiger mal die Technik einen Strich durch die Rechnung. Sich hinter Säulen oder Mauern zu verstecken, scheitert teils an Clipping-Fehlern oder unsauber gestalteten Levels. Recht oft klettere ich deshalb bei der Verfolgung oder Flucht auch an Leitern oder Wänden hoch, an denen ich eigentlich vorbeirennen wollte. Feinheiten, die aber bisweilen den Spielspaß ins Genervtsein abdriften lassen können.

Das Kampfsystem bleibt darüber hinaus, abgesehen von der Einführung von nützlichen Blasrohren, überwiegend unangetastet. Assassin‘s Creed 4: Black Flag krankt aber an einem anderen Problem: Die "offene Spielwelt" entpuppt sich zunächst als ziemlich eingeschränkt. Obwohl wir praktisch von Beginn an mit Edward unterwegs sind, bleiben uns viele Bereiche des Abenteuers über zig Stunden versperrt. Das macht sich auch bei weiteren Inhalten bemerkbar: Wenn ich nach meinem eigenen Rhythmus spiele und bereits eine Menge Zaster angehäuft habe, kann ich mir trotzdem bestimmte Upgrades fürs Schiff nicht kaufen, weil ich noch nicht weit genug in der Hauptstory fortgeschritten bin. Fairerweise muss aber auch gesagt werden, dass Assassin‘s Creed 4: Black Flag selbst mit einer nicht völlig offenen Spielwelt noch etliche Betätigungsmöglichkeiten bietet.

Ach ja: Da "Black Flag" zu der ersten Garde von Games gehört, die auch für die Next-Gen-Konsolen herauskommen, sei so viel zur optischen Präsentation gesagt: Nach den Vorab-Eindrücken auf einer PS4 war ich schon ein bisschen enttäuscht. Zwar ist das Meer wunderhübsch animiert und auch die Weite der karibischen Inselwelten mitsamt der Ortschaften kommt atmosphärisch gut zur Geltung.

Assassin's Creed 4: Black Flag - Schwarze Flagge, schwarzer Bart - du Pirat?

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Nur selten sind die Enter-Manöver so spektakulär inszeniert wie auf diesem Bild. Da wäre mehr drin gewesen!
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Doch gerade Texturdetails ließen einiges zu wünschen übrig. Und das alte Problem der Assassin‘s-Creed-Macher sind einfach die Figuren. Viele haben den berühmten Stock im Allerwertesten oder Gliedmaßen, die nicht wirklich gesund aussehen. Die Current-Gen-Version zieht sich damit verglichen ganz gut aus der Affäre und hinterlässt einen homogenen Eindruck, der hinter aktuellen AAA-Produkten auf diesen Konsolen kaum zurücksteht.

Und dann gibt es ja noch den Mehrspieler-Modus. Niemand weiß, warum ein Spiel wie Assassin‘s Creed solche Gefechte benötigt. Und trotzdem gibt es sie. Aber auch hier soll Fairness walten, deshalb sei gesagt: Wenn man Mitspieler hat, die sich auf die Koop-Spielchen einlassen, dann kann es sogar spannende Partien unter Zeitdruck geben. Wenn aber nur einer ausschert, kann man den Spaß in die Tonne treten. Objektiv gesehen ist das also durchaus gut spielbar, subjektiv finde ich den Kram schlicht langweilig.