Mit über sieben Millionen verkauften Exemplaren gilt Assassin’s Creed als die womöglich erfolgreichste neue Spieleserie der letzten Jahre – manche behaupten gar der ganzen Spielegeschichte. Doch trotz großen Erfolges, vieler begeisterter Fans und tollen Spielideen blieb ein fader Beigeschmack ob etlicher Kritikpunkte.

Alle Hoffnungen liegen nun auf Assassin’s Creed 2, besser zu machen, was genial hätte werden können. Bei unserem Besuch im kanadischen Montreal konnten wir uns bereits persönlich davon überzeugen, dass sich Ubisoft für den Nachfolger das Spielerfeedback zutiefst zu Herzen genommen hat (alle Infos in unserer Assassin’s Creed 2 Vorschau). Noch bestehende Zweifel konnte Creative Director Patrice Desilets, geistiger Vater von AC1 und 2, im Interview ausräumen.

gamona: Hallo, Patrice, schön dich wiederzusehen. Lass dir zunächst für die Wahl des Settings in AC2 gratulieren. Denn auch wenn der erste Teil seine Kritikpunkte hatte, habe ich ihn allein schon für das Szenario und den Style geliebt – aber der zweite Teil übertrifft das noch einmal.

Patrice Desilets: (erleichtert) Wow, danke, es ist so schön, auch mal so etwas zu hören. Die meisten Journalisten kommen hier rein und fangen erst einmal an, über den Vorgänger zu meckern. (lacht)

gamona: Um ein bisschen Mecker wirst du auch hier nicht drumrum kommen. Aber wie mir scheint sind euch die Kritikpunkte am Vorgänger sehr bewusst und ihr versucht alles, um sie diesmal zu vermeiden.

Assassin's Creed 2 - "Der Nachfolger bietet sehr viel mehr Abwechslung"

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Patrice Desilets ist Creative Director von Assassin's Creed 2.
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Patrice Desilets: Assassin’s Creed 1 war für uns alle eine völlig neue Erfahrung. Ein Open World Game mit einem Open Ending, vielen neuen Ideen, einer komplett neuen Marke. Als wir damit begonnen haben, hatten wir keinen blassen Schimmer davon, wohin die Reise geht. Beim zweiten Teil wussten wir schon viel genauer, womit wir es zu tun hatten. Das machte es viel einfacher, das Spielprinzip zu nehmen und zu sagen: OK, lasst es uns ähnlich, aber alles viel besser machen als beim letzten Teil. Im Moment bringen wir all das zusammen, was sich an neuen Ideen angesammelt hat, denn wir sind noch lange nicht fertig.

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"Mit Teil 2 ergibt das Ende des Vorgängers endlich Sinn"

gamona: An welchem Punkt seid ihr denn gerade in der Produktion?

Patrice Desilets: Wir sind genau mittendrin. Ich würde sagen, das Spiel ist zu ca. 80% fertig, und wir liegen gut im Plan. Es soll schließlich noch dieses Jahr erscheinen.

gamona: Und wann habt ihr damit begonnen?

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Mit den Arbeiten an Assassin's Creed 2 wurde noch vor Release des ersten Teils begonnen.
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Patrice Desilets: Mit der Konzeption haben wir im Januar 2008 angefangen, in die richtige Produktion ging AC2 dann letzten Winter. Nachdem Assassin’s Creed 1 fertig war, habe ich erstmal anderthalb Monate Urlaub genommen. Danach ging es auch schon los: Wir haben uns Gedanken über das neue Setting gemacht, uns das Spiel angeschaut und überlegt, was man hinzufügen oder anders machen könnte. Danach wurde ich Vater, weswegen ich noch mal fünf Wochen von Hause aus weiter am Konzept von Assassin’s Creed 2 gearbeitet habe. Als ich dann im März zurück war, ging es in die heiße Phase.

gamona: Ich weiß, dass Assassin’s Creed von Ubisoft von Anfang an als langfristige Marke konzipiert war, und das offene Ende des ersten Teils fordert ja geradezu einen Nachfolger ein. Dennoch war das Spiel riskant und hätte auch leicht floppen können. Wann war für euch klar: Es wird definitiv einen zweiten Teil geben?

Patrice Desilets: Wir hatten auch lange unsere Bedenken, doch bereits an den Vorbestellungen war abzusehen, dass das Spiel ein Erfolg werden würde. Als dann die ersten offiziellen Verkaufszahlen kamen, waren wir selbst erstaunt. Mittlerweile hat sich AC1 sieben Millionen Mal verkauft.

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Rekordverdächtig: An Assassin's Creed 2 arbeiten an die 450 Personen.
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Aber du hast Recht, Assassin’s Creed war von Anfang an als Serie ausgelegt. Deshalb haben wir den Animus erfunden, diese fantastische Maschine, durch die du das Leben eines deiner Vorfahren erleben kannst. Das gibt uns unermessliche Möglichkeiten. Ein Assassin’s Creed-Spiel kann zu jeder Zeit und an jedem Ort der Welt spielen.

In dieser Hinsicht ist der zweite Teil viel wichtiger als der erste, weil er die Geschichte des Vorgängers erst komplett macht. Ohne AC2 würden zahlreiche Handlungsstränge von AC1 ins Leere laufen.

gamona: …vor allem das kryptische Ende.

Patrice Desilets: Das Ende wird definitiv einen Sinn ergeben. Doch natürlich wird auch AC2 Fragen offen lassen – wie eben gesagt, handelt es sich im Gunde um ein Spiel, das niemals endet. Es wird immer Erzählstränge geben, die wir abschließen und andere, die im nächsten Spiel fortgeführt werden.

"Ich verstehe mich als Geschichtenerzähler"

gamona: Wie die Rahmenhandlung um Desmond Miles, den Nachfahren der Assassinen in der Gegenwart. Ich habe gehört, dass er in Assassin’s Creed 2 wieder mit dabei ist.

Patrice Desilets: Desmond ist definitiv mit dabei. Seine Geschichte wird fortgeführt, und er wird dieses Mal eine größere Rolle spielen als im Vorgänger. Er wird um einiges aktiver sein – ich darf aber noch nicht mehr ins Detail gehen.

gamona: Wird er über Assassinenfähigkeiten verfügen, wie es am Ende von AC1 schon angedeutet wurde?

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Wie Altair ist Ezio ein Vorfahre von Desmond Miles.
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Patrice Desilets (wiederholt grinsend im selben Tonfall): Ich darf aber noch nicht mehr ins Detail gehen. Was ich aber sagen kann ist: Er wird nicht mehr einfach nur herumspazieren.

gamona: Einer der Entwickler hat mir erzählt, dass er sein Gefängnis / Labor dieses Mal verlassen wird.

Patrice Desilets: Wenn er das sagt. (lacht) Die Chancen dafür stehen nicht schlecht.

gamona: Du bist aber auch ein Geheimniskrämer. Schon bei Assassin’s Creed 1 hast du die Hintergrundgeschichte bis zum Release unter Verschluss gehalten.

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"Die Story sollte der Spieler erst beim Spielen erfahren."
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Patrice Desilets: Richtig, ich bin der Meinung, dass die Story etwas ist, das die Spieler erfahren sollten, während sie spielen. Ich verstehe mich als Geschichtenerzähler, und das Spiel ist mein Medium. Würden die Spieler schon alles kennen, wäre mir das Vergnügen genommen, sie so zu erzählen, wie sie erzählt werden muss. Es ist wie bei einem Film: Wenn du schon die Geschichte kennst, vielleicht sogar das Ende weißt, verdirbt dir das die gesamte Erfahrung.

"Die Renaissance war eine aufregende Zeit"

gamona: Dann lass uns stattdessen über das neue Setting sprechen. Du hast vorhin erwähnt, nach AC1 hättet ihr verschiedene Szenarien in Betracht gezogen. Welche kamen da in die engere Auswahl?

Patrice Desilets: Die Menschheitsgeschichte ist so groß – im Prinzip hätte jede Epoche gepasst. Hast du eine Lieblingsepoche? Sag sie mir, dann machen wir ein Assassin’s Creed daraus.

gamona: Oh, das wäre Klasse! Ich denke darüber nach und schick dir eine E-Mail.

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Der Renaissance-Look ist stilprägend für AC2.
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Patrice Desilets: (lacht) Mach das! Nun, wir haben eine Woche verschiedene Möglichkeiten gedanklich durchgespielt und uns dann für die Renaissance in Italien entschieden, weil es eine sehr aufregende Zeit war. Es gab z.B. Leonardo Da Vinci, eine sehr inspirierende Persönlichkeit, nicht umsonst taucht sie in bekannten Büchern und Filmen auf – ich nenne keine Namen. (lacht) Es passt sehr gut in unser Konzept der Verschwörungstheorien. Auch die Städte Italiens wie Venedig und Florenz sind schlicht atemberaubend und perfekt für unser Open-World-Gameplay geeignet.

Wir hätten uns auch für Eskimos entscheiden können, aber eine Eskimostadt wäre nicht wirklich geeignet für unseren Free-Climbing-Ansatz. Doch Florenz ist ein wenig ähnlich wie Akkon und Damaskus aus AC1. Außerdem gab es zu dieser Zeit viele bekannte historische Persönlichkeiten, nicht nur Da Vinci, sondern auch Machiavelli, die Medici, Michelangelo… Das machte es ideal für eine spannende Hintergrundgeschichte.

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Die Entwicklerbüros bei Ubisoft Montreal erstrecken sich ins schier Unendliche.
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Hinzu kommt: In Assassin’s Creed geht es immer auch um bedeutende Momente in der Historie. Und die Renaissance markiert eine grundlegende Veränderung in so vielen Bereichen der Gesellschaft: Es war der Beginn unseres heutigen Bankensystems, der Mafia, wenn man so will.

Es war der Moment, als der Mensch ins Zentrum des gesellschaftlichen Denkens an die Stelle von Gott rückte – im Gegensatz auch zu Assassin’s Creed 1, wo es um Gott und die Kreuzzüge ging. Florenz war ein bisschen das „Love and Peace“-Zentrum der damaligen Zeit. Hier regierte die Kunst, Musik, hier kamen moderne Werte wie Freiheit und der Wunsch nach Selbstverwirklichung auf.

Und zu guter Letzt habe ich als Teenager eine lange Zeit in Italien, genauer gesagt in Neapel, gelebt, und dieser Abschnitt meines Lebens hat mich sehr geprägt. In dieser Hinsicht arbeite ich mit Assassin’s Creed 2 auch ein wenig mein eigenes Leben auf. Ich habe das Gefühl, ich schließe damit ein Kapitel ab, das ich vor zwanzig Jahren begonnen habe.

gamona: Klingt so, als wärst du ein echter Historienfan.

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Seine Begeisterung für Geschichte erbte Patrice von seiner Mutter.
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Patrice Desilets: Das stimmt. Meine Mutter hat an der Universität viel mit Geschichte zu tun gehabt und mich mit ihrer Begeisterung dafür angesteckt. Es gibt in und um Montreal mehrere historische Forts, und sie hat früher häufig Führungen dorthin geleitet.

Aber ich begeistere mich auch für andere Dinge, Sport, Spiele, insbesondere auch Science-Fiction-Romane. Assassin’s Creed ist die perfekte Möglichkeit, all meine Interessen miteinander zu verbinden.

Der Mensch kontrolliert alles - außer der Zeit

gamona: Stichwort: Science Fiction. Du scheinst eine besondere Faszination für Zeitreisegeschichten zu haben. Vor Assassin’s Creed hast du ja auch an dem Playmobil-Spiel Hype: The Time Quest gearbeitet.

Patrice Desilets: (lacht) Ja, das war mein erstes Spiel. Ich nenne es gerne: mein Chrono Trigger für Kinder. (lacht) Aber du hast Recht: Zeitreisen faszinieren mich. Denn die Zeit ist das Einzige, das der Mensch nicht kontrollieren kann. Alles andere können wir kontrollieren, mittlerweile selbst das Wetter, aber die Zeit: niemals. Sie schlüpft uns durch die Finger. Wir sind uns gewahr, dass wir eines Tages sterben werden, und das macht uns wahnsinnig. Oder wir haben etwas getan, sehen Freunde sterben, sagen dumme Sachen im Interview (lacht) und würden es gerne rückgängig machen, können es aber nicht. Oder wir haben etwas nicht getan, wie dieses Mädchen auf der Straße ansprechen – aber die Chance ist vorbei und wird nicht wiederkehren.

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"In Assassin's Creed geht es nicht um Zeitreisen!"
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Aber nur fürs Protokoll: In Assassin’s Creed geht es nicht um Zeitreisen! Es geht darum, die Erinnerungen eines Vorfahren erneut zu durchleben. Gut, das ist ein wenig Korinthenkackerei, aber wesentlich für die Serie. Es definiert die Verbindung, die zwischen Desmond und seinen Vorfahren herrscht. Vielleicht würde Desmond alles anders machen als Altair oder Ezio – z.B. würde er sicherlich nicht so kaltschnäuzig Leute töten. Aber er hat nicht die Wahl, weil es nicht sein Leben, sein Charakter ist.

gamona: Dann beschreib doch mal Ezios Charakter.

Patrice Desilets: Er gehört einer italienischen Adelsfamilie an. D.h. im Gegensatz zu Altair aus dem ersten Teil hat er zu Beginn keine Ahnung davon, wie das Leben als Assassine aussieht. Er weiß nichts über die Assassinengilde oder die Verschwörungen im Hintergrund. Aber dann geschieht etwas, das sein Leben auf dramatische Weise verändert. Und der einzige Weg für ihn zu überleben ist, ein Assassine zu werden. Er lernt gewissermaßen gemeinsam mit dem Spieler, was es bedeutet, ein Assassine zu sein und seine Fähigkeiten zu entdecken.

gamona: Dabei spielt auch Leonardo Da Vinci eine wichtige Rolle…

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Leb wohl, Altair! Ezio ist der neue Held von Assassin's Creed.
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Patrice Desilets: Ja, Leonardo Da Vinci rüstet Enzio nach und nach mit neuen Gerätschaften aus. Du hast in der Präsentation bereits das Fluggerät und die Schießpulverwaffe gesehen – und es wird noch zahlreiche Dinge mehr geben. Leonardo ist ein wenig wie Q in den James-Bond-Filmen – nur dass er mehr als nur eine kleine Szene haben wird. Er spielt eine zentrale Rolle im Leben von Ezio. Die beiden sind dicke Freunde von Kindheit an.

Was die Figur besonders spannend macht, ist, dass wir Leonardo in Assassin’s Creed 2 als jungen Mann von 26 Jahren erleben, der noch seine Erfahrungen machen und die Reputation erlangen muss, die ihn Jahre später zur Legende machen wird. Heute kennen wir ihn nur von den Gemälden, auf denen er als alter, gesetzter Mann zu sehen ist. In AC2 ist er nicht der „Mad Scientist“, sondern ein junger Hitzkopf, der seinen Spaß im Leben hat.

Zahlreiche Verbesserungen

gamona: „Spaß“ bringt uns zurück zum Thema: Wie seid ihr mit der Kritik an Assassin’s Creed 1 umgegangen? Wie wollt ihr die Fehler vermeiden und sicherstellen, dass Teil 2 mehr Spaß macht?

Patrice Desilets: Zunächst waren wir froh, dass die meisten der Meinung waren, Assassin’s Creed sei ein gutes Spiel gewesen. Als Nächstes haben wir genau auf die Kritikpunkte gehört. Denn mit AC2 wollten wir nicht einfach nur das gleiche Spiel mit anderem Setting machen.

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Seine Begeisterung für Geschichte erbte Patrice von seiner Mutter.
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Im ersten Teil haben wir dem Spieler zu viele Freiheiten, aber zu wenig zu tun gegeben. Also haben wir bestimmte Änderungen vorgenommen: Wir erklären nun dem Spieler sehr viel besser, wie das Spiel funktioniert. Er macht nun nicht immer nur dasselbe: In AC2 entwickelt sich der Charakter nach und nach in verschiedene Richtungen und erhält ständig neue Gadgets und Fähigkeiten.

Zweitens haben wir die Struktur des Spiels komplett verändert. Nicht nur die Nebenmissionen waren ja ein Problem, sondern auch, dass der Spieler von Anfang an jedes kleine Detail über den Spielverlauf wusste: Es ging darum, eine Reihe von Bösewichtern zu ermorden, bis am Ende der Erzschurke auf einen wartete – es gab in dieser Hinsicht keine Überraschungen mehr.

Auch die Spielstruktur wiederholte sich fortwährend. Wir nennen das intern das „Salami-Design“: Auskundschaften, Attentat, Flucht – es war immer dasselbe, Scheibchen für Scheibchen. Das haben wir grundlegend geändert; dieser Teil existiert nicht mehr. Es ist nun flüssiger, offener, abwechslungsreicher. Du hast nun viel mehr das Gefühl, Teil eines großen Abenteuers zu sein.

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Die Anzahl der Nebenmissionen wurde auf 16 erhöht.
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Außerdem haben wir die Anzahl der Nebenmissionen auf 16 erhöht, die nun auch sehr viel umfangreicher sind. Es gibt beispielsweise Eskortmissionen, Attentatsmissionen usw. Desweiteren sind sie dynamischer ins Spiel integriert: Du kannst sie nun frei in der Welt annehmen und erhältst Geld oder Fähigkeiten dadurch.

Die Nebenmissionen basieren nun auch viel mehr auf den Fähigkeiten des Charakters – es geht nicht mehr nur darum sich mal eben auf eine Bank zu setzen. Ein Beispiel: In Assassin’s Creed 2 hast du die Möglichkeit, einen toten Gegner aufzuheben und umher zu tragen. Es gibt eine Nebenmission, die ganz auf dieses Feature zugeschnitten ist.

Eine weitere grundlegende Neuerung ist das Wirtschaftssystem: Du bekommst nun Geld und kannst dir neue Ausrüstungsgegenstände dafür kaufen. Das ändert die Spielerfahrung vollkommen. Vor jeder Mission musst du dich nun mit den passenden Gegenständen ausrüsten – das ist schon wie eine Nebenmission in sich. Deine Entscheidungen, die Entscheidungen des Spielers bekommen so ein viel größeres Gewicht für die individuelle Spielweise.

"Assassin's Creed ist kein Street Fighter"

gamona: Auch das Kampfsystem wurde ja für den zweiten Teil stark überarbeitet. Vielen Spielern von Assassin’s Creed 1 war es zu simpel.

Patrice Desilets: Das ist nicht von der Hand zu weisen, allerdings musst du bedenken, dass unter den sieben Millionen Käufern von Assassin’s Creed 1 nicht nur Core-Spieler waren. Die Gelegenheitsspieler mochten das unkomplizierte, dafür sehr spektakuläre Kampfsystem von AC1 sehr wohl, weil sie eben nicht erst massenweise Kombos erlernen mussten, um mit dem Spiel klarzukommen. Assassin’s Creed ist eben kein Street Fighter.

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Auch das Kampfsystem wurde stark verbessert.
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Assassin’s Creed 2 basiert auf dem Kampfsystem des ersten Teils, bietet aber viel mehr Abwechslung, beispielsweise durch neue Gegner und unterschiedliche Taktiken, die du für sie benötigst. Faustkämpfe werden sehr viel wichtiger: Du kannst nun auch deine Gegner entwaffnen.

Das Problem im ersten Teil war: Wir haben einen Assassinen erschaffen, der sich mehr wie ein Krieger anfühlte. Er hatte immer schlagkräftige Waffen bei sich und war stets bereit zum Kampf. In AC2 ist er nun wahrlich ein Assassine. Das bedeutet nicht, dass es keine Kämpfe mehr geben wird, wenn es hart auf hart kommt, aber wir zwingen den Spieler sehr viel mehr dazu, wie ein Assassine zu denken und zu handeln.

gamona: Wie soll das konkret aussehen? In Assassin’s Creed 1 gab es ja zwar auch etliche Möglichkeiten mit Konflikten umzugehen (fliehen, verstecken, kämpfen), aber in der Regel war der Kampf die einfachste Lösung.

Patrice Desilets: Ausgewogenheit ist definitiv unser Ziel hierbei. Die Flucht wird beispielsweise in vielen Fällen die bessere Alternative sein. Wir haben hierfür eine Lösung gefunden, aber ich befürchte, ich darf dir zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts darüber verraten.

gamona: Dann eben beim nächsten Mal. Patrice, vielen Dank für das Gespräch.

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