Virtuelle Gegner über den Haufen zu schießen, ist für Zocker mitunter die leichteste Übung. Fast mechanisch betätigt man die linke Maustaste und schon fallen die Gegner wie die Fliegen. Kaum einer denkt in den meisten Shootern daran in Deckung zu gehen. Warum auch? Mit zahlreichen Power-Ups, üppig gesäten Respawnpunkten und einer Palette der tödlichsten Waffen im Repertoire lässt sich ein solches Kamikaze-Kommando rechtfertigen.

Dennoch lassen sich nicht alle Genrevertreter über einen Kamm scheren. Besonders in den letzten Jahren setzten einige Shooter-Entwickler zunehmend auf Strategie und Taktik. Man schwor dem Deathmatch-Charakter ab und war dennoch erfolgreich. Operation Flashpoint wurde 2001 millionenfach verkauft. Ähnlich verhielt es sich mit dem inoffiziellen Nachfolger Armed Assault – und das trotz zahlreicher Bugs. Wie es um den „dritten“ Teil Armed Assault 2 bestellt ist, verraten wir euch in unserem Review. Soviel sei jedoch gesagt: Der Fehlerteufel hat auch hier gewütet.

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Russisch Roulette

Es herrscht Bürgerkrieg im fiktiven Staat Tschernaurussland. Eine Gruppe Terroristen stemmt sich mit aller Gewalt gegen die Regierung und zwingt diese in die Knie. Die landeseigenen Truppen sind zerschlagen und der Konflikt scheint zu eskalieren. Es liegt nun an einer Handvoll Marines, Recht und Ordnung in die zerrüttete Region zurückbringen - und ihr seid Teil davon.

Arma 2 - Den Wald vor lauter Bäumen - und das Spiel vor lauter Bugs

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Die Ingame-Zwischensequenzen treiben die etwas dünne Story voran.
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Als Mitglied einer Spezialeinheit, die unter dem Namen „Team Razor“ operiert, müsst ihr feindliche Linien durchbrechen, Gegner ausschalten, Einrichtungen infiltrieren, Geiseln retten und nicht zuletzt ein Auge auf eure vier Teammitglieder werfen. „Eine taktische Herausforderung“, wie auf der Rückseite der Verpackung zu lesen ist. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Doch Krieg ist grausam, wie man weiß. So lässt auch Arma 2 das Spielerherz bluten, zwingt den Spieler zu kapitulieren, die weiße Flagge zu hissen. Denn: Die Kampagne ist in der offiziellen Verkaufsversion kaum spielbar. Jeder Meter der knapp 225 Quadratkilometer großen Spielwelt scheint Fehler zu beherbergen.

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Von Kantenflimmern und aufpoppender Vegetation, bis hin zu KI-Macken übelster Sorte. Die Chancen, beim Russisch Roulette zu gewinnen, stehen höher, als die Kampagne ohne Absturz zu Ende zu bringen. Aber der Reihe nach. Tauchen wir erst einmal in das Szenario ein…

Lauf geradeaus, bitte!

Der Helikopter bringt uns nahe einer weitläufigen Lichtung sicher runter. Unser Ziel liegt 300 Meter vor uns in nördlicher Richtung. Ein Blick auf Kompass und Uhr, das Nachtsichtgerät eingeschaltet und schon marschieren wir zusammen mit unseren Teamkameraden los. Wir schnappen uns noch den Laserpointer, der am Boden liegt und werden erstmals Zeuge der überladenen Steuerung. Es war schon mal einfacher, Gegenstände aufzuheben.

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Hilfe, ich blute! Schade nur, dass der KI-Kumpane grade mit etwas anderem beschäftigt ist.
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Am ersten Zielpunkt angekommen checken wir die Lage. Sektor sicher, weiter geht es. Bei Zielort Nummer zwei haben wir Feindkontakt. Von unserem Team ist weit und breit nichts zu sehen. Anstatt geradewegs auf den Zielpunkt zuzulaufen schlängeln sich die Kollegen durch Büsche, schleichen an Häuserwänden vorbei und robben langsam am Boden voran. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen uns auch die Langsamsten unter ihnen.

Der Nachfolger von Operation Flashpoint weist trotz Patches gravierende Fehler und Bugs auf. Ein Mängelexemplar sondergleichen.Fazit lesen

Die Gegner sind längst tot. Wir haben sie erledigt. Doch nicht weil wir so gute Schützen sind oder die Steuerung so verdammt einfach ist, sondern weil die feindliche KI so mies ist. Offen gesagt ist es schwieriger einen Purzelbaum zu schlagen, als die gegnerischen Pappkameraden zu verfehlen.

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Der Häuserkampf zählt noch zu den spannenderen Szenarien im sonst laschen Kampagnenverlauf.
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Viele Terroristen laufen im Zickzack über die Straßen und durch das Gestrüpp, bleiben oftmals an Häuserwänden und Autos hängen oder erscheinen urplötzlich als mit Dächern und Gegenständen verschmolzener Texturbrei. Ob man dies als „anpassbare KI“ bezeichnen soll, sei dahingestellt. Fakt ist jedoch, dass die Wegfindung katastrophale Mängel aufweist.

„Doc, bringen wir sie hier raus…“

Immerhin konnten wir es schaffen, einen Arzt aus den Fängen der Terroristen zu retten. Unmissverständlich machen wir ihm klar: „Doc, sind sie bei uns? U.S. Marines, bringen wir sie hier raus…“ Ein sprachlicher Fauxpas, der ebenfalls keine Seltenheit ist.

Die Sprachausgabe ist englisch, die Untertitel aber mehr schlecht als recht übersetzt. Zahlreiche Fehler im Satzbau, hier ein Buchstabe zu viel, da einer zu wenig – Es scheint als wäre ein Drittklässler am Werk gewesen. Zudem sorgen Bugs dafür, dass einige Sätze nicht zu Ende gesprochen werden oder die Kameraden einfach dazwischen quasseln, obwohl man sich in einem missionsrelevanten Gespräch befindet.

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Nutzt ihr das Nachtsichtgerät, so verengt sich euer Blickwinkel.
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Aber gut. Wir haben ja noch unsere Missionsübersicht mitsamt einer Karte. Hier blinkt nun eine neue Nebenmission. Der Professor braucht Geleitschutz bis zu einer abgelegenen Hütte. Kein Problem. Während sich die Kameraden verteilen, laufen wir mit dem Doc im Schlepptau los und erreichen bald besagte Hütte. Hier liefern wir den Mann in weiß ab und warten darauf, dass die Mission beendet wird.

Pustekuchen. Erst nachdem wir noch drei Mal um die Hütte herumgeschlendert sind, wird das Skript ausgelöst und der Doktor dankt uns für die Eskorte. Während er uns noch etwas über Massengräber erzählt, geben uns unsere Kollegen noch einmal ihre Position durch. Ein lautes Stimmengemurmel. Was war jetzt noch mal das nächste Missionsziel?

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Im späteren Kampagnenverlauf lassen sich sogar Transporthubschrauber fliegen.
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Naja, schauen wir eben noch einmal in die Beschreibung. Wir betätigen die „M“-Taste und schon… erblicken wir eine Fehlermeldung? „Device freed“ möchte man uns mitteilen. Verärgert notieren wir und starten das Spiel von Neuem.

Zumindest speichert ArmA 2 automatisch – dachten wir. Denn sobald wir unseren letzten Spielstand wiederherstellen wollen, stürzt das Spiel erneut ab. Angeblich ist der Speicherstand nicht auffindbar. Das verstehen die Entwickler also unter einer „taktischen Herausforderung“…

Unspielbar?

ArmA 2 mit dem Prädikat „unspielbar“ zu versehen, wäre aber sicherlich etwas zu weit gegriffen. Immerhin lassen sich gute Ansätze erkennen. Die Art, wie ihr euch hin und her schaukelnd über das Land bewegt, die raschen Blickwechsel oder das Zielen über Kimme und Korn ganz ohne Fadenkreuz - hier lässt Arma 2 seine Klasse aufblitzen. Das ist Realismus pur.

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Die immense Weitsicht ist eines der besonderen Features von ArmA 2.
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Auch das authentische Ausrüstungsrepertoire kann sich sehen lassen. Nutzt ihr beispielsweise ein Nachtsichtgerät, so verengt sich euer Sichtfeld und eure Augen müssen sich erst einmal an die Umstellung gewöhnen. Die Waffen liegen unterschiedlich in der Hand. Gewicht und Größe beeinflussen merklich die Präzision beim Schuss.

Darüber hinaus bietet euch Arma 2 die Möglichkeit verschiedene Fahrzeuge zu gebrauchen. Missionsbedingt fliegt ihr entweder einen Heli oder steuert einen Panzer durch die Stadt. Oftmals ist es am Anfang der Szenarien gar nicht ersichtlich, welche Waffe oder welches Gefährt ihr im Verlauf des Spiels nutzen könnt.

Dynamische Missionsgestaltung heißt das Stichwort. Soll heißen: Wenn ihr in einer Mission ein Scharfschützengewehr mit euch herumschleppt, könnt ihr damit rechnen, in einer Nebenmission einen Offizier aus Distanz auszuschalten. Lasst ihr das Gewehr links liegen und steigt stattdessen in einen Panzer, dürft ihr eure Kumpanen vor gegnerischen Panzerwagen schützen.

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Selbst Schumi hätte diesen Wagen nicht unter Kontrolle.
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In der Theorie sicherlich ein ordentliches Feature, welches sich aber in der Umsetzung als Mogelpackung entpuppt. Durch die überladene Steuerung und die katastrophale Wegfindung seid ihr oftmals einfach nicht schnell genug, um das jeweilige Ziel zu erreichen. So erschießt ein Kamerad eben den Offizier oder zerstört anrückende Panzer mit einer Bazooka, während ihr in einer Hauswand feststeckt.

In solchen Momenten wird man den ersten Satz dieses Abschnittes gerne revidieren. Unspielbar ist das richtige Wort für solch ein Missionsdesign. Demotivierend, wenn die KI, die nicht einmal geradeaus laufen kann, schneller am Abzug ist als man selbst. Gruppenarbeit ja, aber auf Autopilot kann gerne verzichtet werden.

Weniger ist manchmal mehr

Man hat das Gefühl, als wolle der Entwickler mit den umworbenen Features wie dem riesigen, offenen Areal und der beeindruckenden Weitsicht über die eigentlichen grafischen Mängel hinwegtäuschen. Doch die Fehler stecken im Detail und das zu Hauf. Die Texturen der verschiedenen Gebäude und der Vegetation wirken zwar von weitem durchaus ansehnlich. Tritt man jedoch näher an Häuser und Büsche heran, offenbart sich eine verwaschene Darstellung.

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Im Vergleich zur Umgebung sehen die Spielermodelle auch von Nahem gut aus.
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Auch werden Gräser in weiter Entfernung aus Performancegründen ausgeblendet. Befindet man sich aber inmitten einer Grasfläche, so kann man kaum die Hand vor Augen sehen. Die Gräser stehen zu hoch, um ordentlich zu zielen.

Hinzu gesellen sich Framerateeinbrüche auch auf leistungsstarken Rechnern, Kantenflimmern und Grafikschnitzer in Form von aufpoppender Vegetation, Gegnern und Gegenständen. Dass diese ab und an auch miteinander verschmelzen, fällt bei der Fülle an Bugs kaum noch auf.

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Nutzt ihr das Nachtsichtgerät, so verengt sich euer Blickwinkel.
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Hätten sich die Entwickler an das Motto „weniger ist mehr“ gehalten, wäre aus dem Spiel durchaus ein ansehnlicher Shooter geworden. Die Spielermodelle sind erstklassig. Ebenso können sich die Effekte sehen lassen. Unterm Strich ist auch das Areal ansprechend gestaltet, was fehlt sind Patches, Bugfixes und Performanceverbesserungen.

Beim Sound bleiben solche Schnitzer aus. Solide quasseln eure Kameraden ihren Text herunter und sind sogar ab und an zu Scherzen aufgelegt. Im Hintergrund säuseln gewohnt heroische Melodien, wenn ihr in den Einsatz zieht. Die Effekte sind zwar nicht spektakulär, aber immerhin authentisch.