Glückwunsch, Bohemia Interactive. Euer Arma 3 ist ein glanzvoller Albtraum für Spieletester. Ich fühle mich, als hätte man mir die Schlüssel zu einem Freizeitpark geschenkt, dessen Attraktionen erst in den nächsten Monaten fertig werden. Vorerst haben die Entwickler auf dem soliden Engine-Fundament nur ein paar Buden zurechtgezimmert. Ab Oktober wird die Kampagne in drei kostenlosen DLCs nachgereicht. Der Rest des Spiels ist eine geschäftige Baustelle, auf der sich die Community die Finger wund schuftet - und offenbar Spaß dabei hat. Aber wie soll man kurz nach Release eine vernünftige Wertung darauf stempeln?

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Kostproben und Schießstände

Wer sich Arma 3 kauft, muss sich bewusst sein, dass der Titel vor allem als Plattform verstanden werden will. Schauplatz des Ganzen sind zwei wahnsinnig authentische und riesige Sandbox-Inseln, Stratis und Altis. Die größere, Altis, umfasst satte 270 Quadratkilometer. Da können sich Modder nach Herzenslust austoben. Bohemia Interactive nahm sich für das Eiland die griechische Insel Limnos zum Vorbild - was nicht ganz problemlos über die die Bühne ging. Vielleicht habt ihr von den beiden tschechischen Entwicklern Ivan Buchta und Martin Pezlar gehört, die wegen Spionageverdachts für 128 Tage in griechischer Haft saßen, nachdem sie militärische Einrichtungen auf Limnos fotografiert haben sollen.

Arma 3 - Viel Potenzial - aber ein fertiges Spiel wäre auch nicht schlecht gewesen

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Die Größe und Detailliertheit der Spielwelt ist einzigartig.
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Nichtsdestotrotz hat sich die umfangreiche Recherche offensichtlich gelohnt. Da summt und brummt es im authentischen Mittelmeer-Gehölz, Hasen hoppeln über grasbewachsene Hügel, hie und da stehen Bauruinen, Siedlungen und Felsen bieten Orientierung in der Pampa. Die Insel mit ihren weiten Ebenen, Gebirgen und interessanten Details wie einem Salzsee, überzeugt bei Tag und bei Nacht, zu Lande und unter Wasser.

Wechselnde Witterung und eindrucksvolle dynamische Lichteffekte tragen ihr Übriges zum stimmigen Gesamteindruck bei. Darüber hinaus wirken die Bewegungen der Soldaten jetzt lebensechter im Vergleich zum Vorgänger, die Fahrzeuge bekamen eine neue Physikengine verpasst, Staub- und Rauchschwaden wallen realistisch übers Schlachtfeld und rauben euch die Sicht.

Diese prächtigen Landmassen fordern allerdings ihren Tribut - man braucht ein potentes System mit starker Mehrkern-CPU und Grafikchips jenseits einer GTX 570 oder HD 6950, um auch mit hohen Einstellungen Freude an der detailreichen Optik, den eindrucksvollen Effekten und der immensen Sichtweite der Real Virtuality 4 Engine zu haben.

Packshot zu Arma 3Arma 3Erschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Dankbarerweise lässt sich im Optionsmenü eine Menge schrauben und optimieren, so dass man mit einigen Abstrichen auch auf nicht mehr ganz taufrischen Systemen in den Krieg ziehen kann, wobei in Mehrspielergefechten die Framerate trotzdem häufiger in den Keller geht. Das könnte aber auch an den Servern liegen.

Arma 3 ist im jetzigen Zustand weniger fertiges Spiel als vielmehr eine vielversprechende Plattform für Mods der Community. Daher enthalten wir uns bis auf Weiteres einer Wertung.Fazit lesen

So üppig sich die Macher mit Ruhm bekleckern, was die Optik angeht, so dürftig statten sie das Spiel zum Release mit Inhalten für Solospieler aus. Nach dem Motto: "Die Community wird's schon richten." Mitgeliefert werden 15 Showcase-Szenarien, in denen die neuen Möglichkeiten der Engine durchdekliniert werden und die sich eher an Einsteiger richten. Man bekommt da einen netten Vorgeschmack - von einer typischen Infanterie-Mission über einen Tauchgang samt Minenbeseitigung, einem Einsatz zum Erlernen von Team-Befehlen und dem Umgang mit gepanzerten Vehikeln über Nachtmissionen, Drohnenflügen und den Einsatz schwerer Helikopter.

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Die KI verhält sich bisweilen seltsam - Arma 3 ist eindeutig ein Mehrspieler-Titel.
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Nebenbei kann man sich mit der Steuerung seines Soldaten und der Fahrzeuge beschäftigen - was umfangreicheres Tastengeklimper erfordert als in anderen Shootern. Kriechen, knien, leichte Neigung links und rechts, alternative Sichtmodi, Luft anhalten, Sprints, bis euer Recke aus dem letzten Loch pfeift und pausieren muss - man braucht seine Zeit, sich an die Befehlsflut zu gewöhnen. Zum Glück darf man die Steuerung nach Belieben modifizieren. Mich persönlich nervte darüber hinaus das umständliche Inventarsystem und das kontextsensitive aber störrisch zu bedienende Interaktionsmenü.

Schlaue Soldaten gesucht

Wer die Fahrzeuge und Waffen der drei Fraktionen NATO, CSAT und AAF in aller Ruhe unter die Lupe nehmen will, kann das auf drei "Waffenmessen" tun - da stehen die ganzen militärischen Schätze einfach in der Gegend herum und warten auf einen Testlauf. Sollte euer Klickfinger etwas eingerostet sein, könnt ihr eure Fähigkeiten unter dem Punkt Challenges auf verschiedenen Schießständen verbessern. Das war es dann aber auch schon mit den Einzelspieler-Inhalten seitens Bohemian. Wer mehr möchte, muss sich auf den Steam-Workshop und die "Scenarios" verlassen - hier gibt es reichlich Stoff.

Was leider unangenehm auffällt, ist die unausgewogene KI der Feinde und eurer Kameraden. Bei der Wegfindung eurer künstlichen Kumpels hapert es gelegentlich. Da will man zum Beispiel sein Team geschickt auf der Übersichtskarte in die Flanke des Feindes dirigieren und die Typen laufen dem Gegner stattdessen vors Fadenkreuz. Sinnloses Ballern auf viel zu weit entfernte Ziele ist ebenfalls eine Spezialität eurer Leute, wenn ihr sie nicht rechtzeitig mit dem umständlichen Befehlsmenü zurückpfeift.

Feindliche Soldaten sind entweder teilnahmslose Zielscheiben mit Präsentierteller unter den Sohlen, die brav auf ihren Blattschuss warten oder aber adleräugige Superkiller, die euch mit einem rostigen Sturmgewehr noch aus zwei Kilometern Entfernung die Augenbrauen stutzen. Es gibt Momente, da werfen sie sich hinter Deckung und nutzen das Terrain, dann wieder rennen sie sinnlos im Kreis oder lassen sich widerstandslos überfahren.

Nicht schlimm, sollte man meinen, schließlich ist Arma 3 ja hauptsächlich für den Mehrspieler-Modus da. Hier wären die offiziellen Mehrspielerszenarien der Entwickler, wie zum Beispiel der Koop-Modus "Escape from…", in dem man mit seinem maximal zehnköpfigen Team von einer der beiden Inseln entkommen muss. Diese Modi leiden allerdings sehr unter der durchwachsenen KI.

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Statt selbst genügend Inhalte zu liefern, vertraut Bohemia auf die Kreativität der Community.
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Alternativ gibt es die diversen Mods der Community zu entdecken. Besonders beliebt ist Wasteland - hier werden hunderte Spieler zugleich auf die komplette Sandbox losgelassen, bilden Teams und erledigen spontan Aufträge. Leider ist die Serverliste aktuell ziemlich unzugänglich. Welche Mod-Version sich hinter welchem Server verbirgt und ob die nun taugt oder nicht, muss man wohl oder übel ausprobieren, was angesichts der schieren Masse an Varianten ziemlich mühsam ist.