Autor: Nedzad Hurabasic

Actionspiele, die sich vor allem durch ihre Beliebtheit im Mehrspieler-Modus auszeichnen, gibt es nicht erst seit »Battlefield 2«. Schon 2001 konnte der Entwickler Bohemia Interactive mit »Operation Flashpoint« einen Hit landen und die Fans von realistischen Taktik-Shootern begeistern.

Nicht zuletzt die Möglichkeit, mithilfe des umfangreichen Editors beliebig viele individuelle Karten anzufertigen, hat dem Spiel eine große Fanbasis beschert. Nun wurde mit »Armed Assault« ein Spiel veröffentlicht, das zwar irgendwie der Nachfolger ist, aber dann doch wieder nicht. Warum das so ist, sagen wir euch in unserem Test.

Arma: Armed Assault - Trailer2 weitere Videos

Warum's kein Nachfolger ist...
»Armed Assault« wurde zwar erneut von Bohemia Interactive entwickelt, darf aber aus rechtlichen Gründen nicht »Operation Flashpoint 2« heißen. Der Grund: Codemasters hat sich den Namen gesichert und will in naher Zukunft selbst Teil zwei herausbringen. Die Tatsache, dass die Spieleschmiede zwar die »Flashpoint«-Engine weiterentwickelt, aber kein völlig neues Spiel erschaffen hat, spricht allerdings eher für eine Erweiterung oder eine Art »Operation Flashpoint 1.5«. Dass diese Sichtweise nicht ganz unbegründet ist, haben wir auch während unseres Tests bestätigt gefunden.

Arma: Armed Assault - Fünf Jahre nach Flashpoint: Hat Bohemia erneut die Multiplayer-Referenz erschaffen?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 56/621/62
Wir platzieren eine Sprengladung...
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die Hintergrundgeschichte des Spiels bietet nicht viel Spannung, wiederkäut sie doch den Konflikt des Kalten Krieges, bei dem sich US-Truppen den bösen kommunistischen Soldaten entgegen stellen müssen. Hier versetzt man euch auf die Insel Sahrani, ein 400 Quadratkilometer großes Eiland irgendwo zwischen hier und nirgends mitten im Atlantik. Die Insel ist geteilt in den kommunistischen Norden und den von den USA unterstützen Süden. Wer da Parallelen zur koreanischen Halbinsel sieht, liegt gar nicht mal so falsch.

Natürlich schlüpft ihr in die Haut der »guten« GIs und verteidigt die Freiheit der Welt. O.K., haben wir schon tausend Mal gehört und genau so oft gespielt. Bevor wir uns aber daran machen, gegen die »Achse des Bösen« anzutreten, steht zunächst der Besuch des Ausbildungslagers auf dem Stundenplan. Nicht nur für Anfänger, auch für »Operation Flashpoint«-Veteranen gehört dieser Schritt sicherlich zum Pflichtprogramm.

Packshot zu Arma: Armed AssaultArma: Armed AssaultErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Auch mit Grundausbildung kein Zuckerschlecken
Schon in den ersten Minuten der Grundausbildung zeigt sich, dass »Armed Assault« - wie zuvor »Operation Flashpoint« - kein einfach zu beherrschendes Spiel ist, das sich weitaus mehr als Genre-Konkurrenten wie »Battlefield 2« an der Realität orientiert. Ihr steuert eure Spielfigur wahlweise aus der Ego-Perspektive oder aus der Schulter-Ansicht. Womit man besser klarkommt, ist natürlich Geschmackssache.

Arma: Armed Assault - Fünf Jahre nach Flashpoint: Hat Bohemia erneut die Multiplayer-Referenz erschaffen?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 56/621/62
Der Anschlag auf einen Konvoi muss gut vorbereitet sein, sonst hat man als Einzelgänger keine Chance!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Bewährt hat sich das Umschalten auf die Beobachter-Kamera beim Laufen und auch bei der Benutzung von Fahrzeugen. In den Gefechten macht sich naturgemäß die First-Person-Ansicht besser. Wie sehr sich das Spiel dem Realismus verschrieben hat, zeigt sich allein schon beim Wechseln der Waffen oder auch dem Nachladen. All das dauert im Vergleich zu anderen Shootern eine kleine Ewigkeit. Kurz mal vom Raketenwerfer auf das Sturmgewehr wechseln? Vergesst es!

Das ganze Prozedere dauert locker fünf Sekunden. Zeit, die ihr in »Armed Assault« in direkten Auseinandersetzungen mit der äußerst zielsicheren KI sehr selten bekommt. In der Rekrutenausbildung lernt ihr aber nicht nur den korrekten Umgang mit den verschiedenen Waffensystemen und das Steuern der Panzer sowie der schwer zu beherrschenden und widerborstigen, aber sehr schlagkräftigen Helikopter. Auch die äußerst komplexen Gruppenführer-Befehle, mit denen ihr eine Reihe von Soldaten eures Einsatzteams kommandieren könnt, stellen euch zu Beginn vor besondere Herausforderungen. Das heißt, wenn ihr nicht an der hoffnungslos überfrachteten Steuerung verzweifelt, die in mehreren Verzeichnisbäumen über die Tastatur abgerufen wird.

Dabei ist es möglich, einzelnen Soldaten oder neuerdings dem kompletten Squad unterschiedliche Befehle zuzuweisen. Dafür müsst ihr euch aber durch das unübersichtliche Menüsystem hangeln. Im Eifer des Gefechts dabei den Überblick zu behalten, grenzt schon ans Übermenschliche. Selbst nach einigen Stunden Übung und etlichen Versuchen, die Tastenbefehle individuell anzupassen, will sich keine Besserung einstellen.

Arma: Armed Assault - Fünf Jahre nach Flashpoint: Hat Bohemia erneut die Multiplayer-Referenz erschaffen?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 56/621/62
Der gegnerische Teamführer wird gleich ins Gras, ähm, in den Sand beißen...
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Bei der Wahl der Spielmodi habt ihr abgesehen vom Tutorial die Qual der Wahl: Stürzt ihr euch lieber in die Einzelspieler-Kampagne, absolviert ihr lieber unzusammenhängende Einzel-Missionen oder soll's doch der Mehrspieler-Modus sein, der auch Koop-Aspekte enthält? Wen das alles nicht befriedigt, kann sich auch dem Editor widmen. Dieser gibt der großen »Operation Flashpoint«-Community das Tool an die Hand, sich selbst mit jeder Menge selbst generierten Inhalten zu versorgen. Wie zuvor ist der komplizierte Editor auch diesmal für Anfänger wenig geeignet und setzt detaillierte Vorkenntnisse voraus.

Latschen, Warten, Abkratzen
Bei der 26 Missionen umfassenden Kampagne habt ihr bei jedem Schritt die Wahl zwischen drei verschiedenen Missionen. Optional stehen neben der Hauptmission weitere zwei Nebenaufgaben zur Verfügung. Für das Voranschreiten der Geschichte müsst ihr lediglich die Hauptaufgabe lösen. Allerdings macht ihr euch das Leben in den Haupt-Missionen leichter, wenn ihr eine der Nebenaufgaben löst.

Diese bestehen meist daraus, Konvois und Versorgungseinrichtungen des Feindes zu zerstören oder in Nacht- und Nebel-Aktionen für Nachschub zu sorgen - mit unmittelbaren Auswirkungen auf die Hauptaufgabe, in der eure Widersacher dann geschwächt und/oder ihr gestärkt werdet. Die große Kunst in »Armed Assault« besteht jedoch darin, die Gefechte überhaupt zu überleben. Wie schon erwähnt erweist sich die feindliche KI als höchst treffsicher. Manchmal genügt bereits ein Schuss aus dem Hinterhalt, um euch ins Jenseits zu befördern.

Arma: Armed Assault - Fünf Jahre nach Flashpoint: Hat Bohemia erneut die Multiplayer-Referenz erschaffen?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 56/621/62
Sobald ein Feind erspäht ist, wird dies automatisch angesagt. Schießen müsst ihr aber selbst.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Wie frustrierend, aber auch spannend das sein kann! Da soll man beispielsweise als Einzelkämpfer einen ganzen Konvoi auseinander nehmen. Aufgrund des realistischen Gameplays erstrecken sich die Einsätze oft über dutzende Kilometer auf der riesigen Insel. Das heißt, ihr müsst oft und viel laufen oder fahren, ohne dass etwas anderes passiert. Dann wartet ihr darauf, dass der Konvoi angefahren kommt, habt in der Zwischenzeit noch fix das Gebiet vermint, und plötzlich macht es »Bumm!«, und der gegnerische Schützenpanzer geht in Flammen auf.

Schon prasseln die ersten Geschosse auf euch ein, und die feindliche Übermacht setzt euch mächtig zu. Da passiert es auch häufig, dass schon ein Treffer ausreicht, um euch den Garaus zu machen. 15 Minuten Vorbereitung für die Katz! Ihr könnt zwar zwischendurch den Spielstand sichern, doch das hilft auch nicht unbedingt weiter. Genauso wenig wie die Tatsache, dass die eigenen Waffen eine recht schwache Präzision aufweisen, was sich vor allem dadurch bemerkbar macht, dass die meisten Gefechte über Distanzen von mehreren hundert Metern ablaufen und das Zielen somit erheblich erschwert wird.

Technische Probleme zuhauf
Bei Einsätzen, in denen ihr an der Seite von Teamkameraden agiert, dürft ihr im Falle des Ablebens eurer Spielfigur die Kontrolle über einen KI-gesteuerten Soldaten übernehmen und somit die Mission fortführen. Allerdings vergällen trotz eines pünktlich zum Release des Spiels erschienenen ersten Patches noch immer eine Reihe von technischen Unzulänglichkeiten das Spielvergnügen. Auch nach dem Aufspielen des Updates ist die Framerate eher als bescheiden zu bezeichnen. Vor allem im Mehrspieler-Modus leidet das Spiel an deutlichen Lags und Verbindungsabbrüchen.

Arma: Armed Assault - Fünf Jahre nach Flashpoint: Hat Bohemia erneut die Multiplayer-Referenz erschaffen?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 56/621/62
Der Serverbrowser hätte auch auf einem C-64 nicht schlechter ausgesehen...
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Zudem ist der Serverbrowser völlig misslungen und erinnert an Spiele von anno dazumal. Oft wartet man minutenlang, bis eine Spielsitzung zustande kommt, nur um kurz darauf wieder vom Server zu fliegen. Mit Aussetzern ist leider auch die KI gesegnet. Mal reagieren eure Kameraden gar nicht auf Befehle, dann wieder putzen sie das feindliche Regiment im Alleingang weg. Zudem kommt es vor, dass ihr bei geskripteten Fahrmissionen ewig untätig rumsitzen müsst, weil die KI-Fahrer minutenlang den Weg nicht finden. Glücklicherweise konnten zumindest die arg störenden Texturprobleme behoben werden, und auch die meisten fehlerhaften Skripte scheinen nun korrekt abzulaufen, sodass Missionen nicht einfach abgebrochen werden bzw. nicht weitergespielt werden können.

Arma: Armed Assault - Fünf Jahre nach Flashpoint: Hat Bohemia erneut die Multiplayer-Referenz erschaffen?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 56/621/62
"Do you speak English?" - "Aber klaro."
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Auch der Engine merkt man an, dass sie schon fünf Jahre auf dem Buckel hat. Steht auf der Verpackung noch »Vielseitige Tier- und Pflanzenwelt« kann das nur im Vergleich zu »Operation Flashpoint« gemeint sein. Die Landschaft von »Armed Assault« lädt mit ihrer oft eher kargen und leblosen Szenerie nicht eben zu einem Picknick ein, wirkt aber in anderen Fällen durchaus zufrieden stellend. Dafür sind die Fahrzeug-Modelle ziemlich gut gelungen und wirken authentisch. Unverständlich ist, warum die Sprachausgabe ständig zwischen Deutsch und Englisch pendelt. Stellt die Reporterin in den Zwischensequenzen die Fragen noch auf Deutsch, antworten die Gesprächspartner auf Englisch. Merkwürdig und inkonsequent.