Manchmal stellt man sich als verantwortungsbewusster Redakteur die Frage, welchen Sinn ein Preview haben soll. Natürlich wollen wir in erster Linie unsere Leser über einen neuen Titel informieren und Publisher wollen damit den Heißhunger auf ihr Produkt wecken. Doch wie soll man auf faire Weise ein Spiel wie Armed Assault 2 (ARMA 2) vorstellen, bei dem das Begleitschreiben über ein Dutzend Bereiche auflistet, die noch "deutlich verbessert werden sollen"?

Von der KI, den Animationen über Soundeffekte, Framerate, Missionslogik bis hin zu grundlegenden Spielabläufen betrifft das praktisch alle wesentlichen Inhalte der Militärsimulation. Dabei dachten wir nach unserer ersten Preview im Herbst, dass Entwickler Bohemia Interactive jetzt angesichts der sich abzeichnenden Veröffentlichung bereits deutlich weiter sein müsste...

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Auf ins Boot-Camp

Auf den ersten Blick macht die Preview-Fassung nach der problemlosen Installation einen runden Eindruck. Die Titelmusik ballert knackig aus den Boxen und wir können uns zwischen Singleplayer- und Multiplayer-Einsätzen entscheiden - letzteres Feature muss aufgrund der momentan verständlicherweise sehr beschränkten Teilnehmerzahlen jedoch vernachlässigt werden. Die grundlegende Funktionalität von Armed Assault 2 lässt sich im Einzelspieler-Modus allerdings auch sehr gut ausprobieren.

Arma 2 - Appell an die Entwickler: Bitte macht ArmA 2 bugfrei!

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Ab sofort gehören auch Zivilisten zum Inventar von ARMA 2.
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Wir haben die Auswahl zwischen "Kampagne", "Szenarios", "Boot Camp", "Armory" und "Editor". Neulinge erfahren im Boot Camp alles Wesentliche über ARMA 2 und können sich mit den generellen Abläufen des Taktik-Shooters vertraut machen. Von der Schießrampe über Erste-Hilfe-Maßnahmen bis hin zu Vehikel-Steuerung und Erlernen der Kommando-Struktur werden alle wichtigen Spielelemente abgedeckt.

Im Mittelpunkt stehen jedoch die erstmals zusammenhängende Kampagne sowie die aus Einzelmissionen bestehenden Szenarios. Ihr werdet dabei als Mitglied des Aufklärungstrupps Team Razor aktiv, das im NATO-Auftrag daran beteiligt ist, das Pulverfass "Chernarus" zu befrieden. Parallelen zum Georgienkonflikt sind unübersehbar und der geopolitischen Lage in der Realität offensichtlich nachgebildet. Bereits der erste Auftrag führt uns mitten hinein ins Krisengebiet der umkämpften Region, aber auch der softwarebedingten Stolperfallen.

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Trotz Realismus kommt die Atmosphäre nicht zu kurz.
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Der Auftakt gestaltet sich atmosphärisch. Ganz im Stile einer verborgen agierenden Einheit werden wir mitten in der Nacht mit einem Helikopter im Niemandsland abgesetzt und bringen die Nachtsichtgeräte zum Einsatz. Dadurch entgehen uns zunächst Details der durchaus ansehnlichen Umgebung und die auffälligen dynamischen Schatten-, Licht- und Wettereffekte. Wobei man sich immer die Größe des Schlachtfelds vor Augen halten muss: Für eine 225 Quadratkilometer große Fläche ist die Optik schon ziemlich zufrieden stellend.

Man Down!

Doch trotz behutsamer Vorgehensweise sind die ersten Konflikte mit marodierenden feindlichen Truppen schnell unausweichlich und decken die in dieser Spielversion noch reichlich vorhandenen Schwächen der Militärsimulation schonungslos auf.

Aufgrund des nach wie vor hohen Realitätsanspruchs von ARMA 2 scheitert die Mission schon nach wenigen Momenten durch eigene Unachtsamkeit und wir sterben einen schnellen Bildschirmtod. Zu schnelles Voranpreschen hat uns in einen kleinen Hinterhalt laufen lassen, unsere vier Kameraden konnten uns nicht mehr aus der Patsche helfen. Hier fällt jedoch auch erstmals das Speicher- und Ladesystem negativ auf: Zwar kann man ab sofort jederzeit speichern, jedoch nur einen Spielstand anlegen, der immer wieder überschrieben wird. Sollte die Mission scheitern und man stoppt das Spiel nicht umgehend, um den eigenen Spielstand zu laden, muss man trotzdem ganz von vorn beginnen und kann den zuletzt gesicherten Fortschritt nicht mehr nutzen.

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Einzelgänger haben kaum eine Chance, Teamwork ist das Mittel zum Erfolg.
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Um einen solchen Speicherstand abzurufen, muss man sich außerdem durch diverse Menüs hangeln. Wenn man sich außerhalb der jeweiligen Kampagne oder des Szenarios bewegt, ist ein direkter Zugriff nicht möglich. Insgesamt wirkt das gesamte System wenig durchdacht und kaum spielerfreundlich.

Neuladen müssen wir allerdings meist nicht aufgrund eigener Unzulänglichkeiten, vielmehr machen uns die KI-Kameraden ein ums andere Mal einen Strich durch die Rechnung. Da man das eigene Squad in den Kampagnenmissionen nicht anführt, rennen die Teammitglieder immer wieder in ihr eigenes Verderben. Dann heißt es "man down", was zum sofortigen Missionsabbruch und entsprechendem Neubeginn führt (wenn man nicht schnell genug den eigenen Spielstand neu lädt ...).

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Die KI ist noch ein großer Knackpunkt.
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Doch nicht nur die befreundeten Einheiten haben deutlichen Nachholbedarf in Sachen intelligenter Kriegsführung, auch die Feinde stellen sich häufig alles andere als geschickt an. Und das, obwohl Entwickler Bohemia gerade die verbesserte KI in seiner Präsentation deutlich hervorgehoben hat. Die Mikro-KI-Kontrolle soll demnach dafür sorgen, dass Soldaten offenes Gelände meiden, selbstständig Deckung suchen und zentimetergenau navigieren.

Was mache Strunz?!

Leider ist häufig genau das Gegenteil der Fall. Feindliche Truppen rennen herum wie ein Hühnerhaufen oder stehen völlig teilnahmslos in der Gegend herum und lassen sich so widerstandslos abknallen wie Zielscheiben. Dann wieder legen sie sich zwar deckungsuchend hin, realisieren aber scheinbar nicht, dass sie mitten auf einer Straße liegen. Ähnliche KI-Aussetzer verhindern auch des Öfteren das Vorankommen unserer Mission. Erst wenn für uns unbekannte Parameter erreicht werden, gibt der kommandierende Offizier weiterführende Instruktionen.

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Das Handling der Flugvehikel erweist sich noch als ziemlich störrisch.
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Doch dummerweise bleiben unsere Kameraden immer wieder apathisch in der Umgebung stehen und reagieren einfach nicht mehr. Einzige Abhilfe: Wir nieten den passiven Freund eigenhändig um, schleppen ihn einige Meter weiter, beleben ihn mithilfe des neuen Verletzungssystems wieder und triggern auf diese Weise irgendwann den Punkt, an dem er wieder reagiert. Wenn wir Glück haben, gibt der Teamführer dann den Befehl zum Vorrücken...

ArmA 2 hat das Potential zur überragenden Militärsimulation - wenn die Entwickler dem Titel genug Zeit einräumen.Ausblick lesen

Auch wenn man uns, wie oben angedeutet, im Vorfeld auf mögliche Probleme hingewiesen hat, überrascht zu diesem Zeitpunkt das Ausmaß der Patzer. Obwohl es noch keinen offiziellen Release-Termin gibt, war bisher vom Mai als Veröffentlichungszeitpunkt ausgegangen worden.

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Semper fi! Kameraden helfen einander.
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Bohemia hat sich sichtlich Mühe gegeben, seine Militärsimulation weiterzuentwickeln - obwohl ARMA2 auf derselben Kerntechnologie aufbaut, wie sein Vorgänger. So bietet man diesmal nicht nur eine zusammenhängende Story-Kampagne, sondern auch eine Reihe fakultativer Nebenquests (z.B. die Aufdeckung von Kriegsverbrechen) und ein rudimentäres Konversationssystem, bei dem die Zivilisten-Charaktere Fragen über feindliche Truppen oder Positionen beantworten können.

All das erweitert eure Möglichkeiten und verstärkt den Realismus-Anspruch der Macher, die bekanntlich in Konkurrenz zu Flashpoint 2 von Codemasters stehen, das im Sommer erscheinen soll. Trotzdem bleibt die Simulation in vielerlei Aspekten auch einfach nur Spiel, wenn es gilt, unnötigen Firlefanz zu minimieren. Als folgerichtige Konsequenz gibt es beispielsweise absichtlich keine 30-minütige Checklist, bevor man mit einem Flieger abheben darf.

Stotternder Preview-Motor

Leider stottert ARMA 2 in unserer Preview-Version tatsächlich noch an allen Ecken und Enden, wobei die erwähnten KI-Probleme bei Weitem die auffälligsten und störendsten sind. Obwohl das Befehls-Interface überarbeitet worden ist, wirkt es noch immer sehr unzugänglich und lässt sich nicht intuitiv bedienen. Bis man im Eifer des Gefechts in der richtigen Rubrik der verschachtelten Kommandostruktur gelandet ist, kann es auch schon zu spät sein.

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Im Tiefflug über'n Rübenacker.
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Auch bei der Steuerung der Vehikel sehen wir noch jede Menge Nachholbedarf. Positiv sei zunächst vermerkt, dass die Verwendung des 360-Pads völlig problemlos vonstatten geht (inklusive entsprechender Symbolik). Das Spielgerät wird sofort erkannt, sofern man es statt Maus/Tastatur einsetzen möchte. Vor allem das Handling der Luftfahrzeuge erweist sich momentan noch als sehr holprig und gelingt mit dem Pad noch halbwegs passabel, während uns die Kontrolle von Hubschrauber/Jet per Maus immer wieder entgleitet und wir mehr Abstürze hinlegen, als durch die Luft zu fliegen.

Die Vehikel reagieren insgesamt sehr schwerfällig, ja geradezu bockig auf unsere Eingaben. Dank der "Armory", die praktisch eine Enzyklopädie aller im Spiel befindlichen Inhalte darstellt, kann man abseits des Missionsstresses jedes Fahrzeug und jede Waffe in aller Ruhe ausprobieren. Durch verschiedenste "Herausforderungen" schaltet ihr dabei den Zugriff auf weitere Waffensysteme frei.

Letztendlich kann man sich jedoch auch nach längerer Spielzeit nur schwer an diese Art der Fahrzeugsteuerung gewöhnen. Hier besteht aus unserer Sicht dringender Handlungsbedarf. Die anderen Schwächen der Preview-Version, wie häufige Pop-ups, Soundprobleme, Clippingfehler, lassen sich vermutlich vergleichsweise einfach beseitigen und gehören in die Rubrik "Feinschliff".