Wahre Schönheit kommt von Innen - so lautet ein Sprichwort. Auf Assassin's Creed trifft eigentlich das Gegenteil zu, denn das mittelalterliche Action-Adventure fasziniert vor allem mit einer wundervollen Optik, überzeugt jedoch nicht hundertprozentig mit seinen inneren Werten. Daher verpasst das Spiel zwar eine absolute Spitzenwertung, trotzdem sollte man es sich keinesfalls entgehen lassen. Was wir auf unserem Kreuzzug zum Glück alles erlebt haben, entnehmt ihr am besten dem Reisebericht unseres Nahost-Korrespondenten.

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Reise in die Vergangenheit

Mit Assassin's Creed begibt man sich auf eine Reise in die Vergangenheit, in die Zeit des Dritten Kreuzzugs im 12. Jahrhundert - angeführt von Richard Löwenherz. Dort betätigt man sich als geheimnisvoller Attentäter namens Altair und durchstreift Städte wie Damaskus oder Jerusalem.

Assassin's Creed - Ein Meisterwerk mit leichten Rissen: Trotz genialer Ansätze verfehlt Altair den Meilenstein.

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Aus dem Leben eines Assassinen: ans Ziel anschleichen und zuschlagen.
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Doch das ist nur eine Seite der Medaille. Was bisher unbekannt war, ist die Tatsache, dass die Hintergrundgeschichte eine Überraschung offenbart, die einen Bezug zur Gegenwart herstellt. Welchen Kniff man sich dafür bei Ubisoft ausgedacht hat, wollen wir an dieser Stelle nicht verraten. Interessant ist der gewählte Ansatz auf der einen Seite schon, andererseits wird man dadurch leider auch aus dem Fluss der eigentlichen Story um unseren Attentäter gerissen - aber das ist möglicherweise nur Geschmackssache.

Wenn das Wort Geschmeidigkeit einer Personifizierung benötigt, dann ist das ab sofort wohl mit dem Helden des Spiels, Altair, gleichzusetzen. In der PR-Broschüre zu Assassin's Creed wird von unglaublichen 1.000 Kampfanimationen und über 6.000 akrobatischen Animationen berichtet - was anfänglich ein wenig unglaubwürdig klingt.

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Die Aussicht ist wahrlich atemberaubend.
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Und doch vermag die absolut flüssige Animation der Bewegungen des von euch gesteuerten Assassinen von Beginn an zu überzeugen. Ob man sich durch die orientalischen Menschenmassen windet, an den groben Wänden der Städte entlangkraxelt (was übrigens fast automatisch vonstatten geht), sich in Kämpfe gegen Kreuzritter wirft oder Todessprünge aus luftigen Höhen hinlegt. Alles wirkt sehr organisch, natürlich - einfach authentisch. Dieser famose Eindruck wird noch deutlich verstärkt durch das atemberaubende mittelalterliche Ambiente der Städte.

Tolle Aussicht hier!

Optisch ist Assassin's Creed einfach eine Wucht die unheimlich beeindruckt und von der ersten Minute an in seinen Bann zieht. Zum einen werdet ihr von einer tollen Weitsicht umschmeichelt, wenn ihr über den Dächern der Stadt ihre Aussichtspunkte erkundet und eure Tötungsaufträge vorbereitet. Die ihren originalen Vorbildern nachempfundenen Städte liegen euch in diesen Momenten zu Füßen, sie wirken lebendig und die vielen Details der Sandsteinbehausungen sorgen dafür, dass eure Blicke lange auf ihnen verweilen. Mit jedem erkundeten Aussichtspunkt erschließen sich euch zusehends mehr Viertel und Orte, womit auch gleichzeitig eure Bewegungsfreiheit wächst. Davon abgesehen sind euch nur sehr wenige Einschränkungen gesetzt, was bei der Erfüllung der Missionen nur von Vorteil ist.

Diese Aufträge erhaltet ihr in der Festung von Maysaf, wo euch der Vorsteher des Assassinen-Ordens zwar zunächst wegen eines Vergehens aller Ränge beraubt, trotzdem aber noch eine Chance zur Bewährung gibt. Ins Visier geraten vermögende Kaufleute wie in Ungnade gefallene Ritter, die sich gegen die Bevölkerung versündigen. Sobald ihr einen Attentatsauftrag erhaltet, macht ihr euch auf den Weg in die großen Städte Damaskus, Jerusalem oder Akkon und schwingt euch dafür auf ein Pferd. Bei euren ersten Reisen zu diesen Städten erkundet ihr diese Wege zunächst - wenn ihr später für weitere Missionen an diese Orte zurückkehrt, wird die Reisezeit stark verkürzt.

Killer Nr. 1

Was nun folgt, steht im Mittelpunkt des Spielgeschehens - die Ausführung der Mordaufträge selbst. So frei die Welt von Assassin's Creed vorzugeben scheint, merkt man spätestens nach dem dritten "Kill", dass sich Vieles sehr schematisch abspielt. Sobald ihr den Zielort erreicht, habt ihr zwar die Möglichkeit Bürgern zu helfen und sie gegen die Übergriffe der Stadtwachen zu beschützen. Wenn ihr euer Ziel ausschalten wollt, geht ihr aber nach immer demselben Schema vor: Am Anfang steht die Einholung von Informationen über das Ziel, indem ihr Informationen stehlt, Informanten bespitzelt oder Befragungen durchführt, bei denen durchaus auch Gewalt angewendet wird. Sobald ihr ein Mindestmaß an Infos gesammelt habt, bekommt ihr vom ortsansässigen Kontaktmann die Freigabe für das Attentat.

Assassin's Creed - Ein Meisterwerk mit leichten Rissen: Trotz genialer Ansätze verfehlt Altair den Meilenstein.

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Erst wenn ihr die Lage ausgekundschaftet habt, dürft ihr euch ans blutige Tageswerk machen.
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Eure Ziele verschanzen sich zumeist hinter dicken Gemäuern und umgeben sich darüber hinaus mit einer ganzen Meute von Leibwächtern. Daher ist es in der Regel nicht so einfach, das Attentat unbehelligt oder ungesehen auszuführen. Das gehört aber auch nicht zu den Voraussetzungen. Wie ihr eure Aufträge erfolgreich gestaltet, bleibt ganz euch überlassen. Ob ihr beispielsweise erst alle Bogenschützen auf den Dächern eliminiert oder euch nach den automatisch ablaufenden Story-Sequenzen sofort auf den Unglücklichen stürzt, liegt ganz bei euch.

Natürlich kommt auch an dieser Stelle das Kampfsystem zum tragen, schließlich setzt ihr nicht etwa Gift ein, sondern kalten Stahl. Und dazu müsst ihr dicht an eure Opfer ran. Also müsst ihr euch oft genug in den Nahkampf begeben und eure Fähigkeiten ausspielen, wobei es einem das Spiel allerdings relativ leicht macht.

Assassin's Creed hat das Zeug zum Spiele-Meilenstein, nutzt das Potenzial aber nicht aus.Fazit lesen

Einseitige Missionen

Zwar erweitern sich eure Fertigkeiten mit jedem zurückerhaltenen Rang, eigentlich genügt aber schon allein die mächtige Konterfähigkeit (die man ziemlich früh im Spiel erhält), um praktisch alle Auseinandersetzungen recht problemlos für sich zu entscheiden - auch gegen ein Dutzend von feindlichen Schergen. Dabei genügt ein schneller Knopfdruck, um attackierenden Feinden mit einer von vielen geskripteten Animationen den Garaus zu machen. Sieht gut aus und macht auch Spaß, wird aber auf Dauer zu eintönig und ist auch einfach zu leicht.

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Nach dem Anschlag tarnt ihr euch inmitten von Gelehrten.
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Trotz dieser herausragenden Fähigkeiten will man sich aber natürlich nicht mit hunderten von Stadtwachen schlagen, daher tritt man irgendwann den Rückzug an und nimmt die Beine in die Hand. Etwas, das Altair auch besonders gut beherrscht. Mit seinen flinken Bewegungen ist er seinen Verfolgern meist deutlich überlegen, zumal sich die KI-Soldaten in der Regel nicht allzu intelligent anstellen und ihn schnell aus den Augen verlieren.

Hat man ein wenig Abstand zwischen sich und seine Verfolger gebracht, genügt beispielsweise der Sprung in einen Heuhaufen oder einen Dachgarten, um die hinterher hechelnden Soldaten abzuschütteln. Apropos Heu: Besonders spektakulär sind übrigens die Todessprünge Altairs anzusehen, wenn er sich von den turmhohen Aussichtspunkten in die Tiefe stürzt und sanft im Heulager landet - das hat schon was!