Area 51 (Xbox/PC-Test)
von Patrick Streppel

Um kaum ein Thema ranken sich mehr Verschwörungstheorien als um die Militärbasis Area 51 in der Wüste Nevadas. Wurden dort Experimente an abgestürzten Aliens durchgeführt oder lediglich die ersten Kampfjets getestet? Midway

präsentiert uns seine eigene Version der Geschichte in Form eines klassischen Ego-Shooters - der trotz guter Ansätze aber leider nie über die Mittelmäßigkeit hinaus kommt.

Der US-Traditionshersteller Midway ist unter neuem Management und frischem Kapital neuerdings wieder auf Expansionskurs: Nach finanziellen Schwierigkeiten stieß man die Spielhallen-Abteilung ab und gewann mit Sumner Redstone - Hauptaktionär des Paramount- und MTV-Mutterkonzerns Viacom - einen kräftigen Geldgeber. Damit wurden eine eigene Niederlassung in Deutschland, die Übernahme dreier Studios sowie die Verpflichtung von Top-Teams wie Epic oder Stainless Steel, vor allem aber eine ganze Reihe neuer, qualitativ hochwertigerer Projekte finanziert. Ist der Turnaround geschafft? Mit Area 51 des inzwischen geschluckten Entwicklers möchte Midway den Beweis antreten, doch das Remake des 95er Lightgun-Shooters lässt noch so manchen Zweifel aufkommen.

Aliens, Viren und Verschwörungen
Die Grundidee von Area 51 ist nicht neu, doch mit dem Spielhallenklassiker hat die Handlung nur noch Fragmente gemein: Weil seine Experimente in einer Sackgasse stecken, entlässt

der geniale Wissenschaftler Dr. Cray die in der Forschungseinrichtung aufbewahrten Aliens aus ihren Gefäßen. Die grauen Wesen tragen jedoch eine schleichende Gefahr mit sich - ein von ihnen verbreitetes Virus verwandelt das Personal der Basis innerhalb kurzer Zeit zu hirnlosen Mutanten. Wie in Resident Evil genügt ein Biss, dann zählt nur noch der Wille zu töten. Ein Team wird in die Basis entsandt - und verschwindet spurlos.

Die Situation eskaliert und die US-Regierung schickt Ethan Cole und sein Team aus Spezialisten hinein. Sie sollen die Lage erkunden und wichtiges Material sicherstellen - sowie das verschwundene Team suchen. Doch während der Spieler in Coles Haut immer tiefer in die Basis vordringt, segnet ein Kamerad nach dem anderen das zeitliche - bis schließlich nur noch er übrig bleibt.

Von Gegnern umzingelt, wird der Soldat von Mutanten gebissen und so selbst vom Virus infiziert. Doch anders als bei den anderen, wird die Mutation durch einen bloßen Zufall
nicht abgeschlossen - Cole behält seine Menschlichkeit und kann vielmehr zwischen beiden Identitäten wechseln.

Das ist auch bitter nötig, denn neben den Mutanten tritt kurz darauf eine weitere Gegnerpartei auf den Plan: Die Illuminati kollaborieren seit Jahrzehnten mit den Aliens und fördern die Verbreitung des Virus um ihre Daten zu vervollständigen - natürlich haben sie kein Interesse daran, dass die Außenwelt jemals von ihnen erfährt. Dr. Cray hingegen ist fasziniert von Coles Infektion, welche der Synergie aus Mensch und Alien so nahe kommt wie noch nie. Ist der größenwahnsinnige Wissenschaftler der vielleicht einzige Verbündete? Und was hat das Alien Edgar im Sinn, das uns durch die Erscheinung in Toten mit Tipps versorgt?

Hollywood lässt Grüßen
Midway verspricht für Area 51 eine filmreife Geschichte und hat bei der Entwicklung demnach tief in die Hollywood-Trickkiste gegriffen: Das Design der Gegner stammt von Alien-Erfinder Stan Winston

und seinem Team, für die Sprachausgabe wurden Stars wie David Duchovny (Akte X) und Marilyn Manson verpflichtet und nicht zuletzt arbeitet Paramount derzeit an einer Kinoumsetzung des Stoffes. In der Tat: Die Story von Area 51 ist für einen Shooter ungewohnt vielschichtig - auf den ersten Blick.

Im Ergebnis hingegen fanden wir die Handlung, vor allem aber die Art wie sie präsentiert wird, enttäuschend schwach. Nach dem starken Spielanfang, bei dem wir mit Kollegen gemeinsam in die Basis eindringen, zieht sich die Geschichte so zäh wie ein Kaugummi - so lobenswert der Spielumfang von 38 Leveln aus spielerischer Sicht ist, so sehr hat es der Story geschadet. Ähnlich wie bei Doom 3 sind wir stets auf der Suche nach einem bestimmten Ort, nur um dann ohne Belohnung zum nächsten geschickt zu werden.

Nach dem langen und extrem schick gerenderten Intro folgen nur durchschnittliche und relativ kurze In-Game Cutszenes, zwischen den Einsätzen wird die Handlung

Area 51 - Aliens am Werk? Die größte Verschwörungstheorie als unausgewogener Shooter

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 7/111/11
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

dagegen durch Standbilder mit unterlegter Sprachausgabe von David Duchovny erzählt - der gute Mann spricht dabei aber leider so, als hätte er zuvor eine Packung Schlaftabletten geschluckt.

Geradlinige Action
Das Gameplay von Area 51 ist geradlinig und actionorientiert, ohne etwas Neues zu bieten.

Wie in Dutzenden anderen Titeln dieses Genres schießen wir uns mit den üblichen Waffen durch zahllose

Area 51 - Aliens am Werk? Die größte Verschwörungstheorie als unausgewogener Shooter

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 7/111/11
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Wellen aus immer gleichen Gegnern - entweder Mutanten, Spinnen, Aliens oder Illuminati-Soldaten, mehr Gegner-Modelle gibt es eigentlich nicht. Wenn wir an einigen Stellen hinter Geschütze steigen um Minuten lang Feindwellen wegzuputzen, erinnert das fast schon an Serious Sam, dann wiederum laufen wir durch dunkle Gänge und warten wie bei Doom 3 auf das Skript, das uns das nächste Gegnerrudel schickt - ein wenig Abwechselung hätte hier sicher nicht geschadet.

Am Anfang sind wir zwar im Team unterwegs, doch das haucht der simplen Ballerei noch keine Taktik ein. Eher im Gegenteil: Die KI-Kameraden nehmen auf uns keinerlei Rücksicht, sondern laufen automatisch zum nächsten Wegpunkt wenn wir ein Missionsziel erfüllt haben. Wer faul ist, lehnt sich zurück und lässt die Jungs ihre Arbeit machen - bis sie nach etwa einem Viertel des Spiels ihren geplanten Tod sterben. Apropos Künstliche Intelligenz: Während die Mutanten schon von Natur aus keine Leuchten sind und eher durch schnelle Sprünge gefährlich sind, haben die Illuminati-Soldaten nicht weniger Aussetzer. Mal treffen die Jungs aus 100 Metern Entfernung ohne Zielfernrohr ins Schwarze - wir selbst haben sie kaum ausgemacht als uns die Kugel trifft - ein anderes Mal töten sich die Deppen mit ihren eigenen Granaten oder durchlöchern fleißig Kollegen.

Frust statt Lust
Schwierigkeitsgrad und Leveldesign sind ebenfalls relativ unausgewogen: Mal führt uns das Spiel durch Markierungen geradlinig durch die Basis und verzeiht kaum eine Verzögerung, mal laufen wir orientierungslos umher. In einem Abschnitt treffen wir auf ein gutes Dutzend weitläufig verteilter Gegner und finden gern genauso viele Spritzen, welche unsere Lebensenergie mühelos bei 100 Prozent halten. Dann aber gibt es Momente, in denen gleich genauso viele Gegner auf einmal auf uns warten, gezielt unsere Lebensenergie schwinden lassen und wir weit und breit keine Lebensenergie finden - da wünscht man sich doch das Halo-System.

Area 51 - Aliens am Werk? Die größte Verschwörungstheorie als unausgewogener Shooter

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 7/111/11
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Besonders frustrierend wird es, wenn zeitgleich auch noch ein Schalterrätsel zu lösen ist und ein Countdown die Sekunden bis zum Game Over zählt - da beißen selbst erfahrene Zocker unnötig oft ins Gras und irgendwann auch ins Gamepad.

Soll nicht heißen, dass Area 51 besonders viel Hirnschmalz benötigt: Entweder wir springen im richtigen Timing über Laserbarrieren oder drücken in der richtigen Kombination die Knöpfe - wobei meist unnötige Laufwege die Folge sind. An einer Stelle pendeln wir gleich mehrmals Mal zwischen zwei Stationen, die an unterschiedlichen Stellen des Raumes positioniert sind und werden dabei unentwegt von neuen Gegnern beschossen - bravo!Einzig die häufig gesetzten Savepunkte retten die Frustkurve vor dem Absturz, auch wenn manuelles Speichern dadurch natürlich untersagt ist.

Halb Mensch, halb Mutant
Zu unserem Waffenarsenal gehören die üblichen Verdächtigen: Neben der Pistole haben wir von Anfang an ein schlagkräftiges Maschinengewehr, hinzu kommt bald die Shotgun. Beide Waffen lassen sich auch im Doppelpack verwenden, per Sekundärfeuer werden zwei Patronen auf einmal gefeuert oder ein wenig herangezoomt. Wer richtig nah ran will, der greift auf das Sniper-Gewehr zurück.

Nützlich ist auch der Alien-Plasmawerfer, der optional die Flugrichtung der zielsuchenden Geschosse anzeigt. Abgerundet wird das kleine Arsenal von Granaten - wahlweise handelsübliche Splittergranaten oder die Alien-Edition, die ein schwarzes Loch im Kleinformat erzeugt. Für Verschwörungsfans wichtig ist der Scanner, der bestimmte Objekte

analysieren kann und damit Extras im Hauptmenü freischaltet - für den eigentlichen Spielverlauf hat das ganze aber keine Auswirkungen, die langatmige Prozedur nimmt hingegen die Action heraus und wirkt eher störend.

Auch die einzige Innovation von Area 51 wurde von uns als nicht sonderlich hilfreich empfunden: So wird Cole nach einem Drittel des Spiels mit dem Alien-Virus infiziert und kann von nun an zwischen Mensch und Mutant "umschalten". Abgesehen von der Story-Wendung (er muss jetzt ein Heilmittel finden) heißt das im Klartext, dass wir als Mutant im Nahkampf mit einem Schlag unsere Gegner töten können - Far Cry Instincts lässt grüßen.

Waffen stehen in diesem Modus nicht zur Verfügung, dafür können wir Parasiten ausschwärmen lassen oder Gegner mit dem Virus infizieren um ihnen die Lebensenergie auszusaugen - diese Prozedur nagt allerdings an unserem Mutagen-Vorrat, den wir nur an bestimmten Leichen wieder auffüllen dürfen.Wichtiger Vorteil: Als Mutant sehen wir mit dem Infrarot-Blick getarnte Soldaten - ansonsten haben wir uns lieber für die menschliche Form entschieden, die Wandlung zum Mutanten wird vom Missionsdesign her nicht erwartet. Apropos: Obwohl wir uns die ganze Zeit über in der Forschungsbasis befinden und die Räume stilistisch zumeist gleich aussehen, haben sich die Designer doch um Abwechselung bemüht. Das Alienschiff oder die spätere Alien-Höhle unterhalb der Basis sind optisch imposante Beispiele.

Alien-Technologie?
Technisch ist Area 51 sicherlich kein Titel von einem anderen Stern. Die PS2-Version geht für die Fähigkeiten der Konsole weitestgehend in Ordnung, die deutlich aufgebesserte Xbox-Version lockt trotz detailreicherer Texturen in Zeiten von Riddick und Doom 3 niemanden hinter dem Mond hervor. Für PC-Verhältnisse ist das Spiel - ähnlich wie die meisten Konsolenumsetzungen der letzten Zeit - sogar klar veraltet, denn trotz hoher Auflösungen ist die Optik bei weitem nicht detailliert genug. Aber

Area 51 - Aliens am Werk? Die größte Verschwörungstheorie als unausgewogener Shooter

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 7/111/11
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

auch auf der Konsole trübt Kantenflimmern vor allem bei Gittern das Bild, Echtzeit-Lichteffekte sucht man vergebens. Die gelegentlichen Schattenspiele können sich zwar sehen lassen, scheinen aber vorberechnet Animationen zu sein und wirken entsprechend unecht. Gelungen sind hingegen die Explosionen sowie die vereinzelten Transparenz-Effekte wenn Alien-Technologie zum Einsatz kommt. So sind beispielsweise Ufos oft aus geringer Distanz nicht zu sehen, wenn man sie aber erst einmal betritt, sehen die virtuellen Kontrollkonsolen einfach klasse aus.

Die Soundkulisse ist insgesamt gelungen:

Die Surround-Effekte klingen gut, die Musik könnte zwar mehr Abwechselung vertragen, passt sich dafür aber perfekt dem geschehen an. Kurios: Während die englischen Star-Sprecher eher gelangweilt rüberkommen, ist die deutsche Sprachausgabe trotz unbekannter Stimmen deutlich besser gelungen. Wer eingeschläfert werden mag, schaltet bei der deutschen Version einfach auf die Original-Stimme von David Duchovny um...

Neben der Einzelspieler-Kampagne warten 14 Multiplayer-Karten für gute, aber auch nicht atemberaubende Deathmatches für zwei (Splitscreen auf Konsole) bzw. 16 (online PC und Konsole) Spieler. Wie schon bei den vorherigen Midway-Titeln befinden sich auch diesmal einige Extras auf der DVD, so z.B. ein Making-Of oder verschiedene Datenbankeinträge mit skurrilen Verschwörungstheorien, die durch das Scannen von Spielobjekten freigeschaltet werden.Pro&Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ komplexe Story mit zahlreichen Wendungen + umfangreicher Einzelspielermodus + Wechsel zwischen Mensch und Mutant + faires Auto-Save + Skurrile Verschwörungstheorien + zahlreiche Extras

Contra:
- gelegentlich frustrierende Stellen - zäh präsentierte Story - KI-Aussetzer - unausgewogenes Leveldesign - nur wenige Gegnertypen - unmotivierte Sprecher (Original-Stimmen) - für PC-Verhältnisse schwache GrafikPro&Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ komplexe Story mit zahlreichen Wendungen + umfangreicher Einzelspielermodus + Wechsel zwischen Mensch und Mutant + faires Auto-Save + Skurrile Verschwörungstheorien + zahlreiche Extras

Contra:
- gelegentlich frustrierende Stellen - zäh präsentierte Story - KI-Aussetzer - unausgewogenes Leveldesign - nur wenige Gegnertypen - unmotivierte Sprecher (Original-Stimmen) - für PC-Verhältnisse schwache Grafik