"Wir setzen die Story fort. Es ist nichts komplett Anderes.", sagt Producer Patrice Desilets schmunzelnd. Die Freude schimmert unübersehbar durch seinen wuchernden Drei- ... nein, wartet, doch eher Zwölftagebart. Noch hat er allen Grund dazu, wir sind ja schließlich auch die Allerallerersten, die auf der gamescom einen Abstecher in die Welt von Assassin's Creed 2 unternehmen dürfen. Mal sehen, ob er am Samstag auch noch so freudig grinst.

Aber zumindest die anfangs erwähnten Sätze glaub ich sofort. Das Bild ist schließlich auch ein herrlich gewohntes, nur mit Ezio statt Altair und Florenz statt Jerusalem. Hier oben hockt er, der Neuling, der ja eigentlich nie Assassine werden und gegen die Tempelritter kämpfen wollte, wie Desilets verrät. Welches Ziel er genau im Auge hat und warum er den leicht besohlten Weg des Attentäters einschlägt, bleibt weiterhin ein Geheimnis. Im Spielverlauf soll er jedenfalls charakterliche Änderungen durchmachen und so auch gegen Ende noch mit seinen Wesenszügen überraschen und als Figur interessant bleiben.

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Was macht man also, wenn man hier oben auf den letzten paar Zentimetern einer Holzplanke kauert und sich umguckt? Richtig: ins Staunen verfallen. Nicht mehr so wie damals beim ersten Teil, aber immer noch angenehm beschwipst von dieser Weitsicht, diesem tummelnden Haufen in den Straßen, dieser architektonischen Pracht. Zwar hat Ubisoft die Lebendigkeit der Stadt mit fegenden Händlern nur im Detail poliert, aber selbst der Blinde mit Filzbrille merkt sofort: Hier ist was los.

Assassin's Creed 2 - Mord auf der gamescom!

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Und rein ins Vergnügen!
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Dass die Geschichte fortgesetzt werden soll, heißt auch, dass immer wieder wabernde Hologramme und futuristische Zeichen in der Luft flackern, während Ezio nach und nach sein lückenhaftes Gedächtnis wiedererlangt. Spätestens, wenn man einen Taubenkäfig öffnet und der für Sekundenbruchteile eingestreute Sci-Fi-Bildfilter zum Vorschein kommt, bevor die Sicht wieder aufklart und der Blick die Dächer von Florenz sowie die rauchenden Schornsteine streift, dann weiß man: Das ist Assassin's Creed, wie es leibt und lebt.

Was dem Guten da genau die Birne zerfrisst, ist noch unsicher. Sagen wir einfach, er ist eine genauso arme Sau wie Altair. Und obwohl ihm die Assassinenfertigkeiten erst im Laufe des Abenteuers Stück für Stück eingeimpft werden, bleibt zu sagen: Wie ein unbeleckter Rookie sieht er nicht aus, als er da oben hockt. Ist er auch nicht, immerhin hat Ubisoft erfolgreich dort gefeilt, wo es nötig war, um den Spielfluss noch dynamischer zu machen.

Packshot zu Assassin's Creed 2Assassin's Creed 2Erschienen für PS3, Xbox 360 und PC kaufen: Jetzt kaufen:

Neues aus der Trickkiste des Assassinen

Die wesentlichen Aktionen bleiben dieselben wie im Vorgänger – genauso intuitiv und leichtgängig. Ezio richtet sich auf, wirft einen Blick nach unten und den Körper einer eben gemeuchelten Wache auf die Straße. Und hier sieht man, dass das letzte Fünkchen Glaubwürdigkeit noch immer in dieser Welt fehlt, die technisch entzückt und mindestens gleichauf mit dem Erstling liegt, wenn nicht sogar besser aussieht.

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Die grandiose Aussicht kann diese Wache nicht mehr genießen...
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Zwar blicken Passanten verdutzt um sich, aber kommt mal einer auf die Idee, den Kopf in den Nacken zu pressen und nach oben zu schauen, wenn eine Leiche aus sprichwörtlich heiterem Himmel im Getümmel aufschlägt? Nein. Vielleicht sind die Reaktionen noch nicht die finalen, vielleicht mögen auch das nur Kleinigkeiten in einem ansonsten prächtigen Gemälde sein. Doch sobald sich Ezio aus der wolkennahen Perspektive in einen Heuwagen stürzt, sind auch diese Ungereimtheiten wieder vergessen. Neu ist, dass er aus dem Schutze des Strohs zuschlagen, Templer nach hinten ziehen und gemein meucheln kann.

Wer den Taschendiebstahl im ersten Teil ob seiner Hürden zum Teufel gewünscht hat, wird sich außerdem wundern, wie unbefangen man durch die von wuselnden Passanten gefluteten Gassen streifen und einem nach dem anderen das Geld aus der Tasche ziehen kann. Interessant bleibt vor allem die Frage: Geht das immer so leicht vonstatten?

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Jetzt wären ein paar verbündete Söldner vermutlich äußerst hilfreich.
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Höchstwahrscheinlich nicht, wäre es doch ein Knacks in der Spannungskurve, könnte man Adeligen quasi im Vorbeigehen ihre gesammelten Reichtümer abluchsen. Wohin mit der Kohle? Wie wär's mit den Söldnern da hinten? Die nämlich schließen sich Ezio an und unterstützen ihn, wenn man genug klimpernde Glücklichmacher locker macht. Zum Beispiel, indem sie Wachen ablenken und ihrem Brötchengeber somit freien Zutritt zu wichtigen Orten verschaffen. Den Rest muss er zwar ohne seine Bluthunde schaffen, die im Kampfgetümmel die Klingen scheppern lassen, aber mithilfe seiner aufgebohrten Can-do-Liste ist er besser gerüstet als Altair damals.

Zwei gleichzeitig. Da guckste, wa?

Wenn man schon zwei aus den Ärmel schnippende Klingen hat, sollte man sie auch benutzen, oder? Ganz genau, und zwar gleichzeitig, damit es richtig schön wehtut. Das kriegen zwei mit dem Rücken zu uns stehende Templer am eigenen Leib zu spüren, als sich die spitzen Unheilbringer durch ihre Halsschlagadern bohren. Ihre kaum auf dem Boden aufgeschlagenen Körper müssen auch gleich zum stilvollen Fleddern herhalten, einem weiteren neuen Teil der überarbeiteten Assassin's-Creed-Mechanik.

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Gegen Geld schließen sich euch ein paar Kämpfer an.
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Reich wird man zwar nicht mit den paar Piepen, die sie abwerfen, aber Wurfdolche oder Rauchbomben kann man immer gut gebrauchen. Ihr könntet den letzten Teilsatz auch um etliche „oders“ erweitern, denn ganz oben auf der Entwickleragenda stehen immer noch multiple Lösungswege in Hinblick auf Probleme, Kämpfe, Aufträge. Desilets zeigt uns eine Nebenmission, die eine Zielperson, ihren Bodyguard und ein Fläschchen Gift beinhaltet.

Schnell, tückisch, grausam - auch wenn in den Kämpfen ein leichtes Déjà-vu-Gefühl die Runde machte und sich Ezio erzählerisch erst noch beweisen muss, freue ich mich riesig auf seine Premiere.Ausblick lesen

Mithilfe der Eagle-Vision-Funktion tränkt man die Szenerie in einen Wärmesichtgerät-ähnlichen Grafikfilter, auf den Sam Fisher neidisch wäre. Immerhin kann man sich in diesem altbekannten Modus neuerdings bewegen und sich den stechend leuchtenden Zielen bis auf wenige Zentimeter nähern.

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Natürlich kommt auch in Teil 2 die Akrobatik nicht zu kurz.
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Desilets entscheidet sich dafür, dem Leibwächter das Gift zu verabreichen, das er kurz zuvor bei einem Händler gekauft hat. Keine üble Idee: Der Hüne torkelt erschöpft zurück, schwingt mit letzter Kraft die Lanze um sich, erwischt eine Frau – das ist die Chance für Ezio, der sich im aufkommenden Chaos die eigentliche Zielperson schnappt. Man hätte das Ganze auch mit Rauchbomben lösen können. Oder einfach kämpfenderweise. Oder bestimmt noch auf etliche andere Arten. Verspricht zumindest der sichtlich begeisterte Desilets.

Der Lohn der Erkundung

Die in mehrere Städte und die ausladende italienische Toskana unterteilte Welt steht Abenteurern wieder nicht von Anfang an offen. Erst, wenn man fleißig Aufträge erfüllt und die Lücken der Story schließt, kommen neue Abschnitte hinzu, bevor man irgendwann auf eine gigantische mittelalterliche Spielwiese blickt. Neu sind hier unter anderem Innenabschnitte, staubige Gewölbe mit geheimnisvollen Inschriften und stimmungsvoller dynamischer Beleuchtung.

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Neu im Spiel: Fluggerät à la Leonardo da Vinci.
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Hier erinnert das Spiel fast ein wenig an Tomb Raider: Underworld oder das letzte Prince of Persia, wenn Ezio, von seinen flüssigen Animationen getrieben, über Plattformen springt, nach Balken greift, seitlich hangelt und an hängenden Blumentöpfen sogar um die Ecke schwingt. Es soll mehrere dieser Locations geben, wichtig zum Erledigen der Story ist jedoch nur eine einzige. Interessant bleibt hier das Rätseldesign: Bislang konnten wir nur ein bisschen Schaltergeschubse sehen.

Schön wäre, wenn Ubisoft in der finalen Version nachlegen und etwas umfangreichere Kopfnüsse anbieten könnte. Damit würde man sich auch dem dicken „Erledigt“-Häkchen in der To-do-Liste nähern, die nach Teil eins lauthals brüllte: „Wir brauchen mehr Variation in Sachen Nebenmissionen, verdammt!“

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Ezios Fluchten werden abermals spektakulär in Szene gesetzt sein.
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Und nicht zuletzt wurden die Verfolgungsjagden intensiviert. Ezio kann sich mitten im Sprint auf die Zielperson werfen, wenn er nah genug an ihr dran ist, und sie somit schnell und effektiv zu Boden ringen. Und was ist, wenn er selber die Häscher am Hacken hat? Dann könnte eine Hand voll Goldmünzen die Rettung sein, die man in eine Schar Passanten wirft. Ohne lange nachzudenken bildet sich schnell eine Menschentraube, in der man erstklassig untertauchen kann. Außerdem würde so das nervigste Element des ersten Teils eingedämmt: die an allen Ecken stehenden Bettler, die man ohne langes Gezeter mit einer kleinen Handbewegung einfach abspeist. Sollen die sich doch selber die Köpfe einschlagen.