Im sonnigen US-Staat Kalifornien, genauer gesagt in der Stadt Irvine, befindet sich das Studio des Spieleentwicklers Obsidian Entertainment. Vielen wohl eher als RPG-Schmiede bekannt, zeichnet sich Obsidian ebenso für die Entwicklung des kostenlosen Panzer-MMOS Armored Warfare verantwortlich. Wir wurden zu einem Studiobesuch eingeladen und geben euch in diesem Artikel einen Einblick hinter die Kulissen. Außerdem verraten wir euch, was wir über die Entwicklung und die Zukunftspläne von Armored Warfare erfahren haben.

Armored Warfare - gamescom 2014

In der Stadt Irvine im US-amerikanischen Bundesstaat Kalifornien befindet sich inmitten von hohen Palmen und gegenüber einer fulminanten Shopping Mall ein nach außen hin unscheinbares Bürogebäude. Zu jeder Tageszeit herrscht reges Treiben rund um den verglasten Betonblock und die Stadt scheint niemals zum Schlafen zu kommen. Von Videospielen ist auf den ersten Blick keine Spur zu sehen, doch innerhalb der Mauern passiert in den Augen von Gamern Zauberei: Das Entwicklerstudio Obsidian Entertainment hat dort ein Studio bezogen und verwandelt Programmcode in aufregende Videospiele. Obsidian Entertainment ist der Spielergemeinde durch Blockbuster wie Star Wars: Knights of the Old Republic 2: The Sith Lords, Neverwinter Nights 2, South Park: Der Stab der Wahrheit oder Fallout: New Vegas bekannt. Aktuell arbeitet das Studio an den beiden Free2Play-Titeln Skyforge und Armored Warfare. Und um uns ein Bild von Armored Warfare machen zu können, lud der russische Publisher My.com uns zu einem Besuch in die "heiligen Hallen" von Obsidian ein.

Armored Warfare - Das bessere World of Tanks? Studiobesuch bei Obsidian Entertainment

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Eines der beliebtesten F2P-Titel des Jahres: Armored Warfare.
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Die Tore zur Spieleschmiede öffnen sich

Als wir die Tür zum Studio durchschreiten, erwartet uns eine ganz andere Welt: Lebensgroße Statuen von Videospielecharakteren, Poster und Bilder an den Wänden, Plüschfiguren verschiedener South-Park-Figuren, ein alter Pinball-Apparat und viele weitere Gamer-Gimmicks sind überall verteilt. Sofort fühlen wir uns hier wohl und gut aufgehoben. In den weitläufigen Büroräumen herrscht keine Hektik. Zunächst geht es für uns in einen Besprechungsraum, wo wir ein Analysetool von Armored Warfare präsentiert bekommen, welches die Bewegungen der Spieler und das Aufkommen auf den Karten abbildet. Heatmap ist dafür der Begriff, den uns der freundliche Programmierer nennt. Die Heatmap diene dazu, herauszufinden, welche Wege die Spieler auf den Maps einschlagen. Ein besonderes Augenmerk wird dabei darauf gelegt, ob gewisse Abschnitte zu nachteilig oder im Gegenteil von zu großem Vorteil sind.

Es gilt, das Spiel so auszubalancieren, dass jede Faktion und jeder Spieler, die selben Chancen hat und das Game somit fair abläuft. Ein Team widmet sich alleine der Auswertung dieser Daten und des Spielerfeedbacks. Diese Angaben werden dann von einem anderen Team benutzt, um beispielsweise eine Map umzumodellieren – hier ein Stein, dort ein Hügel. Campen oder übermäßig vorteilhafte Topographie soll es bei Armored Warfare nicht geben. Das trübe den Spielspaß und dieser sei von enormer Wichtigkeit.

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So unterschiedlich die Karten auch sind, Balancing ist den Entwicklern das wichtigste.
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Wir verlassen den Besprechungsraum und werden in ein Büro geführt, das einem vorbildlichen Gamer-Zimmer in fast nichts nachsteht. Es ist recht dunkel und indirekte Beleuchtung in allen Farbvariationen lässt eine gewisse Gemütlichkeit aufkommen. Trotzdem wird hier intensiv gearbeitet. An die 15 Männer und Frauen sitzen oder stehen an ihren Arbeitsplätzen und erschaffen digitale Panzer. Damit das Spielgefühl so real wie nur möglich wird, befinden sich mal hier, mal dort Fachbücher. In diesen werden die Kriegsgeräte genauestens erklärt und abgebildet. Eine Vorlage für die digitalen Pendants von Armored Warfare.

Über 100 Programmierer, Designer, digitale Künstler und weitere kreative Köpfe arbeiten insgesamt im kalifornischen Studio in Irvine daran, dass wir Panzerschlachten in Armored Warfare, dem selbsternannten "Panzer-MMO", genießen können. Es ist schon 19:30 Uhr Ortszeit und selbst zum Zeitpunkt unseres Besuches, zu späterer Stunde, wird hier noch fleißig gearbeitet.

Wie finanziert sich der kostenlose Panzerspaß – Echte Kriegsvetaranen und Panzer-Enthusiasten als finanzieller Motor

Armored Warfare ist prinzipiell kostenlos. Trotzdem besteht die Möglichkeit, im Spiel echtes Geld loszuwerden. Durch eine Premium-Mitgliedschaft beispielsweise. Oder durch den Erwerb von einzelnen Panzern oder optischen Gimmicks. Und hier liegt laut Obsidian der Schlüssel zum Erfolg. Während sich europäische Spieler eher zurückhalten, was Echtgeldinvestitionen angeht, sind Russen und US-Amerikaner eher bereit, den einen oder anderen Rubel oder Dollar ins Spiel zu schießen. Gerade in den USA soll es Spieler geben, die gerne bereit sind mehrere Hundert Dollar auf einmal zu lockern. Dabei handelt es sich beispielsweise um echte Kriegsveteranen, die ihren Dienst beendet haben, oder aufgrund von Kriegsverletzungen an den Nagel hängen mussten. Manche davon, so wie auch Anthony Davies, der leitende Programmierer von Obsidian, waren Panzerschützen und kennen die Schlachtgefährte in- und auswendig. Für sie stellt ein detailgetreu nachgebildeter Panzer in einem realistischen Spiel ein Bezug zum eigenen Leben dar. Ein Tor zur Vergangenheit und Reaktor der Nostalgie, wenn wir so wollen.

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Das Spiel lebt von seiner Detailtreue.
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Davies war vormals selber bei der US-Army und fuhr Panzer. Aus seiner aktiven Karriere brachte er ein abgefeuertes Panzerprojektil mit, dass er uns im Konferenzraum sichtlich stolz präsentiert. Wir staunen über die schiere Größe der übriggebliebenen Hülle. Der explosive Sprengkopf fehlt natürlich – wir sind über diesen Umstand mehr als erfreut und fühlen uns erleichtert. Was für eine Kraft und Zerstörungsgewalt wohl in dieser Waffe gesteckt haben muss? Doch das ist nicht das einzige Andenken an die vergangene Militärkarriere von Davies. Auf dem Tisch im Besprechungsraum steht ein originaler Panzerschützenhelm nach NATO-Standard. "Ganz so wie es die Mannschaft in einem echten Panzer auch trägt", erklärt uns der Chefprogrammierer und lädt zur Anprobe ein.

Digitale Panzer – Eine Wissenschaft für sich

Unser nächster Zwischenstopp auf der Studio-Tour führt uns in die Abteilung, in der die Attribute der Panzer bestimmt werden. Dabei handelt es sich beispielsweise um die Durchschlagskraft der Geschosse oder die Panzerung von verschiedenen Modellen. Ein Mitarbeiter sitzt hier vor seinem Rechner, auf dem jede Menge umfangreiche Tabellen zu sehen sind. Glaubt uns an dieser Stelle, dass diese nichts mit unser aller privaten Tabellen zu tun haben. Hierbei handelt es sich um nahezu endlos scheinende Datensätze, die voller Details stecken. Auf den Monitoren sehen wir Aufzeichnungen von Servern aus jeder Weltregion. Eine wahre Datenflut, wenn man so möchte. Hier sehen die Verantwortlichen etwa, welche Panzer mit welcher Munition am liebsten von den Spielern genutzt werden oder wie viel Schaden im Durchschnitt verursacht wird.

Diese ganzen Daten werden dazu verwendet, um Armored Warfare auszubalancieren. Zu starke Artillerie wird beispielsweise heruntergestuft, oder die Panzung eines zu schwachen Panzers, der sich als Nachteil im Spiel herausstellt, durch einige Klicks und Zahlenwerte optimiert. In Kombination mit der Auswertung des Feedbacks der zahlreichen Spieler weltweit, entsteht so ein Spiel, das Spaß macht, herausfordernd und ebenso fair ist, genau so wie es auf die Bedürfnisse seiner User ausgelegt ist. Die Anforderungen seiner Spieler zu bedienen und es für jedermann zugänglich zu machen ist das Credo des Teams hinter Armored Warfare. Ungereimtheiten bekommen die Obsidian-Jungs und -Mädels sofort als unverblümte Meinung der User zugespielt. Und es gibt nichts Schlimmeres, als eine unzufriedene Kundschaft, respektive Spielerschaft.

Obsidian Entertainment und Armored Warfare – eine gut geölte Maschine auf Hochtouren

Fassen wir unsere Eindrücke der spannenden Studio-Tour bei Obsidian zusammen und verschaffen uns einen abschließenden Überblick über Armored Warfare, können wir Folgendes behaupten: Obsidian Entertainment ist ein gut geölter Motor. Die enge Zusammenarbeit der Abteilungen, die zahlreichen Analysen und die Priorität aufs Spieler-Feedback sowie der Wille und die Fertigkeit echte Panzer detailgetreu im Spiel abzubilden, ist der Brennstoff dafür. Uns erwartet in Zukunft noch einiges an Neuerungen, wie beispielsweise neue Tier 9-Panzer, frische Spielmodi und Optionen (Stichwort: Panzertarnung) im Spiel. Bei dieser Sorgfalt, die Obsidian bei der Entwicklung und Betreuung des Titels an den Tag legt, können wir mit aufrichtigem Gewissen behaupten, dass goldene Zeiten vor der Türe stehen.