Genau zwei Jahre nach der Veröffentlichung von Assassin's Creed erscheint nun der zweite Teil des guten, aber nicht überragenden Action-Adventures. Wer erinnert sich nicht an den gewaltigen Hype, der nicht zuletzt durch eine medienwirksam installierte Producerin namens Jade Raymond zusätzlich angeheizt wurde.

Auf derlei Ablenkungsmanöver verzichtete Ubisoft diesmal zwar, beschreibt Assassin's Creed 2 aber dennoch als "den größten Release der Firmengeschichte" und weckt damit erneut überbordende Erwartungen. Erste Frage: Kann das Spiel diesem immensen Druck standhalten? Zweite Frage: Wurden die Schwächen des Vorgängers ausgemerzt? Die Antworten findet ihr in unserem Review.

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Vom Mittelalter in die Renaissance

Statt im Mittelalter spielt sich das Geschehen nun in der Renaissance ab. Die Entwickler spinnen den Storyfaden 300 Jahre nach dem Einsatz von Altair fort, der in Assassin's Creed die Machenschaften der Templer durchkreuzte. Nun versetzt es euch ins Jahr 1476, wo ihr als Ezio Auditore in die Rolle eines Meuchelmörders schlüpft und den Kampf gegen eine finstere Verschwörung aufnehmt.

Assassin's Creed 2 - Meuchelmörder im Testlabor: Wird mit Teil 2 endlich alles gut?

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Neuerungen: Doppelklinge und Doppel-Kill in Aktion.
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Wie schon in der ersten Episode wird der Grundstein der Geschichte in der Gegenwart gelegt, wo ein gewisser Desmond Miles - gezwungenermaßen - immer noch einen Animus verwendet, um den rätselhaften Erlebnissen seiner Vorfahren nachzuspüren. Das Sequel setzt jedoch glücklicherweise auf deutlich weniger Einsätze in der Jetztzeit (bzw. 2012), was die Erzählung stringenter und flüssiger vorankommen lässt.

Assassin's Creed 2 ist spielbar, auch ohne den Vorgänger zu kennen und das ist dem Gamedesign auch deutlich anzumerken. Die Entwickler sind sichtlich bemüht, auch noch den letzten Neuling einzufangen und jeden kleinen Schritt des Spiels zu erklären. So werdet ihr von Beginn an an die Hand genommen und durch die ersten Stunden gelotst - ob ihr wollt oder nicht.

Packshot zu Assassin's Creed 2Assassin's Creed 2Erschienen für PS3, Xbox 360 und PC kaufen: ab 5,99€

Dadurch gestaltet sich der Spielablauf immer wieder recht zäh - eine Tutorialmission folgt auf die nächste, neue Features werden mit langatmigen Trainingsübungen eingeführt. Ein bisschen mehr Selbstständigkeit könnte man dem Spieler ruhig zutrauen.

Gewohntes Gameplay, neue Szenerie

Wer bereits Erfahrungen mit Assassin's Creed gemacht hat, wird sich von der ersten Sekunde an heimisch fühlen. An der Steuerung hat sich nur wenig geändert, die Spielfigur bewegt sich butterweich animiert über den Bildschirm und folgt allen Controller-Eingaben ohne zu murren. Teilweise entwickelt sie jedoch auch ein Eigenleben, wenn sie etwa akrobatische Kunststücke vollführt, wo wir es gar nicht wollen.

Viele Spielelemente sind uns bestens bekannt: Das Erklimmen von Häusern und Objekten geschieht nach wie vor halb automatisch, allzu viel Mühe oder Geschick erfordert die Besteigung der Häuser demnach auch in Assassin's Creed 2 nicht. Es ist kinderleicht die höchsten Aussichtspunkte zu erobern, nur gelegentlich grübeln wir über den optimalen Weg zur Spitze.

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Die enorme Weitsicht bietet immer noch phänomenale Postkarten-Panoramen.
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Auch anno 2009 ist der Blick über das Häusermeer jedoch atemberaubend schön, der (weichgezeichnete) Weitblick phänomenal. Die Szenerie hat sich jedoch grundlegend verändert, bietet die Hauptstadt der Toskana im 15. Jahrhundert doch einen völlig anderen Hintergrund als das Jerusalem im 12. Jahrhundert.

Das Sequel bietet mehr Spieltiefe und Abwechslung, ohne das bekannte Gamedesign über den Haufen zu werfen.Fazit lesen

Das lebendige Gewusel auf den Straßen der mittelitalienischen Stadt Florenz wurde den historischen Vorbildern angepasst und wirkt authentisch - soweit ich das beurteilen kann. Die nervenden Bettler des ersten Teils wurden durch Troubadoure ersetzt, die nicht minder auf den Geist gehen, aber deutlich weniger störend ins Spielgeschehen eingreifen und sich leichter abschütteln lassen.

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Ab sofort könnt ihr auch Söldner, Diebe und Kurtisanen anheuern, um euch die Kämpfe zu erleichtern.
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Ubisoft hat seinem hübschen Spiel eine äußerliche Renovierung spendiert und bietet erneut eine sehr hübsche Optik, hat jedoch zugleich den überwiegenden Teil der Spielmechaniken unangetastet gelassen. Während auf gravierende Änderungen größtenteils verzichtet wurde, gibt es jedoch eine ganze Reihe von Detailanpassungen, die sich durchaus auf den Spielablauf auswirken.

Mehr Spieltiefe

Beibehalten wurde z.B. das Open-World-Konzept, in das eine spannende lineare Story eingebettet wurde und euch zusätzlich eine Reihe von Nebenmissionen bietet. Die Geschichte um Macht, Rache und eine mysteriöse Verschwörung erscheint diesmal noch ausgefeilter erzählt. Die Entwickler haben sich sichtlich noch mehr Mühe gegeben, ein dramaturgisch überzeugendes Gesamtergebnis zu erzielen und können damit durchaus überzeugen.

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Auf Abenteurer und Entdecker warten einige knifflige Kletterpassagen.
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Den größten Kritikpunkten von Assassin's Creed - der geringen Spieltiefe und schematischen Missionsabläufe - begegnet man in erster Linie mit größerer spielerischer Freiheit und diversen optionalen Zusatzaufgaben. Das etwas starre Missionsdesign bleibt zwar in der Regel unangetastet und wirkt häufig generisch, und auch die Variationen sind leider sehr eingeschränkt. Mit Rennen, Kurier, Attentat und Schlägerei lockern auf den ersten Blick lediglich vier Nebenmissionstypen den Spielfluss auf.

Doch unter der Haube hat sich einiges getan. So könnt ihr nun bei fast all euren Aufträgen Verbündete anheuern, die euch unterstützen. Zum einen gibt es Söldner, die sich mit euch in Prügeleien und Kämpfe stürzen. Zum anderen beturteln und umschwärmen Kurtisanen Gegner so sehr, dass diese euren Helden ebenfalls passieren lassen. Ein Mittelding stellen Diebe dar, die zwar beides ganz gut beherrschen, aber nicht so spezialisiert und effektiv sind wie ihre Konkurrenten.

Ein sehr nützliches neues Feature ist auch das Werfen von einigen Geldmünzen, was nicht nur Passanten anlockt, die Unruhe stiften, sondern auch Wachen unaufmerksam macht. Apropos Geld: Das Zahlungsmittel Florin spielt eine große Rolle für viele neue Aspekte von Assassin's Creed 2.

Waffen- und Ausrüstungs- upgrades

Im Gegensatz zu Altair verfügt Ezio über eine Ausrüstung, die ihr im Laufe des Spiels anpassen könnt. Einzelne Rüstungsteile sind genauso ausbaufähig wie die Bewaffnung des Meuchlers, die ihr später beispielsweise um eine verborgene Doppelklinge, Gift, Rauchbomben, schwere Waffen oder eine Pistole erweitert. All das ist über ein bequemes Rad-Menü abrufbar, auch während der Kämpfe. Und sogar Medizin steht euch zur Verfügung.

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Heroes-Schnuckelchen Kristen Bell spricht Lucy...
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Ja, Ezio kann sich selbst heilen oder zu einem Arzt gehen, der ihn mit neuen Tinkturen versorgt und seine Wunden versorgt. Ein Schmied stellt neue Ausrüstungsteile bereit und repariert beschädigtes Inventar, Schneider haben Farben im Angebot. Der Personalisierung sind jedoch enge Grenzen gesetzt, das Angebot ist sehr eingeschränkt und auch vom Spielfortschritt abhängig. Zudem sind die Upgrades auch nicht unbedingt nötig, um das Spielziel zu erreichen - sie erleichtern es jedoch deutlich.

Geld verdient der Attentäter zum einen mit Aufträgen, Diebstahl, dem Plündern von Leichen, dem Aufspüren von Schatzkisten, dem Aufdecken von Geheimnissen oder Abfangen von Borgia-Kurieren, für das es zusätzlich Kohle gibt. Zum anderen dem Ausbau der Famillien-Villa. Die Villa Auditore in Monteriggioni dient als Rückzugspunkt, Hort der Ruhe und letzte Zuflucht. Eine Art Festung der Einsamkeit.

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...hier rechts im Bild. Auch die Handlung in der Zukunft wird in teil 2 weiter gesponnen.
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Darüber hinaus könnt ihr euer Geld auch in Upgrades investieren, die Renovierung und Eröffnung von Shops (wo ihr Rabatte erhaltet), die euch zusätzliche Einnahmen bescheren, die ihr wiederum in neue Gegenstände investiert. Wer wirklich alle verfügbaren Items freischalten möchte, kommt am Ausbau des Landguts in der Toskana nicht vorbei. Für die Story ist dieser "Aufbau"-Teil des Spiels jedoch irrelevant und das Wirtschaftssystem wirkt insgesamt etwas aufgesetzt.

Viele neue Neben- beschäftigungen

Ganz anders verhält es sich jedoch mit weiteren Nebenbeschäftigungen, z.B. der Suche nach 32 Kodex-Seiten, die überall in den Städten verteilt sind und die ihr auch als Belohnungen während der Story-Missionen erhaltet. Nur wenn ihr alle Teile findet und diese vom befreundeten Leonardo da Vinci dechiffrieren lasst, wird der Weg zum großen Finale freigeschaltet. Damit verbunden sind außerdem einige zusätzliche Upgrades wie eine Ausweitung des Lebensbalkens.

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Rollenspielaspekte erweitern den Spielablauf.
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Ubisoft versucht, das Open-World-Konzept mit einigen weiteren Zusatzaufgaben noch weiter zu vertiefen. So sind 20 Glyphensymbole versteckt, die sich nur mithilfe der "Adlerauge"-Fähigkeit (während der man sich nun übrigens frei bewegen kann) finden lassen und eine Reihe netter Puzzles und Rätsel bieten. Bei der Infiltrierung von Assassinen-Gräbern warten zudem einige spezielle und durchaus knifflige Klettereinlagen auf euch, die bisweilen an Prince of Persia erinnern und euch am Ende mit einem besonders mächtigen Rüstungsset für eure Mühen belohnen.

Assassin's Creed 2 bietet inhaltlich nicht nur mehr Abwechslung als sein Vorgänger, auch das Kampfsystem wurde etwas aufgebohrt. Während Altair sich mit recht simplen Mitteln zur Wehr setzte, verfügt Ezio über einige fortgeschrittene Kampftechniken. Diese erlauben es ihm, seine deutlich pfiffigeren und versierteren Feinde zu entwaffnen. Gab es zuvor nur eine sehr überschaubare Gegnerschar, die sich mit Konterattacken recht leicht in die Knie zwingen ließ, muss sich der florentinische Meuchler mit deutlich unterschiedlicheren und smarteren Kontrahenten auseinandersetzen, die nicht so einfach zu besiegen sind.

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Die Kämpfe fordern nun mehr Taktik.
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Vor allem einige schwer bewaffnete und gut gerüstete Widersacher wie der "Rohling" und unterschiedliche Waffenklassen machen euch das Leben schwer und verlangen nach entsprechend angepassten Kampf-Taktiken, wie Konter-Kills, Ausweichbewegungen und dazu einer großen Portion Timing. Oft ist es jedoch auch einfacher, sich aus dem Staub zu machen.

Die Verfolger abzuhängen gelingt nun viel schneller, da es meist genügt, aus dem Aufmerksamkeits-Radius der Wachen zu flüchten. Außerdem könnt ihr euch nun in fast jeder größeren Ansammlung von Passanten untertauchen und müsst nicht lange nach geeigneten Unterschlupfmöglichkeiten suchen.

Technische Hindernisse

In technischer Hinsicht hinterlässt Assassin's Creed 2 einen etwas zwiespältigen Eindruck. Die Spielwelt mit Städten wie Florenz und Venedig wirkt mit viel Liebe ausstaffiert, das Verhalten der NPCs ist ein Stück glaubhafter ausgefallen und lädt zum Erkunden ein. Unsere Testversion (PS3) ärgerte uns jedoch nicht nur mit immer wieder stotternder Framerate, die gerade bei schnellen Schwenks zutage traten. Es kam außerdem zu einigen Freezes, die einen Reboot der Konsole erforderliche machten.

Mit den Lineage-Kurzfilmen erzählt Ubisoft die Assassinen-Saga außerhalb der Spiele weiter.Nur teilweise überzeugen auch die Zwischensequenzen. Sie bieten zwar glaubhaft animierte Charaktere, doch die Figuren wirken kantig und sind mit grausam entstellten Händen ausstaffiert. Merkwürdig, dass das keinem der Entwickler aufgefallen sein soll und auch die Qualitätssicherung solche offensichtlichen Mängel übersieht.

Übrigens: PS3-Besitzer, die auch Assassin's Creed: Bloodlines (PSP) besitzen, können sich durch das Verbindungsfeature einige zusätzliche Belohnungen verschaffen sowie sechs weitere Waffen importieren.